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FORTUNA EMPFÄNGT EUROPA-FINALIST FREIBURG ZUM POKALABEND

Sonntag, 23. August 2026 | 18:00 Uhr | MERKUR SPIEL-ARENA | DFB-Pokal, 1. Hauptrunde

Vielleicht kommt dieser Gegner tatsächlich genau zum richtigen Zeitpunkt. Nach zwei Niederlagen zum Start in die 3. Liga, viel Ernüchterung und noch mehr Diskussionen rund um Fortuna wartet am Sonntag ausgerechnet der SC Freiburg in der heimischen Arena. Ein Bundesligist, ein Europa-League-Finalist und damit auf dem Papier ein Gegner, gegen den die Rollen eindeutiger kaum verteilt sein könnten. Aber genau darin liegt der Reiz dieses Pokalabends. Fortuna muss diesmal nicht der große Favorit sein, muss keinen Gegner dominieren und keinen Pflichtsieg erklären. Sie darf rausgehen, Fußball spielen, kämpfen und einem vermeintlich übermächtigen Gegner zeigen, dass ein Sonntagabend in Düsseldorf verdammt unangenehm werden kann. Nach den ersten beiden Ligaspielen könnte genau diese Ausgangslage befreiender sein, als es zunächst klingt.

Natürlich lässt sich der Fehlstart damit nicht einfach ausblenden. Das 1:2 in Mannheim war enttäuschend, das anschließende 0:2 gegen Hoffenheim II noch deutlich schwerer zu verdauen. Vor allem die Art und Weise hat viele Fortuna-Fans beschäftigt, denn von der Energie und der Aufbruchsstimmung, die diese neu zusammengestellte Mannschaft eigentlich vermitteln sollte, war zuletzt zu wenig zu sehen. Genau deshalb muss am Sonntag auch niemand irgendwelche Pokalmärchen erzählen. Zunächst geht es um etwas viel Einfacheres: Wir wollen wieder eine Fortuna sehen, die sich wehrt, die Zweikämpfe annimmt, mutig nach vorne spielt und bei der man auf der Tribüne vom ersten Moment an merkt, dass sie dieses Spiel unbedingt haben will. Gelingt das, kann sich die Stimmung in der Arena sehr schnell verändern – und aus einem vermeintlich klaren Pokalspiel vielleicht doch ein richtig heißer Abend werden.

Dass die Aufgabe gewaltig ist, muss man nicht kleinreden. Freiburg kommt nicht als irgendein Bundesligist nach Düsseldorf. Der SC erreichte erst im Mai sensationell das Finale der Europa League und musste sich dort Aston Villa geschlagen geben. Unter Julian Schuster ist aus dem ohnehin seit Jahren hervorragend geführten Verein eine Mannschaft geworden, die auch international gezeigt hat, wie unangenehm sie sein kann. Freiburg lebt weniger von großen Namen als von klaren Abläufen, enormer Disziplin und einer Mannschaft, in der fast jeder weiß, was der andere im nächsten Moment tun wird. Dazu gibt es natürlich genügend individuelle Qualität. Vincenzo Grifo kann ein Spiel mit einem Standard entscheiden, Matthias Ginter bringt internationale Erfahrung mit, Maximilian Eggestein sorgt für Ordnung und vorne besitzt der SC genügend Möglichkeiten, kleine Fehler gnadenlos zu bestrafen. Wer Freiburg Raum schenkt, bekommt normalerweise ziemlich schnell die Rechnung präsentiert.

Trotzdem kommt der Favorit diesmal unter ungewöhnlichen Voraussetzungen an den Rhein. Freiburg bestreitet bereits am Donnerstagabend in Schottland das Hinspiel der Conference-League-Playoffs beim FC Motherwell. Danach geht es zurück nach Deutschland, am Sonntag nach Düsseldorf und schon vier Tage später steht das Rückspiel gegen Motherwell auf dem Programm. Für die Breisgauer bedeutet das drei wichtige Pflichtspiele innerhalb einer Woche, während Alexander Ende seine Mannschaft ohne diese zusätzliche Belastung auf den Pokal vorbereiten kann. Daraus sollte niemand den Trugschluss ziehen, Freiburg werde mit einer besseren Reservemannschaft nach Düsseldorf reisen. Dafür ist der Kader viel zu gut. Aber wenn Fortuna diesem Gegner von Beginn an Intensität aufzwingt, ihn laufen lässt und keinen bequemen Pokalabend anbietet, darf diese Belastung im weiteren Spielverlauf durchaus zu einem Faktor werden.

Hinzu kommt, dass sich beide Vereine im Pokal noch ziemlich gut kennen. Erst in der vergangenen Saison war Freiburg in Düsseldorf zu Gast und erwischte Fortuna mit zwei frühen Treffern eiskalt. Damals war das Spiel praktisch schon nach wenigen Minuten auf eine Bahn gebracht, die Düsseldorf anschließend nur noch mit enormem Aufwand korrigieren konnte. Genau das darf am Sonntag nicht noch einmal passieren. Fortuna muss nicht hektisch beginnen, aber hellwach. Freiburg soll möglichst schnell spüren, dass hier kein Drittligist ehrfürchtig auf den Europa-League-Finalisten wartet, sondern eine Mannschaft, die gerade deshalb etwas gutzumachen hat, weil ihre ersten beiden Saisonspiele enttäuschend verlaufen sind. Ein gewonnener Zweikampf, die erste gefährliche Aktion vor dem Freiburger Tor, eine Grätsche vor der Süd – manchmal braucht es in Düsseldorf nicht viel, damit aus 50.000 Zuschauern plötzlich ein zusätzlicher Gegenspieler wird.

Und genau dort liegt vielleicht Fortunas größte Chance. Dieses Spiel sollte nicht mit angezogener Handbremse geführt werden. Gegen einen individuell überlegenen Gegner reicht es nicht, sich 90 Minuten rund um den eigenen Strafraum zu verschanzen und darauf zu hoffen, dass irgendwie nichts passiert. Düsseldorf braucht Mut mit dem Ball und vor allem Tempo, wenn Freiburg Räume anbietet. Gerade die jungen Spieler können dabei eine wichtige Rolle übernehmen. Sie müssen am Sonntag nicht die Verantwortung für einen Aufstieg tragen und keine Tabelle im Kopf haben. Sie dürfen frech sein, ins Dribbling gehen, Wege machen und Dinge ausprobieren. Ein Bundesligist erwartet vieles von einem Drittligisten – aber ganz sicher keinen Gegner, der ihm mit breiter Brust begegnet und plötzlich selbst Spaß an diesem Spiel entwickelt.

Der Druck liegt ohnehin auf der anderen Seite. Freiburg muss dieses Spiel gewinnen. Von einem Europa-League-Finalisten erwartet jeder, dass er beim Drittligisten in die zweite Runde einzieht. Fortuna dagegen kann etwas gewinnen, das nach den vergangenen Tagen fast wichtiger erscheint als jede taktische Diskussion: Vertrauen. Ein richtig guter Pokalauftritt kann innerhalb von 90 Minuten eine Stimmung verändern, die durch zwei schlechte Ligaspiele entstanden ist. Und sollte daraus tatsächlich der Einzug in die zweite Runde werden, hätte plötzlich niemand mehr Lust, die ganze Woche über Mannheim oder Hoffenheim zu sprechen. Genau das ist das Schöne am Fußball. Er gibt dir manchmal schneller eine neue Chance, als du nach einer Niederlage glaubst.

Deshalb sollten wir am Sonntag auch nicht mit gesenktem Kopf in die Arena gehen. Ja, Freiburg ist Favorit. Ja, zwischen Bundesliga und 3. Liga liegt ein erheblicher Unterschied. Und ja, Fortuna wird eine wesentlich bessere Leistung brauchen als zuletzt. Aber seit wann fahren wir eigentlich zum Pokal, weil vorher schon feststeht, wer gewinnt? Fortuna spielt zu Hause, Freiburg kommt zwischen zwei Europapokalspielen nach Düsseldorf und unsere Mannschaft hat nach diesem Saisonstart einiges gutzumachen. Wenn sie das in Energie umwandelt, die Arena früh mitnimmt und das Spiel lange offen hält, wird aus einem vermeintlich klaren Klassenunterschied irgendwann Nervosität beim Favoriten.

Vielleicht braucht diese neue Fortuna genau so einen Abend, um endlich bei sich selbst anzukommen. Einen großen Gegner, eine volle Arena, Flutlicht, Pokal und für einmal keinen Erwartungsrucksack auf den Schultern. Einfach rausgehen, zusammenstehen, Fußball spielen und Freiburg zeigen, dass die Reise nach Düsseldorf mehr wird als ein kurzer Zwischenstopp zwischen zwei europäischen Spielen.

Und dann schauen wir mal, wer am Sonntagabend tatsächlich die zweite Runde gebucht hat.

Auf geht’s, Fortuna!

Wie ist euer Tipp?

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