
☝️🫵👉 JÖRG IMMENDORFF UND DÜSSELDORF: MEHR ALS NUR EIN KÜNSTLERNAME
Es gibt Künstler, die hängen in Museen. Und es gibt Künstler, die eine Stadt mitgeprägt haben. Jörg Immendorff gehört in Düsseldorf eindeutig zur zweiten Kategorie. Sein Name steht nicht nur für große Malerei, für Streitlust, Provokation und politische Kunst, sondern auch für eine Zeit, in der Düsseldorf als Kunststadt international strahlte und die Kunstakademie ein Ort war, an dem heftig gedacht, gearbeitet und gerungen wurde.
Dass der Kunstpalast ihm jetzt eine große Ausstellung widmet, ist deshalb weit mehr als nur ein weiterer Termin im Kulturkalender. Die Schau „Immendorff“ läuft seit dem 25. September und ist laut Kunstpalast die erste umfassende Retrospektive in Düsseldorf – also genau in der Stadt, in der Immendorff über Jahrzehnte studierte, lehrte und arbeitete. Rund 100 Exponate sind zu sehen, von den frühen Jahren an der Kunstakademie bis zu den späten Werken aus seinem Düsseldorfer Atelier.
Allein dieser Umstand erzählt schon viel. Denn Immendorff war nie irgendein Künstler, der zufällig einmal in Düsseldorf auftauchte. Er gehörte zu jener Generation, die das Bild dieser Stadt als Kunstmetropole entscheidend mitgeformt hat. Er studierte an der Kunstakademie, war Schüler von Joseph Beuys, bewegte sich in einer Szene zwischen Aufbruch, Protest und Selbstinszenierung und wurde später selbst Professor an der Akademie. Düsseldorf war für ihn nicht bloß Adresse, sondern Bühne, Werkstatt und Reibungsfläche.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum der Name Immendorff bis heute so stark nachwirkt. Er war kein Künstler der bequemen Eindeutigkeit. Er wollte nicht nur schöne Bilder malen. Ihn beschäftigte immer wieder die Frage, welche Rolle Kunst in der Gesellschaft eigentlich spielen soll. Muss Kunst Stellung beziehen? Darf sie laut sein, unangenehm, widersprüchlich? Muss ein Künstler Haltung zeigen? Und was passiert, wenn Leben, Politik und Selbstinszenierung untrennbar ineinanderlaufen?
Viele seiner Werke kreisen genau um diese Konflikte. Seine Bildsprache war unverwechselbar, oft überladen, symbolisch, kämpferisch und voller Figuren, die zugleich Theater und Wirklichkeit waren. Berühmt wurde vor allem die Serie „Café Deutschland“, in der sich deutsche Geschichte, Teilung, Ideologien und Zeitgeist wie in einem aufgeladenen Bühnenraum verdichten. Aber Immendorff war eben nicht nur der Schöpfer großer Bilderzyklen. Er war auch ein öffentlicher Charakter, ein Reizfigur, ein „Malerfürst“, wie es oft hieß – gefeiert, umstritten und nie wirklich leise.
Gerade deshalb ist diese Ausstellung in Düsseldorf so spannend. Der Kunstpalast zeigt nicht einfach nur die bekannten Ikonen, sondern will alle Phasen seines Schaffens sichtbar machen. Neben großformatigen Gemäldeserien sind auch Holz- und Bronzeskulpturen sowie bislang nicht gezeigte Zeichnungen und Archivmaterial dabei. Im Mittelpunkt steht dabei ausdrücklich auch Immendorffs beharrliche Frage nach der Rolle des Künstlers in der Gesellschaft – also genau die Frage, die heute, in einer Zeit neuer politischer und gesellschaftlicher Spannungen, wieder bemerkenswert aktuell wirkt.
Dazu kommt ein zweiter, sehr Düsseldorfer Aspekt. Viele Jüngere kennen den Namen vielleicht noch, aber nicht mehr automatisch die Bedeutung dahinter. Für ältere Kunstfreunde und für jene, die Düsseldorf in seinen wilden Kunstjahrzehnten erlebt haben, dürfte die Ausstellung dagegen auch ein Wiedersehen mit einer ganzen Epoche sein. Mit einer Stadt, in der Kunstdebatten noch größere öffentliche Wucht hatten. Mit einer Akademie, deren Namen weltweit Gewicht trugen. Und mit einem Künstler, der diese Atmosphäre nicht nur spiegelte, sondern mit erzeugte.
Heute Abend gibt es dazu im Kunstpalast auch noch einen besonders interessanten Termin. Um 18.30 Uhr spricht die in Düsseldorf lebende Künstlerin Jody Korbach mit der Co-Kuratorin Felicity Korn über Immendorffs Werk und seine Vorstellung von Kunst als Ort gesellschaftlicher Verhandlung. Der Eintritt ist im Museumseintritt enthalten. Und am Sonntag folgt sogar ein Stadtrundgang „Auf den Spuren von Jörg Immendorff“ durch Düsseldorf.
Vielleicht ist genau das die schönste Einladung dieser Ausstellung: nicht nur Bilder anzusehen, sondern sich zu fragen, was von diesem Künstler in der Stadt geblieben ist.
War Immendorff nur ein berühmter Name? Oder war er ein Teil jenes besonderen Düsseldorfer Selbstverständnisses, das Kunst nie bloß dekorativ gedacht hat, sondern immer auch als Haltung?
IMMENDORFF
Kunstpalast
Ehrenhof 4–5
40479 Düsseldorf
Ausstellung:
25. September 2026 bis 10. Januar 2027
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr
Donnerstag 11 bis 21 Uhr
Heute, Donnerstag, 8. Oktober 2026
18.30 Uhr
Jody Korbach im Gespräch mit Felicity Korn
im Eintritt inbegriffen
Und jetzt interessiert uns eure Meinung: Was verbindet ihr mit Jörg Immendorff? Habt ihr seine Kunst bewusst erlebt, vielleicht sogar in Düsseldorf, oder ist er für euch eher ein Name aus der großen Zeit der Kunststadt? Schreibt es in die Kommentare.
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