
☝️🫵👉 ALTUS BRÄU: WIE ZWEI DÜSSELDORFER DAS ALTBIER FÜR EINE NEUE GENERATION DENKEN
Unsere Reise durch Düsseldorfs Brauereigeschichte führt diesmal nicht tief ins 19. Jahrhundert, sondern mitten in die Gegenwart. Altus Bräu ist der jüngste Kandidat unserer Serie – und zugleich ein Sonderfall. Denn Anthony Boniteau und Tim Kasparek besitzen bislang keine klassische Hausbrauerei mit eigener großer Produktionsanlage. Ihr Bier wird nach eigener Rezeptur im Lohnbrauverfahren hergestellt. Dafür haben sie inzwischen etwas, das vielen jungen Biermarken fehlt: ein eigenes Zuhause mitten in der Altstadt.
Die Geschichte beginnt während der Corona-Lockdowns. Boniteau und Kasparek, beide in Düsseldorf aufgewachsen, waren damals Studenten und begannen 2021 zunächst mit kleinen Brausets von rund 20 Litern zu experimentieren. Die Idee dahinter war erstaunlich klassisch und gleichzeitig sehr modern: ein Düsseldorfer Altbier – aber in Bio-Qualität, mit einem milderen Geschmack und einem Auftritt, der auch Menschen erreichen sollte, die mit traditionellem Alt bislang wenig anfangen konnten.
Aus den Küchenexperimenten wurde ein Unternehmen. 2022 wurde die Altus Bräu GmbH gegründet, zwei Jahre nach den ersten Versuchen kam das Bier zunehmend in Düsseldorfer Bars, Kioske und Geschäfte. Die Zutaten für das Bio-Alt stammen nach Angaben der Gründer aus kontrolliert ökologischer deutscher Landwirtschaft. Gebraut wird mit Bio-Gerstenmalz, Bio-Hopfen, Hefe und Wasser nach dem Reinheitsgebot.
Spannend ist vor allem die Geschmacksfrage. Altus will ausdrücklich kein besonders herbes Alt sein. Boniteau und Kasparek beobachten selbst, dass gerade jüngere Biertrinker häufig lieber zu milden Sorten und insbesondere zu Hellem greifen. Genau darauf reagierten sie mit ihrer Rezeptur. Ihr Bio-Alt soll süffiger, weicher und zugänglicher sein als viele klassische Düsseldorfer Vertreter – ohne den Charakter eines obergärigen Altbiers aufzugeben.
Und damit berührt Altus einen Punkt, den wir in dieser Serie immer wieder sehen werden: Düsseldorf war historisch nie ausschließlich eine Altbierstadt.
Über viele Jahrzehnte wurden hier sehr unterschiedliche Biere gebraut. Helle Biere, Lager, Pils, Bockbiere und saisonale Spezialitäten gehörten genauso zur Düsseldorfer Braulandschaft wie das dunkle obergärige Bier, das heute besonders stark mit der Stadt verbunden wird. Dass ausgerechnet eine junge Düsseldorfer Marke wieder bewusst mit milderen Bierstilen arbeitet, ist deshalb weniger traditionsfern, als es auf den ersten Blick wirken könnte.
Bei Altus blieb es inzwischen auch nicht bei einer einzigen Sorte.
Das zentrale Produkt ist weiterhin das Altus Bio-Altbier mit 4,9 Prozent Alkohol. Im Sommer 2026 kam jedoch ein zweites Bier hinzu: Zur Wiedereröffnung des eigenen Lokals an der Liefergasse feierte das Altus Pils Premiere. Damit stehen heute Alt und Pils nebeneinander – eine Kombination, die durchaus an frühere Düsseldorfer Brauereien erinnert, deren Sortimente häufig erheblich breiter waren, als man heute vermuten würde.
Der vielleicht emotionalste Teil der Altus-Geschichte spielt jedoch nicht im Braukessel, sondern in einem Keller an der Liefergasse 1.
Dort befand sich rund fünf Jahrzehnte lang schlicht „Die Kneipe“ – ein Düsseldorfer Altstadtlokal, mit dem Generationen ihre eigenen Geschichten verbinden. Ende 2024 schloss der Betrieb. Boniteau und Kasparek kannten das Lokal aus ihrer eigenen Jugend. Hier hatten sie nach eigener Aussage früh ihre Altstadt-Erfahrungen gemacht und ihr erstes gezapftes Altbier getrunken.
Statt irgendeinen neuen Laden zu eröffnen, entschieden sie sich ausgerechnet für diesen Ort.
Das historische Haus stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist denkmalgeschützt. Im Untergeschoss befindet sich ein alter Bierkeller, der zu den ältesten der Stadt gezählt wird. Bei der Sanierung wollten die neuen Betreiber deshalb nicht einfach alles herausreißen und neu gestalten. Alte Baumaterialien wurden teilweise weiterverwendet und historische Strukturen wieder sichtbar gemacht.
Am 1. Juli 2026 öffnete die Kneipe wieder.
Seitdem besitzt Altus erstmals einen eigenen festen Ausschank in der Düsseldorfer Altstadt. Und ausgerechnet hier schließt sich ein Kreis: Zwei Düsseldorfer, die an diesem Ort selbst ihr erstes gezapftes Alt tranken, stehen heute hinter der Theke und schenken ihre eigene Biermarke aus.
Trotzdem gehört zur historischen Genauigkeit unserer Serie auch die Einschränkung: Altus ist derzeit noch keine Hausbrauerei im klassischen Düsseldorfer Sinn. Die eigene Produktionsstätte fehlt. Nach den Rezepturen und Vorgaben von Altus wird momentan im Lohnbrauverfahren produziert. Die Gründer selbst machen daraus kein Geheimnis. Ihr erklärtes langfristiges Ziel ist eine eigene Brauerei in Düsseldorf – und damit möglicherweise die erste vollständig auf Bio ausgerichtete Braustätte der Stadt.
Ob daraus eines Tages ein neues Kapitel Düsseldorfer Brauereigeschichte wird, lässt sich heute noch nicht sagen.
Aber genau deshalb gehört Altus in unsere Reihe.
Denn Stadtgeschichte besteht nicht nur aus Dingen, die längst vorbei sind. Irgendwann ist jede alte Brauerei einmal neu gewesen. Irgendwann stand hinter jedem Traditionsnamen jemand, der zum ersten Mal einen Sud ansetzte und nicht wusste, ob daraus Jahrzehnte oder vielleicht sogar Jahrhunderte werden würden.
Altus befindet sich genau an diesem Punkt.
Und jetzt interessiert uns eure Meinung: Muss ein Düsseldorfer Alt kräftig und herb sein – oder darf es bewusst milder werden? Habt ihr das Altus Bio-Alt schon probiert? Kennt ihr das neue Altus Pils? Und wer von euch verbindet noch Erinnerungen mit der alten „Kneipe“ an der Liefergasse?
Schreibt es uns in die Kommentare.
Denn vielleicht schauen Düsseldorfer in 50 Jahren genau auf diese Jahre zurück und erzählen, wie eine neue Brauereigeschichte angefangen hat.
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