
☝️🫵👉 OSTPARKWEIHER WIRD ZUR KLIMA-BAUSTELLE
Was im Ostpark zunächst wie eine gewöhnliche Entschlammung aussieht, ist tatsächlich ein deutlich größeres Projekt. Düsseldorf will den ökologisch angeschlagenen Ostparkweiher so umbauen, dass er Trockenperioden und niedrige Grundwasserstände künftig besser übersteht. Am Montag, 21. September, beginnen die nächsten vorbereitenden Arbeiten. Die eigentliche Entschlammung und Teilvertiefung ist von Anfang Oktober bis Ende Januar 2027 vorgesehen.
Wie dringend das Thema inzwischen ist, zeigte bereits dieser Sommer. Langanhaltende Hitze und Trockenheit ließen den Wasserspiegel des Weihers deutlich sinken. Verstärkt wurde die Situation durch Grundwasserabsenkungen im Zusammenhang mit Bauprojekten im benachbarten Grafental. Im Juli musste deshalb zeitweise Wasser aus der Düssel über eine provisorische Leitung in den Weiher gepumpt werden. Später sollte zusätzlich gefördertes Grundwasser aus den dortigen Baufeldern zugeführt werden.
Das grundsätzliche Problem liegt jedoch tiefer. Auf dem Boden des rund 17.000 Quadratmeter großen Weihers hat sich mittlerweile durchschnittlich eine etwa 30 Zentimeter starke Schlammschicht gebildet. Gleichzeitig fehlen ausreichend tiefe Bereiche, in die sich Fische, Muscheln und andere Wasserorganismen bei stark sinkendem Wasserstand zurückziehen können. Genau das soll sich jetzt ändern.
Bei der Sanierung wird Schlamm aus dem Gewässer abgesaugt und über eine schwimmende Leitung an Land gepumpt, dort entwässert und anschließend abtransportiert. Zentral soll ein deutlich tieferer Bereich entstehen, dessen Sohle rund einen Meter unter dem bisherigen Gewässerboden liegt. Zusätzlich sind naturnähere Flachufer und neue Pflanzungen vorgesehen. Etwa fünf Prozent der Gewässersohle sollen bewusst unangetastet bleiben, damit sich besonders schützenswerte Arten nach den Arbeiten leichter wieder ausbreiten können.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Tier- und Pflanzenwelt. Vor Beginn der Entschlammung sollen Große Teichmuscheln eingesammelt und innerhalb des Weihers geschützt zwischengelagert werden. Eine ökologische Baubegleitung überwacht die Arbeiten. Zu den Arten, deren Lebensbedingungen verbessert werden sollen, gehören neben der Großen Teichmuschel auch Bitterling, Schleie und Hecht sowie Armleuchteralgen, die in diesem Lebensraum von besonderer Bedeutung sind.
Bevor allerdings schweres Gerät bis an den Weiher gelangen kann, muss am Zugang nahe der Zweibrückenstraße ein Spitzahorn gefällt werden. Nach Abschluss des gesamten Projekts soll an gleicher Stelle ein Ersatzbaum gepflanzt werden. Gleichzeitig werden die Baumgruben zweier benachbarter Bäume saniert und mit einem hydrologisch optimierten Substrat verbessert.
Für Spaziergänger bedeutet die Maßnahme Einschränkungen. Während der Bauphase werden die gewässernahen Bereiche westlich der großen zentralen Wiese sowie die Baustellenzufahrt von der Zweibrückenstraße gesperrt. Der übrige Ostpark bleibt zugänglich. Nach Abschluss der Arbeiten sollen die beanspruchten Parkflächen denkmalgerecht wiederhergestellt werden. Dafür sind Februar und März 2027 vorgesehen.
Das Projekt kostet voraussichtlich 1,51 Millionen Euro. 942.574 Euro davon übernimmt der Bund über das Förderprogramm Natürlicher Klimaschutz in ländlichen Kommunen. Es geht damit nicht nur um einen saubereren Weiher, sondern um Klimaanpassung und den Erhalt eines historisch wie ökologisch wichtigen Stücks Düsseldorf.
Denn der Ostpark ist selbst ein Stück Stadtgeschichte. Die rund acht Hektar große Anlage wurde Ende des 19. Jahrhunderts nach Plänen des Düsseldorfer Stadtgärtners Heinrich Friedrich Adolf Hillebrecht geschaffen. Ab 1919 gab es auf dem Ostparkweiher sogar einen Ruderbootsverleih mit Gastronomie, der bis in die 1960er-Jahre bestand. Heute ist der Weiher vor allem Naherholungsraum und Lebensraum zugleich.
Mit der bevorstehenden Sanierung versucht Düsseldorf nun, diesen historischen Park an Bedingungen anzupassen, für die er vor mehr als 120 Jahren nicht geplant wurde. Ob das gelingt, wird sich nicht allein daran zeigen, wie der Weiher nach der Baustelle aussieht. Entscheidend wird sein, ob er auch den nächsten trockenen Sommer besser übersteht.
#Düsseldorf #Düsseldorf4You #DUS4YOU #Ostpark #Grafenberg #Klimaanpassung #Stadtgrün #NaturInDüsseldorf