
🔴⚪ DREI VERTRÄGE BIS 2029 – ABER WO IST DER PLAN?
Das deutsche Transferfenster ist geschlossen. Kilian Sauck, Noah Egouli und Levi Mentzel sind weiterhin Spieler von Fortuna Düsseldorf. Was zunächst wie eine gewöhnliche Randnotiz des Deadline Days wirkt, legt bei genauerem Hinsehen ein grundsätzliches Problem offen: Fortuna hat drei hochveranlagte Nachwuchsspieler langfristig gebunden, ihre Entwicklung öffentlich zur Zukunftsstrategie erklärt – und steht nun offenbar ohne überzeugenden Plan für ihre nächsten Schritte da.
Alle drei besitzen Verträge bis zum Sommer 2029. Doch ein langfristiger Vertrag ist noch lange keine Perspektive. Er schützt zunächst den wirtschaftlichen Wert eines Spielers und bindet ihn an den Verein. Entscheidend ist jedoch, was anschließend geschieht: Wo soll er spielen? Auf welchem Niveau soll er sich entwickeln? Welche Rolle ist für ihn vorgesehen? Und wer trägt die Verantwortung, wenn zwischen öffentlichem Versprechen und sportlicher Wirklichkeit plötzlich eine immer größere Lücke entsteht?
Am deutlichsten zeigt sich dieser Widerspruch bei Kilian Sauck. Erst im Februar verpflichtete Fortuna den damals 18 Jahre alten Offensivspieler von Borussia Mönchengladbach. Der Verein sprach von starken Anlagen, großem Entwicklungspotenzial, mutigem Tempodribbling und der Fähigkeit, im letzten Drittel Chancen zu kreieren. Das waren keine beiläufigen Worte. Sauck kam als ehemaliger deutscher U19-Nationalspieler und Träger der Fritz-Walter-Medaille in Silber. Fortuna präsentierte ihn als Investition in die Zukunft.
Nur sieben Monate später wirkt diese Zukunft erstaunlich weit entfernt. In der vergangenen Zweitligasaison kam Sauck lediglich auf 28 Einsatzminuten. In der neuen Drittligasaison spielte er bislang ebenfalls keine Rolle, beim 1:0 gegen den VfB Stuttgart II gehörte er nicht zum Spieltagskader. Medienberichten zufolge sollte er den Verein verlassen, ernsthafte Bewegung entstand jedoch nicht. Damit droht einem Spieler, der vor wenigen Monaten noch als großes Versprechen vorgestellt wurde, mindestens bis zum Winter die sportliche Warteschleife.
Auch bei Noah Egouli passen Anspruch und Wirklichkeit nur schwer zusammen. Im Mai stattete Fortuna den 20 Jahre alten und 2,05 Meter großen Innenverteidiger mit seinem ersten Profivertrag aus. Der Verein bezeichnete ihn gemeinsam mit Mentzel ausdrücklich als Beispiel für die gute Arbeit des Nachwuchsleistungszentrums. Egouli hatte bereits 25 Einsätze in der Regionalliga West absolviert und sollte nach der Sommervorbereitung den nächsten Schritt machen.
Stattdessen wurde zuletzt über eine Leihe gesprochen. Der FSV Zwickau und der Bonner SC sollen Interesse gezeigt haben. Eine Einigung kam offenbar nicht zustande, wobei nach Medieninformationen auch die Aufteilung seines Gehalts eine Rolle gespielt haben soll. Sollte eine sportlich sinnvolle Leihe tatsächlich an einer überschaubaren finanziellen Differenz gescheitert sein, müsste sich Fortuna fragen lassen, welchen Wert die eigene Nachwuchsstrategie in der Praxis besitzt. Ein Talent langfristig zu binden, ihm aber ausgerechnet bei der Suche nach notwendiger Spielpraxis keinen tragfähigen Weg zu eröffnen, wäre schwer nachvollziehbar.
Etwas differenzierter ist die Lage bei Levi Mentzel. Der gebürtige Düsseldorfer, in Flingern aufgewachsen und zuletzt Kapitän der U19, erhielt ebenfalls einen Profivertrag bis 2029. Anders als teilweise berichtet, war Mentzel beim Sieg gegen Stuttgart II nicht vollständig außen vor. Er gehörte zum offiziellen Spieltagskader und saß auf der Bank. Das ist noch kein Durchbruch, aber zumindest ein kleines Zeichen dafür, dass die Tür zur ersten Mannschaft nicht vollständig geschlossen sein muss.
Gleichzeitig ist seine Situation komplizierter geworden. Mit Lukas Bornschein hat Fortuna einen weiteren Innenverteidiger verpflichtet. Vor Mentzel stehen mehrere erfahrene oder bereits etablierte Konkurrenten. Interesse soll es aus Österreich geben, wo das Transferfenster noch bis Donnerstag um 17 Uhr geöffnet ist. Eine offizielle Einigung existiert bislang jedoch nicht. Für Mentzel bleibt deshalb die Frage, ob Fortuna ihn wirklich an den Profikader heranführen will oder ob auch er seine Entwicklung andernorts fortsetzen soll.
Natürlich kann die U23 allen drei Spielern Einsatzzeit ermöglichen. Doch nach dem Abstieg spielt Fortunas zweite Mannschaft nur noch in der fünftklassigen Oberliga Niederrhein. Für einen jungen Spieler kann auch dieses Niveau wertvoll sein. Es darf jedoch nicht zur bequemen Dauerlösung für Profis werden, deren Verträge und ursprüngliche Perspektiven auf deutlich mehr ausgerichtet waren. Gerade in diesem Alter ist regelmäßiger Fußball wichtig – aber ebenso wichtig sind Trainingsqualität, Herausforderung und eine erkennbare Entwicklung hin zum Profibereich.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Nachwuchsspielern Einsatzzeiten zu schenken. Ein Stammplatz bei Fortuna muss verdient werden. Alexander Ende trägt die Verantwortung für die Leistung der Mannschaft und darf seine Aufstellung nicht nach Geburtsurkunden oder Vertragslaufzeiten bestimmen. Wenn ein Spieler den sportlichen Anforderungen nicht genügt, muss ein Trainer darauf reagieren dürfen.
Doch genau deshalb ist die Kaderplanung gefordert. Erkennt der Verein, dass ein Talent aktuell noch nicht weit genug ist, braucht es eine passende Leihe. Glaubt er grundsätzlich nicht mehr an dessen Entwicklung, muss er eine saubere Trennung ermöglichen. Sieht er weiterhin eine Perspektive, muss er einen konkreten Weg aufzeigen. Was nicht funktionieren darf, ist die Zwischenlösung: langfristig binden, öffentlich loben, sportlich aussortieren und anschließend darauf hoffen, dass sich irgendwann ein Abnehmer findet.
Hinzu kommt eine besondere Verantwortung des Vereins. Sauck wurde noch von der vorherigen sportlichen Führung verpflichtet, Noah Egouli und Mentzel erhielten ihre Profiverträge ebenfalls vor dem großen personellen Umbruch. Neue Verantwortliche dürfen selbstverständlich zu neuen Bewertungen gelangen. Aber interne Wechsel entbinden Fortuna nicht von den Zusagen und Erwartungen, die der Verein selbst geschaffen hat. Junge Spieler dürfen nicht zu Kollateralschäden wechselnder Strategien werden.
Jetzt liegt der Ball bei Samir Arabi und Alexander Ende. Beide müssen zeigen, dass hinter dem viel beschworenen Neuaufbau mehr steckt als die Verpflichtung zahlreicher neuer Spieler. Nachwuchsförderung beweist sich nicht in Pressemitteilungen und Vertragsfotos. Sie beweist sich dann, wenn die sportliche Situation schwierig wird und der Verein trotzdem einen glaubwürdigen Entwicklungsweg organisiert.
Für Sauck, Noah Egouli und Mentzel muss es deshalb spätestens bis zum Winter klare Antworten geben. Entweder sie erhalten eine faire und leistungsbezogene Chance bei den Profis, oder Fortuna ermöglicht ihnen eine Leihe, die sie sportlich wirklich weiterbringt. Drei Verträge bis 2029 sind kein Zukunftskonzept. Sie sind lediglich drei Unterschriften unter der Verpflichtung, Verantwortung zu übernehmen.
Wie seht ihr die Situation? Muss Fortuna den drei Talenten eine echte Chance geben – oder war die Entscheidung richtig, ihnen einen Wechsel nahezulegen?
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