
🔴⚪ AM 15. NOVEMBER GEHT ES UM MEHR ALS FÜNF STÜHLE
⚪🔴 ES GEHT UM DIE MACHT BEI FORTUNA
Der erste Saisonsieg gegen Stuttgart II tut gut. Aber ein 1:0 darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Fortuna Düsseldorf vor einer der wichtigsten vereinsinternen Entscheidungen der vergangenen Jahre steht. Am Sonntag, 15. November, kommen die Mitglieder um 13 Uhr im Congress Center Düsseldorf zusammen. Und diesmal wird nicht nur geredet, berichtet und entlastet. Fünf der neun Sitze im Aufsichtsrat werden neu gewählt.
Und genau deshalb sagen wir schon heute sehr deutlich: Nur wer hingeht, kann etwas ändern.
Denn der Aufsichtsrat ist bei Fortuna kein dekorativer Kreis verdienter Vereinsfreunde, der ab und zu Kaffee trinkt und dem Vorstand freundlich auf die Schulter klopft. Dieses Gremium bestellt und entlässt den Vorstand, kontrolliert dessen Arbeit, entscheidet über den Finanzplan, muss bestimmten Geschäften zustimmen und kann bei Ausgaben eingreifen, die den Haushaltsplan überschreiten. Wer wissen möchte, wo bei Fortuna tatsächlich Macht sitzt, sollte deshalb nicht ausschließlich auf Trainer, Sportvorstand oder Vorstandsvorsitzenden schauen.
Am 15. November wählen die Mitglieder fünf von insgesamt neun Aufsichtsräten. Und fünf von neun bedeuten: Die Mitgliederversammlung bestimmt unmittelbar die Mehrheit dieses Gremiums. Genau das macht diese Wahl so wichtig. Einen eigenen „Vorsitzenden-Posten“ wählen die Mitglieder übrigens nicht. Nach der Wahl bestimmt der Aufsichtsrat aus seiner Mitte selbst, wer Vorsitzender und Stellvertreter wird. Wer also über die künftige Führung des Aufsichtsrates entscheiden möchte, muss zunächst darüber entscheiden, welche fünf gewählten Mitglieder dort überhaupt sitzen.
Aktuell werden diese fünf direkt von den Mitgliedern vergebenen Mandate von Björn Borgerding, Sebastian Fuchs, Dirk Böcker, Tim Greiner Mai und Prof. Dr. Horst Peters gehalten. Genau diese fünf Plätze stehen im November erneut zur Wahl.
Die übrigen vier Sitze funktionieren anders. Peter Frymuth, Martina Voss-Tecklenburg und der erst seit März dieses Jahres zum Aufsichtsrat gehörende OLB-Chef Christophe Jéhan wurden beziehungsweise werden über den Wahlausschuss bestellt. Michael Rensing sitzt als Vertreter des Sportausschusses im Aufsichtsrat. Über diese vier Mandate stimmen die Mitglieder am 15. November nicht direkt ab.
Wer jetzt bereits irgendwo eine fertige Kandidatenliste präsentiert bekommt, sollte deshalb vorsichtig werden. Die gibt es offiziell noch nicht. Kandidaturen können noch bis zum 4. Oktober eingereicht werden. Erst danach steht fest, wer das Zulassungsverfahren des Wahlausschusses durchläuft und den Mitgliedern schließlich offiziell vorgestellt wird.
Stand heute gibt es zwei Namen, bei denen eine erneute Kandidatur öffentlich berichtet worden ist: Björn Borgerding und Sebastian Fuchs.
Björn Borgerding gehört dem Aufsichtsrat bereits seit 2014 an und führt das Gremium seit Januar 2020. Der Düsseldorfer Sportökonom ist damit nicht irgendein Aufsichtsrat, sondern seit mehr als sechs Jahren einer der entscheidenden Männer an der Vereinsspitze. Wer Borgerding wiederwählen möchte, stimmt deshalb auch für Kontinuität in einer Führung, unter der Fortuna große Projekte wie „Fortuna für alle“ auf den Weg gebracht hat, wirtschaftlich neue Partnerschaften aufgebaut wurden und der Verein zeitweise sportlich dicht an die Bundesliga herankam.
Zur Wahrheit gehört allerdings genauso die andere Seite der Bilanz. In die Amtszeit dieser Aufsichtsratsspitze fallen inzwischen auch der Absturz in die 3. Liga, zahlreiche Wechsel in sportlichen Führungspositionen und einige Entscheidungen, über die heute deutlich kritischer gesprochen werden muss als noch vor wenigen Jahren. Sven Mislintat wurde erst Ende 2025 zum Sportvorstand gemacht und wenige Monate später bereits wieder abgelöst. Borgerding selbst räumte danach öffentlich ein, dass ein solch schneller Wechsel eben auch ein Fehler des Aufsichtsrates sei. Diese Aussage verdient Respekt. Sie entbindet das Gremium aber nicht von der Aufgabe, den Mitgliedern im November sehr genau zu erklären, warum solche Fehler entstanden sind und was daraus gelernt wurde.
Sebastian Fuchs sitzt seit 2017 im Aufsichtsrat und ist seit 2020 Borgerdings Stellvertreter. Der gebürtige Bilker und Unternehmer steht damit ebenso für die bisherige Führungslinie. Wer Verantwortung beansprucht, wenn große Entscheidungen gelingen, muss sich diese Verantwortung allerdings auch dann zurechnen lassen, wenn Entscheidungen scheitern. Das gilt für Fuchs genauso wie für Borgerding. Beide werden deshalb, sofern ihre Kandidaturen tatsächlich eingereicht und zugelassen werden, erklären müssen, warum die Mitglieder ihnen nach Abstieg, Führungswechseln und erheblichen strukturellen Einschnitten erneut drei Jahre Vertrauen schenken sollen.
Und dann sind da die drei weiteren derzeit gewählten Aufsichtsräte, deren Mandate ebenfalls zur Wahl stehen – bei denen uns aktuell aber keine belastbar bestätigte erneute Kandidatur für 2026 vorliegt.
Dirk Böcker sitzt seit 2017 im Aufsichtsrat. Er kennt Fortuna nicht nur aus Sitzungszimmern. Von 2002 bis 2008 trug er selbst das F95-Trikot und erlebte mit dem Verein Zeiten weit unterhalb des heutigen Anspruchs. Dazu kommen ein BWL-Studium sowie berufliche Erfahrungen in Sportvermarktung und Wirtschaft. Fußballkompetenz und wirtschaftlicher Blick sind zweifellos Argumente für ein Kontrollgremium. Aber auch für Böcker gilt: Wenn er erneut kandidieren sollte, wird die Frage erlaubt sein müssen, wie er die Entscheidungen der vergangenen Jahre bewertet und welche davon er persönlich anders getroffen hätte.
Tim Greiner Mai wurde 2020 erstmals in den Aufsichtsrat gewählt und steht wie kaum ein anderer im Gremium für die Perspektive der aktiven Fanszene. Lost Boyz, Supporters Club Düsseldorf, Ultras Düsseldorf, Fanarbeit – seine Fortuna-Biografie reicht weit über einen Sitz im Aufsichtsrat hinaus. Gerade deshalb wäre eine erneute Kandidatur interessant. Denn die Mitglieder dürften von ihm nicht nur Loyalität zum Verein erwarten, sondern auch eine Antwort auf die Frage, wie kritisch ein Vertreter aus der Fanszene innerhalb eines Kontrollgremiums sein kann und sein muss.
Prof. Dr. Horst Peters gehört ebenfalls seit 2020 dem Aufsichtsrat an. Der Professor für Betriebswirtschaft an der Hochschule Düsseldorf bringt mit seinem beruflichen Hintergrund in Bank-, Finanz- und Unternehmensfragen genau jene fachliche Kompetenz mit, die ein Verein mit einem Millionenetat benötigt. Auch hier gilt allerdings: Fachliche Qualifikation allein beantwortet noch nicht die Frage nach der Bilanz eines gesamten Gremiums. Sollte Peters erneut antreten, gehört auch seine Sicht auf die Entscheidungen rund um Abstieg, Vorstand und wirtschaftliche Neuordnung auf den Tisch.
Und genau an diesem Punkt möchten wir bewusst etwas unbequem werden.
Man kann den Aufsichtsrat nicht für jeden verschossenen Elfmeter, jeden misslungenen Transfer und jede falsche Aufstellung verantwortlich machen. Das wäre billiger Populismus. Aber genauso billig wäre es, sämtliche Verantwortung immer eine Etage tiefer abzuladen. Der Aufsichtsrat bestellt den Vorstand. Der Aufsichtsrat kontrolliert den Vorstand. Der Aufsichtsrat entscheidet über zentrale finanzielle Rahmenbedingungen. Der Aufsichtsrat hat vor dem Abstieg den Vertrag mit Alexander Jobst ligaunabhängig verlängert, nach dem Abstieg die Trennung von Sven Mislintat und die Berufung von Samir Arabi beschlossen, Arnd Hovemanns Zeit als Finanzvorstand beendet und Michael Staade zu dessen Nachfolger bestellt.
Diese Entscheidungen kann man richtig finden. Man kann sie falsch finden. Man kann bei manchen heute sagen, dass sie sich erst noch beweisen müssen. Aber man kann nicht behaupten, der Aufsichtsrat habe mit der Entwicklung der Fortuna wenig zu tun.
Genau deshalb darf die Wahl im November keine reine Sympathieabstimmung werden.
Wir wünschen uns keine Hexenjagd und auch keinen personellen Kahlschlag nur um des Kahlschlags willen. „Alle raus“ ist keine Strategie. Aber „weiter so, weil wir uns kennen“ ist ebenfalls keine. Wer erneut kandidiert, sollte den Mitgliedern konkret erklären, wofür er in den vergangenen drei Jahren gestimmt hat, welche Entscheidungen er heute kritisch sieht, welche Fehler er persönlich erkannt hat und was er künftig anders machen will.
Und vielleicht ist 2026 auch die Gelegenheit für neue Kandidaten.
Wer glaubt, Fortuna brauche im Aufsichtsrat zusätzliche Kompetenz aus Profifußball, Finanzen, Recht, Unternehmensführung, Kommunikation, Digitalisierung oder Vereinsarbeit, muss nicht nur darüber schreiben. Die Satzung eröffnet den Mitgliedern ausdrücklich die Möglichkeit, Kandidatinnen und Kandidaten vorzuschlagen. Dafür braucht es mindestens drei stimmberechtigte Mitglieder, die den Vorschlag unterstützen, sowie das schriftliche Einverständnis des Kandidaten. Deadline ist der 4. Oktober.
Danach wird es spannend. Dann wissen wir, ob die Wahl tatsächlich eine Richtungsentscheidung mit echten Alternativen wird – oder ob am Ende überwiegend über die Fortsetzung des bisherigen Kurses abgestimmt wird.
Und vielleicht sollten wir uns auch eine Zahl aus dem Jahr 2023 noch einmal bewusst machen: Bei der damaligen Aufsichtsratswahl waren 595 stimmberechtigte Mitglieder anwesend. Björn Borgerding erhielt 404 Stimmen, Tim Greiner Mai 379, Dirk Böcker 346, Sebastian Fuchs 341 und Horst Peters 244. So wurden die fünf Plätze vergeben.
Fortuna hat heute mehr als 36.000 Mitglieder.
Natürlich sind davon nicht alle stimmberechtigt. Trotzdem zeigt der Vergleich, wie klein der Kreis derjenigen sein kann, der am Ende tatsächlich über die Machtverhältnisse im Verein entscheidet.
Deshalb unser Appell an alle stimmberechtigten Fortunen: Geht hin.
Wer volljährig, seit mindestens einem Jahr Mitglied und mit seinen Beiträgen nicht im Rückstand ist, besitzt Stimmrecht. Dieses Recht ist bei einem mitgliedergeführten Verein keine nette Zugabe zum Fanshop-Rabatt. Es ist eines der wertvollsten Dinge, die Fortuna von vielen anderen Profiklubs unterscheidet.
Wir können monatelang über „die da oben“ diskutieren. Wir können nach Niederlagen Trainer entlassen, Vorstände austauschen und Aufsichtsräte zum Teufel wünschen – zumindest auf Facebook. Aber am 15. November gibt es keine Kommentarfunktion und keinen Like-Button.
Da gibt es eine Stimme.
Deine.
Wir tragen die emotionale Fortunabrille mit Stolz. Aber eine Fortunabrille darf den Blick schärfen – sie darf uns nicht blind machen. Wer unseren Verein liebt, darf kritisch sein. Vielleicht muss er es manchmal sogar sein.
Deshalb wollen wir von euch wissen: Braucht Fortuna im Aufsichtsrat einen echten personellen Schnitt oder gerade jetzt Kontinuität? Sollten Björn Borgerding und Sebastian Fuchs noch einmal das Vertrauen bekommen? Wie bewertet ihr Dirk Böcker, Tim Greiner Mai und Horst Peters? Welche Kompetenzen fehlen diesem Aufsichtsrat? Und welche neuen Kandidatinnen oder Kandidaten würdet ihr euch wünschen?
Diskutiert hart. Diskutiert kontrovers. Aber bleibt fair.
Und vor allem merkt euch diesen Satz:
NUR WER HINGEHT, KANN ETWAS ÄNDERN.
15. November 2026. 13 Uhr. Congress Center Düsseldorf.
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