☝️🫵👉 Zwei Veedel, zwei Schützenfeste: In Flehe und Lohausen wird am Wochenende groß gefeiert
Fackeln und Motivwagen im Düsseldorfer Süden, Parade, Marschmusik und Lasershow im Norden: Am Wochenende vom 15. und 16. August wird Düsseldorf gleich an zwei Stellen zur Schützenstadt. In Flehe und Lohausen beginnen am Samstag die traditionellen Schützen- und Volksfeste. Beide dauern bis Dienstag – und beide haben ihre ganz eigenen Traditionen, für die sich auch ein Besuch lohnt, wenn man selbst mit Schützenwesen eigentlich wenig am Hut hat.
Wer Düsseldorfer Brauchtum nur mit der großen Rheinkirmes verbindet, übersieht einen wesentlichen Teil davon. Gerade die Schützenfeste in den Stadtteilen zeigen, wie unterschiedlich diese Tradition gelebt wird. Hier geht es weniger um das größte Fahrgeschäft oder die lauteste Bühne, sondern häufig um ein ganzes Viertel, das für einige Tage seinen Rhythmus verändert.
An diesem Wochenende lässt sich das besonders gut beobachten: Im Süden feiert Flehe, im Norden Lohausen. Beide Schützen- und Volksfeste beginnen am Samstag, 15. August, und enden am Dienstag, 18. August. Der Eintritt ist bei beiden Festen frei.
FLEHE: WENN MIT FACKELN UND MOTIVWAGEN DAS SCHÜTZENFEST BEGINNT
In Flehe weiß man eigentlich schon vor dem ersten offiziellen Programmpunkt, dass etwas bevorsteht. Fahnen und Wimpelketten gehören zum Erscheinungsbild des Stadtteils, wenn am dritten Augustwochenende gefeiert wird. Das diesjährige Fest ist das 94. Schützen- und Volksfest der Sankt-Sebastianus-Schützenbruderschaft Düsseldorf-Flehe. Gefeiert wird auf dem Kirmesplatz an der Fleher Straße 224b.
Und Flehe beginnt nicht einfach mit Fassanstich und Tanzmusik.
Der eigentliche Hingucker kommt bereits am Samstagabend.
Um 19 Uhr setzt sich der traditionelle Fackelzug mit Motivwagen in Bewegung. Gerade dieser Auftakt gehört zu den Programmpunkten, die man sich auch einmal ansehen sollte, wenn man kein regelmäßiger Schützenfestbesucher ist. Wenn die Dämmerung über Flehe fällt, die beleuchteten Motive durch das Viertel ziehen und Musik den Zug begleitet, bekommt das Fest einen Charakter, den ein gewöhnlicher Kirmesabend kaum bieten kann.
Anschließend wird im Festzelt gefeiert. In diesem Jahr spielt dort die Coverband „DIE COMBO“ live.
Sonntag gehört die Straße den Schützen, Reitern und Musikern
Wer nur einen Tag nach Flehe kommen möchte, sollte sich den Sonntagnachmittag vormerken.
Bereits um 7 Uhr zieht das Tambourcorps „Frohsinn“ zum traditionellen Wecken durch den Stadtteil. Um 10.45 Uhr folgt der Gottesdienst, bei dem in diesem Jahr auch das neue Königssilber des amtierenden Regimentskönigs Daniel Heidkamp gesegnet wird.
Um 15 Uhr beginnt dann der große Festumzug.
Hunderte Schützen, Reiter sowie Tambourcorps und Spielmannszüge ziehen durch das geschmückte Flehe. Ausgangspunkt ist traditionell der Bereich der Fleher Schule, anschließend folgt die große Parade auf der Fleher Straße. Gerade diese Mischung aus Uniformen, Pferden, Musik und einem Viertel voller Fahnen macht den Umzug zu einem der stärksten Bilder des Fleher Festes.
Eine Fleher Besonderheit: Der Bürger darf selbst an den Vogel
Danach wird es auf dem Festplatz sportlich.
Um 16.30 Uhr beginnen am Sonntag die Wettbewerbe auf den Jungschützen- und den Bürgervogel. Und dieser Bürgerwettbewerb ist tatsächlich bemerkenswert: Mitmachen dürfen Gäste des Festes – lediglich Mitglieder der Bruderschaft sowie deren Partnerinnen und Partner sind ausgeschlossen.
Der Sieger wird für ein Jahr Fleher Bürgerschützenkönig und ist gemeinsam mit einer Begleitperson anschließend Ehrengast bei Veranstaltungen. Nach Angaben der Bruderschaft fallen beim Bürgervogelschießen häufig rund 500 Schüsse, bevor der Rumpf des Holzvogels schließlich fällt.
Um 19 Uhr soll anschließend der neue Jungschützenkönig feststehen.
Fast ein wenig aus der Zeit gefallen: Ringstechen in Flehe
Noch eine Besonderheit wartet am Sonntagnachmittag.
Um 17 Uhr veranstaltet der Reiterverein an der Fleher Straße 245 sein Ringstechen. Reiter und Pferd, Geschwindigkeit, Geschicklichkeit und ein winziges Ziel – das ist einer jener Programmpunkte, bei denen das Wort „Tradition“ tatsächlich sichtbar wird.
Wer mit Kindern unterwegs ist oder fotografieren möchte, sollte sich diesen Termin durchaus merken.
Ab 20.30 Uhr gehört das Festzelt dann den Kompaniekönigspaaren. Beim Ball spielt die Band „Nordstars“ live.
Und Flehe ist am Sonntag noch lange nicht vorbei
Das Fest läuft anschließend bis Dienstag weiter.
Am Montag zieht um 15.30 Uhr erneut ein Schützenumzug mit Parade durch Flehe. Um 19 Uhr fällt beim Königsschießen die wichtigste sportliche Entscheidung des Festes. Das Holzvogelschießen um die Königswürde hat in Flehe eine mehr als hundertjährige Tradition. Um 21 Uhr wird der neue Regimentskönig proklamiert.
Der Dienstag gehört zunächst den Jüngsten: Um 11.45 Uhr findet die Pagenkrönung statt.
Am Abend folgt schließlich das feierliche Finale. Um 19.30 Uhr beginnt der große Krönungsball mit Abholung und Einzug des neuen Regimentskönigspaares und seines Hofstaates. Um 20.45 Uhr erklingt der Große Zapfenstreich, gestaltet vom Tambourcorps „Frohsinn“ und der Gerresheimer Blaskapelle.
D4Y-TIPP FÜR FLEHE
Wer nur einen einzigen Programmpunkt sehen möchte:
Samstag, 19 Uhr – Fackelzug mit Motivwagen.
Wer etwas mehr Zeit hat:
Sonntag ab 15 Uhr – Festumzug, Parade, anschließend Ringstechen und Vogelschießen.
Damit bekommt man innerhalb weniger Stunden erstaunlich viele Facetten des traditionellen Düsseldorfer Schützenwesens zu sehen.
LOHAUSEN: EIN GANZES DORF ZIEHT MIT
Ein völlig anderes Bild wartet zur gleichen Zeit im Düsseldorfer Norden.
Die St. Sebastianus Schützenbruderschaft Lohausen von 1849 feiert von Samstag bis Dienstag auf dem Festplatz an der Lohauser Dorfstraße 16c. Und in Lohausen ist die Verbindung zwischen Schützenfest und Dorfgeschichte besonders eng.
Die Wurzeln der Gemeinschaft reichen bis ins Jahr 1849 zurück. Damals schlossen sich vor allem Landwirte zusammen, um Kranke zu unterstützen und Familien bei Todesfällen zu helfen. Die Gemeinschaft hieß zunächst „Kranken- und Sterbelade“. Erst später entwickelte sich daraus die heutige Schützenbruderschaft. Das erste eigene Lohauser Schützenfest wurde 1924 beschlossen.
Und auch der Termin Mitte August hat Geschichte: Schon vor dem Zweiten Weltkrieg wurde das Fest traditionell rund um Mariä Himmelfahrt am 15. August beziehungsweise am folgenden Wochenende gefeiert. Dass das Schützenfest 2026 ausgerechnet am 15. August beginnt, passt deshalb ziemlich genau in diese alte Tradition.
Die „Goldene Mösch“ kündigt das Fest schon vorher an
Genau genommen hat Lohausen sein Schützenfest sogar schon angekündigt.
Am vergangenen Sonntag, 9. August, war das Tambourcorps „Rheinklänge“ mit der Goldenen Mösch unterwegs. Der Brauch ist in Düsseldorf seit langem verbreitet: „Mösch“ ist mundartlich der Spatz. Der goldene Vogel wird vor dem Schützenfest durch den Ort getragen und steht zugleich symbolisch für die späteren Schießwettbewerbe auf den Vogel.
In Lohausen gehört dieses Rundtragen der Goldenen Mösch traditionell zur Einstimmung auf die Festtage.
Samstag: Serenade statt bloßem Startschuss
Am Samstag beginnt das eigentliche Fest um 15 Uhr mit dem Antreten des Regiments auf dem Schützenplatz.
Um 17 Uhr folgt der Festgottesdienst in St. Maria Himmelfahrt. Anschließend wird es besonders stimmungsvoll: Um 18 Uhr erklingt die Serenade, danach zieht der Festzug durch Lohausen zurück zum Schützenplatz. Gegen 19.50 Uhr eröffnet das Tambourcorps „Rheinklänge“ den Abend im Festzelt.
Diese Serenade ist einer der Momente, bei denen das Schützenfest seinen feierlicheren Charakter zeigt. Nicht Party steht für einige Minuten im Mittelpunkt, sondern Musik, Regiment und Zeremoniell.
Sonntag: Der große Tag für Lohausen
Wer das Lohauser Schützenfest zum ersten Mal besucht, sollte allerdings Sonntag, den 16. August, wählen.
Und wer es ganz ernst meint, beginnt früh.
Sehr früh.
Bereits um 6 Uhr morgens zieht das Tambourcorps „Rheinklänge“ zum traditionellen Wecken los. Das ist Brauchtum in seiner konsequenten Form – während der eine oder andere im Viertel vermutlich noch darüber nachdenkt, ob er überhaupt schon wach sein möchte.
Der große Höhepunkt folgt am Nachmittag.
Um 14 Uhr sammeln sich die Schützen auf dem Festplatz. Um 15 Uhr beginnt die große Parade vor dem Landgasthof Im Kühlen Grund, anschließend setzt sich der Festzug durch Lohausen in Bewegung.
Der Zug führt unter anderem über Im Grund, Nagelsweg, Neusser Weg, Im Lohauser Feld, Lantzallee, Niederrheinstraße, Spielberger Weg, Heidestieg, Lilienthalstraße und Alte Flughafenstraße zurück zur Lohauser Dorfstraße.
Genau hier zeigt sich, warum ein Stadtteil-Schützenfest etwas anderes ist als eine Veranstaltung auf einem abgeschlossenen Gelände. Das Fest zieht buchstäblich durch den Wohnort. Menschen stehen vor Häusern, Straßen werden geschmückt, Musikzüge ziehen an Vorgärten vorbei – das Veedel wird selbst zur Kulisse.
Von der Parade direkt zur Lasershow
Am Abend schlägt Lohausen dann einen ziemlich großen Bogen von Tradition zu moderner Unterhaltung.
Ab 19 Uhr spielt die Partyband Roland Brüggen im Festzelt. Um 20 Uhr werden Kompaniekönigspaare vorgestellt sowie Jungschützen, Traditionskönig und Traditionskronprinzen geehrt.
Und um 21 Uhr folgt ein Programmpunkt, den man auf einem klassischen Schützenfest vielleicht nicht unbedingt erwarten würde:
eine große Lasershow im Festzelt.
Uniform, Marschmusik und Parade am Nachmittag – Lichtchoreografie und Party am Abend. Vielleicht beschreibt gerade dieser Kontrast ziemlich gut, wie Brauchtum überleben kann, ohne im Museum zu landen.
Montag fallen die Entscheidungen
Auch Lohausen feiert nach dem Wochenende weiter.
Am Montag beginnt am Nachmittag das Schießen auf Königs- und Kronprinzenvogel. Der entscheidende Königsschuss ist ab 18 Uhr vorgesehen, gegen 19.15 Uhr sollen die neuen Königspaare und Kronprinzenpaare proklamiert werden.
Danach wird aus dem Schießstand wieder Tanzfläche: Ab 20 Uhr läuft die Schlagerparty mit DJ Thorsten.
Dienstag: Kinderfest, Fahnenschwenker und Großer Zapfenstreich
Der Dienstag zeigt noch einmal eine andere Seite des Festes.
Nach dem ökumenischen Gottesdienst um 9.30 Uhr beginnt um 10.30 Uhr das Kinderschützenfest auf dem Festplatz.
Am Abend wird es dann noch einmal feierlich. Um 19 Uhr startet der Krönungsball. Dabei präsentieren die Lohauser Fahnenschwenker ihre Galashow.
Und um 22 Uhr endet das offizielle Zeremoniell mit einem der eindrucksvollsten Rituale des Schützenwesens: dem Großen Zapfenstreich.
Danach darf weitergetanzt werden.
D4Y-TIPP FÜR LOHAUSEN
Wenn ihr nur einen Termin schafft:
Sonntag, 15 Uhr – Parade und großer Festzug.
Wer anschließend bleibt, bekommt um 21 Uhr die Lasershow im Festzelt gleich noch dazu.
Für Freunde des klassischen Brauchtums wäre allerdings auch der Dienstagabend mit Fahnenschwenker-Galashow und Großem Zapfenstreich eine Empfehlung.
NORD ODER SÜD? AM BESTEN BEIDES.
Flehe und Lohausen feiern am selben Wochenende – und trotzdem wirken die beiden Feste keineswegs wie Kopien voneinander.
Flehe hat mit seinem Fackelzug und den Motivwagen am Samstagabend, dem Ringstechen und dem offenen Bürgerkönigsschießen einige sehr eigenständige Programmpunkte.
Lohausen lebt besonders stark von seiner Dorfkulisse, der großen Sonntagsparade, der Serenade und den zahlreichen traditionellen Formationen. Gleichzeitig holt die Lasershow das Fest am Sonntagabend ziemlich konsequent ins Jahr 2026.
Wer am Wochenende einmal erleben möchte, warum Schützenwesen in Düsseldorf mehr ist als Uniform, Bier und Marschmusik, bekommt dafür also gleich zwei ziemlich gute Gelegenheiten.
Und theoretisch muss man sich nicht einmal entscheiden:
Samstagabend Fackelzug in Flehe. Sonntag um 15 Uhr Parade in Lohausen.
Mehr Düsseldorfer Brauchtum lässt sich an einem Augustwochenende kaum unterbringen.
Flehe: 15.–18. August 2026
Kirmesplatz, Fleher Straße 224b
Eintritt frei.
Lohausen: 15.–18. August 2026
Festplatz, Lohauser Dorfstraße 16c
Eintritt an allen Tagen frei.
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