
🔴⚪ FÜNF TORE, KEIN FREISPRUCH: FORTUNA DARF SICH DIESES 5:0 NICHT SCHÖNREDEN
Fortuna Düsseldorf hat die erste Runde des Niederrheinpokals überstanden. Beim SV Biemenhorst gewannen die Düsseldorfer am Mittwochabend mit 5:0, zur Pause stand es 2:0. Vor 4.141 Zuschauern am Bocholter Hünting setzte sich damit der klare Favorit durch. Doch wer dieses Ergebnis als Beleg für die Gesundung des Düsseldorfer Fußballs verkaufen möchte, legt die Messlatte erschreckend niedrig. Zwischen einem Drittligisten und einem Landesligisten liegen drei Spielklassen. Gegen diesen Gegner war das Weiterkommen Pflicht. Ob Fortunas Fußball inzwischen trägt, ist eine andere Frage.
Alexander Ende hatte seine Startelf nahezu vollständig verändert und mit Viererkette sowie Doppelspitze begonnen. Schon nach vier Minuten benötigte Fortuna allerdings ihren Torwart: Nach einem Kontrollfehler von Lukas Bornschein war Jannis Schmitz durch, Lasse Rieß verhinderte den Rückstand. Bornschein köpfte anschließend eine Ecke von Miguel Gonçalves zur Führung ein, Elias Arden erhöhte kurz vor der Pause mit einem abgefälschten Distanzschuss. Düsseldorf führte, hatte aber gerade anfangs Schwierigkeiten, seinen Ballbesitz in gefährliche Strafraumaktionen zu übersetzen.
Genau dort muss die Kritik ansetzen. Eine Mannschaft mit professionellen Trainingsbedingungen und einem derart deutlichen Qualitätsvorsprung muss mehr anbieten als die Aussicht, dass irgendwann eine Einzelaktion oder ein ruhender Ball hilft. Standards gehören selbstverständlich zu einem funktionierenden Angriffsspiel. Sie dürfen nur nicht als Antwort auf die Frage herhalten, warum der Weg durch eine gegnerische Abwehr so mühsam bleibt. Der Anspruch muss sein, Überlegenheit durch abgestimmte Bewegungen nutzbar zu machen: mit Anspielstationen zwischen den Linien, rechtzeitigen Tiefenläufen und einer Strafraumbesetzung, die dem Passgeber tatsächlich Optionen eröffnet. Viel Ballbesitz allein erfüllt davon noch nichts.
Nach dem Wechsel wurde Fortuna besser. Jomaine Consbruch traf nach Vorarbeit von Förster zum 3:0, Erik Wekesser erhöhte nach Gerezgihers Ablage. Eine flach ausgeführte Freistoßvariante über Förster nutzte Consbruch zum zweiten Treffer und zum Endstand. Ende selbst bemängelte anschließend die fehlende Sauberkeit vor der Pause und bewertete den zweiten Durchgang deutlich positiver. Diese Steigerung gehört zur ehrlichen Bilanz. Ein pauschales Urteil, das System sei über die gesamten 90 Minuten gescheitert, wäre deshalb nicht haltbar.
Die Trainerkritik wird dadurch jedoch keineswegs gegenstandslos. Ende muss sich daran messen lassen, ob seine Spielidee wiederholbar gute Angriffe hervorbringt – auch mit verändertem Personal. Rotation erklärt Abstimmungsprobleme, sie entbindet den Trainer aber nicht von der Verantwortung für verständliche Aufgaben und funktionierende Abläufe. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob eine bestimmte Formation auf dem Papier modern oder mutig aussieht. Sie lautet, ob die Spieler darin ihre Stärken einsetzen können und zuverlässig Lösungen finden. Eine Spielidee verdient Vertrauen durch ihre Wirkung, nicht durch die Beharrlichkeit, mit der an ihr festgehalten wird.
Zumal die Ausgangslage keine Selbstzufriedenheit erlaubt: Vier Punkte und zwei Tore aus den ersten vier Ligaspielen bleiben eine ernüchternde Bilanz. Biemenhorst wiederum stand vor dem Pokalabend mit zwei Punkten auf Platz 16 der Landesliga. Das schmälert weder den Einsatz des Gastgebers noch Fortunas verdienten Sieg, bestimmt aber dessen Aussagekraft. Gegen einen solchen Gegner fünfmal zu treffen, ersetzt keinen offensiven Fortschritt im Ligaalltag. Ebenso wenig wäre eine beliebig geforderte zweistellige Torzahl ein seriöser Maßstab. Entscheidend ist, ob die Mannschaft gegen stärkeren Widerstand verlässlich Chancen erarbeitet.
Am Samstag gegen den MSV Duisburg muss Fortuna deshalb mehr vorlegen als dieses Pokalergebnis. Gefordert ist ein Auftritt, der vom Beginn an erkennen lässt, wie Düsseldorf ein Spiel gewinnen will. Biemenhorst ist erledigt; die grundlegende Bewährungsprobe bleibt. Fünf Tore dürfen Selbstvertrauen geben. Als Schutzschild vor Kritik taugen sie nicht.
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