TEMPO 30 HIER, TEMPO 50 DORT: DÜSSELDORF STREITET ÜBER DIE RICHTIGE…

☝️🫵👉 TEMPO 30 HIER, TEMPO 50 DORT: DÜSSELDORF STREITET ÜBER DIE RICHTIGE…
☝️🫵👉 TEMPO 30 HIER, TEMPO 50 DORT: DÜSSELDORF STREITET ÜBER DIE RICHTIGE…

☝️🫵👉 TEMPO 30 HIER, TEMPO 50 DORT: DÜSSELDORF STREITET ÜBER DIE RICHTIGE GESCHWINDIGKEIT

Zwei Düsseldorfer Hauptverkehrsstraßen, zwei Bürgeranliegen – und Forderungen, die kaum gegensätzlicher sein könnten. Während für die Corneliusstraße erneut Tempo 30 verlangt wird, soll auf einem Abschnitt der Kaiserswerther Straße nach dem Wunsch eines anderen Bürgers tagsüber wieder Tempo 50 gelten. Am Donnerstag, 17. September, beschäftigt sich der Anregungs- und Beschwerdeausschuss im Rathaus mit beiden Fällen.

Auf der Corneliusstraße reicht die Vorgeschichte bereits bis Ende 2023 zurück. Ein Anwohner hatte sich damals an die Stadt gewandt und zumindest für die Nachtstunden Tempo 30 gefordert. Seine Begründung: erhebliche Verkehrslärmbelastung, nächtliche Raserei und die Poser-Szene sowie regelmäßiges Hupen rund um die Kreuzung Corneliusstraße und Fürstenwall. Die Verwaltung stellte das Verfahren 2024 zunächst zurück. Damals erklärte sie, dass eine streckenbezogene Geschwindigkeitsreduzierung auf der Hauptverkehrsstraße insbesondere dann rechtlich möglich sei, wenn entsprechende Lärmgrenzwerte überschritten werden. Eine dafür notwendige Untersuchung stand zu diesem Zeitpunkt noch aus.

Jetzt kommt das Thema zurück auf den Tisch. Die aktuelle Vorlage kündigt eine aktualisierte Stellungnahme der Verwaltung an. Dass die Frage längst nicht erledigt ist, zeigt auch die Bezirksvertretung 3: Dort hatten Bündnis 90/Die Grünen Ende August nach aktuellen Lärmwerten gefragt und wissen wollen, ob zumindest nachts zwischen 22 und 6 Uhr Tempo 30 aus Lärm- und Gesundheitsschutzgründen angeordnet werden könnte. Die Anfrage wurde in der Sitzung vom 8. September vertagt.

Dass die Corneliusstraße kein unbeschriebenes Blatt beim Thema Verkehrslärm ist, zeigen die eigenen Unterlagen der Stadt. Im aktuellen Masterplan zur Reduzierung des Straßenverkehrslärms werden Cornelius- und Erasmustraße gemeinsam auf einer Länge von rund 1,09 Kilometern als Bereich mit sehr hohem Kfz-Verkehr geführt. Rund 2.370 Einwohnerinnen und Einwohner werden diesem belasteten Abschnitt zugerechnet. Vorgesehen oder bereits umgesetzt sind dort unter anderem Schallschutzfenster und lärmärmere Fahrbahnbeläge. Ein Rasengleis auf der Corneliusstraße scheidet nach Angaben der Stadt aus, weil der Bereich als Rettungsweg benötigt wird.

Nur wenige Kilometer weiter nördlich wird dagegen genau die entgegengesetzte Forderung gestellt. Auf der Kaiserswerther Straße zwischen Reeser Platz und Freiligrathplatz gilt inzwischen ganztägig Tempo 30 für den Autoverkehr. Ein Bürger beantragt nun die Rückkehr zu Tempo 50 am Tag. Die nächtliche Beschränkung zwischen 22 und 6 Uhr sowie Tempo 30 vor Schulen und Altenheimen möchte er ausdrücklich beibehalten.

Als Begründung führt der Einsender einen aus seiner Sicht besseren Verkehrsfluss an. Zudem würden Enforcement-Trailer und mobile Geschwindigkeitskontrollen Autofahrer verunsichern. Dass Tempo 30 dort tatsächlich keinen Sicherheitsgewinn bringe, ist allerdings seine persönliche Bewertung – ein Nachweis dafür findet sich in der Eingabe nicht.

Vor allem beim Lärmschutz ist die Ausgangslage auf der Kaiserswerther Straße klarer dokumentiert. Für den rund 1,33 Kilometer langen Abschnitt zwischen Reeser Platz und Freiligrathplatz nennt der städtische Lärmaktionsplan ein Verkehrsaufkommen von etwa 12.000 Kraftfahrzeugen pro Tag und 544 betroffene Anwohnerinnen und Anwohner. Der durchschnittliche Fassadenpegel wird mit 66,6 Dezibel über den gesamten Tag und 55,4 Dezibel in der Nacht angegeben.

Hinzu kommt eine Besonderheit der Straße: Der teilweise unebene Kopfsteinpflasterbelag steht unter Denkmalschutz und kann deshalb nicht einfach gegen einen leiseren Straßenbelag ausgetauscht werden. Die Stadt setzte deshalb auf die Geschwindigkeit. Der Lärmaktionsplan IV empfiehlt dort ganztägig Tempo 30 für Kraftfahrzeuge und rechnet dadurch tagsüber mit einer Lärmminderung um etwa drei Dezibel. Der Rat beschloss den Lärmaktionsplan im April 2025; nach dem aktuellen Masterplan war die Maßnahme Anfang 2026 umgesetzt.

Genau darin liegt der entscheidende Unterschied zwischen beiden Fällen. Auf der Corneliusstraße wird noch darum gerungen, ob und auf welcher Grundlage Tempo 30 angeordnet werden kann. Auf der Kaiserswerther Straße soll eine bereits aus Lärmschutzgründen eingeführte Regelung wieder teilweise zurückgenommen werden.

Der Anregungs- und Beschwerdeausschuss entscheidet dabei nicht automatisch über jedes Tempolimit selbst. Er kann Bürgeranliegen beraten und Empfehlungen an Verwaltung, Fachgremien oder andere zuständige Stellen geben. Bemerkenswert ist dennoch, dass an einem einzigen Nachmittag zwei gegensätzliche Vorstellungen davon aufeinandertreffen, wie Düsseldorfs Hauptstraßen funktionieren sollen: möglichst flüssiger Autoverkehr auf der einen Seite, weniger Lärm und niedrigere Geschwindigkeit auf der anderen.

Die öffentliche Sitzung beginnt am Donnerstag, 17. September, um 16 Uhr im Rathaus am Marktplatz 2. Sie wird außerdem unter [www.duesseldorf.de/livestream](http://www.duesseldorf.de/livestream) übertragen.

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