
☝️🫵👉 ZUR UEL: EINE KNEIPE, IN DER DÜSSELDORF SICH SELBST BEGEGNETE
Es gibt Lokale, in denen man einkehrt. Und es gibt Lokale, in denen eine Stadt über Generationen ein Stück von sich selbst ablegt. Die Uel auf der Ratinger Straße gehört ganz sicher zur zweiten Sorte. Wer in Düsseldorf groß geworden ist oder viele Jahre in dieser Stadt gelebt hat, kennt diesen Namen. Und oft reicht schon ein einziges Wort, um sofort Erinnerungen auszulösen: Ratinger.
Die Geschichte der Uel reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Ursprünglich war das Haus unter dem Namen Im Falken bekannt. Ihren heutigen Namen verdankt die Gaststätte einem mit Eulen geschmückten Zimmer. Aus der Url wurde später die Uehl und schließlich die Uel. Aus einem Namen wurde mit der Zeit ein fester Begriff im Düsseldorfer Stadtgedächtnis.
Schon früh war das Haus weit mehr als nur eine Wirtschaft. Die Uel war Treffpunkt des Bürgertums, Ort für Gespräche, Geselligkeit und Verbindungen. Hier trafen sich die sogenannten Uelen, ein Kreis junger Beamter, Kaufleute, Künstler und Offiziere. Auch die Künstlervereinigung Tartarus hatte hier ihren Ursprung. Und am 7. Mai 1880 wurde in der Uel sogar der Düsseldorfer Ruderverein 1880 gegründet. Man kann also mit gutem Recht sagen: In dieser Kneipe wurde nicht nur getrunken, hier wurde auch Stadtgeschichte geschrieben.
Besonders spannend ist, wie viele ganz unterschiedliche Düsseldorfer Welten in der Uel zusammenliefen. Auf der einen Seite das alte, gesellige Altstadtleben mit seinen festen Ritualen, auf der anderen Seite die unmittelbare Nähe zur Kunstakademie. Spätestens im 20. Jahrhundert wurde die Uel deshalb auch zu einem jener Orte, an denen Studenten, Künstler, Nachtschwärmer und Altstadtgänger aufeinandertrafen.
Gerade die Ratinger Straße bekam in den 1960er- und 1970er-Jahren eine fast mythische Aura. Zwischen Uel, Goldenem Einhorn, Ohme Jupp und später dem Ratinger Hof entstand ein Milieu, das Düsseldorf kulturell geprägt hat wie kaum ein anderes. Hier wurde diskutiert, gestritten, gefeiert, getrunken und gedacht. Die Kunstakademie lag nur wenige Schritte entfernt, und auf der Ratinger verschwammen die Grenzen zwischen Alltag, Bohème, Nachtleben und Kunstszene.
Vielleicht ist das das eigentliche Geheimnis der Uel. Sie war nie nur Kulisse. Sie war immer ein Ort, an dem sich Menschen begegneten, die auf den ersten Blick gar nicht zusammengehörten. Der bodenständige Altbiertrinker neben dem Kunststudenten. Der Stammgast neben dem Nachtschwärmer. Der Düsseldorfer, der schon immer da war, und der Zugezogene, der über genau solche Orte erst begriff, was diese Stadt ausmacht.
Und natürlich gehört auch eine gute Portion Altstadtromantik dazu. Wer an die Uel denkt, denkt nicht an sterile Perfektion. Man denkt an Holz, an Stimmengewirr, an eine Straße mit Geschichte, an Abende, die länger wurden als geplant, an Diskussionen, die eigentlich nur auf ein Altbier hinauslaufen sollten und plötzlich das halbe Leben streiften. Man denkt an ein Düsseldorf, das vielleicht rauer, ungeordneter und manchmal auch ehrlicher wirkte als heute.
Selbst literarische Spuren führen an diesen Ort. Nach Überlieferung hatte hier auch jene tragische Düsseldorfer Liebesgeschichte ihre Wurzeln, die später zu den Stoffen gezählt wurde, aus denen Theodor Fontane seine Effi Briest formte. Schon das zeigt, welche Geschichten in so einem Haus stecken können.
Heute ist die Uel noch immer da. Und genau das ist vielleicht das Schönste an dieser Geschichte. Während viele andere Orte nur noch in Fotos, Liedern oder Erzählungen weiterleben, kann man die Tür hier noch immer aufmachen. Man kann noch immer hineingehen, sich ein Alt bestellen und sich vorstellen, wie viele Düsseldorfer vor einem genau das Gleiche getan haben.
Vielleicht ist die Uel deshalb nicht einfach nur eine Kneipe.
Vielleicht ist sie ein Erinnerungsort mit Zapfhahn.
Und jetzt seid ihr dran: Welche Erinnerungen verbindet ihr mit der Uel oder mit der Ratinger Straße? War es euer erstes Alt? Eine legendäre Nacht? Ein Zufallstreffen, das nie vergessen wurde? Oder gehört für euch vielleicht gerade die ganze Ratinger mit Uel, Einhorn, Hof und dem alten Altstadtgefühl zu den Orten, die Düsseldorf ausmachen?
Schreibt eure Erinnerungen in die Kommentare. Solche Geschichten kann kein Geschichtsbuch ersetzen.
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