
☝️🫵👉 DIE ADLERBRAUEREI: ALS AM WEHRHAHN NOCH BIER IM GROSSEN STIL GEBRAUT WURDE
Wer heute durch die Adlerstraße läuft, denkt wahrscheinlich an Verkehr, Geschäfte, das Humboldt-Gymnasium oder den Wehrhahn. Kaum etwas erinnert daran, dass dieser Teil Düsseldorfs einmal auch Brauereiland war. Und mitten darin stand eine Brauerei, die längst verschwunden ist, deren Name aber über Jahrzehnte Gewicht hatte: die Adlerbrauerei vormals Rudolph Dorst.
Ihre Wurzeln lagen im „Goldadler“, einer jener alten Düsseldorfer Braustätten, aus denen sich im 19. Jahrhundert zunehmend größere Unternehmen entwickelten. Mit Rudolph Dorst wurde aus der traditionellen Brauerei ein Betrieb, der den Übergang von der kleinen Hausbrauerei zur modernen Produktionsstätte mitmachte. Spätestens um 1900 trat das Unternehmen als Aktiengesellschaft Adlerbrauerei vorm. Rudolph Dorst auf. Sitz und Braustätte befanden sich an der Adlerstraße 33.
Das war längst keine kleine Hinterhofbrauerei mehr. Eine Finanzmeldung aus dem Jahr 1902 beschreibt eine Anlage, die auf eine Jahresproduktion von rund 60.000 Hektolitern ausgelegt war. Das ist eine Größenordnung, die deutlich macht, wie sehr sich das Braugewerbe in Düsseldorf damals verändert hatte. Bier wurde nicht mehr nur für die eigene Wirtschaft und die unmittelbare Nachbarschaft gebraut. Produktion, Vertrieb und Kapital wurden größer, technischer und industrieller.
Wie selbstbewusst die Adlerbrauerei auftrat, zeigt auch ihre Werbung. Um 1900 entstand ein aufwendig gestaltetes Plakat für das Bockbier der Actiengesellschaft Adlerbrauerei vorm. Rud. Dorst. Solche Reklame war mehr als nur Werbung für ein Getränk. Sie zeigte, dass Biermarken inzwischen um Aufmerksamkeit kämpften und Brauereien begannen, eine eigene visuelle Identität aufzubauen. Der Adler war nicht nur Name, sondern Erkennungszeichen.
Noch 1915 wurde mit einer Bockbierkarte der Düsseldorfer Adlerbrauerei geworben. Zu diesem Zeitpunkt tobte bereits der Erste Weltkrieg. Rohstoffe wurden knapp, wirtschaftliche Strukturen gerieten unter Druck und auch für die Brauereien begann eine schwierige Zeit. Drei Jahre später endete die Selbstständigkeit der Adlerbrauerei.
1918 wurde sie von der Düsseldorfer Aktiengesellschaft Schwabenbräu übernommen.
Damit verschwand die Adlerbrauerei nicht von einem Tag auf den anderen aus der Erinnerung, wohl aber als eigenständiges Unternehmen. Die Entwicklung war typisch für jene Zeit. Aus vielen kleinen und mittleren Düsseldorfer Brauereien wurden durch Übernahmen, Zusammenschlüsse und Konzentration immer größere Betriebe. Namen, die Generationen gekannt hatten, verschwanden langsam vom Markt.
Gerade deshalb ist die Adlerbrauerei für unsere Serie so interessant. Sie steht genau an der Schnittstelle zweier Welten: auf der einen Seite die alte Düsseldorfer Brauhauskultur mit Namen wie „Goldadler“, auf der anderen Seite Aktiengesellschaft, große Produktionsanlagen und industrieller Biervertrieb.
1938 wurde der „Goldadler von Rudolf Dorst“ in den Düsseldorfer Heimatblättern bereits gemeinsam mit mehreren anderen verschwundenen Brauereien genannt. Zu diesem Zeitpunkt war das Haus längst Geschichte – aber offenbar noch so präsent, dass man den Namen nicht erklären musste.
Heute ist von der alten Brauerei im Straßenbild kaum noch etwas zu erkennen. Und genau darin steckt etwas Faszinierendes: Tausende Menschen passieren täglich Orte, an denen früher Sudkessel standen, Fässer verladen wurden und Bierfahrer ihre Touren begannen, ohne zu wissen, was dort einmal gewesen ist.
Die Adlerbrauerei ist deshalb nicht nur eine Geschichte über Bier.
Sie erzählt vom Düsseldorf der Gründerzeit, vom Wachstum der Stadt, von Industrialisierung und davon, wie schnell etwas verschwinden kann, das für eine Generation noch selbstverständlich zum Stadtbild gehörte.
Und vielleicht kennt jemand von euch noch mehr.
Gab es in eurer Familie Geschichten über die Adlerbrauerei oder den Goldadler? Habt ihr alte Flaschen, Bierdeckel, Reklamekarten oder Fotos? Erinnerten sich eure Eltern oder Großeltern noch an die Brauerei an der Adlerstraße?
Schaut einmal in Schubladen, Fotoalben und alte Nachlässe. Gerade bei den verschwundenen Düsseldorfer Brauereien liegen die spannendsten Stücke Stadtgeschichte manchmal nicht im Museum, sondern noch irgendwo zuhause.
Unsere Reise durch Düsseldorfs Brauereigeschichte hat damit gerade erst begonnen.
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