SERIE: MEHR ALS MARSCH UND KIRMES – BEITRAG 1


SERIE: MEHR ALS MARSCH UND KIRMES – BEITRAG 1
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Mehr als Marsch und Kirmes:
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Warum Schützen das Rheinland Zusammenhalten
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Wer das Schützenwesen nur am Festzug misst, sieht nur die Oberfläche. Hinter Fahnen, Uniformen und Musik steht eine Kultur des Ehrenamts, der Nachbarschaft und der Verantwortung. Veröffentlichungsfertiger Beitrag – ohne Quellenangaben im Beitrag
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Es gibt Bilder, die bleiben hängen: Uniformen, Fahnen,
Trommeln, Kirmes, Festzelt, Königspaar. Für viele ist genau
dass das Schützenwesen. Für manche ist es Brauchtum, für
andere wirkt es altmodisch. Doch diese Sicht ist zu klein. Denn
wer die Schützen nur an wenigen Festtagen sieht, beurteilt
eine jahrhundertealte Gemeinschaft nach ihrem lautesten
Moment – und übersieht das, was sie das ganze Jahr über
leistet.
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Ein Vorurteil marschiert vorneweg
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Machen wir uns nichts vor: Das Schützenwesen hat ein Imageproblem. Nicht überall, nicht bei allen, aber oft genug. Wer nicht dazugehört, sieht zuerst die Formen. Die Uniform. Den Marsch. Die Musik. Das Bier. Die Kirmes. Und schon ist das Urteil
schnell gefällt: Das ist doch von gestern. Das braucht doch heute keiner mehr. Das ist doch nur Feiern mit Fahne.
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Aber genau hier beginnt das Missverständnis. Denn ein Schützenfest ist nicht der Grund, warum es Schützenvereine gibt. Es ist der sichtbare Höhepunkt einer Arbeit, die meistens unsichtbar bleibt. Es ist die Bühne, nicht das Fundament. Es ist der Tag, an dem ein Verein nach außen tritt – nicht der Beweis, dass er nur für diesen
Tag existiert.
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Man würde auch die Feuerwehr nicht nur nach dem Tag der offenen Tür beurteilen. Man würde einen Sportverein nicht nur an der Weihnachtsfeier messen. Und man würde eine Nachbarschaft nicht danach bewerten, wie laut sie einmal im Jahr feiert.
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Warum also geschieht genau das so oft beim Schützenwesen?
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Das Fest ist der Moment, in dem sichtbar wird, was das
ganze Jahr über getragen wird.
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Der Maschinenraum des Viertels
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Das eigentliche Schützenwesen findet nicht nur auf der Straße statt. Es findet in Versammlungen statt. In Jugendgruppen. In Schießständen. In Vereinsheimen. Bei Vorbereitungen, Aufbauten, Absprachen, Besuchen, Gedenkfeiern, Hilfsaktionen und
unzähligen kleinen Diensten, die selten Applaus bekommen.
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Da sind Menschen, die Termine koordinieren, Hallen öffnen, Banner aufhängen, Technik organisieren, Listen schreiben, Anträge stellen, Jugendliche begleiten, Senioren im Blick behalten, bei Trauerfällen mitgehen und im Stadtteil ansprechbar bleiben. Vieles davon klingt nicht spektakulär. Aber genau diese unspektakuläre Verlässlichkeit ist der Kitt, der Stadtteile zusammenhält.
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In einer Zeit, in der viele über Vereinssterben, Einsamkeit, schwindendes Ehrenamt und fehlenden Zusammenhalt klagen, gibt es im Schützenwesen noch Strukturen, die Menschen binden. Nicht perfekt. Nicht ohne Reibung. Aber echt. Gewachsen. Vor Ort verankert. Über Generationen hinweg.
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Warum fast 600 Jahre nicht von allein überleben
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In Düsseldorf-Bilk wird diese Tradition seit 1445 gelebt. Diese Zahl ist mehr als Schmuck für ein Wappen. Sie ist eine Zumutung an unsere schnelle Gegenwart. Fast sechs Jahrhunderte – das bedeutet: Kriege, Seuchen, politische Umbrüche, Armut, Wiederaufbau, gesellschaftliche Veränderungen, neue Generationen, neue
Lebenswelten.
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Ein Verein übersteht so etwas nicht, wenn er nur aus Nostalgie besteht. Er übersteht es nur, wenn er immer wieder eine Aufgabe findet. Wenn Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Wenn Tradition nicht bloß konserviert, sondern weitergegeben wird. Wenn aus Erinnerung ein Auftrag wird.
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Genau das ist der Kern des Schützenwesens im Rheinland: Gemeinschaft ist nicht nur ein Wort für Festreden. Sie wird organisiert. Sie wird geübt. Sie wird getragen. Von Menschen, die nicht warten, bis sich irgendwer kümmert, sondern selbst
anfangen.
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Heimat ohne Schublade
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Der Begriff Heimat ist schwierig geworden. Manche benutzen ihn laut, manche meiden ihn vorsichtig. Doch im Schützenwesen zeigt sich eine Form von Heimat, die nichts mit Ausgrenzung zu tun haben muss. Heimat bedeutet hier nicht: Wir gegen die anderen. Heimat bedeutet: Wir kennen diesen Ort. Wir erinnern uns. Wir
übernehmen Verantwortung. Wir bleiben nicht anonym.
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Eine Fahne ist dann nicht einfach Stoff. Eine Kompanie ist nicht nur eine Gruppe in Uniform. Ein Festzug ist nicht nur Bewegung durch Straßen. All das sind Zeichen einer Zugehörigkeit, die sich über viele Jahre aufgebaut hat. Man muss diese Formen nicht alle lieben, um ihren Wert zu erkennen. Aber man sollte sie verstehen,
bevor man sie belächelt.
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Denn wer genau hinsieht, erkennt: Das Schützenwesen ist eine der ältesten Formen bürgerschaftlicher Selbstorganisation. Lange bevor moderne Schlagworte wie Community, Netzwerk oder lokale Resilienz in Mode kamen, taten diese Vereine bereits genau das: Menschen verbinden, Aufgaben verteilen, Verantwortung
sichtbar machen.
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Jugend braucht mehr als einen Bildschirm
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Besonders wichtig wird das bei der Jugend. Junge Menschen suchen Zugehörigkeit, Anerkennung, Orientierung und echte Begegnung. Natürlich findet vieles davon heute digital statt. Aber ein Verein kann etwas bieten, das kein Bildschirm ersetzt:
Man wird gebraucht.
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Wer im Schützenverein mitmacht, bekommt nicht nur ein Programm. Er bekommt Aufgaben. Er erlebt ältere Generationen nicht als fremde Welt, sondern als Menschen mit Geschichten. Er lernt, dass Respekt nicht bedeutet, immer einer Meinung zu sein. Er lernt Verlässlichkeit. Pünktlichkeit. Rücksicht. Verantwortung.
Und manchmal auch, dass man Dinge gemeinsam durchzieht, obwohl sie anstrengend sind.
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Genau diese Erfahrung ist heute kostbar. Denn Gemeinschaft entsteht nicht durch Konsum. Sie entsteht durch Beteiligung. Durch das Gefühl: Ich bin nicht Zuschauer, ich bin Teil davon.
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Auch Kritik gehört dazu
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Natürlich darf man das Schützenwesen kritisch betrachten. Jede Tradition muss sich fragen lassen, wie offen sie ist, wie modern sie kommuniziert, wie sie mit Frauen, jungen Menschen, neuen Mitgliedern und gesellschaftlichem Wandel umgeht. Akzeptanz entsteht nicht dadurch, dass man Kritik wegdrückt. Sie entsteht dadurch, dass man ehrlich erklärt, was wertvoll ist – und genauso ehrlich bereit ist, sich weiterzuentwickeln.
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Gerade deshalb braucht das Schützenwesen keinen blinden Applaus. Es braucht einen fairen Blick. Einen zweiten Blick. Einen Blick, der nicht beim ersten Klischee stehen bleibt.
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Was fehlen würde, wenn es die Schützen nicht gäbe
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Stellen wir uns einmal vor, diese Vereine wären morgen weg. Keine Menschen mehr, die den Stadtteil mitorganisieren. Keine gewachsenen Gruppen, die Generationen verbinden. Keine Ehrenamtlichen, die einfach da sind. Keine Feste, bei denen Nachbarn zusammenkommen. Keine Pflege von Erinnerung. Keine Jugendarbeit aus dem Viertel heraus. Keine stillen Helfer im Hintergrund.
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Man würde den Verlust nicht sofort in einer Statistik spüren. Aber man würde ihn im Alltag merken. Der Stadtteil würde kälter. Anonymer. Austauschbarer. Denn Stadt entsteht nicht nur aus Straßen, Häusern und Geschäften. Stadt entsteht aus
Menschen, die sich kümmern.
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Und genau darin liegt die eigentliche Bedeutung der Schützen: Sie
tragen nicht nur Fahnen. Sie tragen Verantwortung.
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Warum diese Serie nötig ist
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Diese Serie will nicht verklären. Sie will hinschauen. Sie will zeigen, was hinter dem Festzug steht, warum diese Vereine für Düsseldorf und das Rheinland wichtig sind, wo sie sich verändern müssen und warum ihr gesellschaftlicher Wert oft unterschätzt wird.
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Es geht nicht darum, jeden zum Schützen zu machen. Es geht darum, Respekt für Menschen zu schaffen, die sich ehrenamtlich engagieren, Tradition lebendig halten und ihre Stadtteile mittragen. Wer danach immer noch kritisch ist, darf kritisch bleiben. Aber vielleicht schaut er beim nächsten Festzug anders hin. Vielleicht sieht er dann nicht nur Uniformen. Sondern Jugendleiter. Nachbarn. Helfer. Organisatoren. Sportler. Seniorenbegleiter. Erinnerungsträger. Menschen, die ein Stück Düsseldorf zusammenhalten.
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Und vielleicht beginnt genau dort die Akzeptanz, die dieses Brauchtum verdient: nicht im schnellen Urteil, sondern im zweiten Blick.
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Frank & Sebastian
