UNTER DEM HAUS DER GESCHICHTE LIEGT NOCH MEHR GESCHICHTE

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Mitten in Düsseldorf wird gerade Geschichte gebaut – und dabei ist noch ältere Geschichte wieder aufgetaucht. Beim Umbau des Behrensbaus am Mannesmannufer zum künftigen Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen sind Archäologen auf massive Reste der ehemaligen Düsseldorfer Festungsanlage gestoßen. Rund 3,5 Meter unter dem heutigen Straßenniveau liegen Ziegelmauern, die vermutlich seit mehr als zwei Jahrhunderten niemand mehr gesehen hat.

Die Mauern gehören zur sogenannten oberrheinischen Front der Düsseldorfer Festung. Dieser südliche Verteidigungsbereich wurde im 18. Jahrhundert mehrfach ausgebaut und bestand aus Wällen, Gräben und vorgeschobenen Verteidigungswerken. Historische Pläne zeigen, dass sich genau dort, wo heute der Behrensbau steht, einst ein kompliziertes System aus Festungsmauern und Schutzanlagen entlang des Rheins erstreckte. Welche konkrete Funktion die nun freigelegten Mauerabschnitte hatten, wird derzeit noch wissenschaftlich untersucht.

Düsseldorf war über Jahrhunderte eine echte Festungsstadt. Bereits 1538 begann unter dem italienischen Festungsbaumeister Alessandro Pasqualini der Ausbau moderner Verteidigungsanlagen. Unter Kurfürst Jan Wellem und seinen Nachfolgern wurde die Festung weiter vergrößert. In ihrer größten Ausdehnung nahm sie rund 52 Hektar ein – eine gewaltige Fläche, die die Entwicklung der Stadt maßgeblich bestimmte.

Dabei war nicht nur der Feind eine Gefahr für die Mauern. Immer wieder setzte der Rhein der Festung schwer zu. Hochwasser und Eisgang beschädigten gerade die südlichen Anlagen mehrfach. Nach der großen Flut von 1784 mussten Teile zusätzlich geschützt werden, 1799 wurden Mauern unterspült und Verteidigungswerke zerstört. Auch deshalb ist der heutige Fund für Archäologen besonders interessant: Die unterschiedlichen Bau- und Reparaturphasen könnten noch einiges darüber verraten, wie Düsseldorf seine Festung immer wieder anpassen musste.

Das Ende der Festung veränderte Düsseldorf dann grundlegend. Nach dem Frieden von Lunéville im Jahr 1801 mussten die Verteidigungsanlagen geschleift werden. Wälle verschwanden, Gräben wurden verfüllt – und plötzlich entstanden Flächen für eine völlig neue Stadtplanung. Teile der heutigen Königsallee, des Hofgartens, des Spee’schen Grabens sowie der Anlagen rund um Schwanenspiegel und Kaiserteich stehen indirekt mit dem Rückbau der Festung in Verbindung. Wer dort heute spazieren geht, bewegt sich also teilweise auf den Spuren der alten Verteidigungsstadt.

Und genau deshalb besitzt der Fund unter dem Behrensbau eine besondere Symbolik. Der Bau selbst ist bereits ein Geschichtsbuch aus Stein: 1912 als Mannesmann-Zentrale bezogen, nach dem Zweiten Weltkrieg Sitz der britischen Militärregierung und später Heimat der ersten nordrhein-westfälischen Landesregierungen. Nun wird er zum Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen – und ausgerechnet während dieses Umbaus kommt unter dem Gebäude eine noch viel ältere Schicht Düsseldorfer Geschichte zum Vorschein.

Noch ist offen, was langfristig mit den freigelegten Mauern geschieht. Die wissenschaftliche Untersuchung läuft, und bislang ist nicht bekannt, ob Teile der Festungsreste später für Besucher sichtbar gemacht werden können. Genau das wäre allerdings eine reizvolle Vorstellung: ein Haus der Geschichte, in dem man nicht nur über Geschichte spricht, sondern einige Meter tiefer tatsächlich auf ihr steht.

Denn manchmal liegt Geschichte eben nicht im Museum.

Manchmal liegt sie direkt darunter.

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Hinweis zum Beitragsbild: Bei der verwendeten Darstellung handelt es sich um ein Symbolbild. Es zeigt eine inszenierte archäologische Ausgrabung und nicht die tatsächliche Fundstelle am Mannesmannufer.

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