
☝️🫵👉 KURZ VOR DEM 400. GEBURTSTAG: DAS SCHIFFCHEN SOLL WIEDER FAHRT AUFNEHMEN
Wer derzeit durch die Hafenstraße geht, sieht Gerüste statt Köbesse und Baustelle statt Brauhausbetrieb. Seit September 2024 ist das traditionsreiche „Zum Schiffchen“ geschlossen. Nun wird an dem historischen Ensemble sichtbar gearbeitet. Der Eigentümer will das Haus grundlegend modernisieren und die Gastronomie zurückbringen. Nur eines steht inzwischen ebenfalls fest: Der Neustart braucht länger als ursprünglich geplant. Damit beginnt für eine der ältesten gastronomischen Adressen Düsseldorfs ein weiteres Kapitel in einer Geschichte, die bereits mehrfach beinahe zu Ende gewesen wäre.
Die Spur des Schiffchens führt bis ins Jahr 1628 zurück. Damals lag dieser Teil Düsseldorfs ganz anders zum Rhein als heute. Am Ende des damaligen Berger Hafens und nahe der Stadtbefestigung erhielt Wilhelm Hütten die Erlaubnis, eine Schankwirtschaft zu betreiben. Der Name „Zum Schiffchen“ war deshalb keineswegs romantische Dekoration, sondern passte ganz selbstverständlich zu einem Ort, an dem Hafen, Schiffer und Warenverkehr zum Alltag gehörten. Düsseldorf Tourismus führt das Schiffchen heute als ältestes Speiselokal der Stadt, und auch das Stadtarchiv liefert einen bemerkenswerten Fixpunkt: Am 1. Mai 1928 wurde offiziell das 300-jährige Bestehen der Brauerei „Zum Schiffchen“ gefeiert. 2028 würde diese Tradition folglich ihren 400. Geburtstag erreichen.
Dabei ist eine Unterscheidung wichtig: Nicht das heutige Gebäude steht unverändert seit 1628 in der Hafenstraße. Das Schiffchen hat in seinen knapp vier Jahrhunderten Zerstörung und Wiederaufbau erlebt. 1794 wurde das Haus beim Beschuss Düsseldorfs zerstört und anschließend wieder aufgebaut. Auch der Zweite Weltkrieg hinterließ schwere Schäden. Nach dem Krieg entstand das Ensemble erneut in historisierender Form, 1949 öffnete das Schiffchen wieder seine Türen. Was heute so selbstverständlich alt wirkt, ist deshalb selbst bereits Teil mehrerer Schichten Düsseldorfer Stadtgeschichte.
Auch große Namen gehören zur Überlieferung des Hauses. Napoleon soll während seines Aufenthalts in Düsseldorf 1811 hier eingekehrt sein, ebenso wird Heinrich Heine zu den Gästen gezählt. In späteren Jahrzehnten kamen Politiker, Künstler, Sportler und internationale Gäste hinzu. Entscheidend für die Bedeutung des Schiffchens waren aber nie nur berühmte Namen. Es war vor allem die Mischung aus dunklem Holz, rheinischer Küche, Altbier, Köbes und jener besonderen Brauhausatmosphäre, die für Generationen von Düsseldorfern ebenso zum Haus gehörte wie für Besucher der Stadt.
Nach dem Krieg entwickelte sich das Schiffchen erneut zu einer der bekannten gastronomischen Adressen der Altstadt. 1981 übernahm sogar die Stadt Düsseldorf Haus und Restaurant. Ein zeitgenössischer Bericht der Düsseldorfer Jonges begrüßte den Schritt ausdrücklich, weil damit nicht nur ein beliebtes Lokal, sondern ein Stück des historischen Stadtbildes gesichert wurde. Später gelangte die Immobilie wieder in private Hand. Dass das Haus irgendwann grundlegend saniert werden musste, kam nicht überraschend. Alter Gebäudebestand, jahrzehntelange gastronomische Nutzung und die Anforderungen an moderne Technik lassen sich auf Dauer nicht mit ein paar Eimern Farbe lösen.
Im Herbst 2024 war deshalb zunächst Schluss. Der Eigentümer kündigte eine umfassende Sanierung und Investitionen im siebenstelligen Bereich an. Nicht nur die Gastronomie, sondern das gesamte Gebäude sollte für die Zukunft neu aufgestellt werden. Dazu gehören nach den bislang bekannt gewordenen Planungen auch Veränderungen in den oberen Geschossen. Gleichzeitig soll gerade das erhalten bleiben, was das Schiffchen unverwechselbar macht: der Charakter eines historischen Düsseldorfer Wirtshauses. Ein modernes Restaurant hinter einer beliebigen Fassade wäre an dieser Stelle schließlich zu wenig.
Die Arbeiten haben allerdings deutlich mehr Zeit benötigt als zunächst erwartet. Zwischenzeitlich war eine Rückkehr des gastronomischen Betriebs im Laufe des Jahres 2026 im Gespräch. Inzwischen ist klar, dass sich die Wiedereröffnung weiter verzögert. Einen belastbaren Termin, an dem in der Hafenstraße tatsächlich wieder Alt über den Tresen geht und Essen aus der Küche kommt, gibt es derzeit nicht. Auch die Frage, wer den traditionsreichen Betrieb künftig dauerhaft führen wird, sollte erst dann als beantwortet gelten, wenn Betreiber und Eigentümer dies verbindlich bekanntgeben.
Vielleicht passt selbst diese Verzögerung ein wenig zur Geschichte des Schiffchens. Dieses Haus hat französischen Beschuss, Krieg, Wiederaufbau, Eigentümerwechsel und zahllose Veränderungen Düsseldorfs erlebt. Seine eigentliche Konstante war nie ein bestimmter Putz, ein bestimmter Gastraum oder eine einzelne Betreiberfamilie, sondern die Tatsache, dass an diesem Ort immer wieder gastronomisches Leben zurückkehrte.
2028 wird die Düsseldorfer Schiffchen-Tradition 400 Jahre alt. Bis dahin sind es nur noch knapp zwei Jahre. Es wäre deshalb weit mehr als die Wiedereröffnung irgendeines Restaurants, wenn an der Hafenstraße wieder die Türen aufgehen. Es wäre die Fortsetzung einer Düsseldorfer Geschichte, die 1628 am alten Hafen begann – und die offensichtlich noch lange nicht zu Ende erzählt ist.
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