HECKHAUSEN: ALS KAPPES-HAMM NOCH SEINE EIGENE BRAUEREI HATTE

☝️🫵👉 HECKHAUSEN: ALS KAPPES-HAMM NOCH SEINE EIGENE BRAUEREI HATTE
☝️🫵👉 HECKHAUSEN: ALS KAPPES-HAMM NOCH SEINE EIGENE BRAUEREI HATTE

☝️🫵👉 HECKHAUSEN: ALS KAPPES-HAMM NOCH SEINE EIGENE BRAUEREI HATTE

Unsere Reise durch die verschwundene Düsseldorfer Brauereiwelt führt diesmal dorthin, wo man sie vielleicht am wenigsten vermuten würde: nach Hamm. Zwischen Rhein, Deich, Gemüsefeldern und alten Hofanlagen stand einst eine kleine Brauerei Heckhausen. Kein riesiger Industriebetrieb, keine große Altstadtmarke mit überregionaler Werbung – sondern eine jener Dorfbrauereien, bei denen Wirtschaft, Vereinsleben und Bier noch unmittelbar zusammengehörten.

Gerade solche Betriebe sind für unsere Serie wichtig. Denn Düsseldorfer Biergeschichte wurde nicht nur zwischen Bolkerstraße, Ratinger Straße und Oststraße geschrieben. Auch in den Veedeln wurde gebraut. Und Hamm war damals trotz seiner Nähe zur Innenstadt eine eigene kleine Welt. Bereits 1394 wurde das Kirchspiel Hamm in die Düsseldorfer Freiheiten aufgenommen, seinen dörflichen Charakter hat der Ort trotzdem bis heute bewahrt. Die fruchtbaren Rheinauen machten Hamm zum Land der Kappesbuure, der Gemüsebauern. Kohl, später Blumen und Feingemüse bestimmten das Leben vieler Familien. Dazu kamen Schützen, Sänger, Reitervereine, Gastwirtschaften – und eben eigenes Bier.

Die früheste Spur, die sich eindeutig mit unserem Brauer verbinden lässt, führt ins Jahr 1889. In einer damaligen Düsseldorfer Zeitung wird ein „Wirt Herr Jos. Heckhausen zu Hamm“ erwähnt. In seiner Wirtschaft sollte eine öffentliche Versteigerung stattfinden. Das klingt zunächst unspektakulär, ist aber ein wichtiger Baustein: Josef Heckhausen betrieb bereits damals eine Gastwirtschaft im Dorf.

Im selben Jahr taucht ein Josef Heckhausen auch unter den sechs Gründern des Reitervereins Düsseldorf-Hamm auf. Gemeinsam wollten die Männer Reiterfeste, Tanzveranstaltungen und Preiskegeln organisieren. Ob dieser Vereinsgründer zweifelsfrei derselbe Josef Heckhausen war, der die Wirtschaft führte und später als Brauer erscheint, lässt sich mit den bislang gefundenen Unterlagen noch nicht endgültig beweisen. Name, Ort und Zeit sprechen allerdings sehr deutlich dafür.

Spätestens einige Jahre später wird die Verbindung zwischen Heckhausen und dem gesellschaftlichen Leben des Dorfes noch stärker. Der Männergesangverein Liederkranz 1903 war so schnell gewachsen, dass er ein größeres Vereinslokal brauchte. 1908 fand man dieses ausdrücklich „bei Josef Heckhausen“. Man muss sich diese Wirtschaft also weniger wie ein heutiges Restaurant und mehr wie ein soziales Zentrum vorstellen. Hier wurde gesungen, geplant, gefeiert, wahrscheinlich gekegelt, diskutiert und natürlich getrunken.

Und irgendwo in diesem Umfeld wurde auch gebraut.

Ein überregionales Brauereiverzeichnis des frühen 20. Jahrhunderts führt unter den Düsseldorfer Betrieben ausdrücklich „Heckhausen, Jos., Hamm 55“. Sogar eine Fernsprechnummer ist angegeben: 4761. Damit ist der Brauereibetrieb eindeutig belegt. Die damalige Anschrift „Hamm 55“ lässt sich allerdings nicht ohne Weiteres einer heutigen Hausnummer zuordnen. Bevor moderne Straßen- und Hausnummernsysteme überall vereinheitlicht wurden, funktionierten solche Dorfadressen anders. Deshalb wollen wir an dieser Stelle kein heutiges Gebäude zur alten Brauerei erklären, solange diese Zuordnung nicht archivalisch gesichert ist.

Auch von einer großen technischen Ausstattung ist bei Heckhausen nichts überliefert. Im gleichen Brauereiverzeichnis werden bei großen Betrieben Dampfbetrieb, Eismaschinen, Elektromotoren oder Flaschenabfüllungen minutiös genannt. Hinter Heckhausen steht dagegen lediglich der knappe Eintrag mit Name, Ort und Telefonnummer. Genau darin liegt wahrscheinlich die Wahrheit dieses Hauses: Wir haben es offenbar mit einer kleinen, handwerklich geprägten Brauerei zu tun – vermutlich eng verbunden mit der eigenen Gastwirtschaft und dem lokalen Absatz in Hamm.

Welche Biere dort gebraut wurden?

Hier wird es besonders interessant – und hier wollen wir bei unserer Serie weiterhin konsequent zwischen Wissen und Vermutung unterscheiden. Eine historische Sortenliste von Heckhausen haben wir bislang nicht gefunden. Kein Etikett nennt uns ein Heckhausen-Helles, kein Inserat ein Pilsener oder Bockbier. Was wir jedoch eindeutig wissen: Heckhausen gehörte später zur Gemeinschaft der obergärigen Düsseldorfer Brauereien.

Damit ist die grundsätzliche Brauart belegt.

1917 war für viele kleine Brauereien ein Schicksalsjahr. Der Erste Weltkrieg hatte Rohstoffe knapp gemacht. Kupfer wurde für die Kriegswirtschaft benötigt, Brauereien mussten Teile ihrer Anlagen abgeben, Gerste und andere Rohstoffe wurden rationiert. Gleichzeitig drohten staatlich organisierte Betriebszusammenlegungen. Besonders kleine Hausbrauereien konnten unter diesen Bedingungen kaum noch wirtschaftlich arbeiten.

In Düsseldorf und Neuss reagierten 24 solcher Betriebe auf bemerkenswerte Weise: Sie schlossen sich zur „Kriegsbraugemeinschaft der obergärigen Brauereien von Düsseldorf und Neuß“ zusammen.

Das Bier wurde fortan gemeinsam in der Hirschbrauerei produziert. Entscheidend war aber, dass die angeschlossenen Betriebe ihr eigenes Braurecht und ihre wirtschaftliche Selbstständigkeit behielten. Es war eine Art Überlebensgemeinschaft der kleinen Brauereien.

Heckhausen gehörte dazu.

Und damit wissen wir zugleich, dass das Heckhausen-Bier zur obergärigen Düsseldorfer Brautradition gehörte. Ob die Familie es bereits ausdrücklich „Altbier“ nannte, ist damit allerdings noch nicht gesagt. Gerade bei älteren Brauereien wurde häufig schlicht von obergärigem Bier oder Hausbier gesprochen. Die heute selbstverständliche Verwendung des Wortes Alt als Marken- und Sortenbezeichnung entwickelte sich erst allmählich.

Ein eigenes Helles, Lager, Pils oder Bock ist für Heckhausen bislang nicht nachweisbar. Und weil wir bei dieser Serie inzwischen gesehen haben, wie vielfältig Düsseldorfs Bierwelt einmal war, ist genau diese Unterscheidung wichtig. Andere Betriebe boten Helles, Export, Pils und Alt parallel an. Bei Heckhausen können wir momentan nur das Obergärige sicher festhalten.

Noch bemerkenswerter ist, wie lange der Name als Brauerei weiterlebte.

1941, fast ein Vierteljahrhundert nach der Gründung der Kriegsbraugemeinschaft, erschien in den Düsseldorfer Heimatblättern ein ausführlicher Bericht über die daraus hervorgegangene Braugemeinschaft Düsseldorf. Einige Mitglieder wie Frankenheim und Schumacher hatten ihren eigenen Braubetrieb inzwischen wieder aufgenommen. Andere waren verschwunden oder in Großbrauereien aufgegangen.

Heckhausen aber war noch dabei.

Gemeinsam mit Zum Schiffchen, Zur Sonne, Im Goldenen Ring, Zur Uel, Heinrich Kreuder, Zur Goldenen Rose, Zum silbernen Ring in Hamm, den Gebrüdern Schmittmann aus Niederkassel und dem Schwatten Päd aus Neuss wird Heckhausen ausdrücklich als angeschlossene Brauerei genannt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass 1941 in Hamm noch ein eigener Sudkessel lief. Im Gegenteil: Die gemeinsame Bierherstellung erfolgte weiterhin in der Hirschbrauerei. Heckhausen existierte innerhalb dieser Konstruktion als eigenständiges Brauhaus beziehungsweise als Inhaber eines eigenen Braurechts weiter, während das Bier zentral produziert wurde.

Und genau hier verliert sich die Spur langsam.

Wann in Hamm der letzte eigene Sud gekocht wurde, wann der Name Heckhausen endgültig aus der Düsseldorfer Brauereiwelt verschwand und wie lange die dazugehörige Gastwirtschaft existierte, konnten wir bislang nicht eindeutig feststellen. Auch ein historisches Markenlogo oder ein originales Etikett ist uns bisher nicht begegnet.

Vielleicht gab es so etwas im modernen Sinne auch gar nicht.

Denn Heckhausen stammt aus einer Bierwelt, die noch viel lokaler funktionierte. Wer in Hamm sein Bier bei Heckhausen trank, brauchte möglicherweise keine Marke auf der Flasche und kein aufwendig gestaltetes Logo. Man wusste schlicht, woher das Bier kam. Es kam aus dem Dorf. Vom Wirt. Vom Brauer. Von Heckhausen.

Das ist vielleicht der größte Unterschied zu unserer heutigen Vorstellung von Bier.

Wir denken in Marken.

Damals dachte man häufig in Häusern.

Und die Häuser waren zugleich Treffpunkte einer Dorfgemeinschaft. Dass der Liederkranz ausgerechnet bei Josef Heckhausen sein Vereinslokal fand, erzählt deshalb fast genauso viel über die Bedeutung dieses Betriebes wie jeder Produktionswert. Hier trafen Menschen einander, die gemeinsam sangen, Schützenfeste feierten, Pferde hielten, auf den Feldern arbeiteten und sonntags zusammensaßen. Das Bier war Bestandteil dieses Lebens – nicht bloß ein Produkt im Regal.

Hamm hat sich seitdem verändert und ist sich gleichzeitig erstaunlich treu geblieben. Noch heute spricht Düsseldorf von Kappes-Hamm. Noch immer liegen Felder zwischen Dorf und Rhein. Blumen und Gemüse werden weiterhin angebaut, Schützen und Vereine prägen das gesellschaftliche Leben, und manche Familiennamen ziehen sich durch Generationen.

Nur die kleine Brauerei Heckhausen ist verschwunden.

Und genau deshalb möchten wir diesmal besonders eure Hilfe.

Wer kennt noch Geschichten über die Familie Heckhausen als Wirts- oder Brauerfamilie in Hamm? Weiß jemand, wo genau sich das historische Haus „Hamm 55“ befand? Gibt es irgendwo eine alte Ansichtskarte, ein Foto der Wirtschaft, eine Rechnung, einen Bierdeckel, eine Flasche oder vielleicht sogar ein Schild der Brauerei?

Und ganz besonders spannend wäre die Frage: Hat in einer Hammer Familie noch jemand gehört, wie das Heckhausen-Bier genannt wurde?

Solche kleinen Brauereien verschwinden nämlich zweimal.

Das erste Mal, wenn der letzte Sudkessel kalt wird.

Und das zweite Mal, wenn niemand mehr ihre Geschichte erzählt.

Das wollen wir verhindern.

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