
🔴⚪ FORTUNA DREHT WIEDER AUF: AUSWÄRTSSIEG MIT HERZ – UND DEUTLICHEN SCHWÄCHEN
Wieder zurückgelegen, wieder zurückgekommen, wieder gemeinsam gejubelt: Fortuna nimmt aus Regensburg drei Punkte mit, die nach dem Derbysieg gegen Duisburg besonders gut schmecken. Das 1:2 beim SSV Jahn bringt den zweiten Ligaerfolg hintereinander und zehn Punkte aus den vergangenen vier Ligaspielen. Für die mehr als 1.000 mitgereisten Düsseldorfer war dieser Dienstagabend die nächste Belohnung für ihre Treue. Allerdings erzählt das Ergebnis nur einen Teil der Geschichte. Fortuna zeigte Widerstandskraft, nutzte ihre Möglichkeiten und gewann durch einen weiteren entscheidenden Impuls von der Bank. Spielerisch blieb sie über weite Strecken erheblich hinter dem zurück, was diese Mannschaft leisten kann.
Schon der Beginn lieferte Anlass zur Kritik. Nach einer Regensburger Ecke durfte Nassim Boujellab zweimal gefährlich abschließen; Eric Hottmann rettete beim ersten Versuch auf der Linie. Fortuna fand gegen das aggressive Anlaufen der Gastgeber zu selten Sicherheit. In der 18. Minute folgte die Quittung: Ein Ballverlust im Aufbau eröffnete dem Jahn den Angriff zur Führung, Boujellab vollendete unhaltbar für Louis Lord. Wer kontrolliert von hinten herausspielen möchte, muss unter Druck präzise passen und rechtzeitig Lösungen anbieten. Daran fehlte es. Fortuna machte den Gegner durch eigene Fehler stark und setzte ihre Defensive unnötig unter Zugzwang.
Umso bemerkenswerter fiel die Antwort aus. In der 22. Minute kombinierte sich Düsseldorf vom eigenen Strafraum bis nach vorne durch, Steven van der Sloot flankte von rechts und Erik Wekesser köpfte am langen Pfosten zum Ausgleich ein. Ausgerechnet die beiden neu in die Startelf gerückten Außenverteidiger lieferten das Zusammenspiel für diesen sehenswerten Treffer. Darin steckte die überzeugendste sportliche Botschaft des Abends: Fortunas Spielidee kann funktionieren, wenn Passschärfe, Bewegung und Timing zusammenpassen. Genau deshalb darf dieser Angriff auch als Maßstab dienen. Die Mannschaft hat die Qualität, sich aus Drucksituationen zu befreien und daraus gefährlich zu werden. Sie zeigt sie nur noch viel zu selten am Stück.
Denn aus dem schnellen Ausgleich entstand keine anhaltende Düsseldorfer Überlegenheit. Die Partie verlor an Tempo, nach der Pause fehlten beiden Mannschaften häufig der entscheidende Pass und die Durchschlagskraft. Regensburg kam unter anderem durch Adrian Fein und Oscar Schönfelder zu Abschlüssen ans Außennetz. Fortuna wiederum schaffte es lange nicht, dem Spiel einen verlässlichen Rhythmus zu geben. Unsere Analyse fällt deshalb deutlich aus: Zu viele Angriffe scheiterten bereits an ihrer Vorbereitung. Wer den Ball immer wieder unsauber weiterspielt, nimmt den eigenen Offensivspielern Zeit und Möglichkeiten. Der schöne Ausgleich blieb zu lange eine einzelne gelungene Sequenz, statt der Beginn eines überzeugenden Auftritts zu werden.
Alexander Ende reagierte mit frischen Kräften und bewies erneut ein gutes Gespür. Matthias Zimmermann, Jomaine Consbruch und Fabian Schleusener kamen nach knapp einer Stunde, später folgte Lukas Eixler. Consbruch brachte zusätzliche Gefahr, vergab allerdings auch eine gute Gelegenheit nach einem Zuspiel von Jorrit Hendrix. Den entscheidenden Moment nutzte schließlich Eixler rund zehn Minuten vor Schluss: Der Ball gelangte durch die Regensburger Abwehr zu ihm, er blieb vor Torwart Hannes Hermann ruhig und traf zum Sieg. Dazu gehörte ein günstiger Ballverlauf, aber ebenso ein entschlossener Lauf und ein überlegter Abschluss. In einer engen Partie machte genau diese Mischung den Unterschied.
Die Stimmen danach passten zu diesem zweigeteilten Bild. Ende lobte die Wirkung seiner Einwechselspieler, benannte aber ausdrücklich die vielen kleinen Fehler, die Fortunas Rhythmus unterbrechen. Wekesser hob den Zusammenhalt hervor; Eixler freute sich über seinen Beitrag und das gemeinsame Feiern mit den Fans. Auf der Gegenseite erklärte Trainer Sascha Hildmann, das hohe Pressing habe Düsseldorfs Aufbau erfolgreich gestört. Jahn-Kapitän Felix Strauss beklagte die entscheidenden Unachtsamkeiten seines Teams. Das ist eine wichtige Einordnung: Fortuna gewann gegen einen Gegner, der ihr erhebliche Probleme bereitete und keineswegs chancenlos war.
Diesen Erfolg kleinzureden wäre trotzdem falsch. Düsseldorf hielt den Rückstand aus, antwortete schnell und ließ nach dem Führungstreffer keinen erfolgreichen Gegenschlag mehr zu. Die Bank liefert, die Mannschaft bleibt an sich dran, und aus schwierigen Spielen werden inzwischen Siege. Das verdient Anerkennung. Ebenso klar bleibt der Auftrag: weniger vermeidbare Ballverluste, mehr zusammenhängende gute Angriffe und größere Sicherheit gegen frühes Pressing. Am Samstag in Aachen braucht Fortuna davon deutlich mehr. Heute darf sie sich erst einmal über einen hart erarbeiteten Auswärtssieg freuen – und darüber, dass ihre Fans wieder mit berechtigter Zuversicht nach vorne schauen können.
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