ZUR GOLDENEN ROSE: ALS DÜSSELDORF AUCH EINE EIGENE LAGERBIERBRAUEREI HATTE

☝️🫵👉 ZUR GOLDENEN ROSE: ALS DÜSSELDORF AUCH EINE EIGENE LAGERBIERBRAUEREI HATTE
☝️🫵👉 ZUR GOLDENEN ROSE: ALS DÜSSELDORF AUCH EINE EIGENE LAGERBIERBRAUEREI HATTE

☝️🫵👉 ZUR GOLDENEN ROSE: ALS DÜSSELDORF AUCH EINE EIGENE LAGERBIERBRAUEREI HATTE

Bei unserer Recherche zu Nummer 10 der Brauereiserie ist zunächst eine wichtige Unterscheidung aufgetaucht. In alten Unterlagen findet sich zwar bereits an der Marktstraße 3 ein Haus mit dem Namen „Die goldene Rose“. Dieses alte Hauszeichen gehört jedoch nicht automatisch zu der Brauerei, um die es hier geht. Die tatsächlich belegbare Düsseldorfer Brauerei Zur Goldenen Rose saß an der Rosenstraße 10/12. Genau dort beginnt die Geschichte, die für unsere Serie besonders spannend ist – denn sie führt uns weg vom heute fast alles überstrahlenden Altbier und mitten hinein in Düsseldorfs frühere Lagerbierwelt.

Ein historisches Brauereiverzeichnis führt die Gründung des Unternehmens bis in das Jahr 1822 zurück. Später firmierte der Betrieb unter Neuhausen & Hermes GmbH. Das Verzeichnis nennt 1897 als Jahr einer betrieblichen Umwandlung und Jakob Krings als Braumeister. Damit gehörte die Goldene Rose nicht zu den winzigen Hausbrauereien, die nur für die eigene Gaststube einige Fässer ansetzten. Sie war technisch bereits in einer anderen Welt angekommen: Dampfbetrieb, eigene Eismaschine, elektrische Beleuchtung und Flaschenverkauf sind ausdrücklich verzeichnet.

Besonders aufschlussreich ist dabei eine Bezeichnung, die in einem Düsseldorfer Adressbuch auftaucht. Neuhausen & Hermes wird dort an der Rosenstraße 10/12 als „Düsseldorfer Lagerbier-Brauerei“ geführt.

Und genau das sollten wir uns für unsere Serie dick unterstreichen.

Düsseldorf war nicht immer nur Altbierstadt.

Während das obergärige Bier tief in der lokalen Tradition verankert war, hielten im 19. Jahrhundert zunehmend auch untergärige Lagerbiere Einzug. Ihre Herstellung stellte ganz andere Anforderungen an Kühlung und Lagerung. Dass die Goldene Rose über eine Eismaschine verfügte und sich ausdrücklich als Lagerbier-Brauerei bezeichnete, zeigt, dass man hier bewusst auf diese modernere Brautechnik setzte. Ob das Lagerbier hell oder dunkel war, welche Stammwürze es hatte oder ob daneben weitere Sorten wie Pilsener oder Bock gebraut wurden, lässt sich mit den bislang gefundenen Quellen allerdings nicht sauber belegen. Deshalb bleiben wir an dieser Stelle bei dem, was sicher ist: Lagerbier gehörte zum Kern dieses Düsseldorfer Betriebes.

Gerade diese Spur verändert den Blick auf die alte Bierstadt Düsseldorf. Heute erscheint es beinahe selbstverständlich, dass eine historische Düsseldorfer Brauerei Alt gebraut haben muss. Doch die Wirklichkeit war deutlich vielfältiger. Dieterich-Hoefel bot später Helles, Pilsener und Alt gleichzeitig an. Andere Betriebe brauten Export, Bock oder Lager. Und die Goldene Rose trug das Lagerbier sogar in ihrer offiziellen Firmenbezeichnung.

Aus dem Bierbetrieb entwickelte sich gleichzeitig ein aufwendig ausgestatteter Brauereiausschank. Historische Ansichtskarten zeigen, dass die Goldene Rose weit mehr gewesen sein muss als eine einfache Schankstube. Überliefert sind Aufnahmen eines Weinzimmers, einer sogenannten St.-Hubertus-Ecke und sogar eines Kamins, der auf einer Karte ausdrücklich mit Schloss Jägerhof in Verbindung gebracht wird. Solche Motive wurden auf Postkarten verbreitet – die Goldene Rose präsentierte ihre Räume also ganz bewusst als Sehenswürdigkeit und gesellschaftlichen Treffpunkt.

Man kann sich das Düsseldorf jener Zeit gut vorstellen. Die Stadt wächst, elektrische Beleuchtung und moderne Brautechnik halten Einzug, Bier wird nicht mehr nur direkt neben dem Sudkessel ausgeschenkt, sondern zunehmend in Flaschen vertrieben. Gleichzeitig bleiben die Gaststätten die eigentlichen Wohnzimmer der Stadt. Hier wird gegessen, diskutiert, gefeiert, Karten gespielt und Geschäfte gemacht. Und mitten in dieser Mischung aus Tradition und Moderne steht die Goldene Rose.

Neuhausen & Hermes beschränkten sich offenbar nicht nur auf dieses eine Haus. 1914 ging auch der Schwarze Anker in der Altstadt in den Besitz der Bierbrauerei Neuhausen & Hermes über. Damit zeigt sich, dass hinter der Goldenen Rose ein Unternehmen stand, das auch außerhalb des eigenen Stammhauses gastronomisch präsent war. Biermarke, Brauerei und Gaststättenbesitz begannen sich miteinander zu verbinden – ein Modell, das für größere Brauereien im 20. Jahrhundert immer wichtiger werden sollte.

Noch in den 1920er-Jahren war die Brauerei ein Begriff. Eine erhaltene Sammlerkarte von 1926 wird ausdrücklich als „Brauerei Zur goldenen Rose“ geführt. Postkarten aus den frühen 1930er-Jahren tragen weiterhin diesen Namen. Auf einer Aufnahme von 1931 wird der Ausschank an der Rosenstraße 10/12 gezeigt, andere Karten dokumentieren die erwähnten Gasträume. Die Goldene Rose war also keineswegs ein längst vergessenes Überbleibsel des 19. Jahrhunderts, sondern noch in der Zwischenkriegszeit im Düsseldorfer Stadtleben sichtbar.

Umso interessanter ist eine kleine Korrektur, die 1938 in den Düsseldorfer Heimatblättern erschien. In einem vorherigen Artikel hatte es geheißen, sowohl die Brauerei St. Petrus als auch die vielbesuchte Goldene Rose hätten ihren Betrieb eingestellt. Daraufhin meldete sich ein Leser und stellte klar: Der Braubetrieb der Goldenen Rose war zwar beendet, der „Brauereiausschank zur goldenen Rose“ an der damaligen Wilhelm-Klein-Straße 10/12 – ausdrücklich mit dem Hinweis „früher Rosenstraße“ – bestand jedoch weiterhin.

Mehr noch: Die Gasträume waren kurz zuvor gründlich renoviert worden.

Das ist eine jener kleinen historischen Nachrichten, in denen plötzlich ein ganzer verschwundener Ort wieder lebendig wird. Die Brauerei war verstummt, aber die Menschen saßen weiterhin in den alten Räumen. Vielleicht stand auf manchen Gläsern noch der Name des eigenen Bieres. Vielleicht erzählten Stammgäste bereits damals davon, wie es früher roch, wenn gebraut wurde. Das Sudhaus war Vergangenheit geworden, während die Wirtschaft noch weiterlebte.

Wann genau der letzte Sud angesetzt wurde, lässt sich aus den bisher gefundenen Unterlagen nicht zweifelsfrei bestimmen. Sicher ist nur: Spätestens 1938 war die Brauerei Geschichte, während der Ausschank noch bestand. Genau diese Trennung zwischen Brauerei und Gaststätte war bei vielen historischen Betrieben typisch. Der Name blieb manchmal Jahrzehnte länger im Gedächtnis als das Bier selbst.

Heute ist die Goldene Rose aus dem kollektiven Düsseldorfer Biergedächtnis nahezu verschwunden. Das ist eigentlich erstaunlich. Eine Brauerei mit einer bis 1822 zurückgeführten Geschichte, moderner Dampftechnik, eigener Kühlung, Flaschenvertrieb und einem repräsentativen Ausschank würde man normalerweise zu den bekannteren historischen Betrieben der Stadt zählen.

Doch Geschichte ist ungerecht.

Die Brauereien, die überlebt haben, erzählen ihre Vergangenheit jeden Tag weiter. Ihre Namen stehen über Türen, auf Gläsern und auf Bierdeckeln. Wer dagegen irgendwann den letzten Kessel abstellt, verschwindet langsam aus dem Alltag – und irgendwann weiß selbst in der eigenen Stadt kaum noch jemand, dass es diesen Namen einmal gab.

Vielleicht ist genau deshalb die Goldene Rose eine der wichtigsten Geschichten unserer Serie.

Sie erinnert daran, dass Düsseldorfer Biergeschichte viel größer war als die Handvoll Brauereien, die wir heute noch kennen. Sie erzählt von einer Stadt, in der Altbier neben Lagerbier existierte, in der neue Kühltechnik das Brauen veränderte und in der ein Brauereiausschank gleichzeitig Restaurant, Treffpunkt und ein Stück städtischer Öffentlichkeit war.

Und jetzt seid ihr gefragt: Hat jemand von euch noch etwas zur Goldenen Rose?

Vielleicht eine alte Postkarte, einen Bierdeckel, eine Flasche, ein Etikett, eine Rechnung oder sogar eine Familiengeschichte zur Rosenstraße 10/12? Weiß jemand noch, wann der Ausschank endgültig verschwand? Oder hat jemand ältere Verwandte, die den Namen noch kannten?

Gerade bei dieser Brauerei könnten eure Erinnerungen helfen, eine Geschichte wieder zusammenzusetzen, die Düsseldorf fast vergessen hat.

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