HÜHNER-HUGO: ALS DER DUFT VON BRATHÄHNCHEN NOCH ZUR DÜSSELDORFER ALTSTADT GEHÖRTE

☝️🫵👉 HÜHNER-HUGO: ALS DER DUFT VON BRATHÄHNCHEN NOCH ZUR DÜSSELDORFER ALTSTADT GEHÖRTE
☝️🫵👉 HÜHNER-HUGO: ALS DER DUFT VON BRATHÄHNCHEN NOCH ZUR DÜSSELDORFER ALTSTADT GEHÖRTE

☝️🫵👉 HÜHNER-HUGO: ALS DER DUFT VON BRATHÄHNCHEN NOCH ZUR DÜSSELDORFER ALTSTADT GEHÖRTE

Es gibt Lokale, an die erinnert man sich wegen des Essens. Andere wegen der Menschen, der Nächte, des ersten Dates oder der letzten Mark in der Tasche. Und dann gibt es Orte, bei denen all das zusammenkommt. Der Hühner-Hugo war so ein Ort. Wer das alte Düsseldorf erlebt hat, braucht oft nur diesen Namen zu hören – und plötzlich sind Bilder, Gerüche und Geschichten wieder da.

Mitten in der Altstadt, an der Bolkerstraße 48, lag die legendäre Hähnchenbraterei. Kein fein herausgeputztes Restaurant, das Eindruck schinden musste. Hühner-Hugo lebte von etwas anderem: von der unmittelbaren Atmosphäre, vom Geruch der sich drehenden Hähnchen, von langen Abenden und Nächten, von hungrigen Altstadtbesuchern, Musikern, Künstlern, Angestellten, Nachtschwärmern und Menschen, die einfach noch nicht nach Hause wollten.

Zeitzeugen erinnern sich bis heute daran, wie man an hohen Tischen saß und den Hähnchen beim Drehen zusah. Dazu gab es ein kleines Röggelchen. Keine komplizierte Inszenierung, keine Speisekarte, die erst erklärt werden musste. Hähnchen, Brot, Hunger – und Düsseldorf.

Schon 1959 ist der Hühner-Hugo an diesem Ort eindeutig belegt. Damals gestaltete der Düsseldorfer Künstler Hannes Esser Keramikarbeiten für die Innenräume der Gaststätte. Das Gebäude selbst war ungewöhnlich: schmal, verwinkelt und L-förmig, mit einer Fassade, die später einen fast urigen Altstadtcharakter bekam. Genau diese Mischung aus Enge, Trubel und Atmosphäre machte einen Teil seines Reizes aus.

Und Hühner-Hugo war mehr als nur eine Hähnchenbude. Im Haus entwickelte sich mit der Zeit eine kleine gastronomische Welt. In der ersten Etage gab es bereits in den 1960er-Jahren den „Salon 1900“ mit Tanz- und Unterhaltungsmusik. Dort standen Pariser Zwiebelsuppe, Pfeffersteak und Filetsteak auf der Karte – eine völlig andere Welt als unten bei den halben Hähnchen. Wer dort gearbeitet hat, erinnert sich an ein großes, arbeitsreiches Haus mit vielen Gästen und schweren Tellern.

Dann kam das Heine-Jahr 1972 – und die Geschichte wurde noch kurioser. Gastwirt Leon Clodin ließ Teile des Hühner-Hugo mit Unterstützung der Heinrich-Heine-Gesellschaft zu einer urigen Heine-Welt ausgestalten. Heinrich-Heine-Stube und Loreley-Stube entstanden, Bilder und Erinnerungsstücke zogen ein. Weil das tatsächliche Geburtshaus Heinrich Heines gegenüber damals für Besucher kaum als solcher Erinnerungsort erschlossen war, hielten manche Touristen ausgerechnet den Hühner-Hugo für Heines Geburtshaus.

Bis heute trägt das Gebäude unter dem Giebel die Aufschrift „Heine 1797“. Heinrich Heine wurde allerdings gegenüber in der Bolkerstraße 53 geboren. Düsseldorf eben: Manchmal wird selbst aus einem Irrtum ein Stück Stadtgeschichte.

Seinen endgültigen Platz in der Popkultur bekam Hühner-Hugo durch einen Düsseldorfer, der selbst längst zur Musikgeschichte gehört. Marius Müller-Westernhagen erinnerte sich in seinem 1978 erschienenen Lied „Mit 18“ an seine jungen Jahre als Musiker in Düsseldorf – und machte dabei auch Hühner-Hugo unsterblich. Nach den Auftritten ging es dorthin, und das verdiente Geld wurde offenbar schneller in Hähnchen investiert, als es verdient worden war.

Genau darin steckt wahrscheinlich der Kern dieser Legende. Der Hühner-Hugo gehörte zu einer Altstadt, in der sehr unterschiedliche Welten unmittelbar nebeneinander existierten. Das Creamcheese, die aufkommende Kunst- und Musikszene, später der Ratinger Hof, Brauhäuser, kleine Kneipen, Restaurants und Imbisse – und irgendwo dazwischen Menschen, die mitten in der Nacht Hunger bekamen. Wer aus dem Creamcheese kam, landete danach schon einmal beim Hühner-Hugo. Wer einen Auftritt hinter sich hatte, ebenfalls. Wer einfach nur ein halbes Hähnchen wollte, sowieso.

Anfang der 1990er-Jahre war diese Geschichte vorbei. Ein Brand im Jahr 1991 zerstörte unter anderem auch die Keramikarbeiten von Hannes Esser. Das Gebäude stand anschließend viele Jahre leer. Noch 1998 wurde die ehemalige Hähnchenbraterei in der Immobilienbranche ausdrücklich als „einstmals legendär“ bezeichnet – und damals wartete das Haus bereits seit Jahren auf eine neue Zukunft.

Es gab später immer wieder Hoffnungen, Hühner-Hugo könne zurückkehren. Die Legende war offensichtlich stärker als der Leerstand. Doch der alte Hühner-Hugo kam nicht wieder.

Heute werden in der Bolkerstraße 48 wieder Hähnchen verkauft. Seit Mitte der 2010er-Jahre befindet sich dort eine Filiale von Kentucky Fried Chicken. Man könnte das als Ironie der Stadtgeschichte betrachten: Wo Düsseldorf einst seine eigene Hähnchenlegende hatte, sitzt heute eine internationale Fast-Food-Kette.

Aber eine Kette kann Erinnerungen nicht ersetzen.

Denn wenn Düsseldorfer vom Hühner-Hugo erzählen, reden sie meistens nicht nur über Essen. Sie erzählen von einer Zeit. Von Nächten in der Altstadt. Von Musik. Von Freunden, die längst aus den Augen verloren wurden. Vom ersten Altbier, vom letzten Hähnchen vor dem Heimweg, von verrauchten Kneipen, langen Haaren, kurzen Nächten und davon, dass man manchmal gar nicht wusste, wo der Abend enden würde.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum der Name Hühner-Hugo mehr als drei Jahrzehnte nach seinem Verschwinden noch immer etwas auslöst.

Und jetzt seid ihr gefragt:

Wer von euch war noch beim Hühner-Hugo?

Wie hat es dort wirklich ausgesehen? Was habt ihr bestellt? Was kostete damals ein halbes Hähnchen? Seid ihr nach dem Creamcheese, nach einem Konzert oder nach einer langen Altstadtnacht dort gelandet? Habt ihr im Salon 1900 getanzt oder vielleicht sogar dort gearbeitet?

Und vor allem: Welche Geschichte fällt euch als Erstes ein, wenn ihr den Namen Hühner-Hugo hört?

Schreibt eure Erinnerungen in die Kommentare. Vielleicht bekommen wir gemeinsam ein Stück Düsseldorf zurück, das heute nur noch in Geschichten existiert.

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