🔴⚪ Fortuna nach dem Mitgliederforum 🔴⚪

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27. Juni 2026 Fortuna4You 0
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Worte reichen nicht mehr – jetzt muss der Verein beweisen, dass er verstanden hat

Es war kein normaler Vereinsabend. Kein gemütliches Mitgliederforum, bei dem man ein bisschen über Finanzen, Zukunftspläne und neue Strukturen spricht. Was Fortuna Düsseldorf im Paul-Janes-Stadion erlebt hat, war eher eine öffentliche Bestandsaufnahme nach einem sportlichen Erdbeben. Ein Abend zwischen Wut, Schmerz, Rechenschaft, ersten Erklärungen und der großen Frage: Hat dieser Verein wirklich begriffen, was passiert ist?

Die Antwort nach diesem Mitgliederforum lautet: teilweise ja. Aber eben nur teilweise.

Denn wer genau hingehört hat, konnte eines nicht übersehen: Die Verantwortlichen haben Fehler eingeräumt. Viele sogar. Der Aufsichtsrat sprach von Fehlentscheidungen, Alexander Jobst nahm sich als Vorstandsvorsitzender ausdrücklich mit in die Verantwortung, Samir Arabi benannte schonungslos den Zustand eines Vereins, der gerade mehr Hülle als gefülltes Versprechen ist. Das war ehrlich. Das war teilweise bemerkenswert klar. Aber es bleibt die bittere Wahrheit: Diese Ehrlichkeit kommt nicht vor dem Absturz, sondern danach.

Und genau das ist der Punkt, der weh tut.

Fortuna ist nicht aus Versehen abgestiegen. Fortuna ist nicht an einem schlechten Tag zerbrochen. Fortuna ist nicht Opfer einer Laune des Fußballgottes geworden. Dieser Abstieg ist das Ergebnis einer Kette aus Fehleinschätzungen, falschen Personalentscheidungen, sportlicher Selbstüberschätzung, strukturellen Versäumnissen und einer gefährlichen Hybris, die viel zu lange nicht gestoppt wurde.

Die Tabelle lügt nicht. Dieser Satz fiel auf dem Forum sinngemäß, und er ist vielleicht der wichtigste Satz des Abends. Denn genau das muss jetzt die Grundlage jeder Aufarbeitung sein. Nicht das Gefühl, eigentlich zu groß für Liga drei zu sein. Nicht die Erinnerung an volle Stadien, Relegationsnächte, Fortuna für alle, Pokalhalbfinale oder emotionale Hochpunkte. Sondern die brutale Realität: Fortuna Düsseldorf spielt jetzt dritte Liga. Verdient. Mit allen Konsequenzen.

Besonders schwer wog der Blick auf die sportliche Verantwortung. Der Trainerwechsel von Daniel Thioune zu Markus Anfang wurde von Alexander Jobst klar als Entscheidung eingeordnet, bei der er stärker hätte intervenieren müssen. Auch das öffentlich ausgegebene Saisonziel Aufstieg und die gesamte „All-In“-Erzählung wurden als Fehler bezeichnet. Das ist wichtig, denn genau dieses künstlich aufgepumpte Selbstbild hat der Mannschaft offenbar mehr Druck als Orientierung gegeben. Wer eine Mannschaft, deren Leistungs- und Seelenzustand schon vorher fragil war, öffentlich zum Aufstiegsprojekt erklärt, baut keine Stärke auf, sondern eine Kulisse. Und diese Kulisse ist eingestürzt.

Noch bitterer wird es bei der Kaderarchitektur. Zu wenig Führung. Zu wenig Balance. Zu wenig Mentalität. Zu viele Verträge ohne ausreichende Absicherung für den Abstiegsfall. Zu viele Spieler, die nach dem Absturz weg waren, ohne dass Fortuna sportlich oder wirtschaftlich genug zurückbekam. Natürlich ist Fußball kein Wunschkonzert. Natürlich unterschreibt nicht jeder Spieler freiwillig einen Drittligavertrag. Aber wenn am Ende Millionenwerte verpuffen und der Verein gleichzeitig betriebsbedingte Kündigungen aussprechen muss, dann ist das nicht nur Pech. Dann ist das ein handwerkliches und strategisches Problem.

Die wirtschaftlichen Zahlen des Abends waren entsprechend heftig. TV-Einnahmen runter von rund 17,5 Millionen Euro auf etwa 1,3 Millionen. Sponsoreneinnahmen runter von rund 20 Millionen auf etwa 10 bis 11 Millionen. Ein angestrebtes Kaderbudget von 7,5 Millionen Euro, das noch nicht vollständig finanziert ist. Eine Lücke von 2,5 bis 3 Millionen Euro, die über Einsparungen, Transfers und weitere Sponsoringerlöse geschlossen werden soll. Dazu eine Geschäftsstelle, die nach massiven Einschnitten neu sortiert werden muss.

Das ist kein kleiner Kratzer im Lack. Das ist ein Frontalaufprall.

Und trotzdem war da ein Widerspruch, der typisch Fortuna ist: Während oben gespart, gekürzt und erklärt wurde, standen gleichzeitig 12.000 verkaufte Dauerkarten im Raum. 12.000 Menschen, die nach einem Abstieg in die dritte Liga trotzdem sagen: Wir bleiben. Das ist gigantisch. Das ist Liebe. Das ist aber auch Verpflichtung. Denn diese Fans haben ihren Teil längst geliefert. Sie waren da. Sie sind da. Sie kaufen Karten, fahren auswärts, tragen den Verein emotional durch die Stadt. Ihnen jetzt noch einmal Geduld abzuverlangen, ist nur dann fair, wenn der Verein endlich beweist, dass aus Fehlern mehr entsteht als warme Worte.

Ein besonders sensibler Punkt war der Umgang mit Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern und sozialen Projekten. Die Kündigungen haben nicht nur wirtschaftlich, sondern auch moralisch eine Wunde gerissen. Namen wie Petra Prosch, Claudia Beckers oder Stefan Felix stehen für viele Fans nicht einfach für Personalstellen, sondern für Gesichter dieses Vereins. Für Menschlichkeit. Für Nähe. Für Fortuna als mehr als nur Profifußball. Dass Jobst ankündigte, für einzelne Härtefälle Lösungen finden zu wollen, war wichtig. Dass Inklusion weitergehen soll, dass Claudia Beckers weiter Projekte umsetzen kann, dass der Blindenfußball erhalten bleiben soll, ist positiv. Aber auch hier gilt: Der Schaden im Vertrauen ist da. Und Vertrauen repariert man nicht mit Ankündigungen, sondern mit sichtbarem Handeln.

Besonders deutlich wurde das beim Thema amputierte Mannschaft. Wenn ein anderer Verein einspringen muss und Fortuna plötzlich das Bild abgibt, ausgerechnet im Bereich Inklusion zu streichen, dann ist das verheerend. Björn Borgerding sagte sinngemäß selbst, dass dieses Bild desaströs war. Und damit hat er recht. Ein Verein, der sich Werte, soziale Verantwortung und Identifikation auf die Fahnen schreibt, darf genau dort nicht den Eindruck erwecken, als würden diese Werte als Erstes unter den Rotstift fallen.

Natürlich muss in Liga drei gespart werden. Niemand kann ernsthaft verlangen, dass Fortuna weiter wirtschaftet wie ein Zweitligist mit Aufstiegsbudget. Aber die Frage ist nicht nur, wo gespart wird. Die Frage ist auch, was diese Einsparungen über die Seele des Vereins erzählen.

Und genau hier wurde Samir Arabi zum vielleicht wichtigsten Faktor des Abends. Nicht, weil er Wunder versprochen hätte. Im Gegenteil. Arabi wirkte gerade deshalb glaubwürdig, weil er keine Wunder versprach. Sein Satz, dieser Club sei geil, aber die Situation scheiße, trifft den Zustand der Fortuna ziemlich genau. Noch stärker war seine Beschreibung, Fortuna sei im Moment eine Hülle, die wieder mit Leben gefüllt werden müsse. Das ist hart. Aber es ist ehrlich.

Arabi hat verstanden, dass es nicht nur um Namen, Positionen und Marktwerte geht. Es geht um ein neues Innenleben. Um eine Mannschaft, die nicht nur das Trikot trägt, sondern den Verein aushält. Auch dann, wenn es in Großaspach, Essen, Rostock oder irgendwo anders unbequem wird. Er sprach von Einheit, aber nicht von blinder Harmonie. Von konstruktivem Arbeiten, nicht von Ja-Sagerei. Von einem Boot, in dem keiner sein eigenes Ding fahren darf. Genau das ist der richtige Ansatz.

Die Frage ist nur: Bekommt er dafür genug Zeit, genug Rückendeckung und genug Struktur?

Denn eines darf nicht passieren: dass Arabi jetzt als neuer Hoffnungsträger vor die Ruine gestellt wird und am Ende allein die Verantwortung tragen soll, wenn der Wiederaufbau länger dauert. Er ist nicht der Mann, der den Abstieg verursacht hat. Er ist der Mann, der ihn reparieren soll. Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Auch beim Thema medizinische Abteilung, Belastungssteuerung und Muskelverletzungen wurde deutlich, dass Fortuna über Jahre Probleme erkannt, aber offenbar nicht konsequent genug gelöst hat. Wenn auf dem Forum offen gesagt wird, dass Prozesse, Verantwortlichkeiten und Kommunikation zwischen Athletik, Medizin, Physio und sportlicher Leitung nicht sauber genug waren, dann ist das ein Alarmsignal. Verletzungen sind im Fußball nie komplett vermeidbar. Aber Häufungen, unklare Entscheidungswege und wiederkehrende Probleme sind kein Schicksal. Sie sind Führungsaufgaben.

Ein weiteres starkes Thema war der Aufsichtsrat. Hier wurde es emotional. Und das zu Recht. Mitglieder stellten die Frage, ob es nach zwei Abstiegen, mehreren Trainern, mehreren Vorständen und einer ganzen Reihe sportlicher Fehlentscheidungen wirklich einfach weitergehen könne. Die Forderung nach Rücktritten stand klar im Raum. Borgerding und Fuchs verwiesen auf demokratische Prozesse, die Mitgliederversammlung und darauf, dass nicht alles schlecht gewesen sei. Auch das stimmt. Es gab positive Entwicklungen. Fortuna für alle, Investitionen ins NLZ, Sponsorenbindung, Infrastrukturprojekte, Frauenfußball, Jugend. All das darf man nicht unter den Tisch fallen lassen.

Aber es reicht eben nicht, auf das Gute zu zeigen, wenn das Schlechte gerade den Verein in Liga drei gerissen hat.

Wer Verantwortung trägt, muss mehr tun, als Verantwortung auszusprechen. Verantwortung bedeutet auch, glaubwürdig zu erklären, warum ausgerechnet dieselben Personen jetzt die richtigen sein sollen, um aus der Krise herauszuführen. Vielleicht ist Kontinuität in einigen Bereichen wichtig. Vielleicht wäre ein kompletter Kahlschlag gefährlich. Aber die Mitglieder haben jedes Recht, diese Frage hart zu stellen. Denn es ist ihr Verein. Nicht der Verein einzelner Funktionsträger. Nicht der Verein eines Gremiums. Nicht der Verein einer Marke. Fortuna gehört den Mitgliedern.

Das Mitgliederforum war deshalb kein Befreiungsschlag. Es war ein Anfang. Mehr nicht.

Es war gut, dass gesprochen wurde. Es war gut, dass kritische Fragen zugelassen wurden. Es war gut, dass nicht alles weichgespült wurde. Aber jetzt beginnt der entscheidende Teil. Denn Worte kosten nichts. Dritte Liga kostet alles: Geld, Geduld, Nerven, Status und im schlimmsten Fall Identität.

Fortuna steht jetzt vor einer brutalen Bewährungsprobe. Dieser Verein muss sportlich schnell konkurrenzfähig werden, wirtschaftlich sauber bleiben, menschlich wieder Vertrauen gewinnen und gleichzeitig eine Mannschaft aufbauen, mit der sich die Leute wieder identifizieren können. Nicht in Hochglanzvideos. Nicht in Slogans. Nicht in PowerPoint-Sätzen. Sondern samstags auf dem Platz. In Zweikämpfen. In Körpersprache. In Laufbereitschaft. In Ehrlichkeit. In Haltung.

Die neue Saison darf kein Marketingprojekt werden. Sie muss ein Charaktertest werden.

Und genau deshalb sollte niemand diesen Abend zu früh schönreden. Ja, es gab ehrliche Sätze. Ja, es gab Selbstkritik. Ja, es gibt mit Arabi einen Mann, der offenbar verstanden hat, dass dieser Verein keine weitere Luftschloss-Saison überlebt. Aber der Absturz ist nicht dadurch aufgearbeitet, dass man ihn erklärt. Er ist erst dann aufgearbeitet, wenn andere Entscheidungen getroffen werden. Bessere Entscheidungen. Frühere Entscheidungen. Mutigere Entscheidungen.

Fortuna muss wieder Fußballverein werden. Nicht gefühlter Erstligist. Nicht verwalteter Traditionsname. Nicht Projektionsfläche für schöne Kampagnen. Sondern ein Verein, der weiß, wer er ist, wo er steht und was er seinen Fans schuldet.

Und jetzt seid ihr dran:

Wie bewertet ihr das Mitgliederforum?
Reichen euch die Erklärungen der Verantwortlichen?
Muss es personelle Konsequenzen im Aufsichtsrat geben?
Glaubt ihr, dass Samir Arabi der richtige Mann für den Neuaufbau ist?
Und was ist euch wichtiger: sofortiger Wiederaufstieg um jeden Preis oder ein ehrlicher Neuaufbau mit echter Fortuna-DNA?

Diskutiert gerne sachlich, kritisch und leidenschaftlich. Genau davon lebt dieser Verein.

Fortuna ist gefallen. Jetzt muss sie beweisen, dass sie wieder aufstehen kann.

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