VON GARATH BIS KUNSTAKADEMIE: DÜSSELDORF VERGIBT SEINE NEUEN KULTURPREISE

☝️🫵👉 VON GARATH BIS KUNSTAKADEMIE: DÜSSELDORF VERGIBT SEINE NEUEN KULTURPREISE
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Seit mehr als fünf Jahrzehnten zeichnet Düsseldorf Künstlerinnen und Künstler aus. In diesem Jahr beginnt dabei ein neues Kapitel. Aus den bisherigen Förderpreisen werden erstmals die Kulturpreise der Landeshauptstadt Düsseldorf. Am Donnerstag, 17. September, werden im Malkastenforum acht Persönlichkeiten aus Bildender Kunst, Tanz, Musik und Literatur ausgezeichnet. Jeder der städtischen Kulturpreise ist mit 6.000 Euro dotiert.

Die Umbenennung ist mehr als ein neues Etikett. Seit 1972 gehörten die Förderpreise zum Instrumentarium der Düsseldorfer Kulturförderung. Mit der Neukonzeption soll die Auszeichnung nun stärker sichtbar werden und nicht mehr mit der Übergabe einer Urkunde enden. Künftig ist eine Veranstaltungsreihe mit den Ausgezeichneten vorgesehen, darunter Lesungen, Performances und Ausstellungen. Damit sollen die prämierten Arbeiten auch für ein breiteres Publikum in der Stadt erlebbar werden.

Wie unterschiedlich diese Düsseldorfer Kulturszene inzwischen ist, zeigt bereits die erste Generation der neuen Preisträger. In der Bildenden Kunst werden Sofía Magdits Espinoza und Felix Schramm ausgezeichnet. Magdits Espinoza stammt aus Lima und lebt und arbeitet in Düsseldorf. Die Absolventin der Kunstakademie verbindet Textilkunst, Installation, Performance, Musik und Video. Weben versteht sie dabei nicht nur als Handwerk, sondern als künstlerische Form, mit der sie soziale Beziehungen, Erinnerung, Fürsorge und kulturelle Herkunft sichtbar macht. Wie der neue Kulturpreis künftig über den Festabend hinauswirken soll, lässt sich bei ihr unmittelbar erleben: Vom 19. bis 27. September zeigt der Künstlerverein Malkasten unter dem Titel „Unter derselben Sonne“ Arbeiten der Künstlerin. Besucherinnen und Besucher können dort selbst an einem gemeinschaftlichen Webprojekt mitarbeiten.

Mit Felix Schramm steht ihr ein Künstler gegenüber, dessen Werk längst weit über Düsseldorf hinaus bekannt ist. Der 1970 in Hamburg geborene Bildhauer studierte zunächst in Florenz und anschließend an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er Meisterschüler von Jannis Kounellis wurde. Seine oft raumgreifenden Arbeiten verändern Architektur, brechen vertraute Raumordnungen auf und machen aus Wänden und Flächen selbst Bestandteile der Skulptur. Schramm lebt und arbeitet in Düsseldorf und engagiert sich auch für Kunst im öffentlichen Raum der Stadt.

In der Darstellenden Kunst gehen die Kulturpreise an Ruby und Flockey Ocscor. Ruby gehört zu den prägenden Stimmen der jüngeren Urban-Dance-Szene. Ihre künstlerische Arbeit verbindet Hip-Hop, Choreografie und Tanzvermittlung. 2019 gehörte sie zu den Mitbegründerinnen des Kollektivs Hood of Sisters, das Frauen innerhalb der urbanen Tanzkultur stärken und sichtbarer machen will. Am tanzhaus nrw arbeitet sie als Tänzerin, Choreografin und Dozentin und entwickelt zugleich Projekte, die urbane Tanzformen stärker auf Theaterbühnen bringen.

Auch Flockey Ocscor steht für eine Kulturform, die längst einen festen Platz in Düsseldorf gefunden hat. Der Tänzer, Musiker, Veranstalter und Spoken-Word-Künstler ist international in der Urban-Dance-Szene unterwegs und unterrichtet bereits seit seinem 17. Lebensjahr am tanzhaus nrw. Im Düsseldorfer Schauspielhaus hat er mit den „Sessions“ zudem ein Format geschaffen, in dem Tanz, Musik, Poetry und andere Ausdrucksformen der urbanen Kultur aufeinandertreffen. Seine Auszeichnung ist damit zugleich eine Anerkennung jener Szene, die sich ihre Bühnen in Düsseldorf über viele Jahre selbst geschaffen hat.

Auch musikalisch könnte die Spannweite kaum größer sein. Kira Hummen und Boondawg erhalten die beiden Kulturpreise im Bereich Musik. Hummen lebt und arbeitet seit 2021 in Düsseldorf und verbindet Alternative Pop mit experimentellen und politischen Ansätzen. Sie schreibt, spielt und produziert ihre Musik selbst. Bereits 2024 gehörte sie zu den Gewinnerinnen der Düsseldorfer Bandprofessionalisierung des Kulturamtes. Ihr Album „My Body Is The Only Place“ und die jüngere EP „Her Legacy“ beschäftigen sich unter anderem mit Körper, weiblicher Erfahrung und familiären Prägungen.

Boondawg wiederum bringt Garath in eine Musikszene, die längst weit über die Stadtgrenzen hinausreicht. Der Rapper wuchs im Düsseldorfer Süden auf und begann als Jugendlicher mit Rap und Songwriting. Aus frühen englischsprachigen Veröffentlichungen entwickelte sich ein eigener deutschsprachiger Sound zwischen Trap, Rap und Pop. Spätestens mit „Gangsigns“ erreichte er ein großes Publikum. Inzwischen stehen mehrere Veröffentlichungen, Tourneen und Kooperationen mit bekannten Namen der deutschen Rap-Szene für eine Karriere, deren Ausgangspunkt Düsseldorf geblieben ist.

Die beiden Literaturpreise zeigen schließlich, wie weit der Literaturbegriff der Stadt gefasst wird. Thea Mantwill verbindet Schreiben und Bildende Kunst. Sie studierte an den Kunstakademien Karlsruhe und Düsseldorf und lebt und arbeitet in der Stadt. 2025 erschien ihr Roman „Glühfarbe“, ein Near-Future-Stoff über digitale Identität, soziale Medien und das Leben zwischen realer und virtueller Welt.

Alexandra Wehrmann wiederum erzählt Düsseldorf seit vielen Jahren aus einer sehr eigenen Perspektive. Die Journalistin und Autorin wurde in der Stadt geboren und betreibt seit 2015 das Blog „theycallitkleinparis“, auf dem sie Menschen und Geschichten aus Düsseldorf porträtiert. Gemeinsam mit Markus Luigs veröffentlichte sie „Oberbilk. Hinterm Bahnhof“, gründete später den Connaisseur Verlag und entwickelte mit „Fujikato“ ein eigenes Foto- und Kunstmagazin. Ihre Stadtrundgänge führen bewusst nicht nur zu den bekannten Sehenswürdigkeiten, sondern in jene Ecken, aus denen sich das wirkliche Stadtleben zusammensetzt.

Neben den acht städtischen Kulturpreisen wird am Donnerstag außerdem Nora Pfahl ausgezeichnet. Sie erhält den Förderpreis der Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf in der Sparte Darstellende Kunst. Die Tänzerin und Choreografin arbeitet seit vielen Jahren am tanzhaus nrw und leitet inzwischen das junge tanzhaus sowie das Netzwerk take-off: Junger Tanz Düsseldorf. Damit steht auch bei ihr eine Arbeit im Mittelpunkt, die Kunst nicht nur produziert, sondern an die nächste Generation weitergibt.

Die Preisverleihung findet am Donnerstag, 17. September, um 18 Uhr im Malkastenforum an der Jacobistraße 6a statt. Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller wird die Urkunden überreichen.

Die erste Ausgabe der neuen Kulturpreise erzählt dabei vielleicht mehr über Düsseldorf als jede einzelne Auszeichnung für sich. Kunstakademie und Garath, experimenteller Pop und Hip-Hop, Bildhauerei und Webkunst, Urban Dance und Stadtjournalismus stehen gleichberechtigt nebeneinander. Genau diese Mischung macht sichtbar, wie viel breiter Düsseldorfer Kultur inzwischen geworden ist.

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