WENN DÜSSELDORF SELBST ERZÄHLT: LEBENSGESCHICHTEN, DIE NICHT VERLOREN GEHEN DÜRFEN

☝️🫵👉 WENN DÜSSELDORF SELBST ERZÄHLT: LEBENSGESCHICHTEN, DIE NICHT VERLOREN GEHEN DÜRFEN
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Große Geschichte steht in Büchern. Doch wie sich Geschichte wirklich angefühlt hat, steckt oft in ganz anderen Erinnerungen: in der ersten eigenen Wohnung, in einer Tanznacht, im Geräusch der Straßenbahn vor dem Fenster, in einer Kindheit zwischen Trümmern, in der ersten Urlaubsreise oder in dem Moment, als plötzlich Dinge selbstverständlich wurden, die eine Generation zuvor noch undenkbar waren.

Genau solche Erinnerungen stehen heute Abend in der Düsseldorfer Zentralbibliothek im Mittelpunkt. Das Projekt „Geschichtsschreiber“ des Arbeiter-Samariter-Bundes Region Düsseldorf bringt Lebensgeschichten älterer Menschen auf die Bühne – erzählt nicht aus der Perspektive von Geschichtsbüchern, sondern von Menschen, die gesellschaftliche Umbrüche selbst erlebt haben.

Seit 2007 bringt der ASB dafür Zeitzeuginnen und Zeitzeugen mit ehrenamtlichen Geschichtsschreiberinnen und Geschichtsschreibern zusammen. Die Ehrenamtlichen besuchen ältere Menschen, hören zu, fragen nach und schreiben auf, was sonst irgendwann verloren gehen könnte. Aus den Gesprächen entstehen persönliche Bücher, die zunächst den Erzählerinnen und Erzählern selbst gehören. Mit deren Einverständnis werden ausgewählte Geschichten aber auch veröffentlicht und bei Lesungen einem größeren Publikum zugänglich gemacht.

Dabei geht es um weit mehr als historische Großereignisse. Nationalsozialismus, Krieg, Wiederaufbau und Wirtschaftswunder gehören ebenso dazu wie Teilung und Wiedervereinigung, Zuwanderung, die gesellschaftlichen Bewegungen der 1960er- und 1970er-Jahre oder die Veränderungen im Leben von Frauen. Doch mindestens ebenso spannend sind scheinbar kleine Dinge: Wie spielte man als Kind auf Düsseldorfs Straßen? Wann kam das erste Auto? Wie sah ein Arbeitstag aus? Wo lernte man sich kennen? Wie feierte man? Welche Orte der Stadt sind verschwunden – und welche Erinnerungen hängen noch immer an ihnen?

Gerade darin liegt die besondere Stärke des Projekts. Stadtgeschichte besteht nicht allein aus Daten, Gebäuden und berühmten Namen. Sie besteht aus Tausenden persönlichen Geschichten. Erst sie erzählen, wie sich Düsseldorf verändert hat – und wie die Menschen diese Veränderungen erlebt, ausgehalten oder selbst mitgestaltet haben.

Aus dem Projekt sind inzwischen auch Veröffentlichungen entstanden. In „Scherbenbilder – Erzähltes Leben zwischen Frieden und Krieg“ wurden Auszüge aus 26 Lebensgeschichten zusammengetragen. Eine weitere Anthologie trägt den Titel „Heimat im Gepäck“ und erzählt von Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten oder Düsseldorf im Laufe ihres Lebens zu einer neuen Heimat gemacht haben. Seit einigen Jahren werden Erinnerungen zudem digital veröffentlicht und teilweise als Audiobeiträge zugänglich gemacht.

Dass diese Form der Erinnerungsarbeit weit über Düsseldorf hinaus Beachtung findet, zeigte sich in diesem Jahr besonders deutlich: Das Projekt „Geschichtsschreiber“ wurde 2026 mit dem Preis „Ehrenamt schafft Begegnung“ des nordrhein-westfälischen Sozialministeriums ausgezeichnet. Geehrt wurde damit nicht nur das Schreiben selbst, sondern vor allem das, was vorher passiert: Menschen nehmen sich Zeit füreinander, hören einander zu und bewahren Erfahrungen, die sonst mit ihren Erzählerinnen und Erzählern verschwinden würden.

Heute Abend geben Beteiligte in der Zentralbibliothek Einblicke in diese Arbeit und lesen aus den aufgezeichneten Lebensgeschichten. Manche Erzählung dürfte zum Schmunzeln bringen, andere nachdenklich machen. Und wahrscheinlich werden einige Zuhörer plötzlich an ihre eigenen Eltern, Großeltern – oder an ihre ganz persönliche Düsseldorfer Geschichte denken.

Vielleicht ist das auch eine Erinnerung an uns alle: Fragt nach, solange ihr noch fragen könnt.

Wie war Düsseldorf früher? Wo wurde getanzt? Wo eingekauft? Welche Kneipen, Geschäfte, Kinos oder Restaurants fehlen heute? Wie sah euer Veedel aus? Was haben eure Eltern und Großeltern erzählt?

Denn die Geschichten einer Stadt verschwinden nicht zuerst mit ihren Gebäuden. Sie verschwinden, wenn niemand mehr da ist, der sie erzählt.

PROJEKT GESCHICHTSSCHREIBER – LESUNG

Heute, Dienstag, 6. Oktober 2026
18 bis 19.30 Uhr
Zentralbibliothek Düsseldorf
Stadtfenster
Konrad-Adenauer-Platz 1
40210 Düsseldorf

Und jetzt interessiert uns eure Geschichte: Welche Erinnerung an das alte Düsseldorf müsste unbedingt aufgeschrieben werden? Erzählt sie uns in den Kommentaren.

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