
☝️🫵👉 Als Düsseldorf am Rhein ein kleines Schlösschen hatte …
Wer um 1904 am Düsseldorfer Rheinufer spazieren ging, erlebte eine Stadt im Aufbruch. Auf der oberen Promenade wurde flaniert, während unten am Werft Schiffe anlegten und Waren bewegt wurden. Mittendrin stand ein Gebäude, das mit seinen Giebeln, dem hohen Turm und den verspielten Dachformen beinahe einer anderen Zeit entsprungen schien: das Düsselschlösschen.
Tatsächlich war dieses kleine „Schloss“ damals ein Neubau. Es entstand 1902 nach Entwürfen des Düsseldorfer Stadtbaurats Johannes Radke als städtisches Weinrestaurant am Schlossufer, unmittelbar beim Burgplatz und dem Schlossturm. Seinen Namen verdankte es der nahen Mündung der nördlichen Düssel, die hier bereits kanalisiert dem Rhein zufloss.
Das Haus gehörte zu einer umfassenden Veränderung der Rheinfront. Mit den ab 1899 ausgeführten Arbeiten erhielt Düsseldorf neue Kaianlagen und eine großzügige Uferstraße mit Promenade. Hochwasserschutz, Verkehr und Hafenbetrieb wurden neu geordnet. Zugleich bekam die Stadt eine repräsentative Schauseite zum Fluss. Kleine, auffällig gestaltete Gebäude sollten diesen neuen Stadtraum beleben – und das Düsselschlösschen war eines seiner besonderen Schmuckstücke.
Unsere Außenansicht lässt diesen Gedanken wieder aufleben. Raue Tuffsteinflächen, sorgfältig ausgearbeitete Sandsteindetails, rote Dachziegel und die kupfergedeckte Turmspitze verliehen dem Weinlokal seinen unverwechselbaren Charakter. Die Menschen vor dem Haus gehören zur rekonstruierten Alltagsszene: Spaziergänger, Gäste und Familien auf dem Weg am Rhein entlang.
So malerisch das Gebäude wirkte, so geschickt nutzte es seinen begrenzten Platz. Es war in die Ufermauer eingebunden; Gast-, Küchen- und Kellerräume verteilten sich über mehrere Ebenen. Ganz oben befand sich sogar die Wohnung des Wirts. Hinter der dekorativen Fassade steckte also ein vollständig organisierter Gastronomiebetrieb.
Mit unserer Innenansicht betreten wir den Jan-Wellem-Saal. Eine historische Ansichtskarte aus den frühen 1910er-Jahren liefert dafür wichtige Anhaltspunkte: reich geschnitzte Holzverkleidungen, ein großes Gemälde in aufwendiger Rahmung, dekorative Figuren und sorgfältig gedeckte Tische. Helle Tischwäsche, Gläser und kunstvoll gefaltete Servietten lassen erkennen, welchen Anspruch das Haus an seine Gastlichkeit stellte. Hier sollte ein Besuch offenbar mehr sein als eine kurze Einkehr.
Weiter stromaufwärts stand das zweite kleine Wahrzeichen unserer Bildreise: das Hafenvogt-Häuschen am damaligen Berger Ufer, dem heutigen Mannesmannufer. Es befand sich vor dem später errichteten Landeshaus. Seine Verbindung zum Düsselschlösschen lag somit in der gemeinsamen Gestaltung des Rheinufers; die beiden Häuser standen nicht unmittelbar nebeneinander.
Auch das 1902 entstandene Hafenvogt-Häuschen setzte auf eine einprägsame Silhouette. Der geschwungene Giebel, der gedrungene Turm mit seiner auffälligen Haube und die Bootsmanngestalt mit dem langen Ruder machten aus einem kleinen Gebäude einen Blickfang. Historische Darstellungen bezeichnen es auch als Hafen- oder Werftmeisterhäuschen. Unsere Ansicht zeigt es mit etwas Leben auf der Straße – als Bestandteil des damaligen Alltags am Rhein.
Beide Gebäude verschwanden im Laufe des 20. Jahrhunderts. Das Düsselschlösschen wurde 1941 im Krieg beschädigt und in den 1950er-Jahren abgebrochen. Auch das Hafenvogt-Häuschen stand noch bis in die 1950er-Jahre vor dem Landeshaus. Ihr Verschwinden lässt sich deshalb nicht einfach mit einer vollständigen Zerstörung im Krieg erklären.
Die drei Bilder sind Annäherungen an diese verlorene Rheinfront: außen an die Zeit um 1904, innen an die frühen 1910er-Jahre. Historische Fotografien und Beschreibungen bilden die Grundlage. Farben, Alltagsszenen und nicht überlieferte Teile des Innenraums wurden ergänzend rekonstruiert.
So oder so ähnlich könnte es ausgesehen haben, als ein Spaziergang am Düsseldorfer Rhein noch mit einem Glas Wein im Düsselschlösschen enden konnte. Wer von euch hätte dort gern einmal Platz genommen?
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