DAS WELLENBAD AN DER GRÜNSTRASSE – ALS DÜSSELDORF NOCH EIN MEER…

☝️🫵👉 DAS WELLENBAD AN DER GRÜNSTRASSE – ALS DÜSSELDORF NOCH EIN MEER…
☝️🫵👉 DAS WELLENBAD AN DER GRÜNSTRASSE – ALS DÜSSELDORF NOCH EIN MEER…

☝️🫵👉 DAS WELLENBAD AN DER GRÜNSTRASSE – ALS DÜSSELDORF NOCH EIN MEER MITTEN IN DER STADT HATTE

Es gab einmal einen Ort mitten in Düsseldorf, an dem das Meer auf Knopfdruck begann. Einen Ort, an dem Generationen von Kindern das Schwimmen lernten, Jugendliche ihre Nachmittage verbrachten und Familien einen kleinen Urlaub vom Alltag erlebten. Wer das Wellenbad an der Grünstraße noch kennt, erinnert sich vermutlich sofort an eine ganz bestimmte Lautsprecherdurchsage: „In fünf Minuten beginnt der Wellenbetrieb!“ Dann war Schluss mit gemütlichem Planschen. Alles wartete auf die erste Welle.

Heute ist von diesem außergewöhnlichen Stück Düsseldorfer Stadtgeschichte nichts mehr zu sehen. Dabei reicht seine Geschichte viel weiter zurück als bis in die 1960er-Jahre. Sie beginnt in einer Zeit, als ein öffentliches Hallenbad noch eine echte Errungenschaft war.

DIE ANFÄNGE – EIN SCHWIMMBAD FÜR DIE WACHSENDE GROSSSTADT

Düsseldorf wuchs im 19. Jahrhundert rasant. Mit der Industrialisierung stieg die Einwohnerzahl, doch hygienische Einrichtungen und öffentliche Badegelegenheiten hielten mit dieser Entwicklung kaum Schritt. Viele Menschen verfügten über kein eigenes Badezimmer. Wer schwimmen oder ausgiebig baden wollte, war auf öffentliche Einrichtungen angewiesen.

1885 begann die Stadt deshalb mit dem Bau einer großen Badeanstalt an der Grünstraße. Am 18. September 1888 wurde das erste städtische Hallenbad Düsseldorfs eröffnet. Es lag etwas versteckt im Inneren eines Häuserblocks zwischen Grünstraße und Bahnstraße. Von außen eher unscheinbar, verbarg sich dahinter eine großzügige Anlage mit getrennten Schwimmbecken für Damen und Herren sowie weiteren Badeeinrichtungen.

Die historischen Fotografien zeigen eine beeindruckende Architektur mit hohen Hallen, gewölbten Decken und umlaufenden Galerien. Jahrzehntelang gehörte das Stadtbad zum Düsseldorfer Alltag. Doch mit den steigenden Ansprüchen an Hygiene, Sport und Freizeitgestaltung wurde die alte Anlage zunehmend unzeitgemäß.

EIN SCHWIMMPALAST SOLLTE ENTSTEHEN

Ende der 1950er-Jahre stand fest, dass die alte Badeanstalt einem modernen Neubau weichen sollte. 1959 wurde sie abgerissen. Was anschließend geplant wurde, war weit mehr als ein gewöhnliches Hallenbad.

Der österreichische Architekt Friedrich Florian Grünberger, der sich auf den Bau moderner Schwimmbäder spezialisiert hatte, entwarf ein großzügiges Zentralbad. Licht, Weite und eine spektakuläre Schwimmhalle sollten das neue Gebäude prägen. Die Bauarbeiten begannen in den frühen 1960er-Jahren. Technische Schwierigkeiten verzögerten die Fertigstellung, doch schließlich war es so weit.

Am 6. Juni 1966 eröffnete das Zentralbad an der Grünstraße. Düsseldorf hatte eine neue Attraktion, die weit über die Stadtgrenzen hinaus Aufmerksamkeit erregte.

WENN DAS WASSER PLÖTZLICH LEBENDIG WURDE

Das Herzstück war natürlich das Wellenbad. Eine technische Anlage verwandelte das Schwimmbecken regelmäßig in eine künstliche Brandung. Für viele Düsseldorfer war das eine Sensation. Besonders Kinder warteten sehnsüchtig auf den Moment, in dem die ersten Wellen durch das Becken rollten.

Wer dabei war, erinnert sich an das Rauschen des Wassers, die aufgeregten Rufe der Badegäste und das Gedränge, wenn alle möglichst nah an die Wellen wollten. Für manche war es ein riesiger Abenteuerspielplatz, für andere ein Ort zum Entspannen. Und wer vom Schwimmen genug hatte, konnte von den Emporen das Geschehen beobachten.

Auch architektonisch war die Anlage außergewöhnlich. Die große Schwimmhalle mit ihrer markanten Dachkonstruktion, den Tribünen und dem imposanten Sprungturm bot eine Kulisse, wie man sie sonst eher von bedeutenden Sportstätten kannte. Sogar Schwimm- und Sprungwettbewerbe fanden hier statt.

Besonders legendär war das Café im oberen Bereich der Halle. Mit Blick auf das Wasser ließ sich dort eine Pause einlegen. Für viele gehörten ein Eis oder ein Milchshake ebenso zum Besuch wie der Sprung ins Becken.

Das Wellenbad war damit nicht einfach nur eine Sportstätte. Es war ein Treffpunkt. Kinder kamen mit ihren Eltern, Schulfreunde verabredeten sich zum Schwimmen, Jugendliche verbrachten hier ihre Freizeit. Mitten zwischen Königsallee und Berliner Allee existierte ein öffentlicher Erlebnisraum, der für Menschen aus der ganzen Stadt zugänglich war.

DAS ENDE EINER DÜSSELDORFER INSTITUTION

Fast drei Jahrzehnte lang gehörte das Wellenbad zum Stadtbild. Dann rückte das wertvolle Grundstück in bester Innenstadtlage zunehmend in den Mittelpunkt neuer Planungen. Die Entscheidung fiel schließlich gegen den Erhalt des Bades.

Am 8. Oktober 1995 schloss das Wellenbad an der Grünstraße endgültig seine Türen.

Für viele Düsseldorfer war das ein schmerzhafter Abschied. Schließlich verschwand damit nicht irgendein Schwimmbad, sondern ein Ort voller persönlicher Erinnerungen. Hier hatten Menschen ihre ersten Schwimmzüge gemacht, Freundschaften geschlossen oder unzählige Stunden ihrer Kindheit verbracht.

Doch bevor die Abrissbagger kamen, erhielt das Gebäude noch eine ungewöhnliche letzte Rolle.

VOM SCHWIMMBAD ZUM KUNSTWERK

Nachdem das Wasser abgelassen worden war und die Badegäste verschwunden waren, entdeckte die Düsseldorfer Kunstszene die verlassenen Räume für sich. 1996 fand im ehemaligen Wellenbad die Ausstellung „Letzter Aufguß“ statt, an der zahlreiche Düsseldorfer Künstlerinnen und Künstler beteiligt waren.

Auch 1997 wurde das Gebäude noch für Kunstprojekte genutzt. Unter dem Titel „AufTauchStation: Pool“ entstanden Arbeiten in einer Umgebung, die einst von Wasser, Stimmen und Bewegung erfüllt gewesen war.

Es war ein bemerkenswerter Abschied. Wo früher Menschen durch die Wellen tobten, wurde nun Kunst gezeigt. Das ehemalige Freizeitparadies verwandelte sich für kurze Zeit in einen Ort der Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit und Veränderung.

Noch 1997 wurde das Wellenbad abgerissen. Mit ihm verschwand eines der markantesten öffentlichen Gebäude der Düsseldorfer Nachkriegszeit.

WAS BLIEB VOM WELLENBAD?

Auf dem Gelände entstand ein Einkaufs- und Einrichtungshaus. Am 5. Februar 2000 eröffnete dort das Stilwerk. Der Ort bekam damit eine völlig neue Funktion. Wo zuvor Schwimmen, Sport und gemeinschaftliche Freizeit im Mittelpunkt standen, ging es nun um Design, Einrichtung und Handel.

Die Erinnerung an das Wellenbad aber ließ sich nicht abreißen.

Bis heute taucht es in Gesprächen über das alte Düsseldorf immer wieder auf. Besonders die künstlichen Wellen, der Sprungturm, das Café und die unverwechselbare Atmosphäre haben sich tief in das Gedächtnis vieler Menschen eingebrannt.

2026 wäre das Zentralbad 60 Jahre alt geworden. Zugleich liegt seine endgültige Schließung inzwischen 31 Jahre zurück. Seine Vorgeschichte reicht sogar 138 Jahre zurück, bis zur Eröffnung des ersten Hallenbades an der Grünstraße.

Die Geschichte dieses Ortes erzählt deshalb auch etwas über den Wandel Düsseldorfs. Aus einer städtischen Badeanstalt wurde ein moderner Freizeitpalast, aus einem öffentlichen Treffpunkt schließlich eine Handelsimmobilie. Gebäude lassen sich ersetzen. Die Erinnerungen und die besondere Bedeutung eines Ortes für die Menschen nicht.

Und vielleicht ist das der eigentliche Grund, weshalb das Wellenbad bis heute so vielen Düsseldorfern fehlt.

Jetzt seid ihr gefragt: Wer hat das Wellenbad an der Grünstraße noch selbst erlebt? Könnt ihr euch an die Lautsprecherdurchsage, die großen Wellen, den Sprungturm oder das Café erinnern? Habt ihr dort vielleicht sogar das Schwimmen gelernt?

Erzählt uns eure Geschichten. Denn aus all diesen Erinnerungen entsteht ein Stück Düsseldorf, das auf keinem Stadtplan mehr zu finden ist.

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