
☝️🫵👉 HOLTHAUSEN HAT NEUE MAJESTÄTEN – EIN SCHÜTZENFEST MIT BESONDERER GESCHICHTE
Vier Tage Schützenfest liegen hinter Holthausen – und diesmal passte selbst der Kalender zur Geschichte. Vom 4. bis 7. September feierte der St. Sebastianus Schützenverein Düsseldorf-Holthausen 1925 sein 100. Schützenfest. Genau ein Jahrhundert zuvor, vom 4. bis 7. September 1926, hatte der damals junge Verein sein erstes Schützenfest veranstaltet. Dass die Festtage 2026 wieder exakt auf diese Daten fielen, gab einem ohnehin besonderen Schützenjahr eine seltene historische Klammer.
Dabei zeigte Holthausen einmal mehr, dass ein Schützenfest im Veedel weit mehr sein kann als Festzug und Parade. Schon am Freitag öffnete sich das Fest mit dem Seniorenvormittag bewusst in den Stadtteil hinein, bevor am Abend mit der 80er- und 90er-Party ein deutlicher Generationenwechsel im Festzelt folgte. DJ Theo Fitsos und die Big Maggas sorgten für einen ausgelassenen Auftakt. Am Samstag rückte dann das traditionelle Brauchtum stärker in den Mittelpunkt: Auf den Kirchgang folgte der Große Zapfenstreich auf dem Kirchenvorplatz, ehe beim Ball der Könige gefeiert und der neue Bürgerkönig proklamiert wurde. Für zusätzliche Stimmung sorgten am Abend die Swinging Funfares.
Der große Schützenfestsonntag gehörte zunächst noch den Majestäten des vergangenen Schützenjahres. Regimentskönigin Sabrina Herbst und ihr Königsgemahl Sebastian Nitschke nahmen gemeinsam mit dem bisherigen Nachwuchsthron Abschied von ihrer Regentschaft. Zur königlichen Familie gehörten Regimentsprinzessin Emilia-Marie Praß, das Schülerprinzenpaar Fabian und Lena Roßmann sowie Pagenkönigin Laura-Sofie Lempka. In den Kutschen ging es durch Holthausen, während die Uniformierten in zwei Bataillonen und begleitet von zahlreichen Musikern durch den Stadtteil zogen.
An der Henkelstraße warteten mehrere hundert Zuschauer auf die Parade. Gerade dort wurde sichtbar, welchen Stellenwert das Schützenfest nach einem Jahrhundert noch immer im Stadtteil besitzt. Einen besonderen Holthausener Akzent setzten die drei Tanzgarden der KG Räbbelche: Die Verbindung von Sommer- und Winterbrauchtum gehört im Düsseldorfer Süden längst zum vertrauten Bild, und die Tänzerinnen wurden für ihre Radschläge während der Parade mit entsprechendem Applaus bedacht.
Am Sonntagabend begann schließlich ein neues Kapitel. Neuer Regimentskönig der Holthausener Sebastianer ist Christoph Groth. An seiner Seite steht Königin Jasmin Markwart. Zur neuen Regimentsprinzessin wurde Angelina-Sophie Prass gekrönt, begleitet von Prinzgemahl Kewin Milan. Für Angelina-Sophie Prass ist das Holthausener Königshaus kein unbekanntes Terrain: Sie war zuvor bereits als Adjutantin der Regimentsprinzessin Emilia-Marie Praß im Einsatz. Nun gehört sie selbst zu den höchsten Repräsentanten des Schützennachwuchses.
Mit der Krönung wechselten nicht einfach nur Namen und Schärpen. Ein solcher Moment gehört zum Kern des Schützenwesens: Ein Königshaus verabschiedet sich nach einem Jahr voller Termine, Besuche und Verpflichtungen, ein neues übernimmt Verantwortung und wird den Verein bis zum nächsten Schützenfest bei zahlreichen Anlässen vertreten. Hinter den sichtbaren Höhepunkten im Festzelt steckt dabei viel ehrenamtliche Arbeit, die sich über das gesamte Jahr verteilt.
Am Montag wurde es zum Abschluss noch einmal typisch Holthausen. Der traditionelle Klompenball setzte den Schlusspunkt unter vier Festtage und damit zugleich unter das 100. Schützenfest des Vereins. Aus Uniformschuhen wurden Holzschuhe, aus dem zeremoniellen Teil des Wochenendes ein geselliger Ausklang. Gerade dieser Wechsel zwischen Tradition und ungezwungenem Feiern gehört seit vielen Jahren zur besonderen Atmosphäre des Holthausener Festes.
Bemerkenswert bleibt vor allem der Blick zurück. Als der Verein 1925 gegründet wurde, musste für das erste Schützenfest zunächst vieles überhaupt geschaffen werden. Die erste Königskette entstand aus altem Silbergeld, das unter den Mitgliedern gesammelt worden war. Als im September 1926 schließlich erstmals gefeiert wurde, säumten nach der überlieferten Vereinschronik bereits zahlreiche Menschen die Straßen. Wilhelm Strobel aus der Gesellschaft Hubertus wurde damals erster Schützenkönig.
Hundert Jahre später standen wieder Menschen am Straßenrand, Musik zog durch Holthausen und ein neues Königshaus übernahm die Regentschaft. Vieles hat sich seit 1926 verändert. Geblieben ist jedoch der Anspruch, das Schützenfest nicht ausschließlich für die eigenen Mitglieder zu feiern, sondern mitten im Stadtteil. Genau darin liegt vermutlich der wichtigste Grund, warum dieses Brauchtum auch nach einem Jahrhundert noch funktioniert: Es lebt nicht allein von Traditionen, sondern von Menschen, die sie gemeinsam weitertragen.
Für Christoph Groth und Jasmin Markwart sowie Angelina-Sophie Prass und Kewin Milan beginnt nun ihr Jahr als Holthausener Majestäten. Das 100. Schützenfest ist Geschichte – das nächste Kapitel des inzwischen 101 Jahre alten Vereins hat bereits begonnen.
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