FÜCHSCHEN: DER KLEINE FUCHS, DER KRIEGE, ZERSTÖRUNG UND JAHRHUNDERTE ÜBERSTAND

☝️🫵👉 FÜCHSCHEN: DER KLEINE FUCHS, DER KRIEGE, ZERSTÖRUNG UND JAHRHUNDERTE ÜBERSTAND
☝️🫵👉 FÜCHSCHEN: DER KLEINE FUCHS, DER KRIEGE, ZERSTÖRUNG UND JAHRHUNDERTE ÜBERSTAND

☝️🫵👉 FÜCHSCHEN: DER KLEINE FUCHS, DER KRIEGE, ZERSTÖRUNG UND JAHRHUNDERTE ÜBERSTAND

Wer durch die Ratinger Straße läuft, kann kaum übersehen, dass hier Düsseldorfer Geschichte nicht nur in Fassaden steckt. Sie sitzt an den Tischen, steht in kleinen Gläsern auf der Theke und wird von Generation zu Generation weitererzählt. Kaum ein Haus verkörpert das so stark wie die Brauerei Im Füchschen an der Ratinger Straße 28 und 30.

Die Geschichte reicht erstaunlich weit zurück. Bereits für 1640 wird an dieser Stelle ein Haus mit dem Namen „Im Füchschen“ überliefert. Ganz eindeutig lässt sich nicht jedes Detail dieser frühen Braugeschichte rekonstruieren; die Brauerei selbst formuliert deshalb vorsichtig, dass vermutlich bereits damals unter diesem Namen Bier gebraut und ausgeschenkt wurde. Hausnummern gab es noch nicht. Stattdessen erkannte man Häuser an ihren Namen und Zeichen. Beim Füchschen soll ein aus einem Stützbalken geschnitzter Fuchs zum Wahrzeichen geworden sein.

Der Fuchs blieb.

1848 beginnt die Geschichte, die unmittelbar zum heutigen Bier führt. Seit diesem Jahr wird das obergärige Bier unter dem Namen Füchschen Alt geführt. Damit gehört die Brauerei zu den ganz alten noch lebendigen Vertretern jener Düsseldorfer Brauweise, bei der die Hefe während der Gärung nach oben steigt. Das Wort „Alt“ bezeichnet dabei nicht das Alter des Bieres, sondern die ältere, obergärige Braumethode aus einer Zeit, bevor untergärige Lagerbiere und Pilsener mit moderner Kühltechnik ihren Siegeszug antraten.

1908 beginnt dann die Familiengeschichte, die Füchschen bis heute prägt.

Theodor und Louise König kauften Brauerei und Gaststätte. Der Fuchs wurde endgültig zum Markenzeichen des Hauses – doch nur wenige Jahre später griff die Weltgeschichte brutal in den Brauereialltag ein. Im Ersten Weltkrieg musste das Sudhaus Kupfer abgeben. Nach Angaben der Brauerei wurde der eigene Braubetrieb bereits nach wenigen Jahren unterbrochen. Um die Gäste weiterhin versorgen zu können, ließ man Bier zeitweise von anderen Brauereien herstellen.

1930 nahmen die Söhne der Familie König das Brauen wieder auf.

Doch die nächste Katastrophe ließ nicht lange auf sich warten.

1943 trafen Brandbomben die Ratinger Straße. Das Füchschen wurde vollständig zerstört. Auch das benachbarte Grundstück Ratinger Straße 30 lag in Trümmern. Was heute wie ein selbstverständlich gewachsener Altstadtkomplex wirkt, musste nach dem Krieg praktisch neu entstehen.

Peter König und seine Frau Johanna wagten den Wiederaufbau.

1950 öffnete das Füchschen wieder seine Türen. Die beiden zerstörten Grundstücke Nummer 28 und 30 wurden zusammengeführt, Brauerei und Wirtschaft neu errichtet. In einer Düsseldorfer Heimatzeitschrift wurde der Wiederaufbau damals ausdrücklich als Rückkehr einer alten Hausbrauerei gefeiert.

Damit begann jene Epoche, an die sich noch heute viele Düsseldorfer erinnern.

Das Füchschen wurde zum Treffpunkt einer Stadt, die sich nach dem Krieg neu erfand. Künstler von der nahe gelegenen Kunstakademie saßen hier neben Geschäftsleuten, Handwerkern und Stammgästen. Gustaf Gründgens, Joseph Beuys und Udo Jürgens werden in der Hausgeschichte ebenso genannt wie Unternehmer Friedrich Karl Flick.

Aber wahrscheinlich liegt die Bedeutung des Hauses weniger in den berühmten Namen als in den tausenden unbekannten Gästen.

Menschen, die nach der Arbeit nur ein Alt trinken wollten. Studenten, die auf der Ratinger hängen blieben. Schützen, Karnevalisten, Künstler, Familien, Touristen und diejenigen, deren Abend irgendwann wesentlich länger dauerte als geplant.

1972 starb Peter König. Seine Frau Johanna führte den Betrieb gemeinsam mit dem Sohn weiter. 1995 übernahm schließlich Peter König junior die Leitung – mittlerweile die vierte Generation der Familie.

Und während manches Traditionshaus seine Vergangenheit irgendwann nur noch dekorativ an die Wand hängt, wird beim Füchschen weiterhin mitten in der Altstadt gebraut.

Das klassische Füchschen Alt ist bis heute das Herzstück. Es hat 4,8 Prozent Alkohol, eine klare kupferrote Farbe und wird von der Brauerei als würzig-herb beschrieben. Verschiedene Spezialmalze sorgen für Malz-, Karamell- und leichte Röstaromen, Aromahopfen bringt die Bittere. Entscheidend ist aber auch etwas, das man nicht einfach im Supermarktregal kaufen kann: Der hauseigene Hefestamm wird über Generationen weitergeführt.

Doch auch beim Füchschen gilt: Düsseldorf bedeutet längst nicht ausschließlich Altbier.

Seit 2017 braut die Hausbrauerei direkt auf der Ratinger auch ein eigenes Pils. Mit 5,2 Prozent Alkohol ist es untergärig, dunkelgolden und deutlich hopfenbetont. Gerade diese Sorte ist für unsere Serie interessant, weil sie zeigt, wie selbstverständlich selbst eine der traditionsreichsten Altbierbrauereien heute mit einer zweiten großen deutschen Brautradition arbeitet.

Hinzu kommt Füchschen Weizen. Es wird ebenfalls direkt an der Ratinger Straße gebraut, allerdings in kleineren Mengen. Die Brauerei beschreibt es als fruchtig und frisch. Dazu kamen beziehungsweise kommen Alt alkoholfrei, alkoholfreies Radler und saisonal das Füchschen Weihnachtsbier.

Damit ist das heutige Sortiment wesentlich breiter als nur das berühmte Alt.

Historisch sollten wir allerdings vorsichtig bleiben: Für die frühen Jahrzehnte des Hauses lässt sich aus den bisher verfügbaren Quellen keine lückenlose Sortenliste rekonstruieren. Wir wissen zuverlässig vom obergärigen Bier und später vom Füchschen Alt. Welche weiteren hellen, Lager- oder Saisonbiere möglicherweise zeitweise vor 1900 oder in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gebraut wurden, lässt sich momentan nicht belastbar genug belegen.

Und genau diese Zurückhaltung gehört zu unserer Serie.

Wir wollen nicht die schönste Geschichte erzählen, sondern die richtige.

Heute produziert das Füchschen längst mehr, als die verwinkelte Altstadtfassade vermuten lässt. Bereits Mitte der 2010er-Jahre wurden rund 35.000 Hektoliter Jahresausstoß genannt. Moderne Abfülltechnik steht inzwischen neben einer Brauweise, deren Kern sich seit Generationen kaum verändert hat.

Vielleicht ist das der Grund, warum das Füchschen so typisch Düsseldorf ist.

Es ist gleichzeitig uralt und ziemlich gegenwärtig.

Es hat Weltkriege überlebt, wurde zerstört und wiederaufgebaut, hat Generationen von Königs erlebt, Künstler und Arbeiter bewirtet und irgendwann neben dem Alt auch Pils und Weizen in die eigene Produktfamilie aufgenommen.

Und trotzdem reicht ein Blick auf den kleinen Fuchs über der Ratinger, um sofort zu wissen, wo man ist.

Jetzt wollen wir eure Geschichten hören.

Wer kennt das Füchschen noch aus den 1960er-, 70er- oder 80er-Jahren? Wer hatte dort sein erstes Alt? Wer erinnert sich an Johanna oder Peter König? Welche Abende auf der Ratinger sind unvergessen – und wer hat schon einmal versucht, dem Köbes zu erklären, dass er wirklich kein weiteres Alt mehr möchte?

Und ganz wichtig für unsere Brauereiserie: Hat jemand alte Füchschen-Flaschen, Etiketten, Bierdeckel, Preislisten oder Reklame mit inzwischen verschwundenen Biersorten?

Zeigt und erzählt uns, was ihr habt.

Denn hinter jeder alten Düsseldorfer Brauerei stecken nicht nur Sudkessel und Jahreszahlen – sondern Geschichten.

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