
🔴⚪ TIVOLI-DÄMPFER: FORTUNA VERLIERT 0:1 – UND DIE ALTEN FRAGEN SIND WIEDER DA
Zwei Siege in Folge hatten Hoffnung gemacht, doch auf dem ausverkauften Tivoli bekam Fortuna Düsseldorf am Samstag ziemlich deutlich gezeigt, wie fragil dieser Aufschwung noch ist. Beim 0:1 gegen Alemannia Aachen war nicht allein die Niederlage enttäuschend, sondern vor allem die Art und Weise, wie schwer sich Fortuna gegen einen aggressiv pressenden Gegner tat. Vor 30.083 Zuschauern war Aachen über weite Strecken griffiger, klarer in seinen Abläufen und vor allem in der ersten Halbzeit die Mannschaft, die wusste, wie sie dieses Spiel führen wollte.
Der entscheidende Treffer fiel bereits nach zehn Minuten und erzählte gleichzeitig viel über Fortunas Nachmittag. Andreas Müller verlor im eigenen Aufbau den Ball, Düsseldorf bekam die Situation anschließend nicht konsequent bereinigt und Matti Wagners Hereingabe fand am zweiten Pfosten Lukas Scepanik, der zum 1:0 einschob. Fast wäre die Antwort unmittelbar gefolgt, doch Erik Wekesser scheiterte aus kurzer Distanz an Manuel Riemann. Es blieb allerdings lange die Ausnahme. Aachen stellte Fortunas Aufbau mit seinem hohen Pressing vor enorme Probleme, gewann viele zweite Bälle und zwang die Düsseldorfer immer wieder zu langen Pässen, die kaum kontrolliert verarbeitet wurden.
Besonders bedenklich war dabei nicht, dass Aachen Druck ausübte, sondern wie wenig Lösungen Fortuna zunächst dagegen fand. Genau dieses Problem war bereits in anderen Spielen zu beobachten gewesen: Wird Düsseldorf früh angelaufen und werden die einfachen Passwege geschlossen, fehlt häufig die Bewegung ohne Ball, es fehlen Dreiecke und klare Anschlussaktionen. Das Spiel wird langsam, die Stürmer hängen in der Luft und aus kontrolliertem Ballbesitz entsteht kaum Raumgewinn. Aachen erkannte das und spielte Fortuna damit in der ersten Hälfte zeitweise erstaunlich deutlich den Schneid ab.
Alexander Ende reagierte zur Pause konsequent und brachte mit Jomaine Consbruch, Anas Slimani und Steven van der Sloot gleich drei neue Spieler. Tatsächlich sah Fortuna anschließend für einige Minuten deutlich besser aus. Das Tempo stieg, die Wege wurden direkter und plötzlich entstand Druck auf das Aachener Tor. In der 54. Minute kam Fabian Schleusener nach einer scharfen Hereingabe von van der Sloot im Strafraum zu Fall. Schiedsrichter Konrad Oldhafer entschied nicht auf Elfmeter – eine zumindest diskutierbare Szene. Es war Fortunas beste Phase, doch sie dauerte erneut viel zu kurz.
Nach 62 Minuten schwächte sich Düsseldorf dann selbst. Elias Egouli, bereits früh verwarnt, stoppte einen Aachener Konter und sah Gelb-Rot. Von diesem Moment an musste Fortuna nicht mehr nur einem Rückstand, sondern auch in Unterzahl hinterherlaufen. Aachen bekam Räume zum Umschalten und hätte die Partie deutlich früher entscheiden können. Dass es bis zum Schluss beim 1:0 blieb, lag auch daran, dass Louis Lord mehrfach stark reagierte. Fortuna durfte deshalb bis in die Nachspielzeit hoffen – wirklich erzwingen konnte die Mannschaft den Ausgleich jedoch nicht.
Und genau hier liegt nach sieben Spieltagen die entscheidende Frage. Fortuna besitzt Qualität, Moral und offensichtlich auch die Fähigkeit, Spiele spät zu drehen. Die Siege gegen Duisburg und Regensburg haben das bewiesen. Aber Comeback-Qualitäten dürfen nicht dauerhaft ersetzen, was über 90 Minuten aus einer klaren Spielidee entstehen sollte. Gegen Duisburg und Regensburg konnten Rückstände noch korrigiert werden. In Aachen funktionierte dieser Rettungsmechanismus nicht – und plötzlich waren dieselben spielerischen Probleme wieder sehr deutlich sichtbar.
Auch die Aussagen aus der Mannschaft sind bemerkenswert. Matthias Zimmermann sprach nach der Partie davon, dass Fortuna noch viele Schritte machen müsse und im Ballbesitz wesentlich sauberer werden müsse. Tim Oberdorf räumte ein, dass vieles von dem, was sich die Mannschaft vornehme, noch zu selten zu sehen sei. Solche Aussagen sind ehrlich und nachvollziehbar. Sie zeigen aber gleichzeitig, dass nach Vorbereitung und sieben Ligaspielen zentrale Abläufe weiterhin nicht stabil genug funktionieren.
Genau darüber wird inzwischen auch unter den Fans intensiver diskutiert. In ersten öffentlichen Reaktionen nach der Partie geht es weniger um diese eine Niederlage als um ein wiederkehrendes Muster: Schwierigkeiten gegen hohes Pressing, fehlende Lösungen im Spielaufbau und die Frage, warum Fortuna häufig erst nach personellen oder taktischen Eingriffen während einer Partie gefährlicher wird. Einzelne Stimmen stellen inzwischen deutlich grundlegendere Fragen. Diese Reaktionen sind natürlich nicht repräsentativ für die gesamte Fanszene – ignorieren sollte man sie trotzdem nicht. Zwei Siege hatten die Diskussion beruhigt, das 0:1 in Aachen hat sie nicht beendet.
Fortuna steht nach sieben Spielen mit zehn Punkten auf Rang neun. Das ist kein sportliches Drama und erst recht kein Grund für hektische Entscheidungen. Aber diese Mannschaft wurde nicht zusammengestellt, um sich dauerhaft damit zufriedenzugeben, Spiele über Moral, individuelle Qualität und späte Wendungen zu retten. Die kommenden Wochen müssen deshalb mehr liefern als Ergebnisse. Man muss endlich erkennen können, wohin sich dieser Fußball entwickeln soll.
Denn vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis aus Aachen gar nicht die Niederlage. Vielleicht ist es die Erkenntnis, dass die zuletzt gewonnenen Spiele einige grundsätzliche Probleme lediglich überdeckt haben.
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