UNTER DÜSSELDORFS ALTSTADT LIEGT EIN VERGESSENER FRIEDHOF – WAS ARCHÄOLOGEN AN…

☝️🫵👉 UNTER DÜSSELDORFS ALTSTADT LIEGT EIN VERGESSENER FRIEDHOF – WAS ARCHÄOLOGEN AN…
☝️🫵👉 UNTER DÜSSELDORFS ALTSTADT LIEGT EIN VERGESSENER FRIEDHOF – WAS ARCHÄOLOGEN AN…

☝️🫵👉 UNTER DÜSSELDORFS ALTSTADT LIEGT EIN VERGESSENER FRIEDHOF – WAS ARCHÄOLOGEN AN ST. LAMBERTUS ENTDECKT HABEN

Wer heute über den Stiftsplatz spaziert, den berühmten schiefen Kirchturm von St. Lambertus fotografiert oder am Fischerjungenbrunnen verweilt, bewegt sich über einem bemerkenswerten Stück Düsseldorfer Geschichte. Denn unter dem Pflaster rund um die Kirche befinden sich noch immer Überreste eines mittelalterlichen Friedhofs, auf dem über Jahrhunderte die Einwohner der damaligen Stadt bestattet wurden. Dass dieser historische Begräbnisplatz existierte, ist schon länger bekannt. Doch bei den inzwischen abgeschlossenen Sanierungsarbeiten am Fischerjungenbrunnen konnten Archäologen weitere aufschlussreiche Spuren dokumentieren. Die Stadt Düsseldorf stellte die Ergebnisse am 23. Oktober 2026 vor und erklärte den historischen Kirchhof zum Bodendenkmal des Monats Oktober.

EIN GRAB UNTER DEM FISCHERJUNGENBRUNNEN

Während der Bauarbeiten, die bereits im September abgeschlossen wurden, untersuchten Fachleute der Firma archäologie.de das Erdreich an der Nordostecke der Lambertuskirche. Der Untergrund war durch zahlreiche frühere Eingriffe teilweise stark verändert worden. Zwischen Ziegelbruch, Mörtelresten und Keramikscherben fanden sich zunächst verstreute menschliche und tierische Knochen.

In etwa einem Meter Tiefe bot sich jedoch ein anderes Bild. Auf der Sohle eines Leitungsgrabens lagen ein menschlicher Schädel sowie Teile der Hals- und Brustwirbelsäule, der Schlüsselbeine und eines Oberarmknochens noch in ihrer ursprünglichen Position. Anders als bei den verstreuten Knochen handelte es sich um die Überreste einer ungestörten Bestattung.

Die Lage der Gebeine zeigte, dass der Verstorbene nach christlicher Tradition mit Blick nach Osten beigesetzt worden war. Wer dieser Mensch war, wann genau er lebte und unter welchen Umständen er starb, lässt sich aus den bislang veröffentlichten Erkenntnissen nicht bestimmen.

Die Archäologen dokumentierten den Befund sorgfältig. Da für die Sanierung keine weiteren tiefen Eingriffe erforderlich waren, konnten die sterblichen Überreste an ihrem ursprünglichen Ort verbleiben. Das Grab liegt somit weiterhin geschützt unter dem heutigen Stiftsplatz.

ALS DÜSSELDORF NOCH EIN KLEINES DORF WAR

Die Geschichte des ehemaligen Friedhofs führt weit zurück in die Anfänge Düsseldorfs. Bereits seit mindestens der Mitte des 12. Jahrhunderts stand an der Stelle der heutigen Lambertuskirche ein Gotteshaus. Vermutlich wurde es um 1206 zur Pfarrkirche erhoben. Es ist anzunehmen, dass die Bewohner des damaligen Dorfes an der Düssel ihre Verstorbenen schon zu dieser Zeit unmittelbar neben der Kirche bestatteten.

Nach der Stadterhebung von 1288 entwickelte sich Düsseldorf zunehmend zu einem bedeutenderen Ort. Im Zentrum entstand ein Kanonikerstift, und die ältere Kirche wurde durch einen wesentlich größeren gotischen Neubau ersetzt. Die Arbeiten zogen sich über mehrere Jahrzehnte hin. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts war schließlich die dreischiffige Hallenkirche vollendet, die noch heute das Erscheinungsbild der Altstadt prägt.

Der dazugehörige Friedhof wird erstmals 1303 ausdrücklich in einer Urkunde erwähnt. Über viele Generationen hinweg war der Kirchhof der zentrale Begräbnisplatz der katholischen Bevölkerung Düsseldorfs.

Rund um die Kirche entstand außerdem ein eigener, von der übrigen Stadt abgegrenzter Rechtsbezirk, die sogenannte Stiftsimmunität. Er umfasste ungefähr den heutigen Stiftsplatz. Eine Mauer markierte seine nördliche Grenze. Die Fundamente dieser einstigen Abgrenzung wurden bereits 2012 bei Leitungsarbeiten in der Straße Alte Stadt freigelegt.

TOTENKRONEN UND EIN LÄNGST VERSCHWUNDENES BEINHAUS

Auch die jüngsten Grabfunde stehen nicht allein. Bereits 2016 hatten Archäologen bei Bauarbeiten südlich der Lambertuskirche mehrere ungestörte Bestattungen entdeckt. Einige der Gräber lagen nur etwa 60 Zentimeter unter dem heutigen Pflaster.

Besonders bemerkenswert waren grünliche Verfärbungen an einigen Schädeln. Sie stammten von korrodierten Kupferdrähten, die ursprünglich zu sogenannten Totenkronen gehörten. Diese kunstvoll gefertigten Kränze aus Draht und Textilien wurden zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert unverheirateten Verstorbenen mit ins Grab gegeben.

Solche Funde erzählen von einer Bestattungskultur, in der persönliche Lebensumstände, religiöse Vorstellungen und gesellschaftliche Traditionen auch über den Tod hinaus eine wichtige Rolle spielten.

Bei den Untersuchungen von 2016 kamen außerdem Fundamente eines kleinen Gebäudes ans Licht. Vermutlich handelte es sich um ein ehemaliges Beinhaus, in dem menschliche Gebeine aufbewahrt wurden, wenn ältere Grabstellen erneut benötigt wurden.

Ein historisches Schriftstück aus dem Jahr 1570 liefert dazu eine ungewöhnliche Schilderung: Darin beklagte sich ein Zeitgenosse darüber, dass Schweine in dem Beinhaus wühlten. Eine heute befremdliche Vorstellung, die jedoch einen unmittelbaren Einblick in die damaligen Lebensverhältnisse vermittelt.

WARUM DER FRIEDHOF VERSCHWAND

Mit dem Wachstum Düsseldorfs wurde der Platz um St. Lambertus zunehmend knapp. Aus dem kleinen mittelalterlichen Ort hatte sich eine Residenzstadt und Landesfestung entwickelt, deren Bevölkerung über die Jahrhunderte erheblich gewachsen war.

Immer neue Bestattungen führten dazu, dass die Verstorbenen zunehmend näher unter der Erdoberfläche lagen. Gleichzeitig erhöhte sich das Geländeniveau des Kirchhofs. Bei Rheinhochwasser hatte dies Auswirkungen auf die umliegenden Häuser. Hinzu kamen Beschwerden über den Verwesungsgeruch.

1766 wurde der Friedhof schließlich geschlossen. Die katholischen Einwohner Düsseldorfs wurden fortan außerhalb der damaligen Stadtbefestigung vor dem Flinger Tor bestattet.

1815 ebnete man das ehemalige Friedhofsgelände ein und gestaltete es zu einem öffentlichen Platz um. Die Grabstätten verschwanden damit aus dem sichtbaren Stadtbild, blieben aber teilweise unter der Oberfläche erhalten.

Erst viel später erhielt der Platz eines seiner heutigen Wahrzeichen. 1938 wurde anlässlich des 650-jährigen Stadtjubiläums der Fischerjungenbrunnen aufgestellt. Er erinnert an die enge Verbindung Düsseldorfs mit dem Rhein und der Fischerei.

Dass die Sanierung dieses Brunnens nun erneut Einblicke in die Geschichte des alten Kirchhofs ermöglicht hat, verbindet zwei sehr unterschiedliche Kapitel der Düsseldorfer Vergangenheit miteinander. Die Arbeiten sind inzwischen beendet, und der Brunnen führt wieder Wasser.

STADTGESCHICHTE DIREKT UNTER UNSEREN FÜSSEN

Das eigentlich Faszinierende an diesen archäologischen Erkenntnissen ist nicht allein der Fund menschlicher Überreste. Es ist die Erkenntnis, wie viele Schichten Geschichte sich unter einem Ort verbergen, den wir längst zu kennen glauben.

Wo heute Menschen durch die Altstadt schlendern, Kinder am Brunnen spielen und Besucher die Architektur von St. Lambertus bewundern, wurden über Jahrhunderte Verstorbene zur letzten Ruhe gebettet. Der heutige Stiftsplatz war einst ein Friedhof, umgeben von geistlichen Einrichtungen, historischen Gebäuden und den Häusern einer stetig wachsenden Stadt.

Die Untersuchungen der vergangenen Jahre haben dieses Bild Schritt für Schritt ergänzt. Die freigelegten Mauerfundamente von 2012, die Gräber und Gebäudereste von 2016 sowie die bei der jüngsten Brunnensanierung dokumentierte Bestattung gehören zu den vielen Spuren, mit denen sich Düsseldorfs frühe Geschichte immer genauer nachvollziehen lässt.

Der alte Kirchhof ist deshalb nicht erst durch den jüngsten Fund zu einem bedeutenden historischen Ort geworden. Die neuen Erkenntnisse machen vielmehr erneut deutlich, wie viel Vergangenheit unter dem heutigen Pflaster bewahrt geblieben ist.

Wer künftig am Fischerjungenbrunnen steht und auf den schiefen Turm von St. Lambertus blickt, sieht vielleicht mehr als eines der bekanntesten Fotomotive Düsseldorfs.

Denn die Geschichte unserer Stadt begegnet uns nicht nur in alten Gebäuden, Urkunden und Museen. Manchmal liegt sie unmittelbar unter unseren Füßen.

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