WARUM UNTERRATH DEN SCHÜTZENSOMMER BESCHLIESST – UND WAS HINTER DER HAHNEKIRMES…

☝️🫵👉 WARUM UNTERRATH DEN SCHÜTZENSOMMER BESCHLIESST – UND WAS HINTER DER HAHNEKIRMES…
☝️🫵👉 WARUM UNTERRATH DEN SCHÜTZENSOMMER BESCHLIESST – UND WAS HINTER DER HAHNEKIRMES…

☝️🫵👉 WARUM UNTERRATH DEN SCHÜTZENSOMMER BESCHLIESST – UND WAS HINTER DER HAHNEKIRMES STECKT

Wenn in Unterrath im September noch einmal die Schützen antreten, Musikzüge durch die Straßen ziehen und auf dem Festplatz gefeiert wird, endet damit traditionell der Düsseldorfer Schützensommer. Die Hahnekirmes gilt seit Langem als letzter großer Schützenfesttermin des Jahres in der Stadt. Gerade diese Stellung hat dem Fest einen besonderen Charakter gegeben: Unterrath feiert nicht einfach nur seine eigene Kirmes, sondern setzt zugleich den Schlusspunkt unter eine ganze Saison Düsseldorfer Sommerbrauchtums.

Der ungewöhnliche Name führt allerdings viel weiter zurück als das heutige Schützenfest. Die Bezeichnung Hahnekirmes erinnert an das Hahneköppen, einen alten Kirmes- und Erntebrauch, der keineswegs nur in Unterrath bekannt war. Überliefert ist er in verschiedenen Gegenden des Rheinlandes und des Bergischen Landes, unter anderem im Raum Solingen, in der Eifel, rund um Neuss und Grevenbroich sowie in Hitdorf. Je nach Ort unterschieden sich Ablauf und Ausgestaltung, gemeinsam war den Bräuchen aber der Hahn als Mittelpunkt eines Wettkampfs, bei dem schließlich ein Hahnenkönig ermittelt wurde.

Solche Bräuche entstanden in einer Lebenswelt, die mit unserem heutigen Alltag nur noch wenig gemeinsam hat. Landwirtschaft, Tierhaltung und Schlachtung gehörten selbstverständlich zum Leben vieler Familien. Kirchweih, Ernte und Jahrmarkt waren zugleich seltene Gelegenheiten, bei denen ein Dorf oder eine Honschaft gemeinsam feierte. Wettkämpfe, Spiele und das Ermitteln eines Königs gehörten dabei vielerorts zum Fest. Das Hahneköppen war Teil dieser alten Volkskultur.

Über seine genaue Herkunft existieren unterschiedliche Erklärungen. Immer wieder wurde versucht, den Brauch auf germanische Opferhandlungen oder auf Widerstand gegen französische Besatzung zurückzuführen. Für solche Geschichten fehlen jedoch belastbare Belege. Sicherer ist die Einordnung als altes Kirmes- und Erntebrauchtum. Formen des Hahnenschlagens sind bereits seit Jahrhunderten überliefert und wurden regional sehr unterschiedlich weiterentwickelt.

In Unterrath verschwand das eigentliche Hahneköppen schließlich aus dem Fest. Der Name Hahnekirmes blieb trotzdem erhalten. Genau das macht die Unterrather Geschichte besonders: Nicht der Brauch selbst ist hier einzigartig, wohl aber die starke Erinnerung an ihn. Während das Hahneköppen an vielen Orten entweder ganz verschwunden oder nur noch in veränderter Form erhalten ist, trägt eines der bekanntesten Düsseldorfer Schützenfeste seinen historischen Namen bis heute weiter.

Diese Vergangenheit ist sogar im Stadtbild festgehalten. Am Folklorebrunnen am Klosterhof in Unterrath erinnern Bronzedarstellungen an die Geschichte des Stadtteils. Dort begegnen einem alte Berufs- und Lebenswelten ebenso wie Schützen, Rodebauern, Kartäusermönche und andere Motive aus der lokalen Überlieferung. Auch das frühere Hahneköppen wurde dort verewigt. Aus einem längst aufgegebenen Volksbrauch ist damit ein Stück sichtbarer Stadtteilgeschichte geworden.

Um zu verstehen, warum solche Traditionen gerade in Unterrath so lange nachwirken konnten, lohnt der Blick auf die Entwicklung des Ortes. Das heutige Unterrath gehörte ursprünglich zur alten Honschaft Rath und war über Jahrhunderte landwirtschaftlich geprägt. Die Stadt Düsseldorf erinnert daran, dass der historische Kern des alten Rath in dem Gebiet lag, das wir heute Unterrath nennen. Erst mit Industrialisierung, Eisenbahn und dem Wachstum Düsseldorfs veränderte sich das Gebiet grundlegend.

Auch der Name Unterrath ist vergleichsweise jung. Als 1891 ein neuer Bahnhof gebaut wurde, existierte bereits die Bahnstation Rath. Zur Unterscheidung erhielt der neue Bahnhof die Bezeichnung Unterrath. Der Name setzte sich anschließend für den alten Siedlungskern durch. 1909 wurden Rath, Unterrath und Lichtenbroich schließlich nach Düsseldorf eingemeindet.

Parallel dazu entwickelte sich das Schützenwesen weiter. Die heutige St. Sebastianus Schützenbruderschaft Düsseldorf-Unterrath sieht sich in einer wesentlich älteren Sebastianus-Tradition verwurzelt. Nach Angaben der Bruderschaft gehörten die Pfarrgemeinden Creutzberg, Kalkum und Rath bereits 1429 zu einer gemeinsamen St.-Sebastianus-Bruderschaft. Diese frühe Organisationsform verschwand später aus dem öffentlichen Leben.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Tradition in Unterrath neu belebt. Am 23. August 1924 schlossen sich die Gründungsväter in einer Bruderschaftskompanie zusammen. Daraus entwickelte sich die heutige Unterrather Bruderschaft mit ihren verschiedenen Gesellschaften. Seitdem hat sich vieles verändert, doch die Verbindung von Schützenwesen, Stadtteilgemeinschaft und Kirmes blieb erhalten.

Damit treffen bei der heutigen Hahnekirmes gleich mehrere historische Linien aufeinander. Da ist die bäuerliche Vergangenheit des alten Rath mit ihren Kirchweih- und Erntebräuchen. Da ist das jahrhundertealte Schützenwesen, das sich immer wieder an neue gesellschaftliche Bedingungen angepasst hat. Und da ist das moderne Unterrath, längst geprägt von Flughafen, Verkehr, Gewerbe und großstädtischem Alltag, das trotzdem an einem Namen festhält, der aus einer völlig anderen Zeit stammt.

Gerade darin liegt der eigentliche Wert solcher Traditionen. Brauchtum bedeutet nicht, alles unverändert weiterzumachen, nur weil es irgendwann einmal so gewesen ist. Manche Bräuche verschwinden, andere verändern sich grundlegend. Was bleiben kann, ist die Erinnerung daran, woher ein Fest kommt und warum Menschen es über Generationen hinweg miteinander verbunden haben.

Die Hahnekirmes ist dafür ein besonders gutes Düsseldorfer Beispiel. Das historische Hahneköppen gehörte zu einer größeren rheinischen Brauchtumslandschaft und war keineswegs eine Unterrather Besonderheit. Unterrath hat aber etwas anderes bewahrt: den Namen, die Erinnerung und die Verbindung zu einem Stadtteil, dessen Geschichte bis heute im Fest weiterlebt.

Und wenn dort im September schließlich noch einmal die Schützen durch die Straßen ziehen, dann ist das deshalb mehr als der letzte Termin eines vollen Veranstaltungskalenders. Unterrath erinnert mit seiner Hahnekirmes daran, dass Düsseldorfer Brauchtum aus vielen Schichten besteht – aus alten ländlichen Traditionen, aus Vereinsgeschichte, aus Veränderungen und aus der Fähigkeit, Vergangenheit nicht einfach zu wiederholen, sondern sie weiterzuerzählen.

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