
☝️🫵👉 NACH DEM SCHÜTZENFEST IST VOR DEM SCHÜTZENFEST – DÜSSELDORFS BRAUCHTUM KENNT KEINE WINTERPAUSE!
Die Festzelte sind abgebaut, die Schützenplätze wieder leer und die letzten großen Paraden des Jahres vorüber. Doch wer glaubt, dass sich Düsseldorfs Schützenvereine jetzt bis zum nächsten Frühjahr verabschieden, unterschätzt einen wichtigen Teil unserer Stadtgesellschaft. Denn während die Öffentlichkeit vor allem die großen Schützenfeste wahrnimmt, beginnt hinter den Kulissen eine ebenso bedeutende Zeit. Es wird geplant, trainiert, gefeiert, geehrt und vor allem Gemeinschaft gelebt.
Das Düsseldorfer Schützenwesen ist weit mehr als ein Stück lebendige Tradition. Die zahlreichen Vereine und Bruderschaften sind tief in ihren Stadtteilen verwurzelt und übernehmen gesellschaftliche Aufgaben, die häufig nur wenig öffentliche Aufmerksamkeit bekommen. Neben der Pflege des Brauchtums gehören Jugendarbeit, Nachbarschaftshilfe, soziale Projekte und die Unterstützung älterer oder hilfsbedürftiger Menschen zum Selbstverständnis vieler Schützen.
Wie lebendig das Vereinsleben auch im Herbst ist, zeigen die aktuellen Termine. Am 24. Oktober lädt der St. Sebastianus Schützenverein Stockum zu seinem zweiten Oktoberfest ein. Am 25. Oktober treffen sich Düsseldorfer Schützen zum Brauereipokalschießen der Interessengemeinschaft Düsseldorfer Schützenvereine, kurz IGDS. Die nächste Chefversammlung des Dachverbandes folgt am 29. Oktober, bevor am 28. November der Jungschützenball auf dem Programm steht. Zwischen diesen größeren Veranstaltungen finden in den einzelnen Vereinen zahlreiche Versammlungen, Schießabende und gesellige Treffen statt.
Besonders wertvoll ist allerdings das soziale Engagement, das vielerorts ganz selbstverständlich zum Vereinsleben gehört. Ein eindrucksvolles Beispiel ist der traditionelle Seniorennachmittag des St. Sebastianus Schützenvereins Düsseldorf von 1316 während der großen Rheinkirmes. Seit Jahrzehnten werden ältere Menschen aus Düsseldorfer Senioreneinrichtungen und Altenclubs zu einem gemeinsamen Nachmittag mit Bewirtung und Unterhaltung eingeladen. In früheren Jahren nahmen daran rund 2.000 Seniorinnen und Senioren teil. Hinter dieser Veranstaltung stehen zahlreiche ehrenamtliche Helfer, die dafür sorgen, dass auch Menschen, denen solche Ausflüge allein kaum noch möglich wären, am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.
Auch im kleineren Rahmen entstehen wertvolle Begegnungen. Der St. Sebastianus Schützenverein Düsseldorf-Bilk veranstaltete beispielsweise im Dezember 2025 seine Seniorenweihnachtsfeier im Vereinshaus Goldene Mösch. Rund 80 Gäste verbrachten dort einen gemeinsamen festlichen Nachmittag. Solche Veranstaltungen sind weit mehr als eine nette Abwechslung im Alltag. Sie schaffen persönliche Kontakte, vermitteln Wertschätzung und geben älteren Menschen das Gefühl, weiterhin ein selbstverständlicher Teil ihrer Gemeinschaft zu sein.
Gerade mit Blick auf die bevorstehende Adventszeit eröffnen sich weitere Möglichkeiten für soziales Engagement. Gemeinsame Weihnachtsmarktbesuche mit Bewohnerinnen und Bewohnern von Seniorenheimen, begleitete Ausflüge, kleine Adventsfeiern oder persönliche Besuche können Menschen Freude bereiten, deren Alltag von eingeschränkter Mobilität oder Einsamkeit geprägt ist. Dass dafür konkrete Unterstützung benötigt wird, zeigen auch aktuelle Projekte der Düsseldorfer Wohlfahrtspflege. So sucht die Diakonie ehrenamtliche Begleiter für einen gemeinsamen Besuch des Kaiserswerther Weihnachtsmarktes mit älteren Menschen aus dem Tersteegen-Haus. Auch für Adventsveranstaltungen in Senioreneinrichtungen werden helfende Hände gebraucht.
Solche Angebote bieten sich ebenso für Schützenvereine an, die ihr soziales Engagement ausbauen oder neue Kooperationen mit Einrichtungen in ihrem Veedel aufbauen möchten. Schon wenige Stunden ehrenamtlicher Unterstützung können einen Unterschied machen. Manchmal ist es die Begleitung eines Menschen im Rollstuhl über den Weihnachtsmarkt, manchmal ein gemeinsamer Kaffee, ein Gespräch oder einfach die Gewissheit, nicht vergessen worden zu sein.
Dass Düsseldorfer Schützen auch über ihre eigenen Veranstaltungen hinaus Verantwortung übernehmen, zeigt die Gesellschaft Fürst Karl Anton. Sie sammelt regelmäßig Spenden für gemeinnützige Zwecke. Im Jahr 2025 kamen dabei 1.500 Euro für den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Düsseldorf zusammen. Bereits zuvor hatte die Gesellschaft 1.200 Euro für die inklusive Karnevalsgesellschaft Gemeinsam Jeck gesammelt. Mit solchen Aktionen unterstützen die Schützen Menschen und Initiativen, die auf Solidarität und praktische Hilfe angewiesen sind.
Auch die IGDS hat sich in der Vergangenheit an sozialen Spendenaktionen beteiligt. Unter dem Gedanken, dass Schützen nicht nur Traditionen schützen, sondern auch Menschen helfen, unterstützte sie die Initiative Düsseldorf setzt ein Zeichen. Das zeigt, wie selbstverständlich sich Brauchtum und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbinden lassen.
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt bleibt die Nachwuchsarbeit. Jungschützen lernen in ihren Vereinen nicht nur den Umgang mit Traditionen, sondern übernehmen Verantwortung, organisieren Veranstaltungen und erleben Gemeinschaft über Generationen hinweg. Gerade in einer Zeit, in der sich viele Vereine um neue Mitglieder bemühen, ist diese Arbeit von besonderer Bedeutung. Denn das Schützenwesen kann nur lebendig bleiben, wenn junge Menschen nicht bloß Zuschauer sind, sondern die Zukunft ihrer Vereine aktiv mitgestalten.
Für viele Mitglieder ist der eigene Schützenverein längst zu einer zweiten Familie geworden. Hier entstehen Freundschaften, die Jahrzehnte überdauern. Hier treffen Menschen unterschiedlicher Generationen und Lebenswege aufeinander. Und hier wird häufig ganz selbstverständlich geholfen, wenn jemand Unterstützung benötigt. Ob beim Aufbau einer Veranstaltung, bei einer Spendensammlung oder durch persönliche Zuwendung für ältere Menschen: Das Ehrenamt zeigt sich oft gerade in den kleinen Dingen.
Dabei sollte nicht vergessen werden, dass all diese Aktivitäten Zeit, Geld und engagierte Menschen benötigen. Hinter einem gelungenen Schützenfest stehen monatelange Vorbereitungen. Hinter einer Seniorenfeier stehen Menschen, die organisieren, einkaufen, Tische decken, Gäste betreuen und anschließend wieder aufräumen. Und hinter einem sozialen Projekt stehen häufig Vereinsmitglieder, die sich neben Beruf und Familie zusätzliche Aufgaben aufladen, weil ihnen ihre Mitmenschen am Herzen liegen.
Vielleicht wäre gerade die bevorstehende Adventszeit ein schöner Anlass, dieses Engagement noch stärker sichtbar zu machen. Wenn Düsseldorfer Schützenvereine gemeinsam mit Seniorenheimen, sozialen Einrichtungen oder Nachbarschaftsinitiativen etwas auf die Beine stellen, profitieren davon nicht nur die unmittelbar Beteiligten. Solche Begegnungen stärken das Miteinander im gesamten Stadtteil.
Denn Brauchtum bedeutet nicht nur, Traditionen aus der Vergangenheit zu bewahren. Es bedeutet auch, Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen und dafür zu sorgen, dass Menschen nicht allein gelassen werden.
Wenn im kommenden Frühjahr wieder die ersten Schützenzüge durch Düsseldorfs Straßen marschieren, liegt hinter den Vereinen bereits ein halbes Jahr voller Arbeit, Begegnungen und gemeinsamer Erlebnisse. Vieles davon wird niemals auf einer großen Bühne stattfinden. Und doch ist es für unsere Stadt mindestens ebenso wertvoll wie die festlichen Paraden.
Die nächste Schützenfestsaison beginnt deshalb nicht erst mit dem ersten Trommelschlag. Sie hat längst begonnen.
Und vielleicht zeigt sich die schönste Seite des Düsseldorfer Schützenwesens gerade dann, wenn keine Uniform getragen wird, keine Musik spielt und kein Publikum applaudiert. Sondern einfach jemand für einen anderen Menschen da ist.
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