LUKAS BORNSCHEIN, FILIMON GEREZGIHER UND FLORIAN KASTENMEIER

🔴⚪ LUKAS BORNSCHEIN, FILIMON GEREZGIHER UND FLORIAN KASTENMEIER
🔴⚪ LUKAS BORNSCHEIN, FILIMON GEREZGIHER UND FLORIAN KASTENMEIER

🔴⚪ LUKAS BORNSCHEIN, FILIMON GEREZGIHER UND FLORIAN KASTENMEIER

Kurz vor dem Ende der Transferperiode hat Samir Arabi die beiden Baustellen bearbeitet, über die bei Fortuna zuletzt am meisten gesprochen wurde. Für die Innenverteidigung kommt Lukas Bornschein vom VfL Osnabrück, für mehr Geschwindigkeit und Eins-gegen-eins-Qualität in der Offensive wurde Filimon Gerezgiher von der SV Elversberg verpflichtet. Interessant ist dabei, dass Fortuna zwei völlig unterschiedliche Profile gewählt hat: Bornschein ist erst 21 Jahre alt und ein klassischer Entwicklungsspieler, Gerezgiher mit 26 bereits deutlich erfahrener und vor allem wegen einer ganz bestimmten Qualität geholt worden – Tempo. Und während in Düsseldorf die letzten Puzzleteile des neuen Kaders eingesetzt werden, könnte sich ausgerechnet für einen alten Bekannten noch am letzten Transfertag eine interessante Tür öffnen: Florian Kastenmeier wird inzwischen mit Feyenoord Rotterdam in Verbindung gebracht.

Lukas Bornschein ist zunächst einmal kaum zu übersehen. 1,96 Meter groß, Innenverteidiger, körperlich stark und trotzdem keineswegs der klassische unbewegliche Abwehrturm. Der gebürtige Hamburger wurde seit 2013 praktisch vollständig beim HSV ausgebildet, durchlief dort die Nachwuchsmannschaften und arbeitete sich schließlich in die U23 vor. Für die zweite Mannschaft des HSV absolvierte er 75 Regionalligaspiele, erzielte vier Tore und übernahm trotz seines jungen Alters bereits Verantwortung – elfmal führte er das Team sogar als Kapitän aufs Feld. Hinzu kommen fünf Einsätze für die deutsche U19-Nationalmannschaft. Im Sommer wechselte Bornschein zum Zweitliga-Aufsteiger VfL Osnabrück, schaffte dort jedoch zunächst nicht den Sprung in die Mannschaft und wird nun für eine Saison an Fortuna ausgeliehen, um genau jene Spielpraxis zu bekommen, die ihm in Osnabrück derzeit fehlt. Seine Qualitäten passen auf dem Papier ziemlich genau zu Fortunas Bedarf nach der Verletzung von Felix Meiser: Bornschein ist kopfballstark, athletisch, besitzt für seine Größe ein ordentliches Tempo und gilt als klarer, konzentrierter Spieler im Aufbau. Gleichzeitig sollte niemand erwarten, dass hier bereits der fertige Zweitliga-Innenverteidiger angekommen ist. Bornschein hat bislang noch kein Ligaspiel im Profifußball absolviert. Fortuna leiht also keinen routinierten Feuerwehrmann aus, sondern einen hochinteressanten jungen Verteidiger, dem nun erstmals der Schritt aus der Regionalliga in den echten Profialltag gelingen soll. Genau darin liegt das Risiko – aber ebenso die Chance.

Filimon Gerezgiher ist dagegen ein vollkommen anderer Spielertyp. Der 26-Jährige wurde in Stuttgart geboren und musste sich seinen Weg in den Profifußball über viele kleinere Stationen erarbeiten. MTV Stuttgart, SGV Freiberg und der SV Sandhausen gehörten zu seiner Ausbildung, anschließend ging es über Wormatia Worms und den FSV Bissingen zur zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart. Der ganz große Durchbruch gelang dort zunächst nicht, dafür anschließend beim SGV Freiberg. Gerade in der Saison 2023/24 machte Gerezgiher in der Regionalliga Südwest mit neun Treffern in 32 Spielen auf sich aufmerksam und empfahl sich damit für die 2. Bundesliga. Elversberg griff zu, dort kam er in seiner ersten Saison auf 19 Zweitligaeinsätze mit einem Tor und einer Vorlage. Die meisten davon absolvierte er allerdings als Einwechselspieler. In der vergangenen Saison wurde er deshalb zum FC Emmen in die niederländische zweite Liga verliehen, wo er regelmäßiger spielte und in 26 Einsätzen zwei Treffer erzielte und zwei weitere vorbereitete. Diese Zahlen sind solide, aber noch nicht spektakulär. Der Grund für seine Verpflichtung liegt ohnehin weniger in seiner bisherigen Torquote als in seinem Spielprofil: Gerezgiher ist extrem schnell, explosiv, technisch ordentlich und sucht konsequent das direkte Duell. Genau so einen Spieler hat Fortuna bislang kaum im Kader. Einen Mann, der außen wirklich breit bleibt, seinen Gegenspieler attackiert, mit Tempo vorbeigehen und anschließend Räume für Schleusener, Hottmann oder nachrückende Mittelfeldspieler öffnen kann. Elversberg und Gerezgiher lösten den ursprünglich noch laufenden Vertrag auf, sodass er ablösefrei nach Düsseldorf kommt, bis 2028 unterschreibt und die Nummer 23 erhält. Das ist kein großer Name und kein Transfer, der allein wegen seiner Vita Begeisterungsstürme auslösen wird. Aber möglicherweise ist es genau deshalb ein ziemlich interessanter Deal: Fortuna verpflichtet hier keine Vergangenheit, sondern eine ganz konkrete Fähigkeit, die dieser Mannschaft bisher gefehlt hat.

Damit bekommt Arabis Transferfinale zumindest eine erkennbare Logik. Für die verletzungsbedingt dünner gewordene Innenverteidigung kommt mit Bornschein ein 21-Jähriger, der körperliche Voraussetzungen, Tempo und Entwicklungspotenzial mitbringt. Für die Offensive kommt mit Gerezgiher ein Spieler, der genau jene Geschwindigkeit und Eins-gegen-eins-Stärke besitzt, nach der Fortuna gesucht hat. Beide müssen allerdings etwas beweisen. Bornschein muss zeigen, dass der Sprung von der Regionalliga in die 3. Liga für ihn nicht zu früh kommt. Gerezgiher wiederum muss aus seinen auffälligen Aktionen häufiger Tore und Vorlagen machen. Gerade bei ihm wird interessant sein, ob Fortuna aus einem Spieler, der bislang immer wieder zwischen Regionalliga, Ersatzrolle und Leihe unterwegs war, einen konstanten Leistungsträger formen kann. Rein vom Profil her sind die beiden Transfers jedenfalls deutlich nachvollziehbarer als irgendein prominenter Name, der nur deshalb verpflichtet wird, weil er am letzten Tag plötzlich auf dem Markt verfügbar ist.

Und dann wäre da noch Florian Kastenmeier. Der ehemalige Fortuna-Kapitän ist seit seinem Abschied im Sommer weiterhin vereinslos, obwohl zwischenzeitlich Werder Bremen, Hannover, Hertha BSC, Wolfsburg und sogar Como als mögliche Ziele gehandelt wurden. Nun kommt Bewegung aus den Niederlanden hinein. Nach aktuellen Berichten beschäftigt sich Feyenoord Rotterdam mit dem 29-Jährigen. Der niederländische Spitzenklub sucht offenbar noch einen erfahrenen Torhüter hinter Tjark Ernst, der in diesem Sommer von Hertha BSC nach Rotterdam gewechselt ist. Genau hier liegt allerdings die interessante Pointe: Kastenmeier verließ Fortuna ausdrücklich mit dem Wunsch, sportlich noch einmal den nächsten Schritt zu machen und in einer höheren Liga zu spielen. Feyenoord wäre hinsichtlich Klubgröße, internationaler Bühne und sportlichem Niveau zweifellos ein gewaltiger Schritt – vorgesehen wäre er nach aktuellem Stand aber offenbar zunächst als Nummer zwei. Noch handelt es sich lediglich um ein Gerücht aus niederländischen Medien und keineswegs um einen vollzogenen Transfer. Sollte es dazu kommen, wäre es dennoch eine ziemlich bemerkenswerte Wendung: sieben Jahre Fortuna, 228 Pflichtspiele, Kapitän – und anschließend möglicherweise Rotterdam. Nur eben nicht als unumstrittene Nummer eins, sondern als erfahrener Herausforderer hinter einem deutschen Keeper.

Für Fortuna ist der Blick inzwischen ohnehin nach vorne gerichtet. Bornschein und Gerezgiher schließen auf dem Papier zwei der letzten erkennbaren Lücken. Jetzt beginnt der schwierigere Teil: Aus inzwischen sehr vielen neuen Spielern tatsächlich eine Mannschaft zu machen. Gerade deshalb werden die kommenden Wochen zeigen, ob Arabi zum Ende des Transfersommers noch zwei passende Puzzleteile gefunden hat – oder lediglich zwei weitere Namen für einen ohnehin schon gewaltig umgebauten Kader.

Was haltet ihr von den beiden? Ist Bornschein genau die junge Lösung, die wir zuletzt immer wieder gefordert haben? Kann Gerezgihers Tempo Fortunas Offensivspiel tatsächlich verändern? Und wie würdet ihr einen möglichen Wechsel von Florian Kastenmeier als Nummer zwei zu Feyenoord Rotterdam bewerten?

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