BRAUEREI MÖHKER: ALS KAPPES-HAMM SEIN EIGENES BIER BRAUTE

☝️🫵👉 BRAUEREI MÖHKER: ALS KAPPES-HAMM SEIN EIGENES BIER BRAUTE
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Es gibt Geschichten, bei denen man sich das alte Düsseldorf erst mühsam vorstellen muss. Bei der Brauerei Möhker ist das anders. Man muss nur durch Hamm gehen, vorbei an St. Blasius, den alten Höfen und den letzten Feldern Richtung Rhein, und ein wenig von der heutigen Zeit wegdenken. Dann entsteht ziemlich schnell das Bild eines Dorfes, in dem Gemüsebauern morgens auf ihren Feldern standen, Vereine und Schützen das gesellschaftliche Leben bestimmten und man abends nicht in die Altstadt fahren musste, um ein Düsseldorfer Bier direkt beim Brauer zu trinken. Hamm hatte sein eigenes.

Möhker gehörte zu jenen echten Hausbrauereien, die Düsseldorf einmal in großer Zahl besaß und von denen heute nur noch wenige übrig sind. Das Haus der Familie Möhker befand sich seit 1830 in Familienbesitz. Ein Bericht der Düsseldorfer Heimatblätter aus dem Jahr 1950 nennt Johann Christian Möhker als Stammvater dieser Tradition. Als er 1895 starb, ging das Anwesen an seinen Sohn Johann über, der Brauerei und Wirtschaft bis zu seinem Tod im Jahr 1925 weiterführte. Damit lag das Haus bereits fast ein Jahrhundert in den Händen derselben Familie, als viele andere kleine Düsseldorfer Brauereien längst verschwunden oder in größeren Unternehmen aufgegangen waren.

Auch ältere Quellen zeigen, wie fest die Familie im Hammer Dorfleben verwurzelt war. Schon 1886 wurde das Lokal des Gastwirts Joseph Möhker als öffentlicher Versammlungsort genannt. In einer weiteren zeitgenössischen Quelle erscheint Joseph Möhker ausdrücklich als Bierbrauer. Spätestens im frühen 20. Jahrhundert war der Betrieb auch in überregionalen Brauereiverzeichnissen erfasst: „Möhker, Joh., Hamm 158“. Später finden wir die Brauerei an der Hammer Dorfstraße 166 beziehungsweise 166–168 – jener Adresse, an der sie bis heute im historischen Gedächtnis des Stadtteils verortet wird.

Das Interessante an Möhker ist, dass diese Brauerei nicht den Weg zur Fabrik einschlug. Während anderswo Dampfmaschinen, künstliche Kühlung, riesige Gärtanks und Flaschenstraßen Einzug hielten, blieb Hamm seiner kleinen Hausbrauerei treu. 1950 zählten Düsseldorfer Heimatforscher Möhker neben Schlüssel, Uerige und Füchschen ausdrücklich zu den wenigen Betrieben, die noch immer am alten Prinzip festhielten: Das Bier wurde im eigenen Haus gebraut und dort auch ausgeschenkt.

Gerade deshalb muss es im Möhker völlig anders zugegangen sein als in einer Großbrauerei wie Gatzweiler oder Dieterich-Hoefel. Hier war Brauen keine anonyme Industrieproduktion. Brauerei, Gaststube und Familie gehörten zusammen. Der Mensch, der das Bier einschenkte, wusste, wer es gebraut hatte – und die Gäste kannten wahrscheinlich nicht nur den Wirt, sondern auch dessen Kinder, Nachbarn und halbe Verwandtschaft.

Nach dem Tod von Johann Möhker 1925 übernahm seine Witwe eine bemerkenswert starke Rolle. Die alten Düsseldorfer Heimatblätter nennen sie liebevoll „Motter Möhker“. Unterstützt von ihrem Sohn Willi und den Töchtern führte sie Wirtschaft und Brauereitradition weiter. Dass eine Frau einen solchen Familienbetrieb durch schwierige Jahrzehnte leitete, war damals keineswegs selbstverständlich. Bei Möhker gehörte sie offensichtlich zum Mittelpunkt des Hauses – nicht nur als Inhaberin, sondern als Persönlichkeit, an die sich Gäste Jahrzehnte später noch erinnerten.

Der Zweite Weltkrieg ging auch an Hamm und der Brauerei nicht spurlos vorbei. Das alte Haus wurde stark beschädigt. Nur wenige Schritte entfernt entstand ab 1942 der große Hochbunker, der beim verheerenden Luftangriff vom 3. November desselben Jahres hunderten Hammern Schutz bot. Trotzdem ging die Geschichte der Brauerei weiter. Nach dem Krieg wurde wieder ausgeschenkt – und vor allem wurde wieder selbst gebraut.

Wie das Bier schmeckte, wissen wir sogar aus einer ungewöhnlich persönlichen Quelle. Ein Düsseldorfer Heimatfreund besuchte die Brauerei 1955 und schwärmte anschließend ausdrücklich von einem ausgezeichneten obergärigen Bier, auf das die Hammer mit Recht stolz sein könnten. Seine Erinnerung galt allerdings mindestens ebenso sehr der Wirtin. Beim Abschied steckte ihm Frau Möhker heimlich eine rosafarbene Asternblüte ins Knopfloch seines Regenmantels. Noch später bewahrte er diese Erinnerung an den Besuch schriftlich auf.

Mehr Dorfbrauerei geht eigentlich kaum.

Und damit kommen wir zu einer für unsere Serie wichtigen Frage: Was genau braute Möhker? Sicher belegt ist das obergärige Hausbier. Damit gehörte Möhker eindeutig in die traditionelle Düsseldorfer Brauweise, aus der unser heutiges Altbier hervorging. Ob das Bier zu allen Zeiten bereits ausdrücklich „Möhker Alt“ oder überhaupt „Altbier“ genannt wurde, lässt sich aus den gefundenen historischen Unterlagen nicht sicher ableiten. Ebenso wenig konnten wir bislang ein eigenes Möhker-Helles, Pils, Export oder Bock historisch zweifelsfrei nachweisen.

Das ist diesmal besonders bemerkenswert, weil wir in unserer Serie inzwischen gelernt haben, wie breit Düsseldorfs frühere Bierpalette tatsächlich war. Viele Brauereien boten neben Alt auch Helles, Pilsener, Export oder Bock an. Bei Möhker bleiben wir dagegen bei dem, was belegt ist: ein selbstgebrautes, obergäriges Düsseldorfer Bier aus einer kleinen Hammer Hausbrauerei. Alles Weitere wäre Spekulation.

Ein früher Brauereiführer verrät ebenfalls etwas über die Größenordnung des Betriebes. Dort steht lediglich der knappe Eintrag „Möhker, Joh., Hamm 158“ mit einer Telefonnummer. Während bei großen Brauereien Dampfmaschinen, Eismaschinen, Flaschenverkauf und Spezialsorten ausführlich aufgeführt wurden, fehlen solche Angaben bei Möhker. Das passt zum Bild einer kleinen, handwerklichen Brauerei, deren wichtigster Markt nicht halb Deutschland, sondern das eigene Veedel war.

Wie eng die Brauerei mit Hamm verbunden war, zeigt sogar der Straßenraum. Zwischen Blasiusstraße und Hammer Dorfstraße verlief eine kleine Gasse direkt bis zur Brauerei. Im Stadtteil nannte man sie Möhkers-Gäßchen. Noch 1958 wurde dieser Name in den Düsseldorfer Heimatblättern erklärt. Ein Familienname war damit buchstäblich Teil der örtlichen Geografie geworden.

Auch das Vereinsleben spielte sich bei Möhker ab. Die 1955 gegründete St.-Blasius-Schützenkompanie hatte hier ihr Vereinslokal. Ein historisches Foto zeigt die ersten Mitglieder der Kompanie vor dem Gasthaus; im Hintergrund ist noch der Schriftzug der Brauerei zu erkennen. Solche Bilder erzählen oft mehr als Produktionszahlen. Möhker war nicht einfach ein Ort, an dem Bier verkauft wurde. Hier traf man sich, organisierte Feste, feierte Jubiläen, sang, diskutierte und gehörte für einige Stunden einfach zusammen.

Das eigene Brauen endete nach den verfügbaren Brauereiverzeichnissen 1968. Damit war eine Tradition zu Ende, die in Hamm über weit mehr als ein Jahrhundert bestanden hatte. Die Gaststätte überlebte den Sudkessel allerdings noch lange. Der Name „Brauerei Möhker“ blieb erhalten, obwohl längst kein eigenes Bier mehr gekocht wurde. Noch Jahrzehnte später war das Lokal Treffpunkt von Schützen, Vereinen und Stammgästen. Eine Anzeige zum 50-jährigen Bestehen der St.-Blasius-Kompanie zeigte 2005 sogar noch das runde Emblem „Brauerei Möhker Düsseldorf-Hamm“ und nannte die Hammer Dorfstraße 166–168 als Adresse.

Das zeigt, wie stark ein Brauereiname weiterleben kann, selbst wenn die eigentliche Brauerei längst verstummt ist. Für viele Hammer blieb Möhker offenbar Möhker. Ob dort eigenes Bier gebraut wurde oder später eine fremde Marke aus dem Hahn kam, änderte nichts daran, dass dieser Ort mit Generationen persönlicher Erinnerungen verbunden war.

Heute hat Hamm der Brauerei sogar ganz offiziell einen Platz in seiner Geschichte zurückgegeben. Beim historischen Rundgang des Fördervereins Düsseldorf-Hamm gehört die ehemalige Brauerei Möhker an der Hammer Dorfstraße 166 zu den ersten ausgewählten Stationen. Gleich daneben erinnert das Möhkersgäßchen noch im Namen an den Betrieb. Die Brauerei ist verschwunden – aber sie ist nicht vergessen.

Vielleicht ist Möhker deshalb eine der schönsten Geschichten dieser ganzen Serie. Nicht, weil hier das erfolgreichste Bier Düsseldorfs gebraut wurde. Nicht, weil Millionen Hektoliter produziert wurden. Sondern weil sich an diesem einen Haus zeigen lässt, was eine Dorfbrauerei früher bedeutete.

Familie, Wirtschaft, Bier und Veedel waren keine getrennten Dinge.

Sie waren ein und derselbe Ort.

Und jetzt seid ihr dran – besonders ihr Hammer und Kappesbuure: Wer hat noch bei Möhker gesessen? Wer erinnert sich an die Gaststube, den Biergarten oder an Menschen aus der Familie? Gibt es irgendwo noch originale Möhker-Gläser, Flaschen, Bierdeckel, Rechnungen, Fotos oder Reklameschilder?

Und die Frage, die uns besonders interessiert: Wer hat das wirklich noch selbstgebraute Möhker-Bier getrunken – und kann uns erzählen, wie es geschmeckt hat?

Schreibt eure Geschichten in die Kommentare. Bei kaum einer Brauerei dieser Serie dürfte das Gedächtnis des Veedels wichtiger sein als diesmal.

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