
☝️🫵👉 WENN DIE SESSION NOCH SCHLÄFT, TANZT DÜSSELDORF SCHON
Die Wagenbauhalle am Steinberg ist eigentlich das Reich der Rosenmontagswagen. Am Sonntag gehörte sie jedoch vor allem schnellen Schritten, Hebefiguren, Musik und jenen Menschen, die im Düsseldorfer Karneval oft erst dann wahrgenommen werden, wenn ihre monatelange Arbeit scheinbar mühelos auf einer Bühne funktioniert. Beim zweiten Tag des Tanzes des Comitee Düsseldorfer Carneval rückten die Garden ins Zentrum – und zeigten eindrucksvoll, dass karnevalistischer Tanzsport längst beginnt, bevor am 11.11. offiziell die neue Session eröffnet wird.
Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr war das Format deutlich gewachsen. Rund 20 Garden waren für die zweite Ausgabe gemeldet und brachten Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus zahlreichen Düsseldorfer Karnevalsgesellschaften zusammen. Zu sehen gab es dabei nicht einfach eine Aneinanderreihung fertiger Nummern. Neben bekannten Tänzen aus dem bisherigen Repertoire standen bereits Choreografien für die kommende Session auf dem Programm. Für manche Gruppen war der Sonntag damit eine Art erste öffentliche Standortbestimmung nach Monaten des Trainings.
Gerade darin liegt der besondere Reiz dieser Veranstaltung. Normalerweise begegnen sich die Garden während der Session zwischen Umkleideraum, Bus, Bühne und nächstem Auftritt. Am Steinberg blieb Zeit, den anderen zuzusehen, miteinander ins Gespräch zu kommen und zu erleben, wie unterschiedlich Gardetanz in Düsseldorf interpretiert wird. Nachwuchsgruppen standen ebenso auf der Bühne wie erfahrene Formationen. Traditioneller Gardetanz traf auf Showelemente, tänzerische Präzision auf sichtbare Spielfreude. Konkurrenz spielte dabei keine erkennbare Hauptrolle – der Tag war vor allem ein gemeinsames Schaufenster des Düsseldorfer Tanzbrauchtums.
Dass ausgerechnet die Wagenbauhalle dafür inzwischen zur Heimat geworden ist, passt erstaunlich gut. Schon die Premiere 2025 hatte gezeigt, wie besonders diese Kulisse funktioniert. Damals waren 17 Vereine dabei und die zwischen Rosenmontagswagen aufgebaute Bühne entwickelte eine Atmosphäre, die weder Festzelt noch Veranstaltungssaal nachbilden können. Die Halle verbindet zwei Bereiche des Karnevals, deren enorme Arbeit außerhalb der Session leicht übersehen wird: Auf der einen Seite entstehen hier über Monate die Wagen für Rosenmontag, auf der anderen trainieren die Garden beinahe das ganze Jahr für wenige Minuten perfekte Bühnenpräsenz.
Der Tag des Tanzes will deshalb bewusst mehr sein als eine zusätzliche Karnevalsveranstaltung im Kalender. Das CC versteht das Format als Teil seiner Jugendförderung und zugleich als Dankeschön an die vielen Aktiven und ihre Trainerinnen und Trainer. Hinter einem vier- oder fünfminütigen Tanz stehen unzählige Trainingsstunden, die Arbeit an Choreografien, Kostümen und Musik sowie Eltern und Ehrenamtliche, die Fahrten, Proben und Auftritte überhaupt erst möglich machen. Am Sonntag waren ausnahmsweise nicht Prinzenpaar, Büttenredner oder große Sitzungskünstler die Hauptdarsteller, sondern genau diese Basis des Brauchtums.
Sichtbar wurde diese Kontinuität auch bei den Ehrungen. Tänzerinnen und Tänzer, die seit fünf, acht oder elf Jahren aktiv dabei sind, wurden für ihre langjährige Zugehörigkeit zum Tanzsport ausgezeichnet. Gerade bei den jüngeren Aktiven zeigen solche Zeiträume, dass Gardetanz nicht nur ein Hobby für eine einzelne Session ist. Viele wachsen über Jahre mit ihren Gruppen, übernehmen später Verantwortung oder geben ihre Erfahrung irgendwann selbst an den Nachwuchs weiter.
Für musikalische Abwechslung zwischen den Tanzblöcken sorgten die Swinging Funfares. Zum Abschluss bekam die Veranstaltung schließlich noch Besuch aus der Nachbarstadt: Die Rheinveilchen aus Köln bildeten das große Finale. Durch den Tag führten Nicole Nothen und Stefan Kleinehr, die bereits zu den treibenden Kräften hinter der Premiere des Formats gehörten. Unterstützt wurde die zweite Ausgabe erstmals von der PSD Bank Rhein-Ruhr, die die Schirmherrschaft übernommen hatte. Der Eintritt blieb trotzdem kostenlos – ein wichtiger Punkt für eine Veranstaltung, die ausdrücklich offen für Familien, Vereinsfreunde und neugierige Besucher sein soll.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieses Sonntags: Düsseldorfer Karneval besteht nicht nur aus den Wochen zwischen Hoppeditz und Aschermittwoch. Er lebt davon, dass Menschen das ganze Jahr proben, organisieren, Wagen bauen, Nachwuchs ausbilden und ihre Freizeit investieren. Der Tag des Tanzes macht einen Teil dieser Arbeit sichtbar, der auf den großen Bühnen oft nur für wenige Minuten zu sehen ist.
Nach zwei Ausgaben wirkt das Format deshalb kaum noch wie ein Experiment. Aus einer Idee zur Nachwuchsförderung entwickelt sich gerade ein Treffpunkt der Düsseldorfer Garden – und möglicherweise eine neue feste Tradition lange bevor die eigentliche Karnevalssession beginnt.
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