
☝️🫵👉 JOH. ALBRECHT: ALS DAS BIER NACH NIEDERKASSEL ZURÜCKKEHRTE
Manchmal verläuft Brauereigeschichte nicht geradlinig. Ein Sudkessel verstummt, Jahrzehnte vergehen, ein Gebäude bekommt eine andere Funktion – und irgendwann wird am selben Ort wieder eingemaischt, gehopft und vergoren. Genau das macht das Brauhaus Joh. Albrecht in Niederkassel zu einem besonderen Kapitel unserer Serie. Denn hier beginnt die Geschichte nicht mit einer neuen Brauerei auf der grünen Wiese, sondern auf einem Gelände, auf dem Düsseldorf schon mehr als ein Jahrhundert zuvor Bier und Korn produziert hatte.
Wir waren in unserer Serie bereits bei den Gebrüdern Schmittmann. Die Familie ist seit 1818 mit Niederkassel verbunden und wurde vor allem durch Korn, Boonekamp und andere Spirituosen bekannt. Weniger präsent ist heute, dass Schmittmann bis in den Ersten Weltkrieg hinein auch Bier braute. Danach konzentrierte sich die Familie auf die Brennerei. Der Bierzweig verschwand – doch der historische Standort an der Niederkasseler Straße blieb.
Genau dort befindet sich heute das Brauhaus Joh. Albrecht. Es nutzt das denkmalgeschützte ehemalige Verwaltungs- beziehungsweise Stammhaus der Schmittmann-Brennerei. Das Gebäude an der Niederkasseler Straße 104 gehört zum historischen Ensemble und steht seit den 1980er-Jahren unter Denkmalschutz. Wer heute durch den Hof geht, bewegt sich also nicht durch eine künstlich geschaffene Brauhauskulisse, sondern durch einen echten Düsseldorfer Gewerbestandort mit mehr als zweihundert Jahren Geschichte.
Seit nahezu drei Jahrzehnten wird in diesem Haus wieder Bier gebraut. Joh. Albrecht gehört zu einer Gruppe von Gasthausbrauereien, die auch in anderen deutschen Städten vertreten ist. Der entscheidende Unterschied in Niederkassel liegt jedoch im Ort selbst. Die kupfernen Braukessel stehen sichtbar im Gastraum beziehungsweise unmittelbar daran. Gäste können erleben, wie aus Malz, Wasser, Hopfen und Hefe das Bier entsteht. Damit kehrte eine Produktionsweise nach Niederkassel zurück, die dort lange verschwunden war: Bier wird wieder dort gebraut, wo es anschließend getrunken wird.
Und bei den Biersorten wird Joh. Albrecht für unsere Serie besonders interessant. Denn hier zeigt sich sehr deutlich, dass Düsseldorfer Bierkultur auch heute weit mehr sein kann als ausschließlich Alt.
Das bekannteste Hausbier trägt den Namen Messing. Es ist ein helles, untergäriges Bier mit 12,5 Prozent Stammwürze und rund 4,9 Prozent Alkohol. Gebraut wird es überwiegend mit Pilsener Malz, ergänzt durch Münchner, Weizen- und Karamellmalz. Als Hopfen kommt unter anderem Hallertauer Perle zum Einsatz. Das Ergebnis ist ein hopfig-herbes Helles beziehungsweise ein Bier Pilsener Brauart, das nach der Hauptgärung mehrere Wochen im Lagerkeller reift.
Damit steht mitten in Düsseldorf-Niederkassel ganz selbstverständlich ein helles, untergäriges Bier neben dem Alt. Wer unsere bisherigen Folgen verfolgt hat, erkennt darin fast schon einen roten Faden: Helles Bier ist in Düsseldorf keineswegs ein Fremdkörper. Bereits historische Großbrauereien wie Dieterich-Hoefel boten helle Biere und Pilsener an, und auch andere Betriebe führten untergärige Sorten. Joh. Albrecht knüpft damit – ob bewusst oder nicht – an eine Bierlandschaft an, die früher wesentlich vielfältiger war, als das heutige Klischee von der reinen Altbierstadt vermuten lässt.
Der zweite Klassiker heißt Kupfer. Schon der Name beschreibt seine Farbe. Dieses dunklere, ebenfalls untergärige Bier wird vor allem mit Münchner und dunklem Karamellmalz gebraut. Mit etwa 12,8 Prozent Stammwürze und rund fünf Prozent Alkohol ist es etwas kräftiger, geschmacklich aber bewusst malzbetont und mild. Das Kupfer bildet damit den Gegenpol zum hopfigeren Messing: hell und herb auf der einen Seite, dunkel und weich auf der anderen.
Und dann kommt Düsseldorf ins Spiel.
Denn nur im Niederkasseler Joh. Albrecht wird innerhalb der Brauhausgruppe ein eigenes Altbier gebraut. Auf der aktuellen Düsseldorfer Getränkekarte steht es schlicht als Alt, „typisch Düsseldorf-Style“. Es ist die lokale Antwort auf die Biertradition der Stadt und zeigt gleichzeitig, dass Joh. Albrecht seine bundesweit einheitlichen Hausbiere bewusst um einen regionalen Stil ergänzt. Das Düsseldorfer Alt ist obergärig und wird naturtrüb frisch ausgeschenkt – also genau dort, wo es entsteht.
Damit stehen in Niederkassel heute drei völlig unterschiedliche Bierwelten nebeneinander: ein helles untergäriges Messing, das dunkle untergärige Kupfer und das obergärige Düsseldorfer Alt. Genau diese Vielfalt macht das Haus für unsere Serie beinahe zu einem Lehrstück über Bierstile.
Doch dabei bleibt es nicht. Zum festen beziehungsweise wiederkehrenden Sortiment gehört auch ein moderneres Craftbeer nach IPA-Art. Hier werden Pilsener und Pale-Ale-Malz mit Wiener, Münchner und Karamellmalz kombiniert, dazu kommen Hopfensorten wie Simcoe, Cascade, Amarillo und Citra. Anders als Messing und Kupfer wird dieses Bier mit obergäriger Ale-Hefe vergoren. Saisonale Spezialitäten erweitern das Angebot zusätzlich. Zur Weihnachtszeit wird beispielsweise ein kräftiger X-Mas-Bock mit etwa 16 Prozent Stammwürze und rund 6,8 Prozent Alkohol gebraut; in den Brauhäusern tauchen außerdem immer wieder Weizen- und andere Saisonbiere auf.
Auch die Herstellung folgt bewusst der Idee einer kleinen Gasthausbrauerei. Das Malz wird vor Ort geschrotet, im Läuterbottich eingemaischt und die Würze anschließend in der Sudpfanne mit Hopfen gekocht. Nach der Gärung kommt das Jungbier in Lagertanks und bekommt dort mehrere Wochen Zeit zur Reifung. Gefiltert wird nicht. Das Bier landet naturbelassen im Glas – oder wird für zuhause in Siphons und Fässer abgefüllt.
Damit unterscheidet sich Joh. Albrecht deutlich von vielen Brauereien, die wir bisher behandelt haben. Hier gibt es keine Geschichte von Millionen Hektolitern, großen Flaschenstraßen oder Brauereifusionen. Das Konzept ist fast das Gegenteil: kleine Sudmengen, sichtbare Brautechnik und möglichst kurzer Weg zwischen Tank und Glas. Es ist eine moderne Form jenes Prinzips, nach dem vor zweihundert Jahren viele Düsseldorfer Hausbrauereien funktionierten.
Gleichzeitig ist das Brauhaus längst tief im Niederkasseler Veedelsleben angekommen. Der Schmittmann-Hof ist traditionell ein Treffpunkt des örtlichen Brauchtums. Schützenvereine nutzen Joh. Albrecht als Vereinslokal, beim Schützenfest und bei Veranstaltungen im Dorf spielt das Gelände regelmäßig eine Rolle. Im Sommer kommt der Biergarten hinzu, nur wenige Schritte vom Rhein entfernt. So wurde aus einer Gasthausbrauerei, die ursprünglich nicht aus einer alten Düsseldorfer Brauerfamilie hervorging, inzwischen ein fester Teil des linksrheinischen Stadtteils.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Geschichte von Joh. Albrecht in Düsseldorf.
Vor mehr als hundert Jahren wurde auf dem Schmittmann-Gelände Bier gebraut. Dann verschwand das Brauen und die Brennerei bestimmte über Jahrzehnte das Bild. Ende des 20. Jahrhunderts kehrten die Sudkessel zurück – nicht als Wiederbelebung der alten Schmittmann-Brauerei, sondern als neues Kapitel an einem historischen Ort.
Heute treffen hier deshalb mehrere Generationen Düsseldorfer Getränkegeschichte aufeinander: Schmittmann-Korn aus einem Unternehmen von 1818, ein denkmalgeschütztes Stammhaus und unmittelbar daneben eine moderne kleine Brauerei, die Helles, Dunkles, Alt, IPA und saisonalen Bock braut.
Mehr Vielfalt kann man auf wenigen Metern kaum unterbringen.
Und jetzt interessiert uns natürlich eure Meinung: Wer kennt Joh. Albrecht in Niederkassel schon seit den Anfangsjahren? Welches Bier gehört für euch dort ins Glas – Messing, Kupfer oder Alt? Wer erinnert sich an frühere Saisonbiere, die heute vielleicht nicht mehr gebraut werden? Und wer hat dort schon einmal beim Brauen zugesehen?
Schreibt eure Erinnerungen in die Kommentare. Gerade diesmal geht es nicht um eine verschwundene Brauerei – sondern um eine Düsseldorfer Braugeschichte, die noch immer jeden Tag weitergeschrieben wird.
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