
☝️🫵👉 Düsseldorf um 1904: Eine Zeitreise zwischen Schlossturm, Düsselschlösschen und Rhein
So oder so ähnlich könnte es hier um 1904 ausgesehen haben: Pferdewagen rollen über das Pflaster, Menschen flanieren am Wasser, und zwischen Schlossturm und Düsselschlösschen öffnet sich der Blick auf den Rhein. Unsere historische 360°-Rekonstruktion nimmt euch mit an einen vertrauten Ort, dessen damaliges Gesicht heute nur noch teilweise erhalten ist. Dreht euch einmal langsam im Kreis – rund um diesen Standort stecken mehrere Jahrhunderte Düsseldorfer Geschichte.
Das verspielte Gebäude auf der Rheinseite ist das Düsselschlösschen. Um 1904 war es gerade einmal zwei Jahre alt: Stadtbaurat Johannes Radke hatte es 1902 als Schmuckstück der neuen Rheinuferpromenade errichtet. Türmchen, Giebel, Naturstein und aufwendige Verzierungen verliehen dem Weinlokal den Charakter einer kleinen romantischen Burg. Seine Architektur verband Historismus mit Jugendstilelementen. Geschickt in die Ufermauer zwischen oberer Promenade und tiefer gelegenem Rheinwerft eingebaut, wurde es zu einem beliebten Treffpunkt und Postkartenmotiv. Der Name erinnerte an die nahe Düsselmündung und zugleich an das verschwundene Residenzschloss. Im Zweiten Weltkrieg beschädigt, wurde das Düsselschlösschen nach Kriegsende abgerissen – auch zugunsten einer breiteren Rheinuferstraße.
Gegenüber steht der Schlossturm, der letzte oberirdisch erhaltene Gebäudeteil des einstigen Düsseldorfer Residenzschlosses. Der runde Eckturm entstand in seiner prägenden Form im 16. Jahrhundert, als Herzog Wilhelm der Reiche seine Residenz ausbauen ließ. Das Schloss wurde 1872 durch einen Großbrand weitgehend zerstört; seine verbliebenen Gebäudeteile verschwanden anschließend schrittweise. Der Turm blieb stehen und wurde zum eigenständigen Wahrzeichen. Wer genau hinschaut, entdeckt einen Unterschied zu heute: Um 1904 besaß er oben noch eine steinerne Balustrade. Erst 1909 wurde diese wegen ihres schlechten Zustands entfernt und durch einen vorkragenden Dachabschluss ersetzt. Das SchifffahrtMuseum zog übrigens erst 1984 ein.
Über den Dächern der Altstadt erhebt sich St. Lambertus mit seinem unverwechselbaren verdrehten Turmhelm. Diese Besonderheit gehörte bereits damals zur Düsseldorfer Silhouette. Nachdem 1815 ein Feuer den Turmhelm zerstört hatte, wurde er erneuert; anschließend verdrehte sich die Dachkonstruktion. Als mögliche Ursache wird häufig zu frisches, noch feuchtes Bauholz genannt. Der Volksmund hat natürlich eine unterhaltsamere Erklärung: Der Teufel habe die Kirche aus dem Boden reißen wollen und dabei lediglich die Spitze verdreht. Gerade diese eigenwillige Form macht den Lambertusturm bis heute sofort erkennbar.
Rheinabwärts erscheint die alte Oberkasseler Brücke mit ihren mächtigen Eisenbögen. Sie war am 12. November 1898 eröffnet worden und bildete Düsseldorfs erste feste Straßenverbindung über den Rhein. Über sie führte auch die elektrische Bahn nach Krefeld. Die Brücke erleichterte den Alltag und beschleunigte zugleich die Entwicklung Oberkassels. Was heute selbstverständlich zusammengehört, war politisch damals noch getrennt: Oberkassel gehörte um 1904 zur Gemeinde Heerdt und wurde erst 1909 nach Düsseldorf eingemeindet.
Der Blick über den Strom führt damit in eine Nachbarschaft im Wandel. Hinter dem offenen Ufergelände und den Rheinwiesen entstanden zunehmend neue Wohnhäuser. Die repräsentative Bebauung, die wir heute mit Oberkassel verbinden, entwickelte sich gerade erst. Nach Süden, flussaufwärts, geht der Rundblick hingegen entlang der rechtsrheinischen Häuserfront in Richtung Rathausufer und Carlstadt. Die Fassaden, Dächer und Straßenräume zeigen eine Stadt, deren Ufer noch eng mit Wohnen, Handel, Gastronomie und Schifffahrt verbunden war.
Auch der großzügige Raum am Wasser war um 1904 eine vergleichsweise junge Errungenschaft. Zwischen 1898 und 1902 hatte Düsseldorf das Rheinufer vorverlegt und neu befestigt. Die Maßnahmen verbesserten den Hochwasserschutz und schufen Platz für eine repräsentative Promenade. Oben wurde spaziert, unten blieb das Rheinwerft Arbeits- und Umschlagplatz der Schifffahrt. Zur großen Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung von 1902 präsentierte sich Düsseldorf mit einer neu gestalteten Rheinfront.
Unser Panorama ist eine historische Annäherung auf Grundlage alter Ansichten und der überlieferten Baugeschichte. Es zeigt keinen fotografisch belegten Augenblick: Menschen, Wetter und nicht vollständig dokumentierte Einzelheiten sind gestalterisch ergänzt. Es soll eine Vorstellung davon vermitteln, wie sich dieser Ort um 1904 angefühlt haben könnte.
Wo würdet ihr zuerst stehen bleiben: am Schlossturm, mit Blick auf die alte Brücke – oder bei einem Glas Wein im Düsselschlösschen?
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