
🔴⚪ TIVOLI-PRÜFUNG: FORTUNA GREIFT NACH DEM DRITTEN SIEG
Zwei Siege haben Fortuna Düsseldorf neues Selbstvertrauen gegeben. Am Samstag wird sich zeigen, wie belastbar dieser Aufschwung bereits ist. Wenn Alemannia Aachen am 19. September um 14 Uhr die Rot-Weißen auf dem ausverkauften Tivoli empfängt, wartet zum Abschluss der englischen Woche eine Aufgabe, die sportlich und emotional alles verlangen dürfte. Rund 30.000 Zuschauer bilden den Rahmen für ein Traditionsduell, in dem Fortuna die Chance auf den dritten Ligasieg hintereinander hat. Dafür wird sie allerdings mehr Kontrolle brauchen als zuletzt in Regensburg.
Der Formcheck fällt aus Düsseldorfer Sicht erfreulich aus. Zehn Punkte aus den vergangenen vier Ligaspielen haben die Mannschaft von Alexander Ende auf Platz acht geführt. Mit zehn Zählern liegt sie zwei Punkte vor dem unmittelbar folgenden Gastgeber. Besonders wertvoll sind die beiden jüngsten Erfolge: Sowohl gegen Duisburg als auch in Regensburg verwandelte Fortuna einen Rückstand noch in einen Sieg. Die Mannschaft bleibt inzwischen handlungsfähig, wenn ein Spiel gegen sie läuft. Dazu kommt eine Bank, die Begegnungen tatsächlich verändert: Eric Hottmann entschied das Derby, Lukas Eixler traf beim Jahn zum Sieg. Gerade im dritten Ligaspiel innerhalb von acht Tagen kann diese Breite erneut entscheidend werden.
Die Ergebnisse dürfen den Blick auf die spielerischen Baustellen jedoch nicht verstellen. In Regensburg brachte Fortuna sich durch unpräzise Zuspiele im eigenen Aufbau wiederholt in Schwierigkeiten; auch der Gegentreffer entstand aus einem solchen Fehler. Ende bemängelte anschließend selbst die fehlende Sauberkeit im Passspiel. Für Aachen ist das ein Ansatzpunkt: Gerät Düsseldorf früh unter Druck, müssen die Abstände stimmen und mehrere Anspielstationen erreichbar sein. Ein riskanter Pass durch ein zugestelltes Zentrum kann am Tivoli sofort eine gefährliche Szene und zusätzliche Wucht von den Rängen auslösen. Fortuna muss erkennen, wann sie kombinieren kann und wann der direkte Ball die vernünftigere Lösung ist.
Wie viel Potenzial im eigenen Spiel steckt, zeigte ausgerechnet der Ausgleich in Regensburg. Die Düsseldorfer lösten sich aus der eigenen Hälfte, Steven van der Sloot lieferte die Hereingabe und Erik Wekesser vollendete am langen Pfosten. Dieser Angriff gibt eine Richtung vor: mit Bewegung dem Druck entkommen, anschließend Tempo aufnehmen und die gegenüberliegende Seite konsequent besetzen. Noch entstehen solche Abläufe zu selten. Sechs Tore nach sechs Ligaspielen zeigen, dass Fortuna ihre offensive Qualität bislang nur phasenweise in Ertrag übersetzt.
Aachen bringt seinerseits genügend Möglichkeiten mit, diese Partie offen zu gestalten. Die Mannschaft von Mersad Selimbegović steht bei acht Punkten und 10:8 Toren. Das deutliche Auswärtsergebnis beim FC Ingolstadt 04 – Alemannia gewann dort mit 3:0 – unterstreicht ihre Gefährlichkeit. Gleichzeitig sprechen die jüngsten Resultate für fehlende Konstanz: Gegen Regensburg reichte eine 2:0-Führung nur zu einem 2:2, anschließend verlor Aachen bei den Würzburger Kickers mit 0:1. Auf dem Tivoli stehen bislang vier Punkte aus drei Ligaspielen zu Buche. Die Kulisse ist beeindruckend, sportlich hat der Gastgeber zu Hause aber bereits erhebliche Angriffsflächen gezeigt.
Gerade die Niederlage in Würzburg verdient einen genaueren Blick. Aachen erspielte sich mehrere gute Möglichkeiten, Jonas Oehmichen traf die Latte, weitere Abschlüsse scheiterten am gegnerischen Torwart. Die Verbindungen zwischen Louis Köster, Mika Schroers und den nachrückenden Offensivspielern können Fortuna vor Probleme stellen. Daraus ergibt sich für Düsseldorf die Aufgabe, Zuspiele zwischen die eigenen Reihen früh zu stören und nach abgewehrten Bällen geschlossen nachzurücken. Zugleich leistete sich auch Aachen Fehler im Aufbau. Ein abgestimmtes Düsseldorfer Anlaufen könnte deshalb erfolgversprechend sein, sofern hinter den attackierenden Spielern die Absicherung steht.
Personell muss die Alemannia sicher auf Stefan Bajic verzichten, der nach seinem Platzverweis in Würzburg für zwei Ligaspiele gesperrt wurde. Manuel Riemann wurde dort bereits eingewechselt; allein aus dem Torwartwechsel lässt sich deshalb kein einfacher Vorteil für Fortuna ableiten. Bei Danilo Wiebe bestand zuletzt Hoffnung auf eine Rückkehr gegen Düsseldorf. Auf Fortuna-Seite fehlten vor dem Regensburg-Spiel Jordi Paulina, Dominique Heintz, Hamza Anhari und Felix Meiser verletzungsbedingt. Ob sich bis Samstag Rückkehrmöglichkeiten ergeben, bleibt abzuwarten.
Aus unserer Sicht reist Fortuna mit einem leichten Vorteil bei Form und Selbstvertrauen an. Für einen klaren Favoritenstatus sind die eigenen Leistungen über 90 Minuten noch zu wechselhaft. Die Aussicht auf einen weiteren Auswärtssieg ist dennoch begründet: Düsseldorf hat zuletzt enge Spiele entschieden und kann personell nachlegen. Gelingt es, Ballverluste vor dem eigenen Strafraum zu reduzieren und die guten Angriffe häufiger sauber auszuspielen, ist auch Aachen zu schlagen. Neun Punkte aus dieser englischen Woche wären ein starkes Signal. Auf dem Tivoli muss Fortuna nun zeigen, dass sie neben der Kraft zur Aufholjagd auch die Reife besitzt, ein Spiel früh in die richtige Richtung zu lenken.
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