
☝️🫵👉 DIE INNENSTADT VON MORGEN: DÜSSELDORF WILL ALTSTADT UND CITY NEU DENKEN
Die Düsseldorfer Innenstadt kann vieles gleichzeitig sein: Einkaufsmeile, Wohnort, Arbeitsplatz, Kulturzentrum, Partyviertel, Touristenmagnet und öffentlicher Treffpunkt. Genau darin liegt ihre Stärke – und zunehmend auch ihr Problem. Wo so viele Interessen auf engem Raum zusammentreffen, entstehen Konflikte. Wohnen trifft auf Nachtleben, Aufenthaltsqualität auf Verkehr, Handel auf Leerstand und sommerliche Hitze auf dicht versiegelte Straßen und Plätze.
Wie Düsseldorf mit diesen Widersprüchen künftig umgehen will, wird jetzt politisch konkret. Am Freitag, 9. Oktober, beschäftigt sich die Bezirksvertretung 1 mit der neuen Umsetzungsstrategie „Zukunft Altstadt/Innenstadt“. Am kommenden Mittwoch folgt die Beratung im Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung. Im November soll schließlich der Rat entscheiden.
Hinter dem sperrigen Namen steckt eines der umfangreicheren Zukunftsprojekte für das Düsseldorfer Zentrum. Grundlage ist das Ende 2022 beschlossene Stadtentwicklungskonzept Raumwerk D. Aus dessen Schlüsselraum „Zukunft Innenstadt“ wurde in den vergangenen Jahren eine konkrete Strategie entwickelt. Mehrere Workshops, eine Onlinebeteiligung, Gespräche mit Fachämtern und Akteuren sowie ein Pop-up-City-Walk haben Ideen zusammengetragen und gegeneinander abgewogen.
Dabei zeigt sich ziemlich deutlich: Düsseldorf will seine Innenstadt künftig nicht mehr hauptsächlich als Einkaufs- und Bürostandort betrachten.
Die Stadt spricht von einer resilienten, gemischten Innenstadt. Dahinter steckt die Idee, dass ein Zentrum auch dann funktionieren muss, wenn sich Handel verändert, Büroflächen anders genutzt werden oder klimatische Belastungen zunehmen. Wohnen, Kultur, Gastronomie, Arbeiten, Freizeit, soziale Angebote und öffentliche Räume sollen stärker miteinander verbunden werden.
Eines der deutlichsten Ergebnisse der bisherigen Beteiligung betrifft Orte, an denen man sich einfach aufhalten kann, ohne etwas kaufen oder konsumieren zu müssen. Gerade in der Altstadt fehlen zwischen Gastronomie, Nachtleben und dichtem Besucherverkehr ruhige Rückzugsräume. Als besonders interessanter Ort wurde dabei immer wieder der Alte Hafen genannt.
Ausgerechnet der kleine historische Hafen zwischen Altstadt und Carlstadt könnte künftig eine ganz andere Rolle bekommen. Bereits bei einem Workshop im vergangenen Jahr wurden Entwürfe vorgestellt, die ihn stärker als ruhigen Aufenthaltsort entwickeln sollen. Mehr Grün, bessere Sitzmöglichkeiten und eine Gestaltung, die den historischen Charakter bewahrt, könnten aus dem etwas versteckten Ort einen Gegenpol zum Trubel der Altstadt machen.
Auch der Rhein spielt eine zentrale Rolle. Die Idee eines weiterentwickelten Rheinboulevards gehört zu den Ansätzen, mit denen die Verbindung zwischen Innenstadt und Fluss verbessert werden soll. Düsseldorf besitzt mit seiner Rheinuferpromenade bereits einen der beliebtesten öffentlichen Räume der Stadt. Die Strategie fragt nun, wie diese Qualität weitergeführt und besser mit angrenzenden Quartieren verbunden werden kann.
Ein weiteres Thema könnte für die Zukunft der City entscheidend werden: Wohnen.
In klassischen Einkaufslagen sollen künftig stärker Möglichkeiten geprüft werden, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Das klingt zunächst simpel, ist aber ein grundlegender Kurswechsel. Innenstädte, die abends fast ausschließlich aus Geschäften und Büros bestehen, verlieren nach Ladenschluss schnell an Leben. Mehr Bewohner könnten dagegen dafür sorgen, dass Quartiere auch außerhalb der Geschäftszeiten funktionieren.
Genau hier beginnen allerdings die schwierigen Fragen.
Wie viel Wohnen verträgt eine Altstadt, die gleichzeitig ein überregional bekanntes Nachtleben besitzt? Wie lassen sich Anwohner vor Lärm schützen, ohne Gastronomie und Kultur abzuwürgen? Wie bleibt die Innenstadt für Besucher erreichbar, während gleichzeitig mehr Platz für Fußgänger, Radverkehr, Grün und Aufenthalt geschaffen werden soll?
Die Strategie versucht deshalb bewusst, Mobilität nicht isoliert zu betrachten. Aufenthaltsqualität und Erreichbarkeit sollen gemeinsam gedacht werden. Auch neue Sharingangebote spielen dabei eine Rolle. In derselben Sitzung beschäftigt sich die Bezirksvertretung beispielsweise mit zusätzlichen Sharingstationen rund um die Mobilitätsstationen Münsterplatz und Bankstraße.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Kultur und kreativen Nutzungen. Leerstände sollen nicht automatisch jahrelang ungenutzt bleiben. Temporäre Nutzungen, Kunst, Kultur, Handwerk, Subkultur und kreative Wirtschaft sollen stärker Möglichkeiten erhalten, Räume in der Innenstadt zu bespielen. Die Idee dahinter: Eine Innenstadt bleibt interessant, wenn dort Dinge entstehen – nicht nur verkauft werden.
Auch Sport und Bewegung tauchen in den Zukunftsüberlegungen auf. Öffentliche Räume sollen stärker so gestaltet werden, dass sie unterschiedliche Nutzergruppen ansprechen. Kinder und Jugendliche, Familien, ältere Menschen oder Menschen, die sich einfach treffen möchten, sollen im Zentrum Orte finden, die nicht ausschließlich auf Konsum ausgerichtet sind.
Dass diese Fragen dringend sind, zeigt die Bestandsaufnahme der Stadt. Für die Strategie wurden zunächst 64 bereits bestehende oder geplante Vorhaben untersucht. Dabei identifizierte die Planung 26 zentrale Herausforderungen – von Klimaresilienz und familienfreundlicher Infrastruktur über bezahlbares beziehungsweise konfliktarmes Wohnen bis zu kreativen Milieus, Handel, Gastronomie und sogenannten dritten Orten zwischen Zuhause und Arbeitsplatz.
Daraus entstanden zehn Zielrichtungen und konkrete Zukunftsprojekte.
Wichtig ist allerdings: Am Freitag wird kein riesiges Bauprogramm beschlossen.
Für die Umsetzung der Zukunftsprojekte stehen mit diesem Beschluss nicht automatisch zusätzliche Millionen im Haushalt bereit. Einige Maßnahmen könnten mit vorhandenen Mitteln angestoßen werden. Andere müssen zunächst vorbereitet werden und warten auf Haushaltsmittel, Förderprogramme oder andere Finanzierungsmöglichkeiten.
Genau darin liegt zugleich die Stärke und die Schwäche solcher Strategiepapiere. Sie können eine klare Richtung vorgeben – aber erst in den kommenden Jahren wird sich zeigen, welche Ideen tatsächlich auf der Straße sichtbar werden.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wie Düsseldorf seine Innenstadt plant.
Sondern welche Innenstadt die Düsseldorfer überhaupt wollen.
Mehr Grün und weniger Autos? Mehr Wohnungen? Mehr Raum für Kultur und Jugendliche? Ruhigere Bereiche in der Altstadt? Oder muss vor allem dafür gesorgt werden, dass Handel, Gastronomie und Besucher weiterhin problemlos ins Zentrum kommen?
Die Bezirksvertretung 1 tagt am Freitag, 9. Oktober 2026, ab 14 Uhr im Rathaus am Marktplatz 2. Die Sitzung beginnt zunächst mit einem nichtöffentlichen Teil. Der anschließende öffentliche Teil kann auch im Livestream verfolgt werden.
www.duesseldorf.de/livestream/livestreams-bezirksvertretungen
Die endgültige Entscheidung über die Umsetzungsstrategie soll der Rat voraussichtlich am 12. November treffen.
Und jetzt seid ihr gefragt: Was fehlt euch in Düsseldorfs Innenstadt wirklich? Mehr Grün, weniger Verkehr, mehr Wohnen, bessere Plätze zum Sitzen, mehr Kultur – oder etwas ganz anderes?
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