
☝️🫵👉 IM GOLDENEN RING: FAST 500 JAHRE AM BURGPLATZ – UND EINE BRAUEREIGESCHICHTE MIT VIELEN WENDELINIEN
Wenn man heute am Burgplatz vor dem Goldenen Ring sitzt, den Schlossturm im Rücken und den Rhein nur wenige Schritte entfernt, befindet man sich an einem Ort, dessen Geschichte beinahe so alt ist wie das Düsseldorf, das wir kennen. Seit 1536 wird der Name „Goldener Ring“ mit diesem Platz verbunden. Doch gerade bei einem Haus mit fast fünf Jahrhunderten Vergangenheit lohnt es sich, genauer hinzusehen: Nicht alles, was heute gern unter „ältestes Brauhaus Düsseldorfs“ zusammengefasst wird, bedeutet automatisch, dass hier seit 1536 ohne Unterbrechung Bier gebraut wurde. Historisch sicher belegen lässt sich eine sehr lange Gaststättentradition – und spätestens im 19. und 20. Jahrhundert auch eine echte Brauereigeschichte.
Der Name selbst stammt aus einer Zeit, in der Häuser noch keine Nummern trugen. Stattdessen hatten sie Namen und Zeichen: Goldener Ring, Goldene Kette, Goldenes Schwert oder Goldenes Waldhorn. Wer „zum Goldenen Ring“ ging, brauchte keine Adresse. Jeder wusste, welches Haus gemeint war. Der heutige Burgplatz war damals noch unmittelbar vom Düsseldorfer Schloss geprägt, dessen Schlossturm als letzter großer Rest bis heute neben dem Haus steht.
Aus den folgenden Jahrhunderten sind immer wieder Besitzer des Hauses überliefert. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wird der Jurist Bertram Pontius genannt, im 18. Jahrhundert der Hofkammerrat de Roy und später ein Postsekretär Meyer. Das zeigt, wie lange der Ort bereits Teil des bürgerlichen Lebens am Burgplatz war. Ob in all diesen Jahrhunderten tatsächlich durchgehend gebraut wurde, lässt sich allerdings nicht seriös behaupten. Die heutige Selbstdarstellung führt die Brauhausgeschichte bis 1536 zurück; für einen kontinuierlichen Braubetrieb seit diesem Jahr fehlen jedoch belastbare Belege.
Deutlich fester wird der historische Boden im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Seit 1896 befindet sich das Haus im Besitz der Familie Kampes. Damit beginnt eine Familiengeschichte, die bis in die Gegenwart reicht. Fritz beziehungsweise später Richard Kampes machten den Goldenen Ring zu einem der bekanntesten großen Gasthäuser der Altstadt. Aus dieser Zeit stammen auch eindeutige Belege dafür, dass der Goldene Ring nicht nur Ausschank, sondern tatsächlich Brauerei war.
Ein Brauereiverzeichnis aus dem frühen 20. Jahrhundert führt ausdrücklich „Richard Kampes, Brauerei zum goldenen Ring, Burgplatz 22“. Als Gründungsjahr der Brauerei wird dort 1704 genannt, 1913 erscheint als Jahr einer betrieblichen Umgestaltung. Genannt werden außerdem Braumeister Heinrich Bremer sowie eigener Motor- und Feuerkesselbetrieb. Spätestens hier ist klar: Wir reden nicht nur über eine Gaststätte mit traditionsreichem Namen, sondern über einen realen Braubetrieb.
Auch in Düsseldorfer Adress- und Heimatquellen taucht das Haus immer wieder ausdrücklich als „Brauerei Im Goldenen Ring“ auf. Eine Anzeige von 1933 nennt Richard Kampes als Inhaber. 1955 und 1956 wirbt die Witwe Richard Kampes weiterhin mit genau dieser Bezeichnung am Burgplatz 21–22.
Besonders interessant ist die Zeit des Ersten Weltkriegs. 1917 schlossen sich 24 kleinere obergärige Brauereien aus Düsseldorf und Neuss zu einer Kriegsbraugemeinschaft zusammen. Hintergrund waren Rohstoffknappheit und staatliche Eingriffe, die viele kleine Betriebe in ihrer Existenz bedrohten. Die gemeinsame Bierherstellung wurde in der Hirschbrauerei organisiert, ohne dass die angeschlossenen Häuser ihr Braurecht und ihre Selbstständigkeit verlieren sollten.
Der Goldene Ring gehörte zu dieser Gemeinschaft.
Noch 1941 wird er gemeinsam mit Häusern wie Zum Schiffchen, Zur Sonne, Zur Uel, Zur Goldenen Rose und den Gebrüdern Schmittmann als angeschlossene Brauerei genannt. Das ist für unsere Serie besonders wichtig, weil dadurch auch die Art des Bieres klarer wird: Es handelte sich um die Gemeinschaft der obergärigen Brauereien. Der Goldene Ring gehörte also eindeutig in die Düsseldorfer obergärige Biertradition, aus der sich das heutige Altbierverständnis entwickelt hat.
Eine lückenlose historische Sortenkarte des Hauses haben wir allerdings bislang nicht gefunden. Wir können deshalb nicht behaupten, dass dort zu bestimmten Zeiten zusätzlich eigenes Helles, Pils, Export oder Bock gebraut wurde. Sicher ist das obergärige Bier.
Später wird die Sortenvielfalt im Ausschank jedoch sichtbar.
Eine Anzeige aus dem Jahr 1968 bezeichnet den Goldenen Ring weiterhin als älteste Hausbrauerei und Gaststätte Düsseldorfs und wirbt ausdrücklich mit „obergärigem Altbier direkt vom Fass“. Gleichzeitig standen Schwabenbräu Export und Bitburger Pils auf dem Programm. Das ist wieder eines jener schönen Details unserer Serie: Auch ein traditionsreiches Düsseldorfer Altbierhaus lebte keineswegs in einer Welt, in der ausschließlich Alt getrunken wurde. Export und Pils gehörten selbstverständlich zum Angebot – auch wenn sie nicht im Goldenen Ring selbst gebraut worden sein müssen.
Der Zweite Weltkrieg setzte dieser alten Welt beinahe ein Ende.
Das Gebäude wurde schwer zerstört. Anfang der 1950er-Jahre ließ die Familie Kampes den Goldenen Ring wiederaufbauen. 1953 konnten die Düsseldorfer Jonges dort ein neues Vereinsheim beziehen. Richard Kampes hatte seit der Gründung der Jonges zu deren Umfeld gehört; nach seinem Tod führte seine Frau Gertrud beziehungsweise Traudchen Kampes die Verbindung weiter. Über Jahrzehnte war der Goldene Ring deshalb nicht nur Brauhaus und Gaststätte, sondern auch Heimat für Vereine, Heimatfreunde, Kegelclubs und unzählige Stammtische.
Diese gesellschaftliche Funktion lässt sich kaum überschätzen.
Ein Düsseldorfer Brauhaus war nie nur der Ort, an dem Bier ausgeschenkt wurde. Hier wurden Vereinsvorstände gewählt, Karneval geplant, Schützenfeste vorbereitet, politische Debatten geführt, Geschäfte besprochen und Freundschaften gepflegt. Im Goldenen Ring kamen diese Funktionen in besonders konzentrierter Form zusammen. Seine Lage direkt am Rathaus, am Schlossturm und am Rhein machte ihn gewissermaßen zu einem Wohnzimmer der Altstadt.
Mit der Zeit wandelte sich jedoch auch dieses Haus von einer eigenen Brauerei zum Brauereiausschank.
Nach dem Krieg prägte vor allem Schlösser den Goldenen Ring über viele Jahrzehnte. 2005 wurde der Ausschank noch einmal umfassend renoviert und mit Schlösser Alt neu eröffnet. Wenige Jahre später wechselte die Bierbindung: 2008 übernahm Frankenheim die Rolle als Brauereipartner und Pächter. Damit kam eine weitere große Düsseldorfer Biermarke an den Burgplatz.
Auch heute ist die historische Bezeichnung „Brauhaus“ geblieben, tatsächlich wird jedoch nicht mehr im Gebäude selbst gebraut. Nach einer achtmonatigen Sanierung öffnete der Goldene Ring im August 2024 wieder. Aktuell werden unter anderem Frankenheim Alt, Warsteiner Pils, Oberbräu Hell und König Ludwig Weißbier ausgeschenkt. Gerade diese heutige Auswahl passt erstaunlich gut zur Geschichte unserer Serie: dunkles Alt, helles Lagerbier, Pils und Weißbier stehen selbstverständlich nebeneinander.
Und vielleicht ist genau das die spannendste Erkenntnis dieses Hauses.
Der Goldene Ring erzählt nicht nur eine Geschichte von Altbier. Er erzählt von fast fünf Jahrhunderten Düsseldorfer Gastlichkeit, von Hausnamen statt Hausnummern, vom eigenen Braubetrieb, von der obergärigen Braugemeinschaft, von Kriegszerstörung und Wiederaufbau, von Schlösser und Frankenheim – und von einer Bierstadt, deren tatsächliche Vielfalt viel größer war, als wir sie heute oft erinnern.
Das Haus selbst ist dabei geblieben.
Noch immer sitzt man am Burgplatz. Noch immer schaut der Schlossturm herüber. Noch immer steht ein Bier auf dem Tisch und Menschen reden miteinander.
Fast 500 Jahre Düsseldorfer Geschichte können manchmal erstaunlich unspektakulär aussehen.
Sie passen in ein kleines Glas.
Und jetzt seid ihr gefragt: Wer kennt den Goldenen Ring noch als Schlösser-Ausschank? Wer war dort bei den Jonges, beim Kegeln, beim Karneval oder einfach an einem langen Sommerabend auf dem Burgplatz? Gibt es alte Gläser, Bierdeckel, Fotos oder Erinnerungen an das früher dort ausgeschenkte Bier?
Und vielleicht weiß sogar jemand noch etwas aus der Zeit, als der Goldene Ring tatsächlich eine eigene Brauerei war.
Schreibt eure Erinnerungen in die Kommentare. Gerade bei einem Haus mit fast fünf Jahrhunderten Geschichte dürfte Düsseldorf noch einiges zu erzählen haben.
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