HUBERTUSBRAUEREI: ALS AN DER NEUSSER STRASSE NOCH DÜSSELDORFER ALT GEBRAUT WURDE

☝️🫵👉 HUBERTUSBRAUEREI: ALS AN DER NEUSSER STRASSE NOCH DÜSSELDORFER ALT GEBRAUT WURDE
☝️🫵👉 HUBERTUSBRAUEREI: ALS AN DER NEUSSER STRASSE NOCH DÜSSELDORFER ALT GEBRAUT WURDE

☝️🫵👉 HUBERTUSBRAUEREI: ALS AN DER NEUSSER STRASSE NOCH DÜSSELDORFER ALT GEBRAUT WURDE

Manchmal braucht es keinen großen Archivfund, um eine fast vergessene Düsseldorfer Geschichte wieder ans Licht zu holen. Manchmal genügt ein Stück rostiges Metall. Vor einigen Jahren wurde bei niedrigem Rheinwasser ein alter Bügelverschluss gefunden, der wohl annähernd ein Jahrhundert im Fluss gelegen hatte. Darauf ließ sich noch ein Name erkennen, den heute kaum jemand mit Düsseldorf verbindet: Hubertus-Alt. Die Geschichtswerkstatt Düsseldorf begann nachzuforschen – und stieß auf eine Brauerei, die einst mitten in Unterbilk an der Neusser Straße zuhause war.

Die Hubertusbrauerei saß an der Neusser Straße 43. Ein Düsseldorfer Adressbuch von 1924 führt sie dort ausdrücklich als Hubertusbrauerei GmbH und nennt Theodor Neu als Inhaber. Damit haben wir keinen vagen Hinweis auf irgendeine Bierhandlung, sondern einen klar belegten Brauereibetrieb. Ein zeitgenössisches überregionales Brauereiverzeichnis liefert weitere Einzelheiten und zeigt, dass wir es keineswegs mit einem winzigen Sudkessel in einem Hinterzimmer zu tun hatten.

Die Hubertusbrauerei war technisch für ihre Zeit bereits modern ausgestattet. Genannt werden Dampfbetrieb, ein eigener Dampfkessel, eine Eismaschine und elektrische Beleuchtung. Als Geschäftsführer erscheint Franz Derstappen, als Braumeister Wilhelm Schnell. Die Gesellschaft wird in diesem Verzeichnis seit 1916 geführt. Ob in diesem Jahr tatsächlich erstmals an der Neusser Straße gebraut wurde oder lediglich eine bestehende Braustätte in die GmbH überführt wurde, lässt sich bislang nicht eindeutig klären. Gerade bei solchen verschwundenen Betrieben zeigen die Quellen oft nur einzelne Fenster – und dazwischen bleiben Lücken.

Dafür wissen wir bei der wichtigsten Frage dieser Serie ungewöhnlich genau, welches Bier mit dem Haus verbunden war: Hubertus-Alt.

Der alte Rhein-Fund trägt diesen Namen, und auch spätere Unterlagen bestätigen die Düsseldorfer obergärige Tradition. Noch Jahrzehnte später warb die Nachfolgefirma mit „eigenem Altbier – Düsseldorfer Brauart“. Damit gehört die Hubertusbrauerei eindeutig zu jener großen Welt kleiner und mittlerer Düsseldorfer Brauereien, aus denen das heutige Selbstverständnis der Altbierstadt hervorgegangen ist.

Eine zweite historische Biersorte konnten wir für die Düsseldorfer Hubertusbrauerei bislang dagegen nicht belastbar nachweisen. Das ist gerade hier wichtig, denn der Name führt schnell auf eine falsche Spur: In Köln existierte ebenfalls eine große Hubertus-Brauerei, die Pils, Helles, Export, Doppelbock und weitere Sorten herstellte. Sie hat mit der Düsseldorfer Brauerei an der Neusser Straße nichts zu tun. Alte Kölner Hubertus-Etiketten dürfen deshalb keinesfalls unserer Düsseldorfer Hubertusbrauerei zugeschrieben werden.

Was wir für Düsseldorf kennen, ist das Hubertus-Alt – und allein dieses Bier erzählt schon viel über seine Zeit. Die Neusser Straße war damals keine heutige Ausgehmeile zwischen Medienhafen und Unterbilk, sondern Teil eines dicht bebauten Stadtviertels mit Handwerksbetrieben, Werkstätten, kleinen Fabriken, Gaststätten und Wohnhäusern. Bier wurde nicht irgendwo am Stadtrand produziert und mit Lastwagen hereingefahren. Es gehörte unmittelbar zum Quartier. Der Brauer arbeitete dort, wo seine Kunden lebten.

Die technische Ausstattung mit eigener Eismaschine zeigt zugleich, wie sehr sich das Brauen bereits verändert hatte. Jahrhundertelang waren Brauereien auf Natureis aus Teichen oder vom Rhein angewiesen, um Keller und Bier ausreichend kühl zu halten. Mit maschineller Kälte konnte genauer, sicherer und unabhängig vom Winter gearbeitet werden. Die Hubertusbrauerei steht damit genau zwischen der alten Düsseldorfer Hausbrauereiwelt und der moderneren gewerblichen Bierproduktion des 20. Jahrhunderts.

Wie groß der Ausstoß war, wie viele Menschen dort beschäftigt waren und wie weit Hubertus-Alt über Unterbilk hinaus ausgeschenkt wurde, konnten wir bislang nicht seriös rekonstruieren. Gerade diese offenen Fragen machen die Brauerei jedoch interessant. Denn Hubertus war offenbar bekannt genug, um eine eigene Marke zu hinterlassen – und klein genug, um später nahezu vollständig aus dem kollektiven Gedächtnis zu verschwinden.

Irgendwann endete das Brauen an der Neusser Straße. Wann der letzte Sud angesetzt wurde, ist derzeit noch nicht sicher belegt. Spätestens in den 1950er-Jahren lässt sich die Adresse Neusser Straße 43 nicht mehr als Brauereistandort greifen. 1967 begegnet uns der Familienname Neu dagegen noch einmal sehr deutlich: als „Th. Neu OHG, vorm. Hubertusbrauerei“. Aus der ehemaligen Brauerei war inzwischen eine Biergroßhandlung in Heerdt geworden.

Diese Anzeige ist ein faszinierendes Dokument des Übergangs. Die Firma lieferte inzwischen Fass- und Flaschenbiere anderer großer Brauereien aus Nürnberg, Münster, Westerholt und Dortmund. Gleichzeitig warb sie weiterhin mit mehr als 60 Jahren eigenem Altbier nach Düsseldorfer Brauart. Ob dieses Hubertus-Alt damals noch nach alter Rezeptur im Lohnbrauverfahren hergestellt wurde oder die Formulierung vor allem an die Tradition des Hauses erinnerte, lässt sich bislang nicht zweifelsfrei sagen. Sicher ist aber: Der Name der alten Brauerei war wirtschaftlich und offenbar auch emotional noch wertvoll genug, um ihn Jahrzehnte später weiterzuführen.

Und dann verlor sich Hubertus aus dem Düsseldorfer Alltag.

Keine große Übernahme machte Schlagzeilen. Kein monumentaler Brauereikomplex wurde zum bekannten Stadtentwicklungsprojekt. Es blieb kein Brauhaus zurück, in dem heute noch ein Köbes Hubertus-Alt ausschenkt. Der Name verschwand leise – so, wie viele kleinere Brauereien verschwanden, die einmal selbstverständlich zu ihrem Viertel gehörten.

Fast hundert Jahre später lag dann dieser rostige Bügelverschluss im Rhein.

Genau darin steckt für uns der Reiz dieser Serie. Eine Brauerei kann verschwinden, ihre Gebäude können andere Nutzungen bekommen und eine Biermarke kann aus allen Getränkekarten gelöscht sein. Aber irgendwo bleibt etwas zurück: eine Flasche im Keller, ein Bierdeckel in einer Schublade, eine alte Reklame auf dem Dachboden – oder ein Verschluss im Rheinschlamm.

Vielleicht gibt es deshalb noch viel mehr zu finden.

Wer von euch hat schon einmal von Hubertus-Alt aus Düsseldorf gehört? Gibt es in euren Familien Erinnerungen an die Hubertusbrauerei an der Neusser Straße oder an die spätere Firma Theodor Neu? Besitzt jemand eine originale Flasche, ein Etikett, einen Bierdeckel, ein Glas, ein Reklameschild oder sogar ein Foto des Brauereigebäudes?

Gerade bei Hubertus brauchen wir eure Hilfe. Denn diese Geschichte ist noch nicht vollständig erzählt.

Und vielleicht liegt das fehlende Stück Düsseldorfer Brauereigeschichte gerade irgendwo bei jemandem von euch im Keller.

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