
🔴⚪ FORTUNA-DUELL UNTER FLUTLICHT: WIRD AUS DEM ERSTEN SIEG ENDLICH EINE SERIE?
Am Sonntagabend wartet auf Fortuna Düsseldorf ein Spiel, das auf dem Papier nach einer lösbaren Aufgabe aussieht – tatsächlich aber zu einem äußerst unangenehmen Charaktertest werden dürfte. Um 19.30 Uhr gastieren die Rot-Weißen beim SC Fortuna Köln. Das Südstadion ist mit 9.544 Zuschauern ausverkauft, der Aufsteiger kommt mit neuem Selbstvertrauen und Düsseldorf hat trotz des ersten Saisonsieges noch längst nicht alle Zweifel beseitigt.
Es ist ein reizvolles Duell der Gegensätze: Aufsteiger gegen Absteiger, Südstadt gegen Landeshauptstadt, Euphorie gegen Erwartungsdruck. In einem Ligaspiel standen sich beide Vereine zuletzt in der Saison 2003/04 gegenüber. Nun begegnen sie sich in der 3. Liga auf Augenhöhe – zumindest wenn man die ersten drei Spieltage betrachtet.
Fortuna Düsseldorf steht nach drei Partien mit drei Punkten und 2:4 Toren auf Tabellenplatz 17. Der 1:0-Erfolg gegen den VfB Stuttgart II war deshalb weit mehr als ein gewöhnlicher Sieg. Nach den Niederlagen bei Waldhof Mannheim und gegen Hoffenheim II sowie dem deutlichen Pokal-Aus gegen den SC Freiburg brauchte die Mannschaft dringend ein Erfolgserlebnis. Andreas Müllers Treffer in der 59. Minute brachte nicht nur die ersten Ligapunkte, sondern verschaffte Trainer Alexander Ende und seinem jungen Team endlich etwas Luft.
Vor allem die Art des Auftritts machte vorsichtig Hoffnung. Düsseldorf agierte gegen Stuttgart wesentlich geschlossener, gewann häufiger die entscheidenden zweiten Bälle und setzte den Gegner mit einem deutlich verbesserten Gegenpressing unter Druck. Anas Slimani brachte Kreativität und Leichtigkeit ins Spiel, Yassine Bouchama trieb den Ball vor dem Siegtor energisch durch das Mittelfeld und Louis Lord blieb bei seinem erneuten Einsatz im Tor ohne Gegentreffer.
Trotzdem war dieser Erfolg noch kein Befreiungsschlag. Fortuna ließ mehrere gute Möglichkeiten ungenutzt und musste bis zum Schlusspfiff um den knappen Vorsprung kämpfen. Die entscheidende Frage lautet deshalb: War das 1:0 der Beginn einer sportlichen Stabilisierung – oder nur eine kurze Atempause in einem weiterhin schwierigen Saisonstart?
Der SC Fortuna Köln wird darauf eine belastbare Antwort verlangen. Der Aufsteiger begann die Saison mit einer 0:1-Niederlage bei Sonnenhof Großaspach, holte anschließend beim 1:1 gegen Alemannia Aachen den ersten Punkt und feierte zuletzt mit dem 2:1 beim SC Verl seinen ersten Sieg. Bemerkenswert war dabei vor allem die Widerstandskraft der Mannschaft von Trainer Matthias Mink. Nach der Roten Karte gegen Luca Majetic spielte Köln seit der 43. Minute in Unterzahl und erzielte dennoch durch Romeo Aigbekaen und Timo Bornemann beide Treffer.
Dieser Auftritt zeigt ziemlich genau, worauf sich Düsseldorf einstellen muss. Die Kölner sind bereit, tief zu verteidigen, lange Wege zu gehen und nach Ballgewinnen schnell umzuschalten. Sie benötigen nicht viel Ballbesitz, um gefährlich zu werden. Wer ihnen durch ungenaue Pässe oder schlecht abgesicherte Angriffe Räume anbietet, lädt sie geradezu zu ihrem bevorzugten Spiel ein.
Zusätzliche Qualität hat der Aufsteiger unmittelbar vor dem Ende der Transferperiode erhalten. Mit Cedric Harenbrock kam ein technisch starker und drittligaerfahrener offensiver Mittelfeldspieler. Noch gefährlicher könnte die Verpflichtung von Jannik Mause werden. Der frühere Drittliga-Torschützenkönig ist körperlich präsent, kann Bälle festmachen und zugleich Wege in die Tiefe anbieten. Ob beide Neuzugänge bereits von Beginn an spielen, bleibt abzuwarten. Allein ihre Anwesenheit erweitert jedoch die Möglichkeiten der Kölner erheblich.
Personell müssen beide Mannschaften wichtige Ausfälle verkraften. Bei Fortuna Köln fehlt Luca Majetic nach seiner Roten Karte in Verl gesperrt. Jasper Löffelsend befindet sich nach seinem Kreuzbandriss weiterhin in der Rehabilitation, Rafael Garcia konnte zuletzt krankheitsbedingt nicht oder nur eingeschränkt trainieren.
Auf Düsseldorfer Seite fällt Felix Meiser nach seiner Meniskusverletzung weiterhin aus. Kapitän Jorrit Hendrix muss in Köln das zweite Spiel seiner Sperre absitzen. Gerade in der aufgeheizten Atmosphäre des Südstadions wird seine Erfahrung im defensiven Mittelfeld fehlen. Hinter Dominique Heintz und Jordi Paulina stehen zudem Fragezeichen, nachdem beide gegen Stuttgart kurzfristig wegen Oberschenkelproblemen passen mussten.
Mit Lukas Bornschein und Filimon Gerezgiher stehen dafür zwei neue Alternativen bereit. Der 1,96 Meter große Bornschein könnte der Innenverteidigung zusätzliche Präsenz, Kopfballstärke und Stabilität geben. Gerezgiher bringt das Tempo und die Dynamik mit, die dem Düsseldorfer Angriff auf den Außenbahnen bislang häufig gefehlt haben. Ob es bereits für die Startelf reicht, dürfte auch davon abhängen, welchen Eindruck beide in ihren ersten Trainingseinheiten hinterlassen.
Für Fortuna Düsseldorf wird es darauf ankommen, die in der ersten Halbzeit gegen Stuttgart gezeigte Intensität über die gesamte Spielzeit abzurufen. Die Mannschaft darf sich nicht von der Kulisse, der körperlichen Spielweise des Gegners oder möglichen Rückschlägen aus ihrer Ordnung bringen lassen. Geduld wird wichtig sein – aber Geduld darf nicht mit Behäbigkeit verwechselt werden. Düsseldorf muss den Ball schnell bewegen, konsequent nachsetzen und seine Chancen entschlossener nutzen.
Gleichzeitig darf die Restverteidigung nicht vernachlässigt werden. Köln hat in Verl gezeigt, wie effizient die Mannschaft nach Ballgewinnen umschalten kann. Besonders die Räume hinter den Düsseldorfer Außenverteidigern könnten zum Risiko werden. Ein leichtfertiger Ballverlust im Aufbau kann in diesem Spiel schwerer wiegen als lange Phasen eigener Kontrolle.
Wie stehen also die Chancen auf einen Düsseldorfer Sieg? Aufgrund der größeren individuellen Qualität und der zusätzlichen Möglichkeiten durch die beiden Neuzugänge besitzt F95 einen leichten Vorteil. Ein klarer Favorit ist Düsseldorf angesichts des schwachen Saisonstarts, der personellen Ausfälle und der besonderen Atmosphäre im ausverkauften Südstadion jedoch nicht. Unsere redaktionelle Einschätzung: 38 Prozent für einen Düsseldorfer Sieg, 32 Prozent für ein Unentschieden und 30 Prozent für einen Kölner Erfolg.
Fortuna kann dieses Spiel gewinnen. Dafür reicht es allerdings nicht, nur der größere Name oder der vermeintlich stärkere Kader zu sein. Die Mannschaft muss den Kampf des Aufsteigers annehmen, ohne sich auf dessen Spiel reduzieren zu lassen. Gelingt es, die neue defensive Stabilität mit mehr Tempo und Konsequenz im letzten Drittel zu verbinden, ist der zweite Sieg in Folge möglich.
Dann könnte aus dem ersten Durchatmen tatsächlich der Beginn einer Serie werden. Bleibt Düsseldorf dagegen erneut unter seinen Möglichkeiten, wäre die gerade erst gewonnene Ruhe schon am Sonntagabend wieder dahin.
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