
☝️🫵👉 FRANKENHEIM: VOM ZINTERKLÖSKE ZUR DÜSSELDORFER BIERLEGENDE
Es gibt Namen, die in Düsseldorf fast wie eine Ortsangabe funktionieren. Frankenheim gehört dazu. Man denkt an Altbier, an die Wielandstraße, an volle Tische, an Karneval, Stammtische und diese besondere Mischung aus Brauhaus und Nachbarschaft, die eine Stadt erst zu ihrer eigenen macht.
Dabei begann die Geschichte wesentlich kleiner, als es die spätere Bedeutung der Marke vermuten lässt.
1873 richtete Braumeister Heinrich Frankenheim seine erste Braustätte im sogenannten „Zinterklöske“ an der Hunsrückenstraße ein. Es war noch jene klassische Düsseldorfer Welt, in der Brauerei und Wirtschaft eng miteinander verbunden waren. Kein gewaltiger Industriebetrieb, sondern handwerkliches Brauen für Gäste, Nachbarschaft und eine Stadt, die gerade rasant wuchs.
Das Bier kam an.
Schon 15 Jahre später reichten die ursprünglichen Möglichkeiten nicht mehr aus. 1888 erwarb Heinrich Frankenheim Grundstücke an der Wielandstraße 12 bis 16, unweit des Wehrhahns. Dort entstanden eine neue Brauerei und ein Brauereiausschank. Die Wielandstraße sollte für mehr als ein Jahrhundert zur eigentlichen Heimat Frankenheims werden.
Und dort wurde vor allem eines gebraut: obergäriges Bier.
Alte Anzeigen sprechen schlicht von „Frankenheim Obergärig“. Das ist wichtig, denn die heute so selbstverständliche Bezeichnung Altbier setzte sich erst nach und nach als klarer Sortenname durch. Frankenheim gehörte zu jenen Düsseldorfer Brauereien, die die obergärige Tradition durch das industrielle Zeitalter hindurch bewahrten.
Ein Bericht aus dem Jahr 1952 beschreibt Frankenheim ausdrücklich als eine der letzten echten Düsseldorfer Hausbrauereien jener Zeit. Während große Betriebe wie Dieterich-Hoefel, Schwabenbräu oder die damalige Braugemeinschaft überwiegend auch untergärige Biere produzierten, kam bei Frankenheim weiterhin das obergärige Bier aus dem eigenen Kessel.
Das zeigt erneut, wie vielfältig Düsseldorf als Bierstadt einmal war.
Es gab nicht einfach nur „Alt“. In den großen Brauereien der Stadt standen helle Lagerbiere, Pilsener, Export und andere untergärige Sorten neben den obergärigen Düsseldorfer Bieren. Frankenheim dagegen machte gerade das Obergärige zum Kern seiner Identität – und daraus entwickelte sich jenes Frankenheim Alt, das Generationen kennenlernten.
Auch der Erste Weltkrieg hinterließ Spuren.
1917 schlossen sich 24 kleinere Brauereien aus Düsseldorf und Neuss zur „Kriegsbraugemeinschaft der obergärigen Brauereien“ zusammen. Rohstoffknappheit und staatliche Eingriffe bedrohten viele kleine Betriebe. Gemeinsam wurde zeitweise in der Hirschbrauerei produziert, ohne dass die einzelnen Brauereien ihre Selbstständigkeit verlieren sollten.
Frankenheim gehörte dazu.
Später nahm die Brauerei den eigenen Betrieb wieder auf. Gerade das war keineswegs selbstverständlich. Viele andere Düsseldorfer Hausbrauereien verschwanden in diesen Jahrzehnten, wurden übernommen oder gingen in größeren Unternehmen auf.
1915 hatte bereits Heinrich Frankenheims ältester Sohn Peter die Brauerei übernommen. Zwischen 1925 und 1928 wurden Brauerei und Ausschank erheblich erweitert. Der Gastraum erhielt eine aufwendige altdeutsche Gestaltung und entwickelte sich zu einem beliebten Düsseldorfer Treffpunkt.
Das Stammhaus wurde damit mehr als eine Verkaufsstelle für Bier.
Es wurde ein Stück Stadtleben.
Wer dort ein Frankenheim bestellte, saß nicht in irgendeiner Gaststätte. Man saß dort, wo das Bier selbst entstand. Fässer, Sudhaus, Ausschank und Gäste gehörten zu einer einzigen Welt.
Selbst eine kleine Geschichte aus dieser Zeit sagt viel über die damalige Stadt aus. Heinrich Frankenheim soll gegenüber seinem Haus eine Platane und darunter einen Trinkbrunnen für die Pferde haben anlegen lassen. Damals gehörten Pferdefuhrwerke noch selbstverständlich zum Straßenbild. Der Brauer dachte offenbar nicht nur an den Durst seiner Gäste.
Frankenheim blieb über vier Generationen ein Familienunternehmen und entwickelte sich zu einer der bekanntesten Düsseldorfer Biermarken überhaupt. Das Bier wurde längst nicht mehr nur im eigenen Ausschank getrunken. Frankenheim-Schilder, Gläser und Reklame gehörten irgendwann zum Stadtbild.
Das klassische Frankenheim Alt besitzt heute 4,8 Prozent Alkohol und lebt geschmacklich von Malz- und Röstaromen, einer vergleichsweise milden Art und einer zurückhaltenden Hopfennote. Diese eher ausgewogene Charakteristik machte Frankenheim lange zu einer Art Gegenpol zu ausgesprochen herben Düsseldorfer Altbieren.
Aber auch Frankenheim experimentierte später mit anderen Sorten.
Besonders interessant ist das 2012 eingeführte Frankenheim Blond. Die Brauerei bezeichnete es ausdrücklich als helles Altbier. Es wurde mit obergäriger Altbierhefe gebraut, bekam seine deutlich hellere Farbe aber durch anders geröstetes Malz. Damit reagierte Frankenheim schon damals auf einen Trend, der heute noch stärker sichtbar ist: Viele jüngere Biertrinker greifen lieber zu milden und hellen Bieren.
Gerade deshalb ist Frankenheim Blond für unsere Serie spannend.
Denn es erinnert daran, dass „hell“ und „Düsseldorf“ keineswegs Gegensätze sind. Zwar handelte es sich hier nicht um ein klassisches untergäriges Helles, sondern um ein helles obergäriges Altbier – aber die Idee zeigt, wie offen selbst eine traditionsreiche Altbiermarke gegenüber anderen Geschmacksbildern war.
Hinzu kamen später Frankenheim Blue, eine Mischung aus 60 Prozent Altbier und 40 Prozent Cola, sowie zeitweise eine Grapefruit-Variante. Nicht jeder Traditionalist dürfte darüber begeistert gewesen sein, doch auch solche Produkte gehören zur vollständigen Geschichte einer Brauerei.
Der tiefste Einschnitt kam Anfang der 1990er-Jahre.
Die Kapazitäten an der Wielandstraße reichten für das gewachsene Unternehmen nicht mehr aus. Die Produktion wurde nach Neuss-Holzheim verlegt; 1992 endete das Brauen im Düsseldorfer Stammhaus endgültig.
Plötzlich kam das Frankenheim im Glas zwar noch immer aus einer Düsseldorfer Tradition – aber nicht mehr aus dem Kessel hinter der Wielandstraße.
2005 folgte die nächste große Veränderung. Nach mehr als 125 Jahren in Familienhand verkaufte Peter Frankenheim aus der vierten Generation die Mehrheitsanteile an die Warsteiner Brauerei.
Im März 2009 wurde schließlich auch die Braustätte in Neuss-Holzheim geschlossen.
Seitdem wird Frankenheim Alt in Warstein gebraut.
Für manche Düsseldorfer ist genau das bis heute ein wunder Punkt. Denn eine Biermarke kann ihren Namen, ihre Rezeptur und ihre Tradition behalten – aber der Ort, an dem das Bier entsteht, ist für viele Menschen ebenfalls Teil seiner Identität.
Und trotzdem ist Frankenheim in Düsseldorf nie ganz verschwunden.
Das Stammhaus an der Wielandstraße existiert noch immer als Brauereiausschank. Dort, wo über hundert Jahre tatsächlich gebraut wurde, wird noch heute Frankenheim Alt ausgeschenkt. Die Mauern, die Räume und die Erinnerungen sind geblieben.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Frankenheim-Geschichte.
Aus einer kleinen Braustätte in der Hunsrückenstraße wurde eine der bekanntesten Biermarken Düsseldorfs. Aus einem Familienbetrieb wurde ein Unternehmen mit großer Reichweite. Aus „Frankenheim Obergärig“ wurde Frankenheim Alt. Später kamen ein helles Altbier und moderne Biermischgetränke hinzu.
Und irgendwann verschwand die Produktion aus der Stadt.
Der Name aber blieb.
Jetzt seid ihr gefragt: Wer hat noch im alten Frankenheim an der Wielandstraße gesessen, als dort tatsächlich gebraut wurde? Wer erinnert sich an den typischen Geruch aus dem Sudhaus? Wer kannte Frankenheim Blond oder Blue? Und welche Düsseldorfer Kneipe gehört für euch untrennbar zu einem frisch gezapften Frankenheim?
Schreibt eure Erinnerungen in die Kommentare.
Denn bei dieser Serie geht es nicht nur darum, welche Brauereien Düsseldorf hatte.
Es geht darum, wie sie geschmeckt, gerochen und sich angefühlt haben.
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