DIETERICH-HOEFEL: ALS DÜSSELDORF NICHT NUR ALT, SONDERN AUCH HELL UND PILS…

☝️🫵👉 DIETERICH-HOEFEL: ALS DÜSSELDORF NICHT NUR ALT, SONDERN AUCH HELL UND PILS…
☝️🫵👉 DIETERICH-HOEFEL: ALS DÜSSELDORF NICHT NUR ALT, SONDERN AUCH HELL UND PILS…

☝️🫵👉 DIETERICH-HOEFEL: ALS DÜSSELDORF NICHT NUR ALT, SONDERN AUCH HELL UND PILS TRANK

Wenn heute von Düsseldorfer Bier die Rede ist, denken die meisten sofort an Alt. Dunkel, obergärig, herb – fertig ist das Bild. Die Geschichte der Brauerei Dieterich-Hoefel zeigt jedoch, wie unvollständig dieses Bild ist. Denn eine der einst bedeutenden Düsseldorfer Großbrauereien warb ausdrücklich mit hellem Bier, Pilsener und Altbier gleichzeitig. Düsseldorf war Bierstadt – aber eben nie nur Altbierstadt.

Die Geschichte beginnt 1868 mit der Brauerei Gebrüder Dieterich. Aus dem zunächst überschaubaren Betrieb entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte ein Unternehmen von beachtlicher Größe. 1896 wurde die Brauerei in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Das Grundkapital betrug damals bereits 1,5 Millionen Mark. Hinter dem Unternehmen standen Karl und Georg Dieterich, und aus einer Familienbrauerei wurde zunehmend ein moderner Industriebetrieb.

Das Herz der Brauerei schlug in Derendorf an der Duisburger Straße. Das Betriebsgelände an den Hausnummern 20 bis 36 umfasste schließlich rund 20.000 Quadratmeter. Wer sich diese Dimension vor Augen führt, versteht, dass wir hier längst nicht mehr über eine kleine Hausbrauerei mit Sudkessel hinter der Gaststube sprechen. Dieterich gehörte zu jener Generation von Brauereien, die Bier für eine schnell wachsende Großstadt industriell produzierten, lagerten und über ein weit verzweigtes Netz eigener und gebundener Gaststätten vertrieben.

Und die Brauerei wuchs weiter.

1918 übernahm Dieterich die Aktienbrauerei und Brennerei Krummenweg vormals F. Unterhössel in Düsseldorf, 1923 folgte die Brauerei W. Schnitzler in Neuss. In den 1930er-Jahren hielt das Unternehmen außerdem Beteiligungen an weiteren Brauereien. Dieterich war mittlerweile sogar börsennotiert.

Parallel dazu existierte in Düsseldorf die Hoefel-Brauerei. Auch sie war kein kleiner Hinterhofbetrieb, sondern eine Aktiengesellschaft und Teil jener industriellen Brauereiwelt, die Düsseldorf zu Beginn des 20. Jahrhunderts geprägt hat. Ab 1934 beziehungsweise 1935 arbeiteten Dieterich und Hoefel zunächst in einer Interessengemeinschaft zusammen. 1938 wurden daraus endgültig die Brauerei Dieterich-Hoefel AG.

Und jetzt wird es für unsere Serie besonders interessant.

Eine zeitgenössische Anzeige von Dieterich-Hoefel aus dem Jahr 1938 nennt gleich mehrere „beliebte und bekömmliche Markenbiere“:

Dieterich’s Ia hell
Hoefel
Jan Wellem Altbier
Dieterich’s Deutsch Pilsener

Allein diese vier Namen räumen mit einem hartnäckigen heutigen Bild auf.

Düsseldorfer tranken Helles.

Und offenbar nicht nur am Rande. Wenn eine große Düsseldorfer Brauerei ihr „Ia hell“ prominent neben Altbier und Pilsener bewarb, gehörte helles Bier selbstverständlich zum Markt. Dazu kam das ausdrücklich als „Deutsch Pilsener“ angebotene Dieterich-Bier. Mit Jan Wellem Altbier hatte man gleichzeitig ein klar als Düsseldorfer Alt positioniertes Produkt im Sortiment.

Was genau sich geschmacklich hinter dem schlicht „Hoefel“ genannten Markenbier verbarg, lässt sich aus den bislang gefundenen Unterlagen nicht eindeutig bestimmen. Deshalb wollen wir hier nichts hineininterpretieren. Sicher ist aber: Dieterich-Hoefel lebte von einem wesentlich breiteren Sortiment, als man es heute mit einer Düsseldorfer Brauerei verbinden würde.

Genau solche Spuren sind einer der Gründe, warum wir diese Serie machen.

Denn die heute beinahe automatische Gleichung Düsseldorf gleich Altbier entstand aus einer langen Entwicklung. Die historische Wirklichkeit war bunter. In Düsseldorf wurden Lagerbiere, helle Biere, Pilsener, Bockbiere und unterschiedliche obergärige Sorten gebraut und getrunken. Manche verschwanden, andere änderten ihren Namen, wieder andere wurden irgendwann vollständig vom Altbier überstrahlt.

Dieterich-Hoefel begegnete den Düsseldorfern aber nicht nur auf Bieretiketten.

Die Brauerei besaß oder belieferte zahlreiche Gaststätten. Eine der bekanntesten war das legendäre Bierhaus Fischl. Um 1910 war die Brauerei Dieterich Eigentümerin des Hauses geworden. Nach seiner Zerstörung im Krieg ließ Dieterich-Hoefel das Fischl wiederaufbauen. Dort saßen später Arbeiter neben Geschäftsleuten, Gepäckträger neben Reisenden, Referendare neben Gerichtsräten.

Und Bier wurde in Mengen ausgeschenkt.

Das Fischl wurde nach dem Krieg zu einem jener Düsseldorfer Lokale, bei denen sich bis heute Geschichten um gigantische Portionen und volle Tische ranken. Das Glas Bier kostete zeitweise 35 Pfennig. Wer damals dort saß, dachte vermutlich nicht darüber nach, dass er gerade Teil einer untergehenden Brauereiwelt war.

Denn nach dem Krieg begann in der deutschen Brauwirtschaft eine gewaltige Konzentration.

Aus selbstständigen Brauereien wurden Gruppen. Marken wurden zusammengelegt, Betriebe übernommen und Produktionsstätten geschlossen. 1969 verband sich Dieterich-Hoefel mit Schwabenbräu zum Düsseldorfer Brauerhaus. Kurz darauf übernahm die Dortmunder Union beziehungsweise der größere Schultheiss-Verbund maßgeblichen Einfluss. In den 1970er-Jahren wurden die Düsseldorfer Aktivitäten von Dieterich-Hoefel, Schwabenbräu und Schlösser schließlich immer stärker zusammengeführt.

Der Name Dieterich-Hoefel verschwand.

Und irgendwann verschwand auch etwas anderes: das Wissen darum, wie groß und vielfältig diese Brauerei einmal gewesen war.

Heute werden bei Düsseldorfer Brauereigeschichte meist Uerige, Schumacher, Füchschen oder Schlüssel genannt. Völlig zu Recht – sie haben überlebt. Aber genau deshalb geraten Unternehmen wie Dieterich-Hoefel leicht aus dem kollektiven Gedächtnis.

Dabei erzählen gerade sie eine zweite Geschichte des Düsseldorfer Bieres.

Nicht die Geschichte des kleinen Brauhauses mit Kupferkessel und Köbes.

Sondern die Geschichte der Brauereifabriken, Bierwagen, großen Lagerkeller, eigenen Gaststätten und Tausender Gläser, die täglich in einer wachsenden Industriestadt ausgeschenkt wurden.

Und sie erinnert uns daran, dass ein Düsseldorfer vor 90 Jahren durchaus sagen konnte:

Heute nehme ich ein Helles.

Oder ein Pils.

Oder eben ein Jan Wellem Alt.

Wer von euch erinnert sich noch an Dieterich-Hoefel? Kennt jemand alte Flaschen, Gläser, Bierdeckel oder Reklameschilder mit Jan Wellem Alt, Dieterich’s Ia hell, Hoefel oder Deutsch Pilsener? Und gibt es in euren Familien noch Erinnerungen an Dieterich-Gaststätten oder das Bierhaus Fischl?

Schaut ruhig einmal in alte Kellerschränke, Sammlungen und Fotoalben.

Bei einer Brauerei dieser Größe muss irgendwo in Düsseldorf noch eine ganze Menge Geschichte herumliegen.

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