
☝️🫵👉 ABSCHIED VOM „IM SCHIFFCHEN“ – IN KAISERSWERTH GEHT EINE GROSSE KULINARISCHE ÄRA ZU ENDE
Fast ein halbes Jahrhundert lang war das „Im Schiffchen“ am Kaiserswerther Markt eine der bedeutendsten Adressen der deutschen Spitzengastronomie. Hier wurde Kochkunst zelebriert, hier trafen französische Raffinesse und rheinische Gastlichkeit aufeinander. Nun deutet alles darauf hin, dass dieses außergewöhnliche Kapitel Düsseldorfer Restaurantgeschichte zu Ende gegangen ist. Nach einem aktuellen Bericht aus Kaiserswerth hat das traditionsreiche Restaurant seine Türen geschlossen. Am Mittwoch wurden bereits Tischwäsche und Teile der Ausstattung aus dem Haus getragen.
Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht ein Mann, der die gastronomische Landschaft Düsseldorfs über Jahrzehnte geprägt hat: Jean-Claude Bourgueil. Der gebürtige Franzose übernahm das Restaurant im Oktober 1977 und verwandelte das historische Backsteinhaus am Kaiserswerther Markt in einen international anerkannten Gourmettempel. Was zunächst mit einer kleinen Mannschaft und bescheidenen Mitteln begann, entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte, die weit über Düsseldorf hinaus Beachtung fand.
Bereits 1979 erhielt das „Im Schiffchen“ seinen ersten Michelin-Stern, 1983 folgte der zweite. 1987 erreichte Bourgueil schließlich die höchste Auszeichnung der internationalen Restaurantwelt: drei Michelin-Sterne. Bis 2006 behauptete sich das Haus in dieser Spitzenklasse. Damit gehörte das „Im Schiffchen“ über viele Jahre zur absoluten Elite der europäischen Gastronomie.
Bourgueil war allerdings nie nur ein Koch, der nach Sternen strebte. Er verstand seine Küche als Ausdruck von Kultur, Erinnerung und persönlicher Erfahrung. Seine Kreationen verbanden klassische französische Kochkunst mit ungewöhnlichen Aromen und überraschenden Ideen. Zu seinen bekannten Gerichten gehörte beispielsweise ein in Kamillenblüten gedämpfter bretonischer Hummer. Auch Gänseleber, Wildgeflügel, Trüffel und später asiatische Einflüsse fanden ihren Platz in seiner Küche. Dahinter stand stets die Überzeugung, dass große Kochkunst nicht allein aus teuren Zutaten entsteht, sondern aus Kreativität, handwerklicher Präzision und einem tiefen Verständnis für Geschmack.
Dabei war sein beruflicher Weg keineswegs vorgezeichnet. Bereits als junger Koch kam Bourgueil nach Düsseldorf und arbeitete unter anderem im Hilton sowie in den legendären Walliser Stuben. In Kaiserswerth fand er schließlich seine gastronomische Heimat. Das „Im Schiffchen“ wurde zu seinem Lebenswerk, und der kleine historische Stadtteil am Rhein erhielt durch ihn einen festen Platz auf der internationalen Gourmetkarte.
Auch das Gebäude selbst erzählt Geschichte. Das denkmalgeschützte Backsteinhaus am Kaiserswerther Markt 9 stammt aus dem Jahr 1733 und gehört zum historischen Ortsbild des Stadtteils. Generationen von Gästen haben hier besondere Abende verbracht. Für viele Düsseldorfer war das Restaurant nicht einfach ein Ort zum Essen, sondern eine Institution, die für außergewöhnliche Gastlichkeit, festliche Anlässe und höchste kulinarische Ansprüche stand.
Dass Bourgueil eines Tages kürzertreten würde, war seit Längerem absehbar. Bereits 2025 wurde über einen Verkauf und eine Neuausrichtung des Hauses berichtet. Die damaligen Pläne sahen unter anderem eine Weinbar und eine weniger förmliche Gastronomie vor. Der zunächst angekündigte Verkauf kam jedoch nicht zustande. Noch Anfang Oktober 2026 erklärte Bourgueil in einem ausführlichen Interview, weiterhin selbst Chef des Hauses zu sein und nach einem Käufer zu suchen. Zugleich machte er deutlich, dass ein Verkauf für ihn wahrscheinlich auch das endgültige Ende seiner Tätigkeit als Koch bedeuten würde.
Nun scheint dieser Abschied schneller gekommen zu sein, als viele Freunde seiner Küche erwartet hatten. Ein Bericht vom 28. Oktober schildert die Räumung des Restaurants und das Ende des Betriebs. Eine entsprechende offizielle Abschiedsmitteilung findet sich auf der Internetseite des „Im Schiffchen“ bislang allerdings nicht. Dort werden weiterhin die bisherigen Öffnungszeiten genannt. Auch über eine mögliche Nachnutzung des historischen Hauses liegen derzeit keine verlässlich bestätigten Einzelheiten vor.
Unabhängig davon markiert die Entwicklung eine Zäsur für Düsseldorf. Jean-Claude Bourgueil hat nicht nur Gäste aus aller Welt begeistert, sondern auch Generationen von Köchen geprägt. Wer in seiner Küche arbeitete, lernte ein Handwerk, in dem Disziplin, Produktkenntnis und kompromissloser Qualitätsanspruch selbstverständlich waren. Viele seiner ehemaligen Mitarbeiter trugen diese Erfahrungen anschließend in andere renommierte Küchen weiter.
Im kommenden Frühjahr wird Bourgueil 80 Jahre alt. Nach nahezu fünf Jahrzehnten am Kaiserswerther Markt wäre ihm ein Ruhestand mehr als gegönnt. Was bleibt, ist ein außergewöhnliches gastronomisches Lebenswerk und die Erinnerung an eine Zeit, in der Düsseldorf durch das „Im Schiffchen“ zu den großen Adressen der europäischen Spitzenküche gehörte.
Für Kaiserswerth wäre der endgültige Abschied nicht nur das Ende eines berühmten Restaurants. Mit dem „Im Schiffchen“ würde auch ein Stück lebendiger Stadtteilgeschichte verschwinden, das über Jahrzehnte Menschen, Geschichten und Erinnerungen miteinander verbunden hat.
Merci, Monsieur Bourgueil, für fast 50 Jahre außergewöhnliche Kochkunst in Düsseldorf!
Und jetzt interessiert uns eure Erinnerung: Wart ihr einmal im „Im Schiffchen“ zu Gast? Gab es einen besonderen Anlass oder ein Gericht, das euch bis heute in Erinnerung geblieben ist?
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