
🏒🔴🟡 EV LANDSHUT – DÜSSELDORFER EG 5:6 N.P.: DEG GEWINNT EINEN WILDEN ABEND IN LANDSHUT
Zweites Spiel, zweiter Sieg – und was für einer. Die Düsseldorfer EG hat beim EV Landshut einen Abend gewonnen, der zeitweise schon verloren schien. Zweimal lag Rot-Gelb mit zwei Toren zurück, zweimal kam die Mannschaft zurück und am Ende verwandelte Ville Järveläinen im Penaltyschießen den entscheidenden Versuch zum 6:5. Nach dem souveränen 4:1 zum Auftakt in Crimmitschau nimmt die DEG damit fünf von sechs möglichen Punkten aus ihrem ersten DEL2-Wochenende mit. Vor allem aber hinterlässt dieses Spiel eine Erkenntnis: Diese Mannschaft lässt sich offenbar nicht leicht abschütteln.
Dabei begann die Partie denkbar schlecht. Gerade einmal 78 Sekunden waren gespielt, als Ladislav Zikmund Landshut in Führung brachte. Bei 2:52 nutzte David Stieler bereits das erste Powerplay des EVL zum 2:0. Ein Start, der in einer vollen und aufgeheizten VR-Bank Landshut Arena schnell zum Problem hätte werden können. Doch Düsseldorf reagierte bemerkenswert. Carter Turnbull traf bei 5:50 im eigenen Überzahlspiel aus dem linken Bullykreis zum Anschluss, nur 24 Sekunden später vollendete Leon Niederberger nach Vorarbeit von Kevin Orendorz und Adam Bodnarchuk zum 2:2. Aus einem beinahe misslungenen Auftakt war innerhalb weniger Minuten wieder ein völlig offenes Spiel geworden.
Schon diese Phase zeigte eine Qualität, die später noch wichtiger werden sollte: Die DEG verlor trotz Rückständen nicht ihre Struktur. Landshut spielte schnell, körperlich und mit enormem Zug zum Tor, Düsseldorf blieb jedoch offensiv gefährlich. Das Spiel war emotional, die Auseinandersetzung zwischen Max Balinson und Alex Dersch unterstrich die Intensität, und dennoch gelang es der DEG immer wieder, aus kontrolliertem Scheibenbesitz in gefährliche Räume zu kommen. Dass Düsseldorf am Ende 66,1 Prozent der Bullys gewann, war dabei weit mehr als eine statistische Randnotiz. Gerade in einem Spiel mit vielen Unterbrechungen und Special-Team-Situationen verschaffte sich die DEG damit immer wieder wertvollen ersten Scheibenbesitz.
Im zweiten Drittel hatte Landshut zunächst die besseren Phasen und gewann das Schussduell des Abschnitts mit 14:10. Trotzdem ging ausgerechnet Düsseldorf erstmals in Führung. Turnbull nahm bei 31:37 die Sache selbst in die Hand, setzte sich stark durch und vollendete zum 3:2. Doch der EVL antwortete – und offenbarte gleichzeitig die größte Düsseldorfer Baustelle dieses Abends. Nach einer Strafe gegen Balinson nutzte Tor Immo bei 35:04 das Powerplay zum Ausgleich, 41 Sekunden vor der zweiten Pause brachte Trevor Gooch die Gastgeber wieder mit 4:3 nach vorne.
Als Stieler bei 43:59 erneut in Überzahl traf, stand es 5:3. Es war bereits das dritte Landshuter Powerplaytor des Abends. Genau dort liegt trotz des späteren Sieges der wichtigste Kritikpunkt aus Düsseldorfer Sicht. Sechs Unterzahlsituationen sind gegen eine Mannschaft mit der offensiven Qualität des EVL zu viel, drei Gegentore daraus entsprechend teuer. Nach dem makellosen Penalty Killing zum Saisonauftakt in Crimmitschau bekam die DEG diesmal deutlich aufgezeigt, wie schnell fehlende Disziplin und ein nicht konsequent genug arbeitendes Unterzahlspiel eine Partie kippen können.
Aber das Spiel kippte noch einmal – diesmal in die andere Richtung. Die DEG erhöhte im Schlussdrittel sichtbar den Druck und brachte in den letzten 20 Minuten 16 Schüsse auf das Landshuter Tor. Bei 53:38 verkürzte Corey Mackin nach Vorarbeit von Eric Bradford und Turnbull auf 4:5. Nur 18 Sekunden später musste Dersch auf die Strafbank, und diesmal schlug das Düsseldorfer Powerplay zu. Turnbull traf bei 54:27 zum 5:5. Innerhalb von 49 Sekunden hatte die DEG einen Zwei-Tore-Rückstand ausgelöscht.
Turnbull war damit endgültig die prägende Figur des Abends. Drei Tore und eine Vorlage bedeuteten vier Punkte bei fünf Düsseldorfer Treffern während der regulären Spielzeit. Bemerkenswert war dabei nicht nur die Ausbeute, sondern die Unterschiedlichkeit seiner Treffer: Powerplay, individuelle Qualität bei gleicher Spielerzahl und schließlich wieder Powerplay. Genau solche Spieler braucht eine Mannschaft in engen Spielen – Akteure, die nicht nur Teil eines funktionierenden Systems sind, sondern in entscheidenden Momenten selbst etwas kreieren können.
Die Verlängerung gehörte dann eher den Gastgebern. Düsseldorf brachte offiziell keinen Schuss aufs Tor, während Landshut zweimal ganz dicht vor der Entscheidung stand. Tor Immo traf den Innenpfosten, Ladislav Zikmund später die Latte. In dieser Phase hatte die DEG zweifellos auch das notwendige Glück. Dass sie sich dennoch bis ins Penaltyschießen rettete, gehört zur vollständigen Geschichte dieses Sieges genauso wie das spektakuläre Comeback zuvor.
Dort wurde Jonas Langmann zum entscheidenden Rückhalt. Neun der ersten neun Versuche beider Mannschaften blieben ohne Treffer, ehe Ville Järveläinen als zehnter Schütze Stepan Lukes bezwang. Langmann parierte anschließend auch den letzten Landshuter Versuch – und der Zusatzpunkt ging nach Düsseldorf. Nach 65 Minuten und Penaltyschießen stand ein 6:5, das kaum unterschiedlicher zum kontrollierten Auftaktsieg in Crimmitschau hätte entstehen können.
Auch die Zahlen erzählen deshalb eine interessante Geschichte. Mit 39:38 Torschüssen begegneten sich beide Mannschaften nahezu auf Augenhöhe. Düsseldorf gewann zwei Drittel aller Bullys und nutzte zwei seiner vier Powerplays. Landshut kam ebenfalls auf eine Überzahlquote von 50 Prozent, erhielt mit sechs Möglichkeiten aber deutlich mehr Gelegenheiten. Das erklärt einen großen Teil des Spielverlaufs: Bei fünf gegen fünf war die DEG konkurrenzfähig und phasenweise sogar sehr gefährlich, in Unterzahl brachte sie sich dagegen selbst immer wieder in Schwierigkeiten.
Genau deshalb ist dieser Sieg wertvoller als zwei Punkte allein. Die DEG hat gezeigt, dass sie Spiele auf verschiedene Arten gewinnen kann. In Crimmitschau kontrolliert und defensiv stabil, in Landshut offensiv, widerstandsfähig und mit einer spektakulären Aufholjagd. Gleichzeitig liefert der Abend genügend Material für Harry Lange und sein Trainerteam. Das Unterzahlspiel, die Zahl der Strafen und einige defensive Unsauberkeiten müssen aufgearbeitet werden. Eine Saison wird nicht dauerhaft gewonnen, wenn regelmäßig fünf Gegentore kompensiert werden müssen.
Nach zwei Spieltagen steht Düsseldorf mit fünf Punkten und 10:6 Toren auf Tabellenplatz zwei. Das ist zu diesem frühen Zeitpunkt nicht mehr als eine Momentaufnahme, aber eine ausgesprochen angenehme. Vor allem die Art und Weise, wie die DEG auf Rückschläge reagierte, darf Mut machen. Diese Mannschaft kann Tore schießen, besitzt Qualität in den Special Teams und hat bereits am ersten Wochenende bewiesen, dass sie auch dann noch einen Weg finden kann, wenn ein Spiel mehrfach gegen sie läuft.
Am Freitag wartet bereits die nächste schwere Auswärtsaufgabe. Um 20 Uhr tritt die DEG bei den Ravensburg Towerstars an. Zwei Tage später folgt gegen die ECDC Memmingen Indians endlich das erste Saison-Heimspiel im PSD BANK DOME. Nach diesem Auftakt dürfte die Vorfreude darauf nicht kleiner geworden sein.
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