🔴⚪ Arabi verweigert die Aufstiegs-Show 🔴⚪


🔴⚪ Arabi verweigert die Aufstiegs-Show 🔴⚪
– und genau das ist Fortunas bitterste Wahrheit
Es war keine Pressekonferenz der großen Versprechen. Keine Show. Kein „Jetzt greifen wir wieder an“ mit breiter Brust. Keine künstliche Euphorie für einen Verein, der gerade sportlich abgestürzt ist und wirtschaftlich blutet.
Samir Arabi saß bei seiner Vorstellung als neuer Sportvorstand von Fortuna Düsseldorf nicht auf dem Podium, um den Fans schnelle Heilung zu verkaufen. Im Gegenteil: Er verweigerte genau das, wonach sich viele nach dem Abstieg vielleicht sehnen würden – den einfachen Satz, dass jetzt alles besser wird.
„Man kann jetzt nicht hier sitzen, Bambule machen und sagen, jetzt geht’s vorwärts und alles ist toll“, sagte Arabi. Und dieser Satz war mehr als ein Einstieg. Er war die Tonlage seiner gesamten Vorstellung.
Fortuna ist abgestiegen. Aber diese Pressekonferenz zeigte: Der Verein ist nicht nur abgestiegen. Er ist in der Realität angekommen.
Denn während rund um den Klub viele sofort vom direkten Wiederaufstieg sprechen wollen, sprach Arabi von Respekt, Anstand, harter Arbeit und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Er sagte nicht: Wir steigen sofort wieder auf. Er sagte: „Wir müssen aus dieser Liga raus.“ Das klingt ähnlich, ist aber etwas völlig anderes.
Zwischen diesen beiden Formulierungen liegt die ganze Wahrheit dieser Fortuna.
Ein direkter Wiederaufstieg wäre ein Versprechen. „Wir müssen aus dieser Liga raus“ ist eine Pflichtbeschreibung. Es ist kein Jubelruf, sondern eine Diagnose. Arabi weiß, dass Fortuna Düsseldorf eigentlich nicht in die 3. Liga gehört. Er sagte selbst, diese Stadt, diese Lage, diese Möglichkeiten seien normalerweise kein Drittligafußball. Aber er machte zugleich klar: Größe allein gewinnt keine Spiele.
Sein deutlichster Satz dazu: „Ich bin nicht zu haben, um irgendwelche Luftschlösser zu bauen, weil man eine vermeintlich große Hülle hat.“
Das ist ein Satz, der sitzen muss.
Denn genau diese „große Hülle“ war vielleicht eines der Probleme der vergangenen Jahre. Stadion, Stadt, Marke, Anspruch, Vergangenheit – alles groß. Aber auf dem Platz war zu wenig davon zu sehen. Und wenn Arabi jetzt vor Luftschlössern warnt, dann klingt das auch wie eine indirekte Abrechnung mit einer Fortuna, die sich möglicherweise zu lange größer gefühlt hat, als sie sportlich tatsächlich war.
Der neue Sportvorstand wählte keine populistischen Parolen. Er sprach von Aufbau. Von Entwicklung. Von Zeit. Vom Hausbau. Und auch davon, dass Einreißen meistens schneller geht als Aufbauen. Auch das ist ein bitterer Satz. Denn Fortuna hat gerade erlebt, wie schnell sportliche Substanz, Vertrauen und wirtschaftliche Sicherheit zerbrechen können.
Noch härter wurde es, als Alexander Jobst den Restrukturierungsprozess einordnete. Es gehe „schlichtweg um den Erhalt und das Überleben der Fortuna“. Das ist keine normale Vereinsrhetorik. Das ist Alarmstufe Rot.
Besonders bitter: Der Abstieg trifft nicht nur Spieler, Trainer und Funktionäre. Er trifft Menschen, die auf der Geschäftsstelle gearbeitet haben, Menschen, die keine Transfers entschieden, keine Tore verschossen und keine Gegentreffer kassiert haben. Jobst sagte über die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: „Alle diejenigen können gar nichts dafür.“ Und Björn Borgerding wurde noch emotionaler: „Es geht hier um Mitarbeiter, die die Suppe auslöffeln müssen, die gar nichts dafür können.“
Das war einer der menschlich stärksten Momente dieser Pressekonferenz. Aber auch einer der unbequemsten.
Denn wenn Menschen ihren Job verlieren, reicht es nicht, von Verantwortung zu sprechen. Dann muss auch gefragt werden, wer diese Verantwortung wirklich trägt.
Borgerding versuchte, genau das zu benennen. Er sagte offen, dass Fehler gemacht wurden. Besonders deutlich wurde er beim Sportvorstand-Wechsel: „Wenn man im Winter einen Personalprozess führt und sich für einen neuen Sportvorstand entscheidet und fünfeinhalb oder sechs Monate später den Sportvorstand wechseln muss, dann hat man Fehler gemacht.“
Das ist ein bemerkenswert klares Eingeständnis. Aber es löst nicht alles auf. Denn Fortuna steht jetzt vor einem Widerspruch: Die Verantwortlichen geben Fehler zu, bleiben aber teilweise selbst in der Verantwortung, um die Fehler zu reparieren.
Auch Jobst sprach diesen wunden Punkt selbst an. Er sagte, er verstehe alle, die sagen: „Der Jobst muss weg, der komplette Vorstand muss weg.“ Das ist ungewöhnlich offen. Gleichzeitig erklärte er, er sei niemand, „der wegrennt, wenn es eng wird“, und wolle mit anpacken.
Zwischen den Zeilen heißt das: Fortuna versucht keinen totalen Schnitt, sondern einen kontrollierten Neustart. Der Verein setzt nicht alles auf Abriss, sondern auf Umbau unter Druck. Ob das Stärke oder Risiko ist, wird sich erst zeigen.
Sportlich ist die Aufgabe brutal. Beim Wintertransferfenster räumte Jobst ein, dass am Ende nur ein Transfer wirklich funktioniert habe. Über die gesamte Winterperiode sagte er, sie sei „nicht von Erfolg gekrönt“ gewesen, sonst säße man nicht dort. Auch Borgerding machte klar, dass intern kritisch gefragt wurde, warum in dieser Situation junge Perspektivspieler geholt wurden, statt Spieler, „die uns direkt weiterhelfen“.
Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse der PK: Fortuna weiß inzwischen sehr genau, wo es gebrannt hat. Aber die Erkenntnis kommt zu spät.
Jetzt muss Arabi aus den Trümmern einen Kader bauen. Und auch hier blieb er bewusst vorsichtig. Er sprach nicht von großen Namen, sondern von Einheit. Von harter Diskussion. Von Störfeldern, die ein Verein nicht haben darf. Sein Satz „Wir müssen in eine Richtung dribbeln“ klingt fast locker, beschreibt aber eine zentrale Krankheit vieler abgestürzter Klubs: Wenn Vorstand, Trainer, Mannschaft, Fans und Umfeld nicht mehr in dieselbe Richtung laufen, wird aus Druck schnell Chaos.
Bei Alexander Ende setzte Arabi ein klares Signal. Der Trainer bleibt. Aber auch das klang nicht nach blindem Vertrauen, sondern nach einer Prüfung. Arabi beschrieb das Gespräch mit Ende als intensiv, selbstkritisch und wichtig. Entscheidend sei gewesen, ob Ende nach dem Abstieg selbst noch die Überzeugung und Energie habe, die Aufgabe anzupacken. Arabis Fazit: Ende habe ihm dieses Gefühl vermittelt. „Deswegen ist und bleibt er unser Trainer.“
Das ist ein Bekenntnis. Aber kein Blankoscheck.
Auch bei Florian Kastenmeier blieb Arabi ehrlich. Er lobte die Identifikation des Kapitäns, sprach von einem sehr guten Gespräch und sagte: „Ich werde alles dafür versuchen.“ Aber er sagte auch, er könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös sagen, ob es klappt. Auch hier keine Show, keine Garantie, keine billige Hoffnung.
Und dann war da noch das Thema Köln. Natürlich musste diese Frage kommen. Arabi, der Rheinländer, der als Kind auch eine Nähe zum 1. FC Köln hatte. Für manche Fans ein Reizthema. Für andere eine Randnotiz. Arabi wich nicht aus. Er erzählte die Geschichte, erklärte sie – und setzte dann den entscheidenden Satz: Wenn er sich für diese Aufgabe entschieden habe, werde er sich „mit Haut und Haaren für die Fortuna zerreißen“.
Das wird er müssen.
Denn Fortuna braucht jetzt keine Symbolpolitik. Keine Luftschlösser. Keine Schlagworte. Keine Aufstiegsromantik. Fortuna braucht einen Kader, der die 3. Liga annimmt. Einen Trainer, der den Absturz abschüttelt. Einen Vorstand, der Vertrauen nicht einfordert, sondern zurückgewinnt. Und einen Verein, der versteht, dass Größe nicht behauptet, sondern bewiesen wird.
Diese Pressekonferenz war deshalb unbequem. Aber vielleicht war genau das ihr Wert.
Sie war kein Mutmacher im klassischen Sinn. Sie war keine PR-Veranstaltung für einen schnellen Neustart. Sie war eher eine öffentliche Bestandsaufnahme nach einem schweren Unfall. Mit Schmerz, mit Schuld, mit offenen Wunden – und mit einem neuen Sportvorstand, der zumindest nicht den Fehler machte, den Fans eine heile Welt vorzugaukeln.
Samir Arabi hat bei Fortuna nicht den leichten Weg gewählt. Und Fortuna hat mit ihm keinen Mann präsentiert, der die 3. Liga kleinredet.
Das ist erst einmal gut.
Aber es reicht nicht.
Denn ab jetzt zählt nicht mehr, wer was auf dem Podium sagt. Ab jetzt zählt, wer diese Sätze mit Leben füllt.
Fortuna muss aus dieser Liga raus.
Aber vorher muss Fortuna beweisen, dass sie verstanden hat, warum sie überhaupt dort gelandet ist.
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