IM SONNENAUFGANG: IN DIESEM ALTEN HAUS BEGANN 1838 EINE DÜSSELDORFER BIERGESCHICHTE,…

☝️🫵👉 IM SONNENAUFGANG: IN DIESEM ALTEN HAUS BEGANN 1838 EINE DÜSSELDORFER BIERGESCHICHTE,…
☝️🫵👉 IM SONNENAUFGANG: IN DIESEM ALTEN HAUS BEGANN 1838 EINE DÜSSELDORFER BIERGESCHICHTE,…

☝️🫵👉 IM SONNENAUFGANG: IN DIESEM ALTEN HAUS BEGANN 1838 EINE DÜSSELDORFER BIERGESCHICHTE, DIE BIS HEUTE WEITERLEBT

Wer heute durch die Citadellstraße geht, läuft an einem der wichtigsten Orte der Düsseldorfer Brauereigeschichte beinahe unbemerkt vorbei. Hinter der barocken Fassade der Hausnummer 12 standen einst Sudkessel, lagerten Fässer und wurde obergäriges Bier ausgeschenkt. Das Haus hieß „Im Sonnenaufgang“ – und genau hier begann 1838 die Geschichte der Brauerei Schumacher.

Das Gebäude selbst ist noch viel älter. Es stammt aus dem Jahr 1695 und gehört damit zu jener historischen Bebauung der Carlstadt, die Düsseldorf bis heute ein Stück seines alten Gesichts bewahrt. Die Citadellstraße war damals keine museale Altstadtgasse, sondern eine lebendige Straße mit Handwerkern, Kaufleuten, Gaststätten und gleich mehreren Braustätten. Bier entstand dort, wo es getrunken wurde. Der Weg vom Sudkessel zum Gast betrug oft nur wenige Meter.

1838 übernahm der gelernte Bierbrauer Johann Matthias Schumacher die bereits bestehende Brauerei „Im Sonnenaufgang“ von Carl Joseph Kürten. Die gesamte Brauereieinrichtung kostete ihn nach der überlieferten Firmenchronik 1.702 Taler, 13 Groschen und 6 Pfennige – für einen jungen Handwerker eine erhebliche Investition. Mit diesem Kauf begann eine Familiengeschichte, die Düsseldorf bis heute mitprägt.

Schumacher braute hier obergärig, also nach jener älteren Brauweise, aus der das Düsseldorfer Altbier hervorging. Dafür kamen Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser in den Kessel. Anders als die später aufkommenden untergärigen Lager- und Pilsbiere arbeitete die obergärige Hefe bei höheren Temperaturen. Gerade im 19. Jahrhundert sollte der Siegeszug der neuen untergärigen Biere die traditionelle rheinische Brauwelt massiv verändern. In Düsseldorf aber blieb die alte Methode lebendig.

Mathias Schumacher beließ es offenbar nicht bei einem möglichst gefälligen Hausbier. In den Überlieferungen erscheint er als experimentierfreudiger Brauer, der sein Bier stärker hopfte und besonders gelungene Fässer für Freunde zurücklegte. Diese Fässer wurden im Keller „op de Latt“, also erhöht auf Latten, gelagert. Aus diesem Brauch entwickelte sich die Tradition des Latzenbiers, die Schumacher bis heute fortführt.

Historische Düsseldorfer Rückblicke bezeichneten dieses kräftigere Getränk später auch als besonders stark eingebrautes „Sticke-Alt“. Gemeint war kein alltägliches Bier für jeden Gast, sondern etwas Besonderes, das lange lagerte und nur einem ausgewählten Kreis ausgeschenkt wurde. Genau solche kleinen Rituale zeigen, wie anders Braukultur damals funktionierte: Ein gutes Bier war nicht nur Produkt, sondern häufig auch persönliche Gabe des Braumeisters.

Das heutige Schumacher Latzenbier knüpft bewusst an diese Geschichte an. Es wird stärker eingebraut als das klassische Schumacher Alt, enthält mehr Malz und erreicht 5,5 Prozent Alkohol. Nur dreimal im Jahr wird es ausgeschenkt. Dass eine moderne Düsseldorfer Hausbrauerei noch immer einen Brauch pflegt, dessen Ursprung in einem Keller an der Citadellstraße liegt, verbindet Gegenwart und Stadtgeschichte auf eine Weise, wie es nur wenige gastronomische Traditionen können.

Für andere historische Biersorten des Sonnenaufgangs müssen wir dagegen bewusst vorsichtig bleiben. Bislang konnten wir keine belastbare zeitgenössische Sortenkarte finden, die dort zusätzlich Helles, Pilsener, Export oder Bock nachweist. Während wir bei anderen Düsseldorfer Brauereien eine erstaunlich breite Palette solcher Biere gefunden haben, ist beim Sonnenaufgang vor allem die obergärige Linie sicher dokumentiert. Auch hier gilt für unsere Serie: Was nicht belegt ist, wird nicht nachträglich passend gemacht.

Über drei Jahrzehnte war die Citadellstraße die Heimat der Schumacher-Brauerei. Dann begann Düsseldorf sich rasant auszudehnen. Die Industrialisierung veränderte die Stadt, neue Viertel entstanden außerhalb des alten Kerns und Brauereien mussten mit einer wachsenden Nachfrage Schritt halten. 1871 wagte Ferdinand Schumacher I., der die Brauerei inzwischen von seinem Onkel übernommen hatte, den Umzug an die damalige östliche Stadtgrenze. Die neue Heimat wurde die Oststraße.

Damit endete die eigentliche Schumacher-Braugeschichte im Sonnenaufgang – aber nicht die Geschichte, die dort begonnen hatte. An der Oststraße konnte sich der Betrieb weiterentwickeln, später kam der Goldene Kessel an der Bolkerstraße hinzu, und aus der kleinen Brauerei in einem barocken Carlstädter Haus wurde eine der wenigen großen Düsseldorfer Brautraditionen, die bis heute unabhängig weitergeführt werden.

Gerade deshalb ist die Citadellstraße 12 so besonders. Bei vielen alten Düsseldorfer Brauereien müssen wir ihren Standort anhand alter Karten rekonstruieren, weil die Häuser längst verschwunden sind. Beim Sonnenaufgang steht das Gebäude noch. Es überstand die Jahrhunderte und steht heute unter Denkmalschutz. In den Räumen befindet sich inzwischen die Deutsch-Indische Handelskammer. Äußerlich erinnert kaum noch etwas daran, dass dort einmal Bier gebraut wurde.

Wer vor diesem Haus steht, steht also tatsächlich vor dem Ursprung einer bis heute lebenden Düsseldorfer Biergeschichte.

Nicht vor einer nachgebauten Traditionskulisse. Nicht vor einem Neubau mit historischem Namen. Sondern vor dem echten Haus von 1695, in dem Johann Matthias Schumacher 1838 eine Brauerei übernahm, mit Hopfen experimentierte und den Grundstein für eine Tradition legte, die Düsseldorf fast zwei Jahrhunderte später noch kennt.

Vielleicht liegt genau darin die besondere Kraft solcher Orte. Man braucht keine Gedenkstätte und kein Museum. Man muss nur wissen, was einmal hinter einer Tür geschehen ist – und plötzlich sieht eine ganze Straße anders aus.

Und jetzt sind wieder eure Erinnerungen gefragt: Wer kennt das Haus an der Citadellstraße 12? Wer wusste, dass dort die Schumacher-Geschichte begann? Gibt es in euren Familien alte Fotos, Dokumente oder Geschichten zur Citadellstraße und ihren zahlreichen Brauereien?

Und natürlich interessiert uns auch: Wer von euch hat schon einmal Latzenbier getrunken – und wusste dabei, dass seine Geschichte bis in den Keller des Sonnenaufgangs zurückreicht?

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