So oder so Ähnlich – Zwei Tore, ein Name – und…

☝️🫵👉 So oder so Ähnlich - Zwei Tore, ein Name – und…
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☝️🫵👉 So oder so Ähnlich – Zwei Tore, ein Name – und am Ende stand Düsseldorfs Geschichte dem Verkehr im Weg

Auf dem historischen Foto stehen Menschen vor der Durchfahrt, daneben wartet ein Pferdewagen mit Fässern. Das Berger Tor gehört ganz selbstverständlich zu ihrer Stadt. Für uns ist diese Aufnahme ein Blick in ein verschwundenes Düsseldorf – für die Menschen damals war es Alltag. Nur wenige Jahre später wurde das Tor abgerissen. Nicht durch einen Krieg, sondern durch eine Entscheidung der Stadt: Der Verkehr sollte mehr Platz bekommen.

Dabei beginnt die Geschichte der Berger Tore lange vor dem Bauwerk, das wir von alten Fotografien kennen. Im späten 14. Jahrhundert wuchs Düsseldorf über seinen ursprünglichen Stadtkern hinaus. Unter Wilhelm von Berg wurde das Stadtgebiet erheblich erweitert und mit einer steinernen Befestigung umgeben. Die kleine Stadt am Rhein gewann an Bedeutung – und brauchte geschützte Zugänge. Das Berger Tor wird 1396 erstmals genannt.

Diese erste, mittelalterliche Berger Pforte entstand zwischen 1394 und 1396 an der Berger Straße, westlich der Einmündung der heutigen Wallstraße. Sie besaß einen Turm und wurde 1449 erweitert. Ihr Standort war also ein anderer als der des späteren, bekannteren Berger Tors. Wer beide gleichsetzt, überspringt einen entscheidenden Teil der Stadtgeschichte.

Einen besonders glanzvollen Zusammenhang bietet das Jahr 1585. Damals heiratete der Erbprinz Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg die Markgräfin Jakobe von Baden. Düsseldorf wurde zur Bühne eines außergewöhnlichen höfischen Festes. Die Hochzeitsbeschreibung des Landschreibers Dietrich Graminaeus und die Kupferstiche von Frans Hogenberg bewahren nicht nur die Erinnerung an das Ereignis: Ihnen verdanken wir auch einige der ältesten Ansichten der Stadt. Eine Darstellung der südlichen Festungsfront zeigt noch das alte Berger Tor. So hat ausgerechnet eine Fürstenhochzeit geholfen, ein Stück des längst verschwundenen Düsseldorf sichtbar zu halten.

Um 1620 endete die Geschichte der mittelalterlichen Pforte. Beim Ausbau der Zitadelle wurde sie abgetragen. Ihr Nachfolger entstand weiter südlich am Ende der Citadellstraße. Es war ein neuer Bau an einem neuen Standort – mit dem vertrauten Namen. 1751 ließ Kurfürst Karl Theodor das Tor repräsentativ erweitern. Wer heute die Fotografien aus dem späten 19. Jahrhundert betrachtet, sieht deshalb keinen unveränderten Bau von 1620, sondern ein über Generationen umgestaltetes Stadttor.

Gerade die Aufnahme von Julius Söhn um 1890 macht seinen besonderen Reiz aus. Der mächtige Torbau steht zwischen Häusern, Bäumen und Zäunen; vor ihm sind Menschen, Pferde und ein beladener Wagen versammelt. Das ist keine menschenleere Architekturkulisse. Es ist ein Stück bewohnte Stadt, in dem sich die große Geschichte der Befestigungen und der gewöhnliche Alltag begegnen. Durch dieselbe Öffnung, die wir heute auf einem alten Bild betrachten, führte damals tatsächlich der Weg.

Doch der Bestand war längst nicht mehr sicher. Bereits 1831 war der Abbruch vorgesehen gewesen, zunächst blieb das Tor jedoch stehen. 1895 fiel schließlich die Entscheidung gegen seinen Erhalt. Die Stadtverwaltung gab es zum Abriss frei – ausdrücklich gegen den Willen des Regierungspräsidenten. Als Begründung nennt das Stadtarchiv die verkehrsgerechtere Gestaltung dieses Stadtbereichs. Der Verlust war also schon damals keineswegs unumstritten.

Darin liegt die eigentliche Bitterkeit dieser Geschichte. Ein Gebäude, das über Jahrhunderte zum Zugang zur Stadt gehört hatte, wurde nun als Hindernis empfunden. Aus heutiger Sicht lässt sich leicht fragen, warum man es nicht bewahrte. Bemerkenswert ist aber, dass diese Frage nicht erst spätere Generationen beschäftigte: Der Widerstand gegen den Abriss gehörte bereits zur damaligen Entscheidung. Trotzdem verschwand das Tor. Was für die einen eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse bedeutete, war für die anderen der endgültige Verlust eines historischen Bauwerks.

Unser 360°-Bild führt an das bekanntere Berger Tor zurück und orientiert sich an seinem Erscheinungsbild um 1890. Es ist eine digitale Rekonstruktion auf Grundlage historischer Ansichten; Farben und nicht vollständig dokumentierte Teile der Umgebung sind ergänzt. Beim Umschauen lässt sich zumindest eine Vorstellung davon gewinnen, wie anders dieser Zugang zur Stadt einmal gewirkt haben könnte – auf Augenhöhe, zwischen Pflastersteinen, Fassaden und der mächtigen Durchfahrt.

Hättet ihr das Berger Tor erhalten – auch wenn dafür eine andere Verkehrslösung nötig gewesen wäre? Und welches verschwundene Düsseldorfer Bauwerk würdet ihr gern einmal auf diese Weise wiederentdecken?

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