
🔴⚪ VIEL DRUCK, KEIN TOR: WARUM FORTUNA MEPPEN NICHT KNACKTE
Der Pfosten stand im Weg, Julius Pünt stand im Weg, manchmal stand sich Fortuna selbst im Weg. Beim 0:0 gegen den SV Meppen am Freitagabend war der Heimsieg mehrfach zum Greifen nah. Vor 32.027 Zuschauern in der Düsseldorfer Arena zeigte die Mannschaft von Jens Langeneke vor allem zu Beginn, wie sie einen Gegner unter Druck setzen kann. Trotzdem blieb am Ende wieder das Gefühl, eine große Gelegenheit liegen gelassen zu haben. Wie konnte aus diesem Spiel tatsächlich nur ein Punkt werden?
Langeneke hatte seine Startelf gegenüber dem Unentschieden in Rostock auf vier Positionen verändert. Elias Egouli rückte in die Innenverteidigung, Jomaine Consbruch, Filimon Gerezgiher und Fabian Schleusener bekamen offensiv ihre Chance. Die veränderte Mannschaft legte sofort los: Bereits nach zwei Minuten kam Jorrit Hendrix nach Consbruchs Zuspiel im Strafraum zum Abschluss, traf aber nur das Außennetz.
Was dann in der zehnten Minute passierte, verdichtete beinahe den gesamten Abend auf einen einzigen Angriff. Andreas Müller scheiterte zunächst an Pünt. Consbruch hielt die Szene am Leben und legte von der Grundlinie zurück, Hendrix traf den Pfosten, anschließend konnte auch Schleusener den Ball nicht unterbringen. Fortuna kam durch, setzte nach, brachte mehrere Spieler in Abschlusspositionen – und blieb trotzdem ohne Tor.
Nach einer halben Stunde standen bereits zwölf Düsseldorfer Abschlüsse und rund 70 Prozent Ballbesitz. Meppen hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen eigenen Torschuss abgegeben. Kurz vor der Pause schien die Führung erneut fällig: Pünt ließ einen Freistoß von Erik Wekesser abprallen, Tim Oberdorf setzte nach, doch Luis Sprekelmeyer rettete auf der Linie. Das torlose Halbzeitergebnis war für die Gäste ausgesprochen schmeichelhaft.
Auch nach dem Seitenwechsel gab es Chancen zum Düsseldorfer Durchbruch. Um die Stunde scheiterte Gerezgiher an Pünt, Wekessers Nachschuss landete im Außennetz. Doch inzwischen konnte Meppen selbst gefährlich werden. In der 69. Minute ließ Louis Lord einen Abschluss von Thorben Deters nach vorne abprallen. Niclas Nadj bekam die Gelegenheit zum Nachschuss, setzte den Ball aber direkt auf den Fortuna-Keeper. Aus einer Partie, die Düsseldorf längst hätte führen müssen, hätte plötzlich sogar ein Rückstand werden können.
Fortuna drängte weiter. Oberdorfs später Abschluss nach einem langen Einwurf von Matthias Zimmermann zwang Pünt noch einmal zu einem herausragenden Reflex. Der erlösende Treffer fiel auch jetzt nicht. Stattdessen musste Andreas Müller in der Nachspielzeit mit Gelb-Rot vom Platz.
Für unsere Analyse ist zunächst entscheidend, wie diese Chancen entstanden. Consbruchs Aktion vor dem Pfostentreffer zeigte einen funktionierenden Angriff: bis zur Grundlinie durchkommen, zurücklegen, einen nachrückenden Mittelfeldspieler finden. Dazu kamen Abschlüsse aus unterschiedlichen Positionen und Gefahr nach ruhenden Bällen. Fortuna beschäftigte Meppens Abwehr auf mehreren Wegen. Dieser Auftritt lieferte deshalb gute Argumente dafür, dass Langenekes Mannschaft offensiv etwas entwickeln kann.
Die größte Schwäche lag in der Verwertung dieser Situationen. Dabei wäre es unfair, jeden vergebenen Abschluss gleich zu bewerten. Ein Pfostentreffer ist anders einzuordnen als ein unzureichend platzierter Versuch aus kurzer Distanz. Eine starke Torwartparade ist zunächst die Leistung des Gegners. Über das gesamte Spiel hinweg bekam Fortuna allerdings so viele Möglichkeiten, dass sich die fehlende Ausbeute nicht vollständig mit Pech erklären lässt.
Besonders schmerzhaft waren die zweiten Bälle. Pünt parierte stark, hielt aber längst nicht jeden Abschluss fest. Fortuna erreichte mehrere Abpraller und bekam damit zusätzliche Gelegenheiten, einen bereits ungeordneten Gegner zu treffen. Genau dort zählen Reaktionsschnelligkeit, Körperstellung und Präzision. Dass Düsseldorf diese Situationen wiederholt erreichte, war positiv. Dass daraus kein Tor entstand, war ein wesentlicher Grund für die verlorenen Punkte.
Jorrit Hendrix brachte den Anspruch anschließend bei MagentaSport deutlich zum Ausdruck: „Bei allem Respekt vor dem SV Meppen: Da muss man einfach gewinnen!“ Das trifft den Kern. Nach diesem Chancenbild durfte Fortuna mehr erwarten. Zugleich lässt sich aus vergebenen Möglichkeiten allein keine allgemeine mentale Blockade beweisen. Langenekes Hinweis auf die noch fehlende Leichtigkeit beschreibt einen Eindruck des Trainers; er ersetzt keine genaue Betrachtung der einzelnen Abschlüsse.
Zur Erklärung gehört außerdem, dass Düsseldorf seinen anfänglichen Druck nicht durchgehend auf demselben Niveau hielt. Meppen gewann schon vor der Pause häufiger wichtige Zweikämpfe am eigenen Strafraum und verteidigte nach dem Wechsel stabiler. Fortuna kam weiter nach vorne, hatte aber auch Phasen, in denen aus dem Ballbesitz kaum gefährliche Abschlüsse entstanden. Die Gäste bekamen Gelegenheit, sich besser auf die Angriffe einzustellen.
Darin liegt eine Aufgabe für Langeneke: Seine Mannschaft muss die Qualität ihrer Angriffe länger erhalten. Wenn ein Gegner enger verteidigt, werden das Tempo der Zuspiele, die Bewegung nach dem Abspiel und die Besetzung der Abschlussräume umso wichtiger. Der starke Beginn zeigte, dass Fortuna solche Situationen herstellen kann. Die folgenden Phasen zeigten, wie schwer es noch fällt, diese Durchschlagskraft gegen einen zunehmend stabilen Gegner zu bewahren.
Gleichzeitig offenbarte Nadjs Großchance die andere Seite des Düsseldorfer Siegeswillens. Wer immer mehr Spieler nach vorne bringt, muss hinter dem Ball verlässlich abgesichert bleiben. Langeneke sprach diese Gefahr selbst an: Mit dem unbedingten Wunsch nach dem Tor entstanden Räume für Meppens Umschalten. Das 0:0 hinten war wertvoll, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Fortuna dem Gegner eine ausgezeichnete Gelegenheit eröffnete. Auch die Absicherung bleibt deshalb ein Thema.
Diskutieren lässt sich über den Zeitpunkt der Wechsel. Eric Hottmann kam in der 72. Minute für Consbruch, Fortuna setzte anschließend auf zwei Spitzen. Ein zusätzlicher Stürmer war angesichts des Spielstands nachvollziehbar. Eine frühere Veränderung hätte der Mannschaft möglicherweise einen neuen Impuls gegeben, nachdem die Angriffe weniger zwingend geworden waren. Dass sie automatisch zum Sieg geführt hätte, lässt sich daraus nicht ableiten. Mehr Angreifer helfen vor allem dann, wenn sie auch präzise erreicht werden.
Müllers Platzverweis verschärfte den Ärger schließlich noch. Nach seiner ersten Verwarnung sah er wegen Reklamierens die zweite Gelbe Karte und fehlt damit in Ingolstadt. Über die Strenge dieser Entscheidung kann man diskutieren. Als Erklärung für das Unentschieden taugt sie kaum: Fortuna hatte zuvor fast ein komplettes Spiel lang Gelegenheit, die Partie zu entscheiden.
Was bleibt, ist ein Auftritt, der sportlich mehr Hoffnung macht als sein Ergebnis. Langeneke hat nach zwei Spielen noch keinen Sieg, Fortuna nach zwölf Partien 16 Punkte. Nur ein Erfolg aus den vergangenen sechs Ligaspielen ist zu wenig, um sich nach oben zu arbeiten. Die Mannschaft braucht deshalb dringend einen Abend, an dem aus ihren guten Phasen auch drei Punkte entstehen.
Unsere Bewertung: Die mangelhafte Chancenverwertung war der Hauptgrund für dieses 0:0. Pünts Leistung und Meppens Rettungsaktionen kamen hinzu. Dass Fortuna später weniger zwingend wurde und gleichzeitig Konter zuließ, gehört aber ebenso zur ehrlichen Analyse. Der Trainer kann auf dem offensiven Beginn aufbauen. Für die nächste Entwicklung braucht es präzisere Abschlüsse, länger anhaltende Durchschlagskraft und verlässliche Absicherung.
Wie bewertet ihr diesen Abend: Hat euch die Leistung trotz des Ergebnisses überzeugt? Hättet ihr Hottmann früher gebracht – oder lag der entscheidende Unterschied tatsächlich allein in den vergebenen Chancen? Welche konkrete Szene zeigt für euch am besten, woran es gelegen hat?
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