🔴⚪ NACH ZWEI SPIELEN SCHON DIE TRAINERFRAGE? 🔴⚪
WARUM ES BEI FORTUNA LÄNGST NICHT MEHR NUR UM ZWEI SPIELE GEHT
Zwei Spiele, null Punkte, 1:4 Tore. Wer die Diskussion um Alexander Ende allein auf diese nackten Zahlen reduziert, kann sie tatsächlich für überzogen halten. Kein seriös geführter Verein sollte nach 180 Minuten einer neuen Saison in Panik verfallen, und keine Mannschaft mit zahlreichen Neuzugängen kann Anfang August bereits bis ins letzte Detail funktionieren. Doch genau hier liegt der entscheidende Punkt: Bei Fortuna Düsseldorf geht es längst nicht mehr nur um die beiden Niederlagen gegen Mannheim und Hoffenheim II. Es geht um die Entwicklung seit Alexander Endes Amtsantritt, um sieben Pflichtspiele mit zwei Siegen und fünf Niederlagen, um inzwischen wiederkehrende Probleme – und vor allem um die Frage, ob auf dem Platz überhaupt eine Entwicklung zu erkennen ist, die Hoffnung darauf macht, dass diese Mannschaft bald dort ankommt, wo sie angesichts ihrer Qualität und ihrer Möglichkeiten stehen müsste.
Das 0:2 gegen die TSG Hoffenheim II war deshalb weit mehr als ein schlechter Nachmittag. Vor 27.419 Zuschauern präsentierte sich Fortuna über weite Strecken wie eine Mannschaft, die nicht nur nach Sicherheit sucht, sondern auch nach einer gemeinsamen Idee. Bereits in der dritten Minute führte ein Fehler von Steven van der Sloot zum Rückstand. Ein früher Gegentreffer kann passieren, gerade einer neu zusammengestellten Mannschaft. Entscheidend ist, was danach geschieht. Doch genau diese Reaktion blieb aus. Fortuna wurde nicht wütender, nicht mutiger und auch nicht zwingender. Stattdessen entstand mit zunehmender Spieldauer der Eindruck, dass Hoffenheim ziemlich genau wusste, was es tun wollte, während Düsseldorf noch immer versuchte herauszufinden, wie dieses Spiel eigentlich zu lösen sein könnte.
Das zweite Gegentor in der 52. Minute passte beinahe exemplarisch in das Bild. Wieder ein einfacher Ballverlust, wieder eine offene Struktur, wieder konnte Hoffenheim schnell umschalten. Jakov Dedic verwertete schließlich den Abpraller zum 0:2. Spätestens danach hätte es jene Phase geben müssen, in der Fortuna das Spiel mit Macht an sich zieht, die Zuschauer mitnimmt und dem Gegner zumindest das Gefühl vermittelt, dass dieser Nachmittag noch längst nicht entschieden ist. Stattdessen kontrollierte Hoffenheim die Partie weitgehend souverän. Zeitweise lag das 0:3 näher in der Luft als der Düsseldorfer Anschlusstreffer. Die Rote Karte gegen Jorrit Hendrix nach dem zu kurzen Zuspiel von Andreas Müller in der 79. Minute setzte einem Nachmittag schließlich die Krone auf, an dem fast alles zusammenkam, was momentan bei Fortuna schiefläuft.
Dabei sind es nicht einmal die individuellen Fehler, die besonders beunruhigen. Fehler passieren, gerade unter Druck. Alarmierend ist vielmehr, dass Fortuna derzeit keine verlässliche Struktur besitzt, die solche Fehler auffangen kann. Hoffenheim presste das enge Düsseldorfer Zentrum konsequent und aggressiv, nahm dort die Anspielstationen weg und zwang Fortuna immer wieder zu unsauberen oder riskanten Lösungen. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen waren häufig zu groß, nach Ballverlusten war die Restverteidigung anfällig und über die Außen entstand viel zu wenig Entlastung. Am Ende blieb viel zu oft nur der lange Ball auf Hottmann oder Schleusener. Das kann in bestimmten Spielsituationen ein legitimes Mittel sein. Wenn es aber zur regelmäßigsten Antwort auf gegnerischen Druck wird, hat Fortuna ein grundsätzliches Problem.
Alexander Ende veränderte seine Startelf gegenüber dem Auftakt in Mannheim gleich auf fünf Positionen. Nach einer schlechten Leistung Konsequenzen zu ziehen ist richtig. Doch fünf Veränderungen werfen gleichzeitig Fragen auf. Wo ist die Hierarchie dieser Mannschaft? Welche Spieler bilden das Gerüst? Wer bekommt über mehrere Spiele hinweg das Vertrauen, um Automatismen entwickeln zu können? Welche Rollen sind klar definiert? Konkurrenz innerhalb eines Kaders ist wichtig, ständiges Suchen dagegen erzeugt Unsicherheit. Genau diesen Eindruck vermittelt Fortuna derzeit: Es wird verändert, verschoben und ausprobiert, ohne dass anschließend eine deutlich stabilere Mannschaft auf dem Platz steht.
Besonders schwer wiegt dabei die Körpersprache. Das war keine Mannschaft, die nach dem frühen Rückstand sichtbar rebellierte. Zu häufig gingen Köpfe herunter, zu häufig wirkten Spieler nach Fehlern mit sich selbst beschäftigt, zu selten half einer dem anderen dabei, wieder in die Partie zu finden. Alexander Ende sprach nach dem Spiel selbst von fehlender Klarheit, Wachheit, Überzeugung und einer spürbaren Verunsicherung. Seine Analyse trifft das Problem ziemlich genau. Nur ist genau das der Moment, an dem sich die Perspektive verändert: Der Trainer ist nicht nur Beobachter dieser Entwicklung, sondern derjenige, der sie verändern muss.
Denn dieser Kader kann nicht dauerhaft als Erklärung für solche Auftritte herhalten. Fortuna verfügt mit Spielern wie Heintz, Zimmermann, Hendrix, Förster und Schleusener über reichlich höherklassige Erfahrung. Oberdorf, Consbruch und Hottmann bringen ebenfalls Qualität mit, dazu kommen junge Spieler mit erheblichem Entwicklungspotenzial. Der gemeldete Kaderetat wurde auf rund acht Millionen Euro erhöht, der Gesamtmarktwert der Mannschaft wird im Bereich der Ligaspitze angesiedelt. Natürlich gewinnen weder Marktwerte noch Lebensläufe Fußballspiele. Sie zeigen aber sehr deutlich, dass hier keine Mannschaft zusammengestellt wurde, deren natürlicher Anspruch darin bestehen kann, gegen Hoffenheim II über weite Strecken hinterherzulaufen.
Das bedeutet nicht, dass der Kader perfekt gebaut ist. Ganz im Gegenteil. Die Zusammenstellung wirft Fragen auf. Fortuna fehlt verlässliche natürliche Breite, gerade auf den Außenbahnen. Im Aufbau mangelt es an Geschwindigkeit und Pressingresistenz. Im zentralen Mittelfeld gibt es zahlreiche Optionen, aber bislang zu wenig kreative Durchschlagskraft. Spieler tauchen auf Positionen auf, auf denen sie ihre eigentlichen Stärken kaum entwickeln können. Auch die Torwarthierarchie vermittelt bislang nicht jene Selbstverständlichkeit, die einer ohnehin verunsicherten Mannschaft Stabilität geben könnte. Doch genau deshalb darf die Diskussion nicht ausschließlich auf Alexander Ende reduziert werden.
Auch Samir Arabi steht in der Verantwortung. Dieser Kader trägt seine Handschrift, ebenso wie die sportliche Gesamtstrategie und letztlich auch die Entscheidung für diesen Trainer. Die Frage muss deshalb größer gestellt werden: Haben Trainer und Sportvorstand gemeinsam eine Mannschaft zusammengestellt, deren Spielidee zu den vorhandenen Spielern passt? Oder versucht Fortuna momentan einen Fußball zu spielen, für den Teile dieses Kaders überhaupt nicht optimal besetzt sind? Wenn eine Mannschaft auf dem Papier zu den stärksten der Liga gehört, auf dem Platz aber weder Stabilität noch Klarheit entwickelt, dann liegt die Ursache selten bei einer einzigen Person.
Und trotzdem kommt Alexander Ende an einer entscheidenden Frage nicht vorbei: Erreicht er diese Mannschaft?
Sieben Pflichtspiele, zwei Siege, fünf Niederlagen und 0,86 Punkte pro Spiel sind noch keine vollständige Grundlage für ein abschließendes Urteil. Sie sind aber genug, um genauer hinzusehen. Vor allem dann, wenn sich bestimmte Muster wiederholen. Frühe Rückschläge führen zu großer Verunsicherung. Das Spiel mit dem Ball wirkt komplizierter als nötig. Nach Ballverlusten fehlt die Absicherung. Eine feste Achse ist kaum zu erkennen. Und wenn Spiele kippen, besitzt Fortuna momentan nur selten die Fähigkeit, sie emotional oder spielerisch wieder an sich zu reißen.
Genau deshalb greift der Satz „Gebt dem Trainer doch wenigstens ein paar Spiele Zeit“ inzwischen zu kurz. Natürlich braucht Entwicklung Zeit. Aber Zeit ist im Profifußball kein Selbstzweck. Sie ergibt nur Sinn, wenn eine Richtung erkennbar ist. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Alexander Ende nach zwei Ligaspielen entlassen werden sollte. Sie lautet, ob die sportliche Führung intern genügend Anzeichen dafür sieht, dass Mannschaft und Trainer gemeinsam sehr kurzfristig eine Wende schaffen können.
Auch die Stimmung unter den Fans sollte niemand im Verein unterschätzen. Für unsere Auswertung wurden am Samstagabend 175 Kommentare aus den Diskussionen bei Facebook und YouTube redaktionell betrachtet. Das ist keine repräsentative Umfrage unter allen Fortuna-Anhängern und soll auch keine sein. Trotzdem zeichnet sie ein bemerkenswert klares Stimmungsbild. 47,4 Prozent der ausgewerteten Kommentare fordern unmittelbar oder sehr deutlich einen Trainerwechsel. Weitere 17,7 Prozent verlangen massive sportliche und taktische Veränderungen, ohne ausdrücklich Endes Entlassung zu fordern. 21,7 Prozent bestehen vor allem aus Frust, Spott, Abstiegsangst oder Aussagen des emotionalen Rückzugs. Gerade einmal drei der 175 Kommentare ließen sich klar einem Lager zuordnen, das ausdrücklich um Geduld mit dem Trainer bittet.
Noch bemerkenswerter sind teilweise die Reaktionen unter den offiziellen Beiträgen. Beim Endstandspost dominierten „Haha“- und „Wütend“-Reaktionen. Das allein wäre noch kein Drama, soziale Netzwerke neigen zur Zuspitzung. Doch zwischen all dem Ärger finden sich Aussagen, die für einen Verein viel gefährlicher sein können als jedes laut gerufene „Ende raus“. Aussagen von Fans, die von wachsender Gleichgültigkeit sprechen. Menschen, die schreiben, dass sie sich emotional entfernen oder irgendwann schlicht nicht mehr kommen wollen.
Wut ist für einen Fußballverein unangenehm. Gleichgültigkeit ist gefährlich.
19.000 Dauerkarten nach einem Abstieg sind keine Selbstverständlichkeit. 27.419 Zuschauer gegen die zweite Mannschaft der TSG Hoffenheim ebenfalls nicht. Diese Fans haben ihren Teil längst erfüllt. Sie haben einen gewaltigen Vertrauensvorschuss gegeben, obwohl die vergangene Saison mit einer bitteren Enttäuschung endete. Niemand verlangt dafür garantierte Siege. Aber dieser Vertrauensvorschuss verpflichtet den Verein dazu, wenigstens das Gefühl zu vermitteln, dass auf dem Platz eine Mannschaft steht, die genau weiß, wohin sie will.
Ein Satz aus den Kommentaren bringt das ziemlich präzise auf den Punkt: „Ich habe als Fan 130 Prozent gegeben, die Mannschaft nicht.“ Ein anderer Anhänger schreibt: „Einige Spieler wissen gar nicht, was ihre Aufgabe auf dem Platz ist.“ Und selbst ein Kommentar, der ausdrücklich vor blindem Draufhauen warnt, endet mit der Feststellung: „Das ist erschreckend.“ Genau diese Mischung beschreibt die Stimmung momentan besser als jedes Schlagwort. Es geht nicht darum, Einzelne an den Pranger zu stellen. Es geht um die Sorge, dass Fortuna gerade dabei ist, einen außergewöhnlichen Rückhalt zu verspielen.
Und dann war da noch diese Pressekonferenz.
Alexander Ende äußerte sich zur Partie, analysierte die fehlende Klarheit und die Verunsicherung seiner Mannschaft. Danach: keine einzige Frage.
Keine Nachfrage dazu, weshalb Fortuna erneut derart große Probleme im Spielaufbau hatte. Keine Frage zu den fünf Veränderungen in der Startelf. Keine zur Körpersprache. Keine zur taktischen Ausrichtung. Keine zur zunehmenden Trainerdiskussion.
In den YouTube-Kommentaren wurde diese Sprachlosigkeit beinahe genauso intensiv diskutiert wie manche Entscheidung auf dem Platz. Verständlicherweise. Gerade in einer Situation wie dieser braucht es kritische, sachliche Nachfragen. Nicht um jemanden vorzuführen, sondern weil genau dafür Pressekonferenzen da sind. Ein Fußballverein dieser Größe darf nach einem solchen Auftritt nicht den Eindruck vermitteln, dass das Wesentliche unausgesprochen bleibt.
Was also tun?
Ein hektischer Trainerwechsel allein wäre keine Garantie für irgendetwas. Ebenso falsch wäre es aber, die kommenden Wochen einfach verstreichen zu lassen und auf einen automatischen Lerneffekt zu hoffen. Der Verein muss jetzt intern eine sehr klare Entscheidung treffen. Wenn Samir Arabi und die Verantwortlichen davon überzeugt sind, dass Alexander Ende diese Mannschaft erreicht und sein Konzept funktioniert, dann müssen sie ihm demonstrativ den Rücken stärken – gleichzeitig aber klare sportliche Kriterien definieren, an denen die kommenden Spiele gemessen werden.
Und wenn Ende bleibt, muss das Spiel zunächst einfacher werden. Fortuna braucht eine klare Torwartentscheidung, eine stabile Abwehrformation, Spieler möglichst auf ihren angestammten Positionen, bessere Absicherung im Zentrum und echte Breite. Nicht jeder Angriff muss spielerisch aus dem eigenen Strafraum gelöst werden. Nicht jede taktische Idee muss besonders ausgefallen sein. Die 3. Liga verlangt Zweikampfstärke, Klarheit, Intensität und die Fähigkeit, schlechte Phasen gemeinsam zu überstehen. Erst wenn diese Grundlagen funktionieren, kann man über kompliziertere Spielmodelle sprechen.
Der kommende Pokalauftritt gegen Freiburg darf dabei nicht zum Alibi werden. Natürlich ist Fortuna dort Außenseiter. Niemand sollte die weitere Entwicklung ausschließlich an einem Ergebnis gegen einen Bundesligisten festmachen. Aber gerade deshalb eignet sich dieses Spiel hervorragend für eine andere Bewertung: Wie tritt diese Mannschaft auf? Ist eine Reaktion zu erkennen? Sind die Abstände besser? Helfen die Spieler einander? Verteidigt Fortuna gemeinsam? Gibt es Mut mit dem Ball? Erkennt man einen Plan?
Im folgenden Ligaspiel gegen Stuttgart II wird das Ergebnis dann allerdings wieder eine ganz andere Bedeutung bekommen.
Fortuna steht nach zwei Spieltagen nicht vor einer sportlichen Katastrophe. Dafür ist eine Saison viel zu lang. Aber der Verein steht sehr wohl an einem frühen Punkt, an dem falsche Entscheidungen später verdammt teuer werden können. Genau deshalb wäre es unseriös, jetzt bereits alles einzureißen. Genauso unseriös wäre es allerdings, die offensichtlichen Probleme kleinzureden, nur weil der Kalender erst August zeigt.
Die Trainerfrage existiert.
Nicht weil Fortuna zwei Ligaspiele verloren hat.
Sondern weil sich die Frage aufdrängt, ob Alexander Ende mit dieser Mannschaft gerade eine Entwicklung einleitet – oder ob Mannschaft, System und Trainer bereits beginnen, sich voneinander zu entfernen.
Diese Antwort kennen wir von außen nicht.
Samir Arabi und die Verantwortlichen müssen sie kennen.
Und sie sollten sie verdammt schnell finden.
Jetzt interessiert uns eure Meinung: Ist die Diskussion um Alexander Ende zum jetzigen Zeitpunkt überzogen? Muss Fortuna ihm Zeit geben und das System konsequent weiterentwickeln? Oder erkennt ihr bereits genügend Warnzeichen, um einen frühen Schnitt zumindest ernsthaft zu diskutieren? Trägt möglicherweise die Kaderplanung sogar einen größeren Anteil an der aktuellen Situation als der Trainer? Und wie lange darf Fortuna noch auf eine Entwicklung warten, bevor aus einem Fehlstart ein echtes Problem wird?
Diskutiert mit uns – hart in der Sache, aber fair gegenüber den Menschen.
Und wenn ihr der Meinung seid, dass diese Debatte innerhalb der Fortuna-Familie geführt werden muss, dann teilt diesen Beitrag. Nicht, um irgendeine Entscheidung herbeizuschreiben, sondern damit möglichst viele Stimmen gehört werden und aus einem „gebrauchten Tag“ nicht einfach die nächste Phrase wird.
Denn 19.000 Dauerkartenbesitzer und eine ganze Stadt haben nach dem Abstieg ihren Vertrauensvorschuss gegeben.
Jetzt ist Fortuna am Zug.
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