
🔴⚪ SIEBEN NAMEN, SIEBEN PROFILE: WER FÜR FORTUNAS ZUKUNFT VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN WILL
Fortunas Zukunft wird auf dem Rasen entschieden – aber längst nicht nur dort. Wer den Vorstand bestellt, Finanzpläne prüft und die strategische Richtung des Vereins hinterfragt, trägt Verantwortung für weit mehr als das nächste Ergebnis. Bei der Aufsichtsratswahl am 15. November 2026 geht es deshalb auch um Vertrauen: Wem trauen die Mitglieder zu, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, unbequeme Fragen zu stellen und die Interessen der Fortuna im Blick zu behalten?
Sieben Namen stehen inzwischen auf unserer Arbeitsliste: Dr. Steffen Greubel, Michael Busch, Marius Berlemann, Tim Greiner Mai, Prof. Dr. Horst Peters, Jochen Riegel und Dr. Michael Bormann. Die Bewerbungen der ersten fünf sind durch Medienberichte belegt, Bormann hat seine Bewerbung selbst öffentlich bestätigt. Riegel haben wir aufgrund eines Hinweises auf seine eigene Kandidaturmeldung bei Facebook aufgenommen; diese aktuelle Meldung konnten wir bislang nicht unabhängig überprüfen. Eine vollständige Bewerberliste ist das ebenso wenig wie eine Bestätigung der Wahlzulassung. Über diese entscheidet zunächst der Wahlausschuss, bevor die Mitglieder fünf Vertreter ins Kontrollgremium wählen.
Ein genauer Blick auf die Lebensläufe lohnt sich trotzdem. Denn die sieben bringen sehr unterschiedliche Erfahrungen mit: aus Konzernen und mittelständischen Unternehmen, aus Finanzwirtschaft und Veranstaltungsmanagement, aus Fanszene, Vereinsarbeit und juristischer Beratung. Entscheidend wird sein, wie sie diese Erfahrungen für Fortuna einsetzen wollen.
Dr. Steffen Greubel kennt Verantwortung in großen Organisationen. Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann studierte er Wirtschaftswissenschaften an der Universität Witten/Herdecke. Bei McKinsey arbeitete er später als Partner im Handels- und Konsumgüterbereich; während dieser Zeit promovierte er an der Universität Magdeburg. 2014 wechselte er zu Würth, verantwortete unter anderem Auslandsgesellschaften und Unternehmensentwicklung und rückte 2019 in die Konzernführung auf.
Von Mai 2021 bis Ende September 2026 stand Greubel an der Spitze der Metro AG. Dort trieb er die Ausrichtung auf den Großhandel sowie den Ausbau von Belieferung und digitalen Angeboten voran. Nach Unternehmensangaben schied er auf eigenen Wunsch wegen unterschiedlicher Vorstellungen über die künftige Ausrichtung aus; bis Ende April 2027 soll er Metro beratend begleiten. Für Fortuna könnte seine Erfahrung beim Prüfen von Strategien, Investitionen und Führungsstrukturen wertvoll sein. Die spannende Frage lautet, wie er dieses Wissen auf einen Fußballverein übertragen möchte, dessen Mitglieder wirtschaftliche Vernunft erwarten und zugleich ihre gewachsene Vereinskultur bewahren wollen.
Michael Busch hat erlebt, wie grundlegend sich ein Geschäftsmodell verändern kann. Der 1964 geborene Volkswirt studierte in Köln und beschäftigte sich bei Knight Wendling Consulting mit Unternehmenssanierungen und Unternehmenskäufen. 1993 wechselte er ins Beteiligungscontrolling von Douglas. Über Führungsaufgaben im Buchgeschäft entwickelte er sich zu einer prägenden Persönlichkeit von Thalia und begleitete dessen Ausbau in einer Branche, die durch den digitalen Wandel erheblich unter Druck geriet.
2016 wurde Busch zudem Mitgesellschafter. Im Juni 2022 übergab er den Vorsitz der Geschäftsführung an Ingo Kretzschmar und wechselte zum Sprecher der Gesellschafterversammlung. Seine Laufbahn verbindet damit operative Führung, wirtschaftliche Steuerung und die Perspektive eines Eigentümers. Auch bei Fortuna müssen Investitionen sorgfältig abgewogen und langfristige Pläne auf ihre Tragfähigkeit geprüft werden. Busch könnte dafür Erfahrungen aus einer Branche einbringen, in der Veränderungen notwendig waren, ohne die Bindung der Kunden aus den Augen zu verlieren.
Marius Berlemanns Weg verbindet Düsseldorfer Wurzeln mit internationaler Verantwortung. Der 1986 in Düsseldorf geborene Manager studierte Internationales Handelsmanagement im Praxisverbund an der Hochschule Worms und absolvierte anschließend einen Master in General Management in Witten/Herdecke. 2011 begann er als Trainee bei der Messe Düsseldorf. Es folgten Aufgaben im Projektmanagement und im internationalen Messegeschäft.
Berlemann leitete die ProWein, übernahm Führungsverantwortung in Shanghai und Hongkong und wurde Regionalverantwortlicher für Asien. Seit August 2024 ist er Geschäftsführer für das operative Messegeschäft der Messe Düsseldorf. Große Veranstaltungen, internationale Kundenbeziehungen und die Entwicklung wirtschaftlich erfolgreicher Angebote gehören zu seinem beruflichen Alltag. Für Fortuna könnte diese Perspektive bei der Bewertung von Vermarktungskonzepten und Partnerschaften hilfreich sein. Welche konkreten Ziele er für den Verein verfolgt, muss allerdings seine Kandidatenvorstellung zeigen. Ein Lebenslauf beschreibt Erfahrung, noch kein Programm.
Tim Greiner Mai bringt vor allem langjährige Vereinsarbeit und eine enge Verbindung zur Fanszene mit. Seit 1998 ist er Fortuna-Mitglied, seit 2020 gehört er dem Aufsichtsrat an. Zu seiner Vita zählen die Mitgründung der Lost Boyz Flingern 99, des Supporters Club Düsseldorf 2003 und von Ultras Düsseldorf. Hinzu kommen sein Engagement als Fanclubvorsitzender und im Arbeitskreis Fanarbeit.
In seinem offiziellen Kandidatenfragebogen von 2023 nannte Greiner Mai eine berufliche Tätigkeit bei der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein-Westfalen. Sein damaliges Verständnis des Mandats stellte den Ausgleich zwischen Fan- und Mitgliederinteressen und den Anforderungen eines professionell geführten Fußballvereins in den Mittelpunkt. Diese Kenntnis des Vereinslebens ist ein wichtiger Erfahrungsschatz. Als erneut antretender Amtsinhaber wird er sich zugleich an seiner bisherigen Arbeit messen lassen müssen: Welche Entscheidungen bewertet er heute wie, welche Lehren zieht er daraus und wo sieht er Veränderungsbedarf?
Prof. Dr. Horst Peters bringt ausgeprägtes Finanzwissen mit. Der gebürtige Düsseldorfer studierte Wirtschaftsmathematik an der Universität Ulm und schloss 1988 mit dem Diplom ab. Danach folgten wissenschaftliche Arbeit im Bereich Bank- und Finanzwirtschaft an der FernUniversität Hagen sowie eine Promotion zur Risikotheorie. Berufliche Stationen führten ihn außerdem in die strukturierte Finanzierung einer Großbank und ins Projektmanagement eines internationalen Energieunternehmens.
1999 übernahm Peters eine Professur an der Hochschule Düsseldorf. Von 2002 bis 2010 war er Dekan, anschließend bis 2021 Vizepräsident mit Zuständigkeiten unter anderem für Alumni, Fundraising und Weiterbildung. Fortunas Aufsichtsrat gehört er ebenfalls seit 2020 an. Seine fachliche Erfahrung berührt einen Kern der Kontrollaufgabe: Auf welchen Annahmen beruhen Finanzpläne, welche Risiken stecken darin und wie viel Spielraum bleibt, wenn sportliche Ziele verfehlt werden? Wie bei Greiner Mai gehört zur Bewertung seiner erneuten Bewerbung auch die Frage, wie er seine Kenntnisse bislang eingesetzt hat und welche Konsequenzen er aus der bisherigen Amtszeit zieht.
Jochen Riegel ergänzt diese Profile um unternehmerische Erfahrung aus dem Mittelstand und die Beschäftigung mit wirtschaftlichen Krisen. Nach eigener Darstellung war er mehr als 15 Jahre geschäftsführender Gesellschafter von SD Service-Druck und arbeitet heute als Unternehmensberater mit Schwerpunkt Sanierung und Stabilisierung. Dabei verweist er auch auf eine selbst durchlebte Unternehmensinsolvenz. Sein beruflicher Hintergrund ist damit von praktischer Verantwortung und dem Umgang mit schwierigen wirtschaftlichen Situationen geprägt.
Seine Verbindung zu Fortuna ist ebenfalls dokumentiert: Bereits 2020 kandidierte Riegel für den Aufsichtsrat. Ein damaliges Porträt beschreibt ihn als langjährigen Fan, gelernten Druckermeister und früheren Ordner bei Fortuna-Spielen. Für ein Kontrollmandat könnte seine Erfahrung mit Liquiditätsfragen, betrieblichen Abläufen und Krisenbewältigung relevant sein. Ob und mit welchen konkreten Vorstellungen er 2026 antritt, müssen wir anhand seiner aktuellen Kandidaturmeldung noch unabhängig nachvollziehen. Seine damalige Bewerbung allein ist dafür kein Beleg.
Dr. Michael Bormann ergänzt die bisherigen Profile um juristischen Sachverstand und Erfahrung mit der Führung und Kontrolle von Unternehmen. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt und Partner der Wirtschaftskanzlei Luther hat seine Bewerbung für Fortunas Aufsichtsrat öffentlich bestätigt. Nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann studierte er Rechtswissenschaften in Göttingen und promovierte 2001 in Heidelberg. Seine berufliche Laufbahn führte ihn zunächst zu Freshfields Bruckhaus Deringer und anschließend zu Simmons & Simmons. Dort wurde er 2008 Partner und leitete später die deutsche Praxisgruppe für Unternehmens- und Wirtschaftsrecht, bevor er im Juli 2018 zu Luther wechselte.
Zu seinen Schwerpunkten zählen Unternehmenskäufe, Umstrukturierungen und die Regeln verantwortungsvoller Unternehmensführung. Genau diese Erfahrung möchte Bormann nach eigener Aussage bei Fortuna einbringen. Für das Kontrollgremium könnte sein Blick auf klare Zuständigkeiten, verlässliche Entscheidungswege und rechtliche Risiken eine Ergänzung sein. Entscheidend wird sein, welche konkreten Verbesserungen er daraus für den Verein ableitet und wie er das Verhältnis zwischen kritischer Kontrolle und konstruktiver Zusammenarbeit mit dem Vorstand gestalten möchte.
Sieben Lebensläufe zeigen, wie unterschiedlich Kompetenz für Fortunas Aufsichtsrat aussehen kann. Unternehmensführung, Finanzwissen, internationale Geschäftserfahrung, mittelständische Praxis, juristischer Sachverstand und gewachsene Vereinsarbeit können sich sinnvoll ergänzen. Entscheidend ist, ob daraus ein Gremium entsteht, das sorgfältig prüft, klar entscheidet und dem Vorstand auch dann widerspricht, wenn es unbequem wird.
Für die Mitglieder kommt es deshalb auf mehr an als bekannte Namen und eindrucksvolle berufliche Stationen. Sie müssen erfahren, welche Ziele die Bewerber verfolgen, wie sie ihre Unabhängigkeit sichern und welche Verantwortung sie persönlich übernehmen wollen. Wer bereits im Amt ist, muss seine Bilanz erklären. Wer neu hinzukommen möchte, muss zeigen, dass er Fortuna und die Besonderheiten dieses Vereins versteht. Genau dort beginnt eine fundierte Wahlentscheidung.
👉 Welche Erfahrungen braucht Fortunas neuer Aufsichtsrat aus eurer Sicht am dringendsten? Und was möchtet ihr von den Kandidaten wissen? Schreibt eure Fragen in die Kommentare – wir sammeln sie, um sie anschließend den Kandidaten zu stellen.
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