
☝️🫵👉 WENN DÜSSELDORF SEINER VERSTORBENEN GEDENKT – ALLERHEILIGEN ZWISCHEN LICHT, ERINNERUNG UND GELEBTEM BRAUCHTUM
Wenn sich am kommenden Sonntag die Dämmerung über Düsseldorf legt, werden auf vielen Friedhöfen wieder unzählige Kerzen brennen. Familien besuchen die Gräber ihrer Angehörigen, legen Blumen nieder und nehmen sich Zeit für Erinnerungen. Allerheiligen gehört zu jenen stillen Tagen im Jahreslauf, an denen die Vergangenheit besonders nahe rückt. In Düsseldorf hat das Totengedenken eine lange Tradition, die bis heute in den Stadtteilen gepflegt wird. Einen außergewöhnlichen Rahmen erhält der Feiertag am 1. November 2026 auf dem Nordfriedhof, wo die Stadt erneut zu einer großen Illumination mit Musik, Begegnungen und besonderen Angeboten einlädt.
DER NORDFRIEDHOF WIRD ZUM LEUCHTENDEN ORT DER ERINNERUNG
Düsseldorfs größter Friedhof verwandelt sich an Allerheiligen wieder in eine besondere Lichtlandschaft. Ab 17:15 Uhr werden die Lindenallee am Haupteingang, die historische Friedhofskapelle und ausgewählte Grabmale farbig angestrahlt. Die Beleuchtung hebt die Architektur, den alten Baumbestand und die kunstvoll gestalteten Grabstätten hervor. Während die illuminierten Grabmale bis 20:30 Uhr zu sehen sind, bleiben der Eingangsbereich und die Kapelle sogar bis 22 Uhr beleuchtet.
Die Veranstaltung hat inzwischen selbst Tradition. Seit 2014 lädt die Stadt zu diesem besonderen Allerheiligenprogramm ein. In den Jahren der Energiekrise wurde zeitweise auf elektrische Beleuchtung verzichtet und stattdessen eine Atmosphäre mit Kerzen geschaffen. Inzwischen ist die Illumination zurückgekehrt und verbindet die ursprüngliche Idee des Gedenkens mit der kulturhistorischen Bedeutung des Friedhofs.
Denn der Nordfriedhof ist weit mehr als eine Begräbnisstätte. Seit über 140 Jahren erzählt er mit seinen Grabmalen, Denkmälern und alten Alleen ein Stück Düsseldorfer Stadtgeschichte. Hier begegnen sich unterschiedliche Epochen der Grabgestaltung, bekannte Persönlichkeiten und die ganz persönlichen Geschichten vieler Düsseldorfer Familien.
EIN TAG MIT MUSIK, GESPRÄCHEN UND BESONDEREN BEGEGNUNGEN
Das Programm beginnt bereits am Vormittag. Zwischen 11 und 18 Uhr informieren die Stadt, Bestattungsunternehmen, Friedhofsgärtnereien, Steinmetze, Floristen und die Kirchen an verschiedenen Ständen über Friedhofskultur, Bestattung und Trauerbegleitung.
Um 13 Uhr findet in der Kapelle eine ökumenische Andacht mit Orgelmusik statt. Um 14 Uhr lädt die Fotografin, Journalistin und Autorin Annika Eliane Krause unter dem Titel „Hallo und auf Wiedersehen. Frauen in Grenzgängen des Lebens“ zu einer Bilderausstellung mit Lesung ein. Um 16 Uhr folgen Jazz- und Popmusik mit dem Duo Müller und Michalke.
Neu ist in diesem Jahr der Mitmachparcours „Der kleine Abschiedsweg“ für Kinder. Zwischen 13 und 15 Uhr können sich Mädchen und Jungen an verschiedenen Stationen spielerisch mit Abschied, Erinnerung und Bestattungskultur beschäftigen. Gemeinsam mit Fachleuten gestalten sie unter anderem Erinnerungssteine, kleine Holzarbeiten und einen symbolischen Sarg. Um 15 Uhr endet das Angebot mit einer gemeinsamen symbolischen Beerdigung. Damit soll Kindern ein behutsamer Zugang zu einem Thema ermöglicht werden, das im Familienalltag häufig nur schwer anzusprechen ist.
Ab 17:30 Uhr führen Taschenlampenführungen durch den historischen Teil des Friedhofs. Dabei erfahren die Teilnehmer mehr über kunstvolle Grabstätten und bedeutende Persönlichkeiten aus der Düsseldorfer Geschichte. Eine vorherige Onlineanmeldung ist erforderlich. Die eigene Taschenlampe sollte mitgebracht werden.
Ebenfalls ab 17:30 Uhr öffnet die Kapelle einen Raum für Stille und Gebet. Um 19:45 Uhr klingt das Programm mit einem musikalischen Abendsegen aus, begleitet von Orgel, Saxophon und weiteren musikalischen Beiträgen.
Ein besonderer Service richtet sich an Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Von 10 bis 17 Uhr stehen an den Eingängen Fahrrad-Rikschas bereit, die Besucher zu den Gräbern oder zur Kapelle bringen können. Ehrenamtliche und Seelsorgende beider Kirchen bieten außerdem persönliche Gespräche und auf Wunsch Begleitung zu den Grabstätten an.
GRÄBERSEGNUNGEN IN DEN DÜSSELDORFER VEEDELN
Nicht nur auf dem Nordfriedhof wird am Sonntag der Verstorbenen gedacht. Auch in vielen Düsseldorfer Stadtteilen haben sich eigene Bräuche und Formen des Totengedenkens erhalten.
In Benrath beginnt Allerheiligen um 11 Uhr mit einer Heiligen Messe in St. Cäcilia an der Hauptstraße 14. Zur gleichen Zeit wird in der Herz-Jesu-Kirche an der Urdenbacher Allee 113 Gottesdienst gefeiert. Anschließend werden auf den jeweiligen Pfarrfriedhöfen die Gräber gesegnet.
In Hassels versammeln sich Gläubige um 15 Uhr auf dem Friedhof an der Hasselstraße zu einer Andacht mit anschließender Gräbersegnung. Auch in Heerdt beginnt um 15 Uhr das traditionelle Totengedenken auf dem Friedhof, zunächst in der Friedhofskapelle.
Eine besondere Atmosphäre erwartet die Besucher des Gerresheimer Waldfriedhofs. Dort beginnt um 15 Uhr vor der unteren Kapelle an der Quadenhofstraße 151 eine Andacht für die Verstorbenen. Besucher können ein Grablicht mitbringen, das am Licht der Osterkerze entzündet und anschließend auf das Grab eines Angehörigen gestellt werden kann. In Hubbelrath beginnt die Gräbersegnung um 17 Uhr mit einer Andacht auf dem Friedhof am Priestergrab.
Auch der Düsseldorfer Norden pflegt seine Traditionen. Auf dem Unterrather Friedhof an der Unterrather Straße 51 findet um 15 Uhr die Gräbersegnung statt. In Lohausen beginnt ebenfalls um 15 Uhr eine Andacht in St. Mariä Himmelfahrt, an die sich ein gemeinsamer Gang zum Friedhof mit Gräbersegnung anschließt. In Kaiserswerth ist für 16 Uhr eine Gedenkfeier in der Friedhofskapelle an der Schleifergasse vorgesehen.
ALLERSEELEN – WENN NAMEN WIEDER LAUT AUSGESPROCHEN WERDEN
Auf Allerheiligen folgt am Montag, 2. November, das katholische Fest Allerseelen. Während Allerheiligen ursprünglich dem Gedenken an alle Heiligen gewidmet ist, steht an Allerseelen ausdrücklich die Erinnerung an die Verstorbenen im Mittelpunkt. Im gelebten Brauchtum sind beide Tage eng miteinander verbunden.
In vielen Düsseldorfer Kirchengemeinden werden deshalb an diesem Montag die Namen jener Menschen verlesen, die innerhalb des vergangenen Jahres gestorben sind. Für sie werden Kerzen entzündet und Gebete gesprochen.
In Flingern findet um 19 Uhr in St. Paulus am Paulusplatz eine besondere Heilige Messe statt, bei der die Verstorbenen namentlich genannt werden. Für jeden von ihnen wird eine Kerze entzündet. Anschließend besteht Gelegenheit zum stillen Gebet, bevor um 21 Uhr ein Abendsegen folgt.
In der Altstadt laden die Dominikaner am Montagabend in die Kirche St. Andreas an der Andreasstraße 10 ein. Ab 19 Uhr beginnt dort ein Abend der Trauer und des Trostes. Um 19:30 Uhr folgt ein gemeinsamer Gottesdienst mit der Möglichkeit, einen persönlichen Einzelsegen zu empfangen.
Auch in zahlreichen anderen Gemeinden, darunter Benrath, Hassels, Oberkassel, Derendorf und Gerresheim, finden Gottesdienste und besondere Formen des Totengedenkens statt.
EIN BRAUCH, DER GENERATIONEN VERBINDET
Die Gräbersegnung gehört zu den älteren christlichen Traditionen rund um Allerheiligen und Allerseelen. Angehörige schmücken die Ruhestätten mit Blumen, Gestecken und Kränzen, entzünden Grablichter und kommen zum gemeinsamen Gebet zusammen. Viele Familien nutzen den Feiertag zugleich für einen Besuch bei Verwandten und für Erinnerungen an Menschen, die nicht mehr unter ihnen sind.
Gerade in Düsseldorf, wo die Stadtteile teilweise über Jahrhunderte gewachsene Dorfgemeinschaften bewahrt haben, ist diese Tradition eng mit der jeweiligen Heimatgeschichte verbunden. Auf den Friedhöfen begegnen sich Generationen und Familiengeschichten. Alte Grabsteine erinnern an Menschen, die das Leben eines Veedels geprägt haben, während jüngere Grabstätten von persönlichen Verlusten und der Gegenwart erzählen.
Dabei ist der Besuch eines Friedhofs keineswegs allein eine religiöse Angelegenheit. Auch Menschen ohne kirchliche Bindung suchen an diesen Tagen die Nähe zu verstorbenen Angehörigen, stellen ein Licht auf oder nehmen sich einen Moment der Stille.
Die Illumination auf dem Nordfriedhof macht diese besondere Bedeutung sichtbar. Sie zeigt den Friedhof nicht nur als Ort des Abschieds, sondern auch als Ort der Erinnerung, der Kultur und des gesellschaftlichen Miteinanders.
WICHTIGE INFORMATIONEN FÜR BESUCHER
Die Illumination auf dem Nordfriedhof findet am Sonntag, 1. November 2026, statt.
Nordfriedhof Düsseldorf
Am Nordfriedhof 1
Informationsstände von 11 bis 18 Uhr.
Rahmenprogramm ab 13 Uhr.
Beginn der Illumination um 17:15 Uhr.
Beleuchtung ausgewählter Grabmale bis 20:30 Uhr.
Beleuchtung von Eingangsbereich und Kapelle bis 22 Uhr.
Anmeldung zur Taschenlampenführung:
https://login.vr-ticket.de/lhd-gartenamt/allerheiligen-nordfriedhof/
Die Stadt empfiehlt wegen der begrenzten Parkmöglichkeiten die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
WENN EIN LICHT MEHR ERZÄHLT ALS TAUSEND WORTE
Vielleicht ist es gerade die Schlichtheit dieser Tradition, die Allerheiligen bis heute so besonders macht. Eine Kerze, ein Blumenstrauß, ein stiller Augenblick vor einem Grab – manchmal braucht es nicht mehr, um einem geliebten Menschen nahe zu sein.
Wenn am Sonntag auf Düsseldorfs Friedhöfen die Lichter brennen und die alten Alleen des Nordfriedhofs in besonderem Glanz erstrahlen, geht es deshalb um weit mehr als eine schöne Beleuchtung. Es geht um Menschen, um Erinnerungen und um jene Verbindungen, die selbst mit dem Tod nicht einfach verschwinden.
Denn wer sich erinnert, bewahrt ein Stück gemeinsamer Geschichte.
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